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Kultur

Das Kinoprogramm im ODEON vom 21.-27. April 2011

Dienstag, 19. April 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Ahmet Kaya/ Youtube

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

„Kino ist ein wichtiger Vermittler und Träger von Kultur“ sagen die Macher der Freiburger Jugendkino-Tagung über gute Filme und ihre Vermarktungs-schwierigkeiten. „Das Kino ist ein dunkler Wald“, sagen Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler, die zusammen den Film „Dreilinden“ gemacht haben. „Kino ist zu preiswert“ meinte der Vorstandschef der Kinokette Cinemaxx, Christian Gisy – er findet die Eintrittspreise nicht angemessen. „3D-Kino ist nichts für unsere Augen oder für unser Gehirn“, behauptet Bloger Nils im Sciene-Blog „evolvimus“, unser Gehirn kann mit den 3D-Bildern einfach nicht mithalten. „Kino ist immer Vergewaltigung“ behauptet  Regisseur Michael Haneke 1997 im „Spiegel“ über Zuschauer als Opfer, die Obszönität brutaler Bilder und seinen Thriller „Funny Games“. „Kino ist keine Privatsache“ sagte Oscar-Gewinner Soderbergh im November 2009 über seinen Film „Der Informant“ und über die Schwierigkeit, Leute dazu zu bringen, zwei Stunden lang in eine Richtung zu starren. Und was ist Kino für Euch?

Hier findet Ihr die Filme, die in den kommenden 7 Tagen im ODEON gezeigt werden.

Ahmet Kaya (Doku)
1. Woche – ab 12 Jahren
    •    Samstag um 13:30 Uhr
Dokumentarfilm über den kurdischen Sänger Ahmet Kaya – In Anwesenheit des Regisseurs.


Almanya – Willkommen in Deutschland
7. Woche – ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 22:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 19:00 Uhr
Deutscher Filmpreis Bester Spielfim in Silber und bestes Drehbuch! Das Schicksal der türkischen Einwandererfamilie Yilmaz samt absurden Verwicklungen und kulturellen Differenzen steht im Mittelpunkt der warmherzigen Cultur-Clash Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“. Das vier Jahrzehnte umspannende Generationenepos beeindruckt durch seinen sensibel authentischen Blick auf die Welt zwischen Okzident und Orient. Stilsicher bieten die Samdereli-Schwestern mit ihrem beschwingten Spielfilmdebüt unterhaltsames Gefühlskino, das humorvoll Brücken zwischen den Kulturen schlägt. Die feine Balance zwischen Tradition und Moderne gelingt den beiden nicht zuletzt aufgrund eigener liebevoller Erinnerungen an persönliche Erlebnisse aus ihrer Herkunftsfamilie.
Deutschland, Anfang der 70er Jahre. „Eine Riesenratte, hier gibt’s Riesenratten“, schreit der kleine Muhamed (Kaan Aydogdu) entsetzt mit Blick aus dem Autofenster. Draußen auf dem Gehsteig führt ein deutscher Mann stolz seinen Dackel spazieren. Für den 8jährigen Jungen, den sein Vater Hüseyin Yilmaz (Fahri Yardim) gerade frisch aus der Türkei nach Alemanya holte, eine Begegnung der seltsamen Art. Auch Mutter Fatma (Demet Gül) macht merkwürdige Erfahrungen in diesem fremden, grauen Land. „Muhh“, blökt der deutsche Lebensmittelhändler freudestrahlend, nachdem sie ihm in Zeichensprache klarmacht, dass sie gerne eine Flasche Milch hätte. Vierzig Jahre später ist Deutschland längst zur Heimat der Familie Yilmaz geworden. Ihr sechsjähriger Enkel Cenk (Rafael Koussouris) stellt sich als Sohn einer Deutschen (Petra Schmidt-Schaller) und eines Türken (Denis Moschitto) allerdings in der Schule plötzlich die Frage nach seiner Identität. Grund: Bei einem Fußballspiel wählen ihn seine Kameraden weder in die deutsche noch in die türkische Mannschaft. „Wir sind jetzt Deutsche“, verkündet Großmutter Fatma (Lilay Huser) dagegen ihren Kindern und Kindeskindern überraschend bei einer Familienfeier. Großvater Hüseyin freilich verblüfft seinen Clan noch viel mehr. Er hat in der Türkei ein Haus gekauft und will in den Ferien mit allen in die alte Heimat fahren.


