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Kultur

10 Oscar-Nominierungen in der Südstadt – Kinoprogramm vom 26.1.-1.2.2012

Donnerstag, 26. Januar 2012 | Text: Tamara Soliz | Bild: The Artist © Warner Bros. France

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„And the Oscar goes to …“. Vielleicht wird der Film „The Artist“ von Regisseur Michel Hazanavicius der Gewinner der diesjährigen Oscarnacht. Ungewöhnlich ist bereits die Nominierung eines französischen Films in den wichtigsten Kategorien, Bester Film und Beste Regie. Hauptdarsteller Jean Dujardin hat lange gezweifelt, ob er die Rolle überhaupt annehmen soll. Zum Glück hat der in Frankreich sehr bekannte Comedian und Schauspieler sich dafür entschieden. So können wir ihn als galanten, sich ständig selbstüberschätzenden Stummfilmstar sehen, dem der Tonfilm ein Karrieretief beschert. Den modernen Stummfilm gibt es ab dieser Woche in unserem Südstadtkino zu sehen.

 

My Reincarnation
Preview – ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 20:30 Uhr
Preview: Mi. 1.2. 20:30 Uhr mit anschließender Expertendiskussion.
Der italienische Sohn eines berühmten geistlichen Lehrers des Buddhismus widersetzt sich seiner eigenen Berufung als Wiedergeburt einer weiteren Glaubens-Größe, weil er Sohn und nicht Schüler sein will. In sehr persönlichen, aufmerksamen und auch mal poetischen Aufnahmen dokumentiert die mit der Familie vertraute Regisseurin Jennifer Fox über zwanzig Jahre den Weg eines vermeintlich verlorenen Sohnes.

The Artist
1. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 15:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 17:30 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 20:00 Uhr
    •    Mittwoch um 21:00 Uhr
Eine wunderbare tragikomische Hommage an die Stummfilmzeit. Stummfilmstar George Valentin verweigert sich dem Tonfilm. Das bedeutet sein berufliches Aus. Eine junge Schauspielerin, die er einst entdeckt hat, holt ihn in die Traumfabrik zurück. Nichts könnte weiter vom modernen Kino mit seinem lauten 3D-Spektakel entfernt sein als der Stummfilm. Insofern erfordert es Mut, heute eine Geschichte nach den Vorgaben jener Kinoanfangsjahre zu erzählen. Dabei verschmelzen in „The Artist“ Form und Inhalt zu einem außergewöhnlichen Experiment. Michel Hazanavicius’ Portrait eines vom Karriereaus bedrohten Stummfilmstars bietet Witz, Ironie und einen herausragenden Hauptdarsteller.

Ziemlich beste Freunde
4. Woche
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 18:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 15:30 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 20:30 Uhr
Hut ab – um nicht zu sagen: Chapeau! Vermutlich ist Frankreich Weltmeister darin, Komödien über gesellschaftliche Gegensätze zu erfinden, die ohne plumpe Klischees und bessserwisserisches Pathos auskommen. Diesmal geht es um einen Schlingel, frisch aus dem Gefängnis, der durch die Pflege eines querschnittsgelähmten Rollifahrers geläutert wird. Doch vielleicht ist es eher umgekehrt? Denn in der Gesellschaft des unbefangenen Driss findet der kranke, reiche Philippe zu neuem Lebensmut. Und das Publikum findet hier eine humorvolle Geschichte rund um zwei Männer, die sich erst zusammenraufen müssen, um voneinander zu lernen.
Zwei fantastische Schauspieler prägen und tragen diesen Film: François Cluzet und Omar Sy. Dank einer sensiblen und unauffälligen Regiearbeit bringen sie zwei hinreißend sympathische Figuren auf die Leinwand.

