Zwei Perlen aus dem Süden

Unsere Südstadt ist kreativ und innovativ. Das merkt man an jeder Ecke. Und Ende November sind zwei CDs auf den Markt gekommen „Made in Südstadt“. Wer noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk ist, könnte nun fündig werden.


Die erste CD, die Ende November der Südstadt entsprungen ist, heißt „Verwirrte Hirten“ und ist von den Talking Horns & Martin St. Ankowski. Das ungewöhnliche Bläser-Quartett hat sich mit dem Journalisten und Geschichtenerzähler Stankowski zusammen getan. Das Ergebnis ist eine nicht gerade im klassischen Sinne fromme Weihnachtsmusik mit verschiedenen Geschichten um Weihnachten herum, die mit viel Humor erzählt werden. Der Saxophonist, Klarinettist & Flötist Andreas Gilgenberg von den Talking Horns erzählt wie es zu dem Zusammenschluss kam: „Unser Achim Fink hatte immer das große Bedürfnis, vor Zuschauern im Freien zu spielen, auf der Straße. Doch diese Idee ist in unseren Reihen auf Widerstand gestoßen. Es wurde argumentiert, dass man einen Rahmen gerne hätte für ein Konzert mit Bühne, Veranstalter und Programm. Wollen die Passanten einen auf der Straße wirklich hören? Doch Achim war das ‚Public Blowing’ so wichtig, dass er sagte, er würde etwas organisieren. Das Ergebnis waren unsere musikalischen Stadtführungen ‚Klangstätten’ in Köln mit Martin Stankowski. Wir vermittelten den Kölnern ein ganz neues Stadtbild. Das hat uns so gut gefallen, dass wir noch etwas gemeinsam machen wollten. Die Blasmusik hat eine große Affinität zu Chorälen und sakraler Musik. So sind wir auf Weihnachten gekommen. Jeder hat zu der Idee etwas beigetragen. Wir kamen mit bestimmter Musik und Martin kam mit Texten. Er erzählte uns, was für eine Geschichte er erzählen wollte und wir brachten die Musik dazu. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Song „Nikolausi Döner“. Martin wollte darüber sprechen, dass Nikolaus ein Türke sei. Wir nahmen dann die Melodie von ‚Lasst uns froh und munter sein’ und spielten sie mit einem türkischen Touch.“


Ich höre mir die CD an. Ich bin gleich gefesselt von den informativen Texten von Martin Stankowski. Sie sind reich an fundierter Recherche über die Jahrhunderte, durch die Kulturen und Traditionen. Die Texte sind so amüsant auf eine absolut trockene Art – das gefällt mir. Die Musik und die Texte sind aufeinander abgestimmt und wechseln einander ab. Alte Weihnachtslieder werden von den Talking Horns erhalten und mit einem eigenen Ausdruck präsentiert.

 

Auf dem Cover der CD lese ich, dass die Aufnahme im Juli 2012 in der Lutherkirche statt gefunden hat! Ich stutze – eine Weihnachts-CD, die mitten im Sommer aufgenommen wurde? Andreas Gilgenberg lacht: „Das war harte Arbeit! Es wurden Zimtsterne gebacken, Kerzen angezündet, und wir sind sogar eine Woche in ein Hotel gefahren, um in Stimmung zu kommen. Wir haben dort viel weihnachtliche Stimmung kreiert und uns so eingetuned. Manchmal war das schon hart.“ Schwierig gestaltete sich die Namensfindung für die CD. Gilgenberg erinnert sich: „Zuerst hatten wir den Titel ‚Martin Stankowski & die vier heiligen drei Könige’. Das gefiel uns aber dann doch nicht, weil wir weder heilig noch Könige sind. Dann kamen wir auf die Hirten und daraus wurden die verwirrten Hirten. Aus Martin Stankowski wurde St. Ankowski.“


Wer Lust auf fundierte Informationen um und über Weihnachten hat und großartige, vielseitige & witzige Blasmusik mag, der liegt nicht verkehrt beim Kauf der CD „Verwirrte Hirten“. Und wer das Konzert verpasst hat und die CD noch nicht hat, kann bei WDR5 Musik & Geschichten zweimal hören: am 1. Weihnachtstag (Dienstag 25.12.12) um 23:05 Uhr und am 27.12.12 um 3:05 Uhr.


