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Kultur

Kino gegen Rechts – Das Kinoprogramm im Odeon von 28.04 bis 04.05.2011

Donnerstag, 28. April 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Amélie Losier

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Im ODEON laufen in den nächsten Tagen und Wochen neben den im Artikel aufgeführten Filmen einige ganz besondere Veranstaltungen. Damit unterstreichen die Kinomacher wieder einmal, dass sie ihr Cinema nicht nur als reines Filmabspielhaus sehen, sondern vielmehr Kino erlebbar und anfassbar machen. Am kommenden Mittwoch um 17:30 Uhr wird im Rahmen der Initiative „Kein Kölsch für Nazis“ der Film „Das braune Chamäleon“ gezeigt – anwesend wird Hans Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum sein, der zur anschließenden Diskussion zur Verfügung steht. Ebenfalls am Mittwoch ist bei der Preview seines Werks „Die Mondverschwörung“ Regisseurs Thomas Frickel im Südstadtkino anwesend – der Film läuft dann täglich ab dem 5. Mai. In der Reihe Kölsche Originale werden zum 84. Geburtstag zwei Filme von Trude Herr gezeigt: am 8.5. um 11:30 Uhr „Frankensteins Schwiegermutter“ und am 11.5. um 20:00 Uhr „Scheidung auf Kölsch“.

 

Das braune Chamäleon
1. Woche – ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 17:30 Uhr
Zu Gast: Hans-Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum Köln.
Die Erscheinungsform von Rechtsextremen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Neonazis wie die »Autonomen Nationalisten« sind auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden von den Angehörigen linker Subkulturen. Rechtspopulisten wie die Mitglieder der »Pro-Bewegung« versuchen, sich bürgernah zu geben. Der Film beschreibt diese Strömungen aus verschiedenen Blickwinkeln:??   

* Hans-Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum Köln beschreibt Ausprägungen der rechten Szene.?   

* Matthias Adrian war Funktionär bei der NPD, distanzierte sich aber nach und nach von der rechtsextremen Ideologie. Er berichtet von seinen Erlebnissen als organisierter Neonazi.?   

* Andreas ist als 11jähriger zu einer Gruppe Rechtsradikaler gestoßen. Er beschreibt, welchen Reiz sie auf ihn ausübte.?   

* Schüler und Lehrer berichten über den Umgang mit der Thematik Rechtsextremismus an der Schule.?   

* Veranstaltungen von »Pro-NRW« und den »Autonomen Nationalisten« sowie Gegenkundgebungen werden dokumentiert. ??Außerdem behandelt der Film die Frage, welche Möglichkeiten des Widerstandes möglich und sinnvoll sind.

 


Die Mondverschwörung
1. Woche – ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 20:00 Uhr
Preview: in Anwesenheit des Regisseurs Thomas Frickel am Mi. 4.5. 20:00 Uhr
Regisseur Thomas Frickel schickt nach „Deckname Dennis“ erneut den Amerikaner Dennis Mascarenas durch die deutsche Lande auf eine Erkundungsreise durch die Esoterikszene. Was als skurriler Spaß beginnt, mit Immobilienhändler für Mondgrundstücke und geschäftstüchtigen Vollmondjüngern, bekommt beim Eintauchen in den braunen Esoteriksumpf eine erschreckende Note. Mit irrwitzig anmutenden Verschwörungsszenarien tummeln sich immer mehr Rechtsextreme im Bereich der Esoterik.

 


Ferien auf Saltkrokan
ODEON Kinderfilm im Mai!
1. Woche
    •    Sonntag um 15:00 Uhr  
Astrid Lindgren Klassiker: der Schriftsteller Melcher Melcherson  und seine Kinder Malin, Johann, Niklas und Pelle machen Sommerurlaub auf der Insel Saltkrokan. Ihr Ferienhaus entpuppt sich als heruntergekommene Hütte mit undichtem Dach.
Trotzdem fühlt die Familie sich bald wie zu Hause.


