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Kultur

Kinoprogramm für 
das Odeon
 vom 05.09. bis 11.09.2013

Donnerstag, 5. September 2013 | Text: Tamara Soliz | Bild: RealFiction

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Heute schon eingekauft? In den Supermärkten herrscht große Vielfalt in den Regalen, aber der Schein trügt. Dominiert wird der Markt mit unseren Lebensmitteln von einigen wenigen internationalen Herstellern. Die drei größten Lebensmittelkonzerne machten 2010 gute Umsätze: Nestlé (Alete-Babykost, Herta-Wurst, Maggi-Fertigprodukte) 28 Milliarden, Tyson Foods (Tiefkühlfleisch) 26,7 Milliarden und Kraft Foods (Capri Sonne, Jacobs-Kaffee, Milka-Schokolade) 23,6 Milliarden. Nestlé alleine führt 2.000 Marken und verkauft Süßigkeiten, Babynahrung, Kaffee, Cornflakes, Fertiggerichte, Tierfutter und Wasser. Was bisher nur in Schwellenländern üblich war soll auch in Europa eine neue Einnahmequelle für die Lebensmittelgiganten werden: Die Privatisierung, Liberalisierung des Grundwassers. Immer wieder gibt es versuche der Europäischen Kommission diesen Markt zu öffnen. Der Film  „Bottled Life – Das Geschäfte mit dem Wasser“ zeigt die Auswüchse einer solchen Entwicklung. Europaweit stemmen sich Büger gegen die Konzerne und die politischen Wegbereiter. http://www.right2water.eu/de

Bottled Life – Das Geschäfte mit dem Wasser
1. Woche
    •    Donnerstag um 20:00 Uhr  Premiere mit Gästen
Wie verwandelt man Wasser in Geld? Es gibt eine Firma, die das Rezept genau kennt: Nestlé. Dieser Konzern dominiert den globalen Handel mit abgepacktem Trinkwasser.

Der Schweizer Journalist Res Gehriger macht sich auf, einen Blick hinter die Kulissen des Milliardengeschäfts zu werfen. Nestlé blockt ab. Es sei der falsche Film zur falschen Zeit, heisst es in der Konzernzentrale. Doch der Journalist lässt sich nicht abwimmeln. Er bricht auf zu einer Entdeckungsreise, recherchiert in den USA, in Nigeria und in Pakistan. Die Expedition in die Welt des Flaschenwassers verdichtet sich zu einem Bild über die Denkweisen und Strategien des mächtigsten Lebensmittelkonzerns der Welt.

Il Futuro – Eine Lumpengeschichte in Rom
1. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 14:00 Uhr   Einmalig
Die beiden Teenager Bianca und Tomás leben nach dem Unfalltod ihrer Eltern als Waisen in Rom. Mit kleinen Jobs halten sie sich neben der Schule über Wasser. Ihre Situation verkompliziert sich noch, als zwei Freunde von Tomás aus dem Fitnessstudio bei ihnen einziehen. Zusammen planen sie aus Geldnot, den in die Jahre gekommenen blinden Bodybuilder und ehemaligen B-Picture-Helden Maciste auszurauben. Dazu soll Bianca ihn besuchen, ihn verführen und sein Vertrauen gewinnen.

Doch Bianca fängt an den charismatischen Maciste zu mögen und denkt immer weniger an ihren ursprünglichen Plan.

