Neuer Trainer, neues Trikot und neue Spieler


Der Reihe nach: Am Freitag präsentierte mein FC offiziell den neuen Trainer Peter Stöger. Nach seiner ersten Pressekonferenz im Geißbockheim stellte der 47-jährige Wiener, der einen Vertrag bis 2015 erhielt, das neue FC-Trikot im Retro-Look vor. Im Zeichen alter Erfolge steht es für „Zurück in die Zukunft - im Glanz der 80er!“. Beim offiziellen Video bewies mein FC seine karnevalistische Grundhaltung. Bigalke, Hector und Nacimento zeigten sich in bester Manier, als wollten sie schon heute den "Elften im Elften" feiern.


Für eine stattliche Ablöse hatte man Trainer Stöger aus seinem laufenden Vertrag bei Austria Wien erworben. Sicherlich kein einfaches Unterfangen, wenn man an die fast dreißig Millionen Verbindlichkeiten und die andauernden Verhandlungen mit der Stadt Köln bezüglich der Reduzierung der Stadionmiete denkt. Doch vieles spricht für Stöger, denn er hatte Austria Wien mit ziemlich begrenzten finanziellen Mitteln zum Meister gemacht. Weitere Pluspunkte: sein absoluter Wille, unbedingt den FC trainieren zu wollen und sein Facebook-Account.

Trainingsauftakt ohne Trainer


Am heutigen Montag (10.6.13) startete um 10 Uhr der Trainingsauftakt des FC. Ohne Cheftrainer! Auf den ersten Blick wirkt das spektakulär und wieder typisch den unverbesserlichen Chaos-Club der Domstadt. Doch beim näheren Hinschauen muss ich sagen, dass die Mannschaft ja auch noch nicht komplett ist. Ujah bereitet sich mit der nigerianischen Nationalmannschaft auf den Confed-Cup in Brasilien vor. Clemens und Horn waren bis gestern noch bei der U21-EM in Israel, Schnellhardt und Gerhardt sind mit der U19 des DFB in Norwegen und Przybylko  mit der U21 Polens unterwegs. Matuschyk, Brecko und Maroh reisen ebenfalls für Länderspiele ihrer Nationalmannschaften durch die Fußballwelt.

Alles Roger beim FC?


Immer noch in Bewegung ist das Trainerkarussell bei meinem FC. Der kölsche Boulevard spuckt wie ein Vulkan täglich neue Namen und Optionen aus. Nach der Absage von Mike Büskens (der lieber nach ‚Düsseldoof‘ geht) ist offenbar Roger Schmidt (derzeit noch Trainer in Salzburg) zum heißesten Anwärter für den Trainerposten beim 1. FC Köln aufgestiegen. 

 

Es wird spannend, denn noch bestreitet Red-Bull-Sportdirektor Rangnick, dass es eine Kontaktaufnahme seitens der Geißböcke gegeben hat. Dabei liebäugelt dieser ja selbst mit einem Wechsel auf die Insel, zum FC Everton. Trainer Schmidt besitzt bei den Österreichern noch einen Vertrag bis 2014. Was bedeutet, dass es in erster Linie um Geld geht. Doch bei der derzeitigen finanziellen Situation meines FC wird man kaum eine Ablösesumme für den 46-jährigen Trainer zahlen können. Außerdem geht es ja um sportliche Erfolge. Diese stehen immer im Vordergrund.

Die Tombola dreht sich – wer wird Trainer beim FC?


Der fahle Beigeschmack bleibt. Die Verantwortlichen bei meinem FC erwecken den Eindruck, dass Zeitdruck und finanzielle Probleme überwiegen, als dass weiter an einer Neuausrichtung gearbeitet wird. Angeblich soll zu Beginn dieser Woche eine Trainerentscheidung getroffen werden. Jetzt also doch alles auf Eiltempo?!

 

Die Kandidaten: Nach der heute bekanntgegebenen Entlassung von Trainer Norbert Meier bei Fortuna Düsseldorf dreht sich das Spekulationskarussell immer schneller. Ständig in der Diskussion (auch in Düsseldorf): der ehemalige Fortuna-Profi Mike Büskens. Jedoch soll er dem Verein seiner Geburtsstadt Düsseldorf bereits abgesagt haben. Ist damit der Weg zum 1. FC Köln frei? Dem Fußballlehrer gelang 2012 mit der SpVgg Greuther Fürth der erstmalige Aufstieg in die Liga eins. Jedoch wurde er nach erfolglosen Monaten (kein einziges gewonnenes Heimspiel) im Februar 2013 beurlaubt. Der gelernte Koch gilt als bodenständig und wurde im letzten Jahr sogar mit der Fair-Play-Medaille des DFB ausgezeichnet. Im Sommer 2012 hatte er allerdings noch den Geißböcken für einen möglichen Trainerposten abgesagt.