Im Himmel, unter der Erde
1. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 18:15 Uhr
    •    Mittwoch um 20:15 Uhr
PRESSESTIMMEN: ??Jeder Grabstein erzählt hier eine Geschichte.?BERLINER ZEITUNG??Ein Friedhofsfilm, wie er lebendiger nicht sein kann.?DER TAGESSPIEGEL??Ein schöner, oft sogar heiterer Film.?FRANKFURTER RUNDSCHAU
Im Norden der Stadt, versteckt in einem Wohngebiet, umgeben von Mauern und bedeckt von einem Urwald aus Bäumen, Rhododendron und Efeu liegt der Jüdische Friedhof Berlin Weißensee. Er wurde 1880 angelegt, ist 42 Hektar groß, hat derzeit 115 000 Grabstellen und immer noch wird auf ihm bestattet. Weder der Friedhof noch sein Archiv sind je zerstört worden – ein Paradies für Geschichten-Sammler.??Britta Wauer (GERDAS SCHWEIGEN) und ihr Kameramann Kaspar Köpke waren immer wieder auf dem Jüdischen Friedhof und haben einen höchst lebendigen Ort vorgefunden. Menschen aus aller Welt kommen dort hin und können von jüdischer, Berliner und zugleich deutscher Geschichte erzählen, von der dieser Ort erfüllt ist.?Bei den 61. Internationalen Berliner Filmfestspielen in diesem Jahr gewann der Film den Panorama Publikumspreis.
 


So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn
3. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 16:30 Uhr
    •    Sonntag um 13:00 Uhr
    •    Mittwoch um 16:00 Uhr
So weit und groß erzählt die Lebensgeschichte Otto Modersohns [1865-1943] in einer bisher nicht dagewesenen Konzentration. Der Dokumentarfilm verzichtet vollständig auf moderne Quellen, Ansichten, Kommentare und Materialien. Seiner eindringlichen Bildsprache liegen ausschließlich zeitgenössische Bildmaterialien: Filme, Fotografien, Reproduktionen von Gemälden, Zeichnungen und Schriftdokumente zu Grunde. Die eingesprochenen Texte entstammen Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Texten von Otto Modersohn selbst, Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke. Otto Modersohn versuchte zeitlebens, die Dinge tief zu durchdringen und das Wesentliche an ihnen herauszuarbeiten.?So […] enthält dieses Land, die Sprache Otto Modersohns lautet Rilkes berühmte Würdigung aus dem Jahr 1903. Wenn sich der Film So weit und groß nun fast 80 Minuten ausschließlich aus der Sprache und den visuellen Eindrücken dieser Zeit zusammen setzt, kommt er diesem europäischen Land der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts so nah, wie es keine Ausstellung und kein Buch können.


Almanya – Willkommen in Deutschland
7. Woche – ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 22:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 19:00 Uhr
Deutscher Filmpreis Bester Spielfim in Silber und bestes Drehbuch!
Das Schicksal der türkischen Einwandererfamilie Yilmaz samt absurden Verwicklungen und kulturellen Differenzen steht im Mittelpunkt der warmherzigen Cultur-Clash Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“. Das vier Jahrzehnte umspannende Generationenepos beeindruckt durch seinen sensibel authentischen Blick auf die Welt zwischen Okzident und Orient. Stilsicher bieten die Samdereli-Schwestern mit ihrem beschwingten Spielfilmdebüt unterhaltsames Gefühlskino, das humorvoll Brücken zwischen den Kulturen schlägt. Die feine Balance zwischen Tradition und Moderne gelingt den beiden nicht zuletzt aufgrund eigener liebevoller Erinnerungen an persönliche Erlebnisse aus ihrer Herkunftsfamilie.
Deutschland, Anfang der 70er Jahre. „Eine Riesenratte, hier gibt’s Riesenratten“, schreit der kleine Muhamed (Kaan Aydogdu) entsetzt mit Blick aus dem Autofenster. Draußen auf dem Gehsteig führt ein deutscher Mann stolz seinen Dackel spazieren. Für den 8jährigen Jungen, den sein Vater Hüseyin Yilmaz (Fahri Yardim) gerade frisch aus der Türkei nach Alemanya holte, eine Begegnung der seltsamen Art. Auch Mutter Fatma (Demet Gül) macht merkwürdige Erfahrungen in diesem fremden, grauen Land. „Muhh“, blökt der deutsche Lebensmittelhändler freudestrahlend, nachdem sie ihm in Zeichensprache klarmacht, dass sie gerne eine Flasche Milch hätte. Vierzig Jahre später ist Deutschland längst zur Heimat der Familie Yilmaz geworden. Ihr sechsjähriger Enkel Cenk (Rafael Koussouris) stellt sich als Sohn einer Deutschen (Petra Schmidt-Schaller) und eines Türken (Denis Moschitto) allerdings in der Schule plötzlich die Frage nach seiner Identität. Grund: Bei einem Fußballspiel wählen ihn seine Kameraden weder in die deutsche noch in die türkische Mannschaft. „Wir sind jetzt Deutsche“, verkündet Großmutter Fatma (Lilay Huser) dagegen ihren Kindern und Kindeskindern überraschend bei einer Familienfeier. Großvater Hüseyin freilich verblüfft seinen Clan noch viel mehr. Er hat in der Türkei ein Haus gekauft und will in den Ferien mit allen in die alte Heimat fahren.


