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Kultur

Das Kinoprogramm im ODEON vom 8.-14.9.2011

Mittwoch, 7. September 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Corinna Belz

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Im ODEON wurde in der vergangenen Woche die Vorpremiere des neuen Kaurismäki-Films „Le Havre“ gefeiert – zunächst wurde im ausverkaften Haus der Film, der nun dreimal täglich im Programm läuft, gesehen. Danach brachte der französische Blues/Rockmusiker „Little Bob“, der ebenfalls in „Le Havre“ mitspielte, den Kinosaal zum kochen.

Am kommenden Sonntag werden in der Reihe Kölsche Film-Matinee im Gedenken an den im Klösterchen geborenen Rennfahrer Graf Berghe von Trips nicht nur zwei zwei Filme gezeigt (Taffy – Die Berghe von Trips Story, sowie Schumi & Co. – Die Kart-Kids aus Kerpen). Danach wird am „Offener Grill“ gemeinsam gegessen (die ODEON-Crew bringt die Kohlen zum Glühen, und jeder bringt sein Grillgut mit), um dann um 14:00 Uhr  gemeinsam den Formel 1-Lauf in Monza auf der Großleinwand zu verfolgen. Dazu spielt noch Jazzmusiker Bruno Leicht, der die Filmmusik zur „Die Berghe von Trips Story“ komponiert hat, mit seinem Quartett, den Brew Lite’s Lighthouse All-Stars.

Nachfolgend haben wir die Filme aufgeführt, die in den kommenden sieben Tagen im Odeon laufen.

 


Le Havre
1. Woche – ab 12 Jahren
    •    täglich um 16:00 Uhr
    •    täglich um 20:00 Uhr
    •    täglich um 22:00 Uhr
Marcel Marx (Andrei Wilms), früher Autor und wohlbekannter Bohemian, hat sich vor längerer Zeit in sein frei gewähltes Exil, die Hafenstadt Le Havre, zurükgezogen. Hier geht er inzwischen der ehrenwerten, aber nicht sonderlich einträglichen Tätigkeit eines Schuhputzers nach. Der Traum vom literarischen Durchbruch ist längst begraben und trotzdem führt er ein zufriedenes Leben mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Doch plötzlich erkrankt Arletty schwer, gleichzeitig kreuzt das Schicksal seinen Weg in Gestalt des minderjährigen Flüchtlings Idrissa (Blondin Miguel) aus Afrika. Und so ist Marcel gezwungen sich erneut gegen die menschliche Gleichgültigkeit zu erheben. Seine einzigen Waffen sind sein unerschütterlicher Optimismus und die ungebrochene Solidarität der Mitbewohner seines Quartiers. Mit ihrer Hilfe tritt er gegen den blindwütigen Machtapparat des Staates an, der die Schlinge um den Flüchtlingsjungen immer enger zieht. Es wird Zeit für Marcel, seine Schuhe zu polieren und die Zähne zu zeigen…
In Le Havre, den er nach längerer Abstinenz zum ersten Mal wieder außerhalb von Finnland drehte, wirkt Aki Kaurismäki erneut so kämpferisch wie in „Der Mann ohne Vergangenheit“, gleichzeitig aber auch so poetisch wie in seinem ebenfalls in Frankreich realisierten Film „Das Leben der Boheme“.

Mehr dazu im Artikel von Jörg-Christian Schillmöller „Tanzen im Kinosaal„.

 

Gerhard Richter Painting
1. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 19:00 Uhr
    •    Mittwoch um 17:00 Uhr
Lange Jahre lehnte Gerhard Richter, einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart, die zahlreichen Anfragen für Filmprojekte ab. Der Dokumentarfilmerin Corinna Belz gelang es, ihn vor die Kamera zu bekommen und Richter bei der Arbeit zu beobachten. Nicht nur in diesen Momenten ist „Gerhard Richter Painting“ ein faszinierender Film.?

 


Kölsche Matinee: Graf Berghe von Trips
einmalig – ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:30 Uhr
?Wolfgang Graf Berghe von Trips  ??

Wolfgang Graf Berghe von Trips – geboren 1928 im Severins-Klösterchen –  war mehr als ein passionierter Rennfahrer. Er war weltläufiger Botschafter des neuen Deutschland und früher Vorfahre der Schumachers und Vettels. Am 10. September 1961 verunglückte er im Motodrom von Monza tödlich. Dabei hätte er dort mit Ferrari vorzeitig Weltmeister werden können, als erster Deutscher in der noch jungen Formel 1.?? Er brachte 1960 das Go-Kart aus Amerika mit und eröffnete damit im heimischen Kerpen eine Bahn zur Nachwuchsförderung. Ein Ofenbauer namens Schumacher wurde dort Bahnwart und und ließ seine Jungs von Kindesbeinen an im Kreis herumfahren. ??Der Rest der Geschichte ist bekannt…

??Am Wochenende vom 9. bis 11. September findet der diesjährige Italien-Grandprix statt – an selbiger Stelle und auf den Tag genau 50 Jahre nach der Tragödie von Monza. An diesem ?Tag der Erinnerung an Berghe von Trips zeigt die Kölsche Film-Matinee zwei Filme:??

 – Taffy – Die Berghe von Trips Story  (BRD 1996, 50 Min)??