Der atmende Gott
5. Woche
    •    Samstag bis Sonntag um 13:15 Uhr
    •    Mittwoch um 16:00 Uhr
Eine Reise zum Ursprung des modernen Joga.
Was ist Yoga, wo stammt es her? Ist Yoga Philosophie, Religion, Gymnastik – Oder alles auf einmal? Diesen und anderen Fragen versucht Jan Schmidt-Garre mit seiner Dokumentation „Der atmende Gott“ auf den Grund zu gehen. Das mäandernde Suchen, mit dem sich der Regisseur durch Indien bewegt ist in seiner respektvollen Zurückhaltung vor der fremden Kultur dabei große Stärke des Films, in seiner Unbestimmtheit allerdings auch Schwäche. Ein Film in erster Linie für Yoga-Interessierte.?

Der Gott des Gemetzels
12. Woche – ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:15 Uhr
Hinter dem wunderbar ironischen Titel „Gott des Gemetzels“ verbirgt sich eine herrliche Gesellschaftskomödie. Roman Polanskis Kammer-Quartett mit zwei New Yorker Elternpaaren, die zivilisiert die Prügelei ihrer Söhne klären wollen, war bei der Weltpremiere in Venedig ein sehr unterhaltsamer Lacherfolg, noch bevor bei fortschreitender Entwicklung unter Alkoholeinfluss die letzten Masken fielen. Christoph Waltz spielt mit wenig zurückhaltender Ironie seiner aalglatten Anwaltsfigur tatsächlich etablierte Weltstars wie Jodie Foster, Kate Winslet und John C. Reilly an die fein dekorierte Wand.

Faust
2. Woche – ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:30 Uhr
    •    Mittwoch um 16:30 Uhr
 In Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, ist Alexander Sokurows „Faust“ weniger eine Verfilmung von Goethes Drama, als eine Meditation über Macht, die Seele, den Menschen an sich. Sokurows „Faust“ ist bildmächtig, eigenwillig und fraglos ein faszinierendes Kunstwerk.

Kriegerin
3. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 22:00 Uhr
    •    Mittwoch um 19:00 Uhr
Mit seinem Spielfilmdebüt „Kriegerin“ hat Regisseur  Absolvent der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg, gleich ein heißes Eisen angefaßt: Neo-Nazis in der ostdeutschen Provinz, martialische Gewalt und eine junge Frau, die tief im braunen Sumpf steckt, obwohl sie sich der Sinnlosigkeit ihres Tuns eigentlich bewusst ist. Wnendt, der auch das Drehbuch für den provokanten Film schrieb, hat für seine hart-realistische Handlung einen semi-dokumentarischen Stil gewählt und gleich den „Förderpreis Deutscher Film – Drehbuch“ bekommen. Einer der herausragendsten Filme des Jahres!!! Tipp des Monats!

Lauras Stern und die Traummonster
5. Woche
    •    Samstag um 13:30 Uhr
Ein paar Nachbarskinder fordern Laura und ihren Bruder Tommy heraus, doch ohne seinen geliebten Beschütz-mich-Hund traut sich Tommy nicht so recht. Also muss der Hund dabei sein – und landet nach einem verpatzen Schuss im dunklen Keller. Laura nimmt all ihren Mut zusammen und wagt es, den Keller zu betreten, doch die Schatten machen auch ihr Angst. Ohne den Beschütz-mich-Hund geht eben nichts, wie auch die Traummonster merken. Die leiden daran, dass Tommy und Laura immer seltener Angst haben, immer mehr schöne Träume haben und keine Alpträume. Aber ohne die Angst der Kinder schrumpfen die Traummonster und müssen um ihre Existenz bangen. So hecken sie einen Plan aus: Des nachts entführen sie Tommys Beschütz-mich-Hund in das Land der Träume und locken so die Kinder, begleitet von Lauras Stern, in das unterirdische Traumlabyrinth. Dort hinein drinkt kein Funken Sternenstaub, dafür sorgt nicht zuletzt der Lichtfänger, der mit einer Art fliegendem Staubsauger Jagd auf alle Lichtquellen macht und es nun besonders auf Lauras funkelnden Stern abgesehen hat.
Der unterhaltsame Film überzeugt nicht nur durch seine schöne, originelle Animation, sondern vor allem durch seine Geschichte, deren Lehre angenehm subtil bleibt. Ein sehenswerter Kinderfilm.

Text: Tamara Soliz

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