Das Lied in mir
11. Woche – ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 14:45 Uhr
Die junge Deutsche Maria (Jessica Schwarz) hört bei einer Zwischenlandung in Buenos Aires ein spanisches Kinderlied und bricht zusammen. Maria hat nie Spanisch gelernt und erkennt doch das Lied. Fast 30 Jahre hat ein Lied in Maria geschlafen, das nicht in den Teil von Marias Leben passt, an den sie sich erinnert.?Als Marias Vater Anton (Michael Gwisdek) davon erfährt, dass Maria sich an ein spanisches Lied erinnert, reist er sofort zu ihr nach Argentinien. Instinktiv will er seine Tochter vor der Vergangenheit beschützen. Als sich Vater und Tochter in Buenos Aires gegenüberstehen muss Anton erkennen, dass er noch nie so nah daran war seine Tochter für immer zu verlieren.?Maria ringt mit Anton um eine gefährliche Wahrheit und Anton ringt mit der Vergangenheit um seine Tochter.
Jessica Schwarz und Michael Gwisdek in einer ihrer besten Rollen.


Das Schmuckstück
6. Woche – ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 20:00 Uhr
    •    Sonntag um 12:30 Uhr
„Frauen an die Macht!“ Francois Ozon hat einen höchst emanzipatorischen Film gedreht, der sich mit großer Leichtigkeit und ohne die sonst übliche Verbissenheit der Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern annimmt. Als die gelangweilte Ehefrau eines Unternehmerpatriarchen ist die wunderbare Catherine Deneuve das Kraftzentrum dieser Geschichte. „Das Schmuckstück“ – in seiner Heimat Frankreich mit bislang über 2,3 Millionen Besuchern ein echter Publikumserfolg.
Die Darsteller ließen sich von Ozons Esprit zweifellos anstecken. Gerade die Deneuve reißt mit ihrer unvergleichlichen Präsenz und Ausstrahlung immer noch jede Szene an sich. Selbst wenn ihr Partner Gérard Depardieu heißt, sind alle Augen auf sie gerichtet. Ihre Madame Suzanne ist eine echte Powerfrau, ein organisatorisches Multitalent, gegen das die Männer in diesem Film ziemlich alt aussehen. Dass sie schließlich – zugegeben nicht wirklich freiwillig – in die Politik wechselt, ist sicherlich auch als Kommentar auf die aktuelle, politische Machtverteilung in Europa zu verstehen. Als chauvinistisches Ekelpaket und menschliches HB-Männchen dürfte indes Deneuves Film-Ehemann Fabrice Lucchini die meisten Lacher ernten.
 


Der Name der Leute
3. Woche – ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 21:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 16:45 Uhr
    •    Mittwoch um 17:45 Uhr
Die anarchistische Komödie „Der Name der Leute“ schafft es, kühn mit einer Art sanft überzeichneten Realismus zwischen Leichtfüßigkeit und Tiefgründigkeit zu wechseln. Frankreich Shootingstar Sara Forestier verkörpert dabei überzeugend die lebenslustige, idealistische Politaktivistin Bahia, die das Leben des zurückhaltenden Arthur auf den Kopf stellt. Die junge Frau schläft mit Männern aus dem politisch konservativen Lager, um sie von ihren linken Ideen zu überzeugen. Unkonventionell verpackt Regisseur Michel Leclerc in seine schräge romantische Love-Story traumatische Familiengeheimnisse und gesellschaftliche Konflikte.
Unser Tipp: Eine ungewöhnliche französische Komödie mit brillanten Darstellern: Sara Forestier und Jacques Gamblin. Wenn Sie „C’est la vie – So sind wir , so ist das Leben“ mochten dann werden sie auch diesen vielschichtigen Film mögen.

Text: Gastbeitrag

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