Wenn man über die Feldküche berichten möchte, weiß man nicht, was mehr Platz bekommen soll: das Restaurant mit seinem ausgefallenen, geschmackvollen Interieur und der guten Küche oder der Inhaber und seine Lebensgeschichte. Aber da das Restaurant den Inhaber widerspiegelt, kann man getrost erst einmal die Geschichte von Dieter Dommermuth erzählen. Der 58-Jährige kommt ursprünglich aus dem Westerwald und kam in die Südstadt, um hier an der Werkschule zu studieren. Während des Studiums eröffnete er in der Innenstadt den legendären Szeneclub Coconut und schmiss letztlich zugunsten der Gastronomie das Studium. Malen konnte er schließlich auch ohne Studium. Und das tat er dann immer ein bisschen nebenbei und ein bisschen mehr, als er für ein paar Jahre Köln wieder verließ, um wie es damals alle Künstler taten, eine Dorfschule auf dem Lande zu bewohnen. Seiner Familie und ihm war es dort dann irgendwann zu sonnenarm und langweilig, und dann wanderten sie kurzerhand nach Ibiza aus. Dort hatte er dann ein langes Jahr lang Freude daran, die Touristen mit „pan aleman“ zu versorgen - selbst gebackenes Brot im feuerbetriebenen Finca-eigenen Steinofen.
Aber die Winter auf Ibiza sind kalt, die Kinder bekamen Lungenentzündung, so dass es nach zwei Jahren wieder zurück nach Deutschland ging. Wieder Köln, und wieder Gastronomie. Neuschwanstein, 5 Filialen des Café Spitz, 4 cani und das Restaurant Bellini waren unter seiner Hand, bis er auch damit irgendwann durch war und sich aufmachte, neue Ideen zu entwickeln. Er bepackte sein Fahrrad und fuhr zwei Wochen lang 1200 km auf dem Jakobsweg. Jeden Abend genoss er das in den Herbergen servierte Pilgermenü und ließ sich davon inspirieren. Ein wirklich gutes, frisches Essen, mit ehrlichen Preisen, das sollte sein nächstes Vorhaben werden. Und dort entstand auch der Name: „FELD KUECHE“ steht da mit Schablone gesprüht in seinem Jakobsweg-Tagebuch.
Feldkueche weil alles frisch vom Feld kommt.
Nach zwei Jahren Suchen wurde er aufmerksam gemacht auf das griechische Restaurant auf der Alteburger Straße. Der Besitzer Foitis Parashoudis suchte einen Pächter oder wollte verkaufen. Er ist Didiers (Dieter nennt ihn niemand) Partner geworden. Man sieht ihn heute, fast allabendlich, in der Feldkueche sitzen und lächelnd beobachten, was aus seinem „Tavernaki“ geworden ist.
Etwas aus einem Ort machen, das kann Didier wirklich! Die Feldkueche ist ein großer Raum, vorne etwas heller als im hinteren Teil, wo Paletten zerschnitten wie Regale in den Fenstern liegen. Wunderschöne Bodenfliesen, Brickstein-Wände, Holztische und Stühle, keiner gleicht dem anderen, aber alles passt harmonisch zusammen. An den Wänden hängen Kunstwerke, zum Teil von Didier selber, wie auch von befreundeten, und auch großen Künstlern wie Polke, C.O.Paeffgen oder Kippenberger, gemischt mit Skurrilem, wie den hängenden Barbies, die den Weg zum Klo weisen, einer Narrenkappe, den Winkekatzen hoch über der Kaffeemaschine. Ganz wichtig war Dieter auch die große, zu den Gästen offene Theke. „Wie eine Küche soll das aussehen. Da fühlt man sich am wohlsten. Das ist doch auch auf jeder Party so“, sagt der Gastgeber. Als Gastgeber sieht er sich, und darum ist er auch selbst jeden Abend - außer an seinem freien Dienstag - im Restaurant und bedient seine Gäste selbst. Ihm hilft dabei sein „Malerkollege“ Xhristo und ein fester, kleiner Stamm von sympathischem, unaufgeregtem Personal.
Auf den Teller kommt eine mediterran orientierte Küche. Speisekarte gibt es nicht. Die Gerichte wechseln saisonal, und es gibt, was auf der großen Tafel steht. Da liest man zum Beispiel: Tomaten-Ruccola Röstbrot mit hausgemachter Mayonnaise (€ 5.-), Salade Nicoise - nicht mit Dosen-Thunfisch, sondern mit frischem Thunfischsteak - (€ 19.-) . Zucchini-Lasagne (€ 6,50 klein/ € 9,- groß), Steak Frites mit Sauce Béarnaise (€ 18.-). Die Klassiker der Feldkueche sind Spaghetti Vongole für € 14,50 und Fish and Chips mit Malzessig und frischer Mayonnaise für € 11,-. Zum Nachtisch gibt es zum Beispiel Blaubeerpfannkuchen (€ 6.-) oder Mousse au Chocolat (€ 4.-).
Auf der schön und schlicht gestalteten Flaschen-Weinkarte (das gedruckte Papier auf eine Pappseite geklebt) finden sich hochwertige Weine zu fairen Preisen. Glasweine, ebenso gut und hochwertig ausgewählt, liegen durchschnittlich bei € 4,50 und derzeit unerlässlich Aperol Spritz (€ 4,50). Bierfreunde bekommen das Gaffel-Kölsch für € 1,50 Euro. Badoit und Evian stillen den Durst, und aufgemuntert wird mit gutem, fair gehandeltem Kaffee von der Rösterei van Dyck.
Ab Herbst gibt es wieder ein bisschen Kultur mit den Kultur-Nächten. Jeden letzten Donnerstag im Monat lädt die Feldkueche zur blauen Stunde. Mal wird es eine Lesung, mal Musik, mal sonst einen der zahlreichen Künstlerfreunde des "Maitre" geben, die noch mehr Leben ins Restaurant bringen. Angenehm ist die hintergründige Musik und auch ihre Lautstärke. Man nimmt sie wahr, aber das Sprechen wird nicht anstrengend. Es geht in Richtung Elektro-freie Lounge-Musik mit dem ein oder anderen Klassiker durchmischt. Die Feldkueche ist, vor allem am Wochenende, gut besucht. Reservieren wird empfohlen.
Sonntags haben Didier und sein Team bereits um 15 Uhr geöffnet und locken mit dem Late Lunch. Es gibt warme Küche, aber auch hausgemachten Kuchen zu dem wirklich guten Kaffee. Zum stillen Internetsurfen eignet sich die Feldkueche auch. Der W-Lan-Code hängt gut sichtbar, aufgesprayt über der Küchentür.
Karneval wird hier auch gefeiert. Da wird die komplette Einrichtung in einen LKW gepackt und ums Eck geparkt, und dann besteht die Feldkueche nur noch aus einer langen Theke aus Fabrikpaletten und Kölschfässern.
Öffnungszeiten in der Feldküche:
täglich ab 18:00 Uhr
sonntags ab 15:00 Uhr
telefonische Reservierung ab 16:00 Uhr
GETRENNTER RAUCHERRAUM
Sonja Alexa SchmitzBranche / Kategorie
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