Bild: Meyer Originals
Ein theatrales Roadmovie von Franz Kafka
Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.
Franz Kafkas AMERIKA ist kein konkretes Land, sondern ein vielfach überlagertes Bild aus Mythen, Projektionen, Fakten und Fantasien. Ähnlich verhält
es sich mit dem Auswanderer Karl Roßmann. Wer ist der Verschollene aus Kafkas Reiseroman? Findet seine Odyssee wirklich statt? Oder ist es vielmehr die Erinnerung einer zersplitterten Figur? Ein verlorener Mensch? Ist er stattdessen ein Anschluss-Suchender, der bis zuletzt nicht an der eigenen Isolation verzweifeln will. Ausgestattet mit einem Koffer sucht Karl in Amerika seine berufliche und soziale Chance. Sein naiver Gerechtigkeitssinn und seine Gutgläubigkeit bringen ihn immer wieder in Konfliktsituationen mit prozessartigen Folgen. Dabei gehen märchenhafte Wunder und alptraumhafte Panikszenarien Hand in Hand.
Kafkas fragmentarische Erzählung von Roßmanns Einfahrt in den Hafen New Yorks bis zum finalen Naturtheater von Oklahoma mit all dem ausgestattet, was die Literatur des Prager Versicherungsangestellten so unverwechselbar macht. Gemeinsam mit der Dramaturgin Felizitas Kleine hat PiaMaria Gehle das Werk für die Bühne neu bearbeitet. Gemeinsam mit den Kompositionen von Julia Klomfaß suchte man nach szenischen, akustischen und choreographischen Bildern für Karls Wandeln zwischen Zugehörigkeit und Vertreibung, die das Grauen des posthum erschienen Werkes offenbaren – und ihm so neben DER PROZESS und DAS SCHLOSS seinen Platz in der Weltliteratur sicherten.
Regie: PiaMaria Gehle
Ausstattung: Thomas Unthan
Klangkomposition: Julia Klomfaß