Kein Trainer. Kein Stadion. Kein Geld.


Mein FC schafft sich selbst ab!
Sind Sie auch so jemand, der auf dem Fahrradweg in richtiger Richtung unterwegs ist und bei entgegenkommenden Radfahrern freundlich ausweicht, um dem anderen Platz zu machen? Der Abschied des Kölner Trainers Stanislawski hatte auch so etwas von einer „self-fulfilling prophecy“. Der Soziologe Robert Merton definierte diesen Begriff der der selbsterfüllenden Vorhersage. Das psychologische Prinzip besagt, dass sich die Annahmen der Menschen meist bewahrheiten. So begründete auch Trainer Stanislawski seinen überraschenden Rücktritt mit: "Ich will mich nicht hinter dem Umbruch verstecken. Ich trage für alles die Verantwortung. Ich will nicht durch meine Person dieses wichtige zweite Jahr gefährden.“ Das riecht doch schwer nach „Self-Prophecy“, oder?

 

Doch blicke ich noch etwas zurück: Samstagvormittag war für mich die Welt noch in Ordnung. Ich war auf dem Weg nach Süddeutschland, überholte hupend auf der Autobahn den FC-Mannschaftsbus mit der Aufschrift „Wir sind ein Team“ und hoffte auf einen guten Saisonabschluss beim letzten Ligaspiel in Ingolstadt. Auch am frühen Samstagabend war meine FC-Welt noch tadellos in Ordnung. Als mich jedoch um 20 Uhr – inmitten eines Grillfestes bei Freunden – der erste Anruf erreichte, bebte die Erde in Ingolstadt: Stani geht! Ich konnte es nicht glauben. Im Radio dudelte kurz darauf Rhianna mit „Stay“, und mir saß der Kloß tief und fest im Hals.

Herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt!


Meine Geißböcke sicherten sich durch das 1:2 gegen den designierten Aufsteiger und Tabellenführer der 2. Bundesliga Hertha BSC den Klassenerhalt in Liga zwei. Alle Fans feierten die letzte Heimniederlage des FC. Im ausverkauften Stadion zeigte die Südkurve eine Wahnsinns-Choreographie, und mir schoss das Pipi in die Augen. Tränen gab es auch zum Abschied. Lebewohl sagten vor Spielbeginn Eichner, Maierhofer (Gott seid Dank!), Royer, Schorch (Schade!) und Strobl. Royer kehrt nach Hannover und Strobl nach Hoffenheim zurück. Noch offen ist die Situation bei Clemens, und entsprechend wurde er (noch) nicht verabschiedet. Garantiert ist aber, dass er wechseln wird und nicht ein weiteres Jahr in Liga zwei verweilen möchte. Auch um Ujah, den von Mainz ausgeliehenen Publikumsliebling, wird noch weiter verhandelt.

 

Trainer Stanislawski setzte im vorletzten Spiel gegen die Berliner auf den Nachwuchs und brachte Chihi, Ujah und Nascimento in der Startelf. Dagegen wurde das kroatische Talent Jajalo komplett aus dem Kader gestrichen. Er saß noch nicht mal auf der Bank. Qualität hat eben ihren Preis, daher durfte Chihi ran?!

Zweite Liga – Wir sind auch dabei.


Die Devise am Samstag hieß: Alle in Rot nach Bochum. Die Stimmung war super - über 8000 FC-Fans reisten in roten Shirts zum Auswärtsspiel des 1. FC Köln zum Vfl Bochum. So auch ich. Es gab nur ein winziges Problem. Mein Freund Martin hatte uns Karten in der Stehkurve der Bochumer Fans besorgt. Das bekannte „Kommunikationsproblem“ zwischen Männern und Frauen bedeutete für mich in diesem Fall, mit einem mulmigen Gefühl zwischen all den blau-weißen Fußballfans möglichst geräuschlos meine Geißböcke anzufeuern. Die Stimmung im Stadion war jedenfalls super, die rote Wand aus FC-Fans stand komplett in der Westkurve (leider ohne mich), und als zu Beginn des Spiels Herbert Grönemeyer („Bochum“) gespielte wurde, bekam auch ich eine Gänsehaut.

 

Trainer Stanislawski brachte mit Ujah nur eine Spitze gegen Bochum und setzte auf Chihi anstatt „Pritsche“ in der Startelf. Keine gute Entscheidung dachte ich, denn so oft wie sich Chihi in den ersten zwanzig Minuten des Spieles fallen ließ - das grenzte schon an fremdschämen.

Ausgeträumt!