Kölsche Matinee: Heisses Pflaster Köln
1. Woche – Ab 16 Jahren
    •    Sonntag um 11:30 Uhr  Einmalig
Zu Gast: Der lange Tünn
Köln, Anfang der 1960er Jahre weithin bekannt als Stadt der Dirnen und als Verbrecherhauptstadt mit dem Spitznamen Chicago des Westens: Eine berüchtigte Clique Kölner Zuhälter hält die Stadt seit langem in Atem. Doch als sich das kölsche Milieu gegen eine Bande aus Wien zur Wehr setzen muss, eskaliert die Situation. Im Hinterhof einer Kneipe wird ein Mann zu Tode geprügelt. Der Haupttäter, eine Schlüsselfigur des lokalen Verbrecheradels, muss sich wegen Mordes verantworten. Sein Bruder aber glaubt die Gesetze der Unterwelt auf das Gericht übertragen zu können und beginnt nun auch einen Privatkrieg mit der Staatsanwaltschaft.Ernst Hofbauer inszenierte für die Produktionsfirma Lisa-Film „hart und milieuecht“ an Original-Schauplätzen. Ausdrücklich inspirieren lassen hat sich der Regisseur von den tatsächlichen Ereignissen, die Köln in den frühen 60er Jahren den Ruf der Ganovenmetropole einbrachten. Die Unterweltgröße Toni Dumm („Dummse Tünn“) gilt damals als Schlüsselfigur des kriminellen Milieus. Neben den Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Zuhälterbanden, steht er damals tatsächlich auf Kriegsfuß mit einem Staatsanwalt, der aus Düsseldorf nach Köln gekommen war, um hier aufzuräumen.Der Stadt Köln missfiel vor allem der Filmtitel, man befürchtete, ein solcher Film könnte Touristen abschrecken. In den Kinos war Heisses Pflaster Köln seinerzeit ein großer Erfolg. Kölnprogramm, Verlag und Produktionsfirma für zahlreiche historische Filmdokumentationen aus Köln und vom Rhein, veröffentlicht Heisses Pflaster Köln nun erstmals überhaupt auf DVD.Bonusmaterial: Neben dem Spielfilm mit ca. 85 Minuten Länge enthält diese DVD den Original Kino-Trailer von 1967 und eine Foto-Gallerie mit Standfotos, Filmplakaten, Artwork, Porträts der Schauspieler und eine original Pressemappe von 1967.

Das Mädchen Wadjda 
1. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 17:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Dienstag um 19:00 Uhr
    •    Sonntag um 19:00 Uhr OmU
    •    Mittwoch um 16:45 Uhr
Wadjda (Waad Mohammed) ist ein zehnjähriges Mädchen und lebt in Saudi-Arabien. Sie kommt jeden Morgen auf dem Weg zur Schule an einem Spielzeuggeschäft vorbei, wo sie sehnsüchtige Blicke auf ein grünes Fahrrad wirft. Doch abgesehen davon, dass sie kein Geld hat, ist es Mädchen in ihrem Land untersagt, mit dem Rad durch die Gegend zu fahren. Trotzdem will Wadjda sich diesen Traum um jeden Preis erfüllen. Als ihr Plan, mit dem verbotenen Verkauf von selbstgemachten Mixtapes auf ihrem Schulhof zu Geld zu kommen auffliegt, bleibt ihr nur noch ein kleiner Hoffnungsschimmer: Sie muss den Koran-Rezitationswettbewerb gewinnen, der mit einem hohen Preisgeld dotiert ist. Die kleine Wajda kann sich tatsächlich erfolgreich gegen ihre Konkurentinnen durchsetzen, bringt es allerdings bei der Preisverleihung nicht übers Herz zu lügen und gesteht ihren Plan, das Preisgeld für das grüne Fahrrad auszugeben. Daraufhin wird ihr das Geld vorenthalten…
 Dass er überhaupt existiert, grenzt an ein Wunder: „Das Mädchen Wadjda“ ist nicht nur der erste offizielle in Saudi-Arabien gedrehte Film, Regie führte mit Haifaa Al Mansour auch noch eine Frau. Die Produktion wurde von der deutschen Razor Film ermöglicht, die schon andere Filme aus dem Nahen Osten koproduzierte, unter anderem „Paradise Now“ und „Waltz with Bashir“. Mit großer Abgeklärtheit und aufregend eigenständig erzählt Al Mansour die Geschichte einer mutigen Zehnjährigen in Riad.