Das Lied in mir

11. Woche – ab 12 Jahren
    •    Freitag bis Montag um 14:45 Uhr
Die junge Deutsche Maria (Jessica Schwarz) hört bei einer Zwischenlandung in Buenos Aires ein spanisches Kinderlied und bricht zusammen. Maria hat nie Spanisch gelernt und erkennt doch das Lied. Fast 30 Jahre hat ein Lied in Maria geschlafen, das nicht in den Teil von Marias Leben passt, an den sie sich erinnert.?Als Marias Vater Anton (Michael Gwisdek) davon erfährt, dass Maria sich an ein spanisches Lied erinnert, reist er sofort zu ihr nach Argentinien. Instinktiv will er seine Tochter vor der Vergangenheit beschützen. Als sich Vater und Tochter in Buenos Aires gegenüberstehen muss Anton erkennen, dass er noch nie so nah daran war seine Tochter für immer zu verlieren.?Maria ringt mit Anton um eine gefährliche Wahrheit und Anton ringt mit der Vergangenheit um seine Tochter.
Jessica Schwarz und Michael Gwisdek in einer ihrer besten Rollen.

 


Das Schmuckstück
5. Woche ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 20:00 Uhr
    •    Montag um 12:45 Uhr
    •    Mittwoch um 17:45 Uhr
„Frauen an die Macht!“ Francois Ozon hat einen höchst emanzipatorischen Film gedreht, der sich mit großer Leichtigkeit und ohne die sonst übliche Verbissenheit der Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern annimmt. Als die gelangweilte Ehefrau eines Unternehmerpatriarchen ist die wunderbare Catherine Deneuve das Kraftzentrum dieser Geschichte. „Das Schmuckstück“ – in seiner Heimat Frankreich mit bislang über 2,3 Millionen Besuchern ein echter Publikumserfolg. Die Darsteller ließen sich von Ozons Esprit zweifellos anstecken. Gerade die Deneuve reißt mit ihrer unvergleichlichen Präsenz und Ausstrahlung immer noch jede Szene an sich. Selbst wenn ihr Partner Gérard Depardieu heißt, sind alle Augen auf sie gerichtet. Ihre Madame Suzanne ist eine echte Powerfrau, ein organisatorisches Multitalent, gegen das die Männer in diesem Film ziemlich alt aussehen. Dass sie schließlich – zugegeben nicht wirklich freiwillig – in die Politik wechselt, ist sicherlich auch als Kommentar auf die aktuelle, politische Machtverteilung in Europa zu verstehen. Als chauvinistisches Ekelpaket und menschliches HB-Männchen dürfte indes Deneuves Film-Ehemann Fabrice Lucchini die meisten Lacher ernten.


Der Name der Leute

2. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 16:45 & 21:00 Uhr
Die anarchistische Komödie „Der Name der Leute“ schafft es, kühn mit einer Art sanft überzeichneten Realismus zwischen Leichtfüßigkeit und Tiefgründigkeit zu wechseln. Frankreich Shootingstar Sara Forestier verkörpert dabei überzeugend die lebenslustige, idealistische Politaktivistin Bahia, die das Leben des zurückhaltenden Arthur auf den Kopf stellt. Die junge Frau schläft mit Männern aus dem politisch konservativen Lager, um sie von ihren linken Ideen zu überzeugen. Unkonventionell verpackt Regisseur Michel Leclerc in seine schräge romantische Love-Story traumatische Familiengeheimnisse und gesellschaftliche Konflikte. Unser Tipp: Eine ungewöhnliche französische Komödie mit brillanten Darstellern: Sara Forestier und Jacques Gamblin. Wenn Sie „C’est la vie – So sind wir , so ist das Leben“ mochten dann werden sie auch diesen vielschichtigen Film mögen.