 – Schumi & Co. – Die Kart-Kids aus Kerpen (BRD 2000, 30 Min)??

 

Und danach „Offener Grill“ (wir bringen die Kohlen zum Glühen und jeder bringt sein Grillgut mit). Um 14:00 Uhr kann dann der Grand Prix von Italien auf der Leinwand im Biergarten gesehen werden. Umrahmt wird das Programm von dem Jazzmusiker Bruno Leicht, der die Filmmusik zu „Die Berghe von Trips Story“ komponiert hat und mit seinem Quartett den BREW LITE’s LIGHTHOUSE ALL-STARS im Odeon zu Gast sein wird.

 


Cairo Time
2. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 18:00 Uhr
Verführerisch simpel feiert die unaufdringlich, minimalistisch inszenierte Romanze „Cairo Time“ über eine unerwartete, späte Liebe die Flüchtigkeit des Augenblicks mit bittersüßer Reife. Getragen vom Zauber der plötzlichen Begegnung zwischen Orient und Okzident gelingt Regisseurin Ruba Nadda und ihren beiden herausragend spielenden Hauptdarstellern Patricia Clarkson (Shutter Island, und Alexander Siddig durch erzählerische Diskretion eine Magie, die fast unmerklich in den Bann schlägt.

 


Die anonymen Romantiker
5. Woche – ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 12:00 Uhr
    •    Mittwoch um 18:00 Uhr
Wie können zwei extrem schüchterne Menschen zueinanderfinden? – Die charmante, kleine Komödie liefert dazu eine hübsche Geschichte zum Mitfühlen und Mitschmunzeln. Genau der richtige Film für empfindsame Seelen, für hoffnungsvolle Mauerblümchen beiderlei Geschlechts und für alle, die an die unwiderstehliche Magie der Liebe glauben. Zugegeben, es sind dankbare Rollen, aber trotzdem: freuen sie sich auf einen grandiosen Schauspielerfilm mit Isabelle Carré und Benoit Poelvoorde (den sie fast gleichzeitig in „Nichts zu verzollen“ in einer ganz anderen Rollen Charakteristik bewundern können, man kann gar nicht glauben, dass das der gleiche Schauspieler ist wie „Ruben“.)

 


Mein Freund Knerten
6. Woche
    •    Sonntag um 13:30 Uhr
Ein Kinderfilm nicht nur für Kinder ist Asleiks Engmarks „Mein Freund Knerten.“ Als seine Familie aufs Land zieht, beginnt sich der kleine Lillebror mit einem Zweig namens Knerten anzufreunden, der ihm dabei hilft, sich in der ungewohnten Umgebung einzuleben. Mit viel Charme und verhältnismäßig wenigen Computereffekten erzählt der norwegische Regisseur Asleik Engmark von Lillebors Abenteuern, die in seiner Heimat schon in zwei Fortsetzungen zu verfolgen sind.

 


Midnight in Paris
5. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 17:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 21:00 Uhr
    •    Freitag bis Samstag um 23:00 Uhr
    •    Samstag bis Sonntag um 15:00 Uhr
In seinem 42sten Kinostreich erzählt der 75jährige Altmeister vom frustrierten Hollywood-Autoren Gil (Owen Wilson), dem ein Spaziergang der etwas anderen Art die Augen öffnet: Plötzlich findet sich der Held in den Zwanziger Jahren wieder, plaudert mit Hemingway und Bunuel – und verliebt sich in die Muse von Picasso. Mit champagnerprickelnder Leichtigkeit lädt Allen zur augenzwinkernd vergnüglichen Kunstreise in die Vergangenheit. Grandiose Akteure, scharfzüngig funkelnde Dialoge: „Was Sie schon immer über Paris wissen wollten…“

 


Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen
4. Woche – ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 20:45 Uhr
Aljoscha Pause hat den Fußballer Thomas Broich sieben Jahre lang mit der Kamera begleitet. Die Essenz aus über 100 Stunden Drehmaterial ist das großartige Porträt »Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen«.
Die Ehrlichkeit ist die größte Qualität des Films, Pause lässt den Zuschauer hautnah an Broichs Seelenleben teilhaben und führt den von Tiefschlägen für seinen Protagonisten wimmelnden Film zu einem Happy End. Pause sagt: »Ich habe mich für Thomas gefreut, als er nach Australien gegangen ist. Das war eine Befreiung für ihn.« Mit Broichs Auftritt im »Aktuellen Sportstudio« erfährt »Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen« nun die größtmögliche Publicity. Nicht wenige Zuschauer werden sich fragen, wo ihr ehemaliger Hoffnungsträger sich ein Jahr lang versteckt hat. Thomas Broich wird sie darüber aufklären, dass er mit seinem Verein Brisbane Roar in einem dramatischen Finale – Roar egalisierte in einer verrückten Verlängerung einen 0:2-Rückstand und gewann im Elfmeterschießen – die australische Meisterschaft errang. Dass er zum zweitbesten Spieler der Liga gewählt wurde und als einer der besten A-League-Importe aller Zeiten gilt, damit wird er nicht hausieren gehen. Wer diesen leisen, ungeschminkten Film sieht, der glaubt, einen der bemerkenswertesten deutschen Fußballer und dessen Karriere ein bisschen besser zu verstehen.
 

Text: Gastbeitrag

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