Der Fall Wilhelm Reich
1. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 21:00 Uhr
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 15:45 Uhr
    •    Mittwoch um 18:45 Uhr
Nach einer jahrelangen Hetzjagd des McCarthy Regimes steht der Psychiater und Grenzforscher Wilhelm Reich auf der Suche nach einer ursprünglichen Energie des Lebens wegen Betrugs vor Gericht. Sein Traum, das Individuelle im Menschen zu entfesseln, macht ihn zu einem gefährlichen Gegner eines amerikanischen Systems, das nach 1945 mit allen Mitteln die Weltvorherrschaft anstrebt. War es Wahnsinn, an die Freiheit des Menschen zu glauben, oder war Reich nur zur falschen Zeit am falschen Ort und folglich als genauer Beobachter von weitreichenden gesellschaftspolitischen Zusammenhängen eine Gefahr für rigide Machtverhältnisse? 10 Jahre nach seinem mysteriösen Tod werden seine verbrannten Schriften zu wichtigen Wegbegleitern einer revoltierenden 68er Generation.

Frances Ha
6. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Freitag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 21:45 Uhr
    •    Sonntag um 21:45 Uhr OmU
Man musste sich schon Sorgen machen um die amerikanische Jugend. In Filmen wie „Spring Breakers“ oder „The Bling Ring“ verloren sich Kids in einer Wolke aus Sex, Alkohol, Drogen und der Sucht nach Anerkennung. Die Protagonisten in Noah Baumbachs „Frances Ha“ sind älter und haben die Pubertät hinter sich gebracht. Unwillkürlich atmet man erleichtert auf. Mit diesen Figuren kann man wieder etwas anfangen! Und das, obwohl Noah Baumbachs Film das Unfertige im Leben feiert, kongenial verkörpert durch seine Hauptdarstellerin Greta Gerwig. Ohne Frage stellen sich spannende Parallelen zwischen „Frances Ha“ und dem deutschen „Oh Boy“ ein.

Gloria (OmU)
5. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 13:30 Uhr
Gäbe es auf der Berlinale 2013 einen „Bären der Herzen“, der junge Chilenen Sebastián Lelio hätte ihn souverän gewonnen. Szenenbeifall und minutenlanger Applaus bis zum Ende des Abspanns waren des Publikums Dank für die bewegende Geschichte der titelgebenden Heldin, einer Dame um die 60, die ihrem langweiligen Leben ein bisschen Lust und Liebe abtrotzen will. Der elegante Rodolfo wäre der ideale Kandidat für eine Romanze, doch der heiße Liebhaber entpuppt sich als wahrer Waschlappen. Mit pfiffiger Cleverness und lässigem Charme hält das Drama gekonnt die Balance zwischen Melancholie und Komik und gerät so zum wohl bezauberndsten Feel-Good-Film des Jahres. Wenigstens bekam die grandiose Pauline Garcia den verdienten „Bären“ als Beste Darstellerin. Und der Film, last not least (!), den Gilde-Preis der deutschen Filmkunsttheater der AG Kino-Gilde.

Gold
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 21:00 Uhr
Kanada im Jahr 1898. Im Spätsommer macht sich Emily Meyer (Nina Hoss) mit einer deutschen Gruppe von Einwanderern auf den Weg von der nördlichsten Bahnstation in Ashcroft zu den kürzlich entdeckten Goldfeldern im Yukon-Territorium Dawson in Kanada. Um Geld zu sparen, entscheiden sich die unerfahrenen Goldgräber für eine Route quer durch das Land, müssen dabei jedoch feststellen, dass sie durch unwegsame und unerschlossene Gebiete wandern müssen und ihr Ziel in immer weitere Ferne rückt. Die unbewohnte, unwirtliche Wildnis zerrt an den Nerven der Reisenden und die Atmosphäre wird immer unangenehmer. Noch dazu sind die Landkarten oftmals fehlerhaft, was die Reise erheblich erschwert. Carl (Marko Mandic), der geheimnisvoll und undurchschaubar ist, wird zu Emilys Verbündetem in diesen schwierigen Zeiten. Emily ist sich sicher: Jetzt und hier ändert sich ihr Leben für immer.