Es ist aus! Das Spiel ist aus! Aus der Traum! Mal ganz ehrlich….eigentlich war für mich das Thema Relegation bereits am vergangenen Montag nach dem enttäuschenden Unentschieden in Duisburg durch.

 

Für alle anderen FC-Fans ist seit dem Spiel meiner Geißböcke am Sonntag gegen 1860 München klar, dass das Thema Relegationsplatz und ein möglicher Aufstieg in Liga eins nun endgültig beendet ist. Wir planen für ein weiteres Jahr in Liga zwei. Das ernüchternde 1:1 - Unentschieden gegen die "Löwen" hatte uns auf den Boden der Rasenrealität zurückgeführt. Mein Frust ist dennoch groß! Zwei Unentschieden in Folge, die sich wie Niederlagen anfühlten. Dabei hatte mein Sonntag so toll angefangen.

 

Mit Sonnenschein und guter Laune machte ich mich auf den Weg zum Heimspiel gegen 1860 München ins Stadion. Trotz Severinslauf und Auseinandersetzungen zwischen Fans beider Lager am Barbarossaplatz schaffte ich es pünktlich ins Stadion. Die Südkurve glänzte mal wieder mit einer Wahnsinns-Choreo, und Trainer Stanislawski brachte meinen Wunschgeißbock "Pritsche" Przybylko von Beginn an. Der torhungrige Jung-Geißbock in der Startelf - so gefällt mir das! Alles perfekt! Naja, fast.

Die neuen Leiden des jungen Holger S.


 

Die Leiden des Holger S. sind auch meine. Im Montagabendspiel der Geißböcke gegen die Duisburger Zebras musste ich die gleichen Schmerzen wie Trainer Holger Stanislawski ertragen. Der sympathische Bartträger saß in diesem Spiel direkt vor mir auf dem Rasen. Ich konnte also 90 Minuten lang seine wilden Gesten und Mimiken am Spielfeldrand beobachten. Stani war gezwungen sein Team umzustellen. Publikumsliebling Ujah fiel gelbgesperrt aus – saß aber trotzdem im Stadion, um sein Team anzufeuern. So rückten Chihi und Matuschyk in die Startelf. Was für eine Kulisse im Stadion - in der Duisburger „Schauinsland-Reisen-Arena“ (der Name hatte etwas von Fremdschämen) waren nur die FC-Fans zu hören. Oder war es doch ein Heimspiel?

 

Meine Geißböcke begannen mit viel Engagement und dominerten das Spiel gegen die Zebras. Nur im Abschluss fehlte uns das Quäntchen Glück. Maierhofer verlor fast jedes Kopfballduell – und das trotz seiner Größe. Von Torgefährlichkeit war bei ihm leider nichts zu spüren. Bereits in der 5. Minute verpasste er nach einer Vorlage von Bröker nur knapp das Leder. Irgendwie werden der Österreicher und ich keine Freunde mehr - ich glaube, Maierhofer hat einfach seinen Beruf verfehlt. Auf dem Platz wirkte er zweikampfschwach, ungelenk und ohne Kondition. Entweder sprang er am Ball vorbei oder trabte dem Spiel nach.

Herz-Kacper


Mein FC hat ein sportliches und finanzielles Problem. Das finanzielle wurde in den letzten Tagen ausführlich in der lokalen Presse diskutiert. FC-Geschäftsführer Wehrle begründete im Interview den aktuellen Schuldenstand von 30 Millionen damit, dass zwar Transfereinnahmen geplant waren, diese aber nicht wie geplant gekommen sind. Huch! Gibt es intern schon eine Krise? Kann mein FC noch in Ruhe arbeiten? Oder wirft Stani schon genervt das Handtuch? Kann die neue Vereinsführung das neue „Wir-Gefühl“ auch weiterhin glaubhaft vermitteln? Bei all dem kölschen Anspruch und der Ungeduld der Fans? Geduld ist eine gute Eigenschaft - aber nicht, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht (Margaret Thatcher).

 

Während 44.000 Zuschauer bei sommerlichen Temperaturen ihre Geißböcke im Stadion anfeuerten, nervte Sky-Reporter Uli Potofski alle anderen Fans in den Kölner Kneipen mit seinen Sprüchen. Nicht nur, dass er mehrfach den FC-Spieler Jajolo (anstatt Jajalo) nannte. Nein, er glänzte auch mit Fachwissen: Timo Horn ist nicht verwandt mit Guildo Horn“ - Danke dafür! Mein FC tat sich im Spiel am Sonntag gegen Aalen schwer. Obwohl die Paarhufer streckenweise spielbestimmend waren und kaum gegnerische Torchancen zuließen. Beim FC sahen wir viel zu wenig Kombinationsfußball.