„Elf Jahre Sinfonie!“ ist die dritte CD des MenschenSinfonieOrchesters
Als der Gründer des MenschenSinfonieOrchesters Alessandro Palmitessa nach Deutschland kam, wurde er mit einem neuen Phänomen konfrontiert: Der Obdachlosigkeit. „Ich komme aus einer großen Stadt in Italien und da gibt es keine Obdachlosigkeit. Das habe ich hier in Köln zum ersten Mal gesehen. Das hat mich dazu bewegt als Musiker im Johanneshaus zu arbeiten. Dort entstand der Kontakt zu vielen Menschen mit unterschiedlichen sozio-kulturellen Hintergründen. Daraus entstand der Wunsch, ein Orchester ins Leben rufen zu können, in dem sich Menschen, die sonst nicht die Möglichkeit haben in einer Gruppe und vielleicht mit professionelleren Musikern gemeinsam zu spielen. Ursprünglich ist das Orchester gegründet worden für Obdachlose und Straßenmusiker, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in einer Gruppe zu spielen.“ Heute zählt das Orchester ca. 18 Mitglieder der unterschiedlichsten Coleur, Kultur und Musikgewandtheit. Nach elf Jahren des Bestehens hat das MenschenSinfonieOrchester ein beeindruckendes musikalisches wie professionelles Niveau erreicht. Die neueste CD „Elf Jahre Sinfonie!“ bietet dem Hörer ein breites Spektrum von afrikanischen Rhythmen bis Swing. Doch der Profimusiker Alessandro Palmitessa verlangt seinen Musikern viel ab: „Sie müssen alle regelmäßig an den Proben teilnehmen. Es gibt Konfrontationen,  um gewisse Arrangements auf die Beine zu stellen.“ Die Arrangements, Kompositionen und Texte stammen teils von Palmitessa, teils von den Musikern.

 

Das Menschensinfonieorchester will durch die Musik engagiert werden. / Pressebild MSO


Matthias Schoo (Posaune) und Fietse Nowitzki (Altsaxophon) haben sich beim MenschenSinfonieOrchester kennen gelernt. Die Künstlerin Fietse erklärt: „Eine Freundin hat mich auf die Idee gebracht, hier mitzuspielen. Als ich vor einem Jahr auf das Orchester stieß, hat es zwischen mir und Matthias gleich gefunkt.“ Matthias ist Profimusiker und schon fast seit Beginn des Orchesters dabei: „Alessandro und ich haben benachbarte Proberäume. So haben wir uns kennen gelernt. Als mal eine Posaune im Orchester ausgefallen ist, bin ich eingesprungen und dabei geblieben.“
Eines möchte Alessandro Palmitessa noch unterstreichen: „Es ist unwichtig, wer von uns welche sozialen Probleme hat. Wichtig ist unsere Musik, ist die starke Stimme des MenschenSinfonieOrchesters. Wir wollen engagiert werden – aber wegen unserer Musik und nicht aus Mitleid.“


Mein persönlicher Eindruck: Der Einstieg mit dem 1. Track „Ausmisten“ ist ein grandioser Song, der den Zuhörer sofort auf den Balkan entführt und gute Laune versprüht. Track 2 „Nazar Boncuğu“ ist eine schöne groovige Jazz Nummer, die uns einiges über Aberglauben in verschiedenen Ländern verrät. „Spuren im Park“ und „Dreizehn Jahre“ stimmen uns nachdenklich mit sensiblen Texten und melancholischen Rhythmen, „Wo ist der Chef?“ ist der pure Swing mit starker Stimme, „Gap in My Rainbow“ ist die einzige Nummer in englischer Sprache und zwingt auch die größten Tanzmuffel auf das Parkett, „Groove Me!“ ist eine instrumentale Nummer und bringt die Harmonie der wunderbaren Bläser hervorragend zur Geltung, „Wasserfall“ führt uns in ein wunderschönes Traumland, „Fahrrad“ und „Zehn Jahre her“ sind die absoluten Stimmungskanonen, mit „Dunia“ wird es wieder orientalischer und der Boden bebt. Das Sahnehäubchen ist der Bonus Track „Bella Ciao“ – eine grandiose Interpretation des bekannten Schlagers.

 

Das MenschenSinfonieOrchester wird unterstützt vom Verein „Südstadt-Leben“. Die CD-Produktion wurde gefördert von der Dr.-Peter-Deubner-Stiftung.
Zu kaufen gibt es die CD bei Südstadt-Leben
www.suedstadt-leben-koeln.de
suedstadt.leben@koeln.de
Tel.: 0221/3762990

 


Talking Horns & St. Ankowski
„Verwirrte Hirten“
zu bestellen auf der Web-Seite www.talkinghorns.de
oder über den Verlag www.westparkmusic.de
 


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Aslı Güleryüz ist gebürtige Kölnerin mit „Migrationshintergrund“ wie es so schön heißt. Nach dem Abi fing sie an die Welt zu...

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