Portugal mon amour
3. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 18:00 Uhr
    •    Freitag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 20:00 Uhr
    •    Sonntag um 20:00 Uhr OmU
    •    Mittwoch um 14:30 Uhr
Maria Ribeiro arbei­tet als Con­cierge in einem herr­schaft­li­chen Haus im schö­nen 16. Arron­dis­se­ment in Paris, in des­sen Erd­ge­schoss sich auch die kleine Woh­nung ihrer Fami­lie befin­det. Ihr Ehe­mann José ist ein tadel­lo­ser Vor­ar­bei­ter in einer Bau­firma, bei sei­nem Chef ebenso geschätzt wie bei den Kol­le­gen. Die Ribei­ros lie­ben es mit den ande­ren Exil-Portugiesen des Vier­tels aus­gie­bige Feste zu fei­ern und sie sind bei Nach­barn wie Freun­den immer zur Stelle, sobald sie gebraucht wer­den. Kurzum, Maria und José sind voll­kom­men inte­griert und haben es sich gut mit ihren nun schon fast erwach­se­nen Kin­dern ein­ge­rich­tet. Wäre da nicht ein klei­ner Rest Sehn­sucht nach der alten Hei­mat. Eines Tages flat­tert ihnen ein Brief ins Haus: Josés Bru­der ver­erbt ihnen sein Anwe­sen mit dem dazu­ge­hö­ri­gen Wein­gut. Jetzt müs­sen die Ribei­ros die Nach­richt ihrer Rück­kehr nach Por­tu­gal nur noch ihren Freun­den und Arbeits­kol­le­gen beibringen…

Gelebte Inte­gra­tion ein­mal ganz anders: LA CAGE DORÃ?E ist eine sprit­zige, sym­pa­thi­sche und warm­her­zige Culture-Clash-Komödie über por­tu­gie­si­sche Haus­frauen und ihre Fami­lien auf der Suche nach dem gro­ßen Glück. Ein wun­der­ba­res Plä­do­yer an die Freund­schaft und ein gelun­ge­nes Bei­spiel dafür, dass das Gras auf der ande­ren Seite des Hügels nicht um jeden Preis grü­ner sein muss.

Die fran­zö­si­sche Boxoffice-Überraschung des Jah­res, klein gestar­tet, mit her­vor­ra­gen­der Mund­pro­pa­ganda auf dem Weg zu 1,5 Mio begeis­ter­ten Zuschau­ern, star­tet in Deutsch­land eigent­lich erst am 29. August 2013.

Sadhu
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:45 Uhr
Der Sadhu Suraj Baba, ein hinduistischer Heiliger, hat sich von allen weltlichen Gütern getrennt, um sich in eine Grotte zurückzuziehen, die mitten im Himalaya-Gebirge auf 3000 Metern Höhe liegt. Nachdem er acht Jahre in völliger Isolation gelebt und diese Zeit der Meditation gewidmet hat, wendet er sich erneut der irdischen Welt zu. Während dem hinduistischen Kumbha Mela Fest, das alle 12 Jahre mehr als 70 Millionen Pilger anzieht, beschliesst Suraj sich den anderen Sadhus anzuschliessen, bevor er sich auf eine lange Reise begibt und am Ende das Askesegelübde ablegt. Durch die Aufrichtigkeit und Offenherzigkeit des Weisen rückt der indische Mystizismus während seiner Initiationsreise in den Hintergrund, denn Suraj ist ein Weiser, der keiner mehr sein möchte.

Wintertochter
1. Woche
    •    Samstag um 14:00 Uhr     FAMILIENFILM
Eine Geschichte über Freundschaft zwischen verschiedenen Generationen und Nationen und über den Mut, sich dem Leben zu stellen. Nach „Blöde Mütze!“ der neue Film von Johannes Schmid.

Text: Tamara Soliz

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