Die Tigerentenbande
4. Woche
    •    Sonntag bis Montag um 14:30 Uhr
Wie ein Geburtstagsgeschenk an den weltbekannten Kinderbuchautoren Janosch, aus dessen Figurenschatz die Regisseurin schöpft, wirkt das unbeschwerte Kinderabenteuer. Am 11. März, einen Tag, nachdem die Filmadaption der gleichnamigen Fernsehserie im Kino anläuft, wird der geistige Vater von Tigerente, Bär und Kleiner Tiger achtzig Jahre alt. Probosts Liebe zum Original verraten die detaillierten Zeichnungen. Aus verborgenen Wortspielen spricht die sanfte Ironie der Erzähler-Stimme des Autors. Besonders die Grundschüler im Publikum können auf den Schildern und Aufschriften in der kunterbunten Szenerie auf humorvolle Entdeckungsreise nach Silbendrehern und Ulknamen gehen. „Wenn du Freunde hast, brauchst du dich vor nichts zu fürchten“, so heißt es vom Schöpfer der Tigerente persönlich. Die Worte Janoschs sind der tragende Grundsatz, der die kindgerechte Natürlichkeit der Handlung untermauert.


So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn

2. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 18:15 Uhr
    •    Freitag auch um 14:00 Uhr
    •    Montag auch um 13:00 Uhr
So weit und groß erzählt die Lebensgeschichte Otto Modersohns [1865-1943] in einer bisher nicht dagewesenen Konzentration. Der Dokumentarfilm verzichtet vollständig auf moderne Quellen, Ansichten, Kommentare und Materialien. Seiner eindringlichen Bildsprache liegen ausschließlich zeitgenössische Bildmaterialien: Filme, Fotografien, Reproduktionen von Gemälden, Zeichnungen und Schriftdokumente zu Grunde. Die eingesprochenen Texte entstammen Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Texten von Otto Modersohn selbst, Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke. Otto Modersohn versuchte zeitlebens, die Dinge tief zu durchdringen und das Wesentliche an ihnen herauszuarbeiten.?So […] enthält dieses Land, die Sprache Otto Modersohns lautet Rilkes berühmte Würdigung aus dem Jahr 1903. Wenn sich der Film So weit und groß nun fast 80 Minuten ausschließlich aus der Sprache und den visuellen Eindrücken dieser Zeit zusammen setzt, kommt er diesem europäischen Land der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts so nah, wie es keine Ausstellung und kein Buch können.


The King’s Speech – OmU
10. Woche – ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 16:00 Uhr
    •    Mittwoch um 19:45 Uhr – Zum letzten Mal!
Ausgezeichnet mit 4 Oscars! Bester Film! Bester Hauptdarsteller! Beste Regie! Bestes Drehbuch! Tom Hoopers „The King’s Speech“ ist ein klassischer Oscar-Film: Ein historisches Setting, eine Hauptfigur – noch dazu ein zukünftiger König –, der eine körperliche Einschränkung überwindet und in einem anrührenden Finale der Welt zeigt, was er kann. Dazu exzellent gemacht und getragen von einem brillanten Colin Firth, der  ein paar Tage nach Filmstart den Oscar für seine Leistung bekommen hat.
Als Sohn des britischen Königs George V. gehört es zu Berties (Colin Firth) Pflichten, öffentlich zu sprechen. Für den zurückhaltend-besonnenen Mann eine Qual, denn seit seiner Jugend leidet er an einem schweren Stottern. Kein Arzt und kein Psychologe kann ihm helfen, weshalb sich Berties liebevoll sorgende Ehefrau Elizabeth (Helena Bonham Carter) an den exzentrischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) wendet. Mit seinem forschen Auftreten und den unkonventionellen Behandlungsmethoden stößt er seinen adligen Patienten zunächst vor den Kopf. Bald aber zeigen sich erste Erfolge. Nach dem Tod seines Vaters und der Abdankung seines Bruders Edward VIII. (Guy Pearce) wegen dessen Liebe zur geschiedenen Bürgerlichen Wallis Simpson wird Bertie unter dem Namen George VI. 1936 unerwartet zu Englands neuem König. Öffentliche Auftritte und Radioansprachen lassen sich fortan noch weniger umgehen als zuvor, und nicht zuletzt der drohende Krieg erhöht den Druck auf den schüchternen Regenten. Die Zusammenarbeit und wachsende Freundschaft mit Logue hilft Bertie dabei erheblich. Doch kurz vor der offiziellen Krönung stellt eine unerwartete Enthüllung das gegenseitige Vertrauen und damit auch Berties Kampf gegen das Stottern auf die Probe.

Text: Gastbeitrag

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