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Kultur

Kinoprogramm für 
das Odeon
 vom 22. bis 28.01.2015

Donnerstag, 15. Januar 2015 | Text: Tamara Soliz | Bild: © Warner Bros. France

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Genugtuung – Ein Gefühl das besonders starke Serotoninausschüttungen verursacht. In „Wild Tales“ von Regisseur Damián Szifrón suchen die Protagonisten hemmungslos nach Genugtuung und singulärer Gerechtigkeit. Amüsant, drastisch und unmoralisch sind die verschiedenen Episoden. Die Braut, die auf der Hochzeit erfährt das der Bräutigam fremd gegangen ist, der arme Schlucker welcher zum wiederholten Male von einem Reichen gedemütigt wird, sie alle sind wir. Wenn auch die Landschaften nicht so recht nach Deutschland passen wollen, so sind die in Wild Tales verwirklichten Racheträume zutiefst menschlich, ethisch nicht vertretbar, aber unglaublich befriedigend.

Fräulein Julie
1. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 17:45 Uhr
Irland Ende des 19. Jahrhunderts. In einer lauen Mittsommernacht wird aus dem anfänglichen Flirt zwischen dem adeligen Fräulein Julie (Jessica Chastain) und dem weltgewandten Diener John (Colin Farrell) ein gefährliches Spiel aus Verführung und Zurückweisung. Die eigenwillige Julie ist von der Bildung und dem Charisma Johns fasziniert. Sie spielt mit ihm und nutzt ihre höhere Stellung aus, während John sich insgeheim eine Verbesserung seines gesellschaftlichen Status verspricht. Allerdings sind es gerade die strengen Klassenunterschiede als auch Johns misstrauische Verlobte Kathleen (Samantha Morton), die zwischen den beiden stehen. Dennoch können sie nicht voneinander lassen und steigern sich zusehends in eine verhängnisvolle Leidenschaft, bis ihr Liebesreigen schließlich eine dramatische Wendung nimmt.
Die legendäre Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann adaptiert mit emotionaler Wucht Strindbergs Theaterklassiker für die Leinwand, in dem die beiden Stars Jessica Chastain (TREE OF LIFE, INTERSTELLAR) und Colin Farrell (TOTAL RECALL) brillieren.

Karneval! – Wir sind positiv bekloppt
    •    Sonntag um 11:11 Uhr
Ein Jahr in Köln, fünf Jahreszeiten, 365 Tage dem Karneval auf der Spur??Hunderttausende sind unterwegs, um eines der größten Straßenfeste der Welt zu feiern. Einheimische und Fremde taumeln im Karneval in einen kollektiven Rausch. Für einige ist es mehr als nur ein flüchtiges Vergnügen. „Karneval! Wir sind positiv bekloppt“ zeigt die Menschen hinter den Kulissen, ohne deren Leidenschaft im Karneval nichts läuft. Für sie ist Karneval kein Probelauf für das Leben, sondern das Leben selbst. Mit allen Höhen und Tiefen. 365 Tage im Jahr.??Pünktlich am Aschermittwoch beginnt Biggi, die 82jährige „Mutter der Mariechen“, mit der Arbeit an den neuen Choreographien. Die Wirte der Kultkneipe „Weißer Holunder“ gehen in die letzte Saison. Nachwuchsbüttenredner Tobias muss sich vor der Auswahlkommission beweisen. Und Helmut verkauft auch im Hochsommer die aktuellste Karnevalsmode. Der Karneval macht aus ihnen Helden für den Augenblick. Nach dem Kinoerfolg „Kinshasa Symphony“ der neue Dokumentarfilm von Claus Wischmann.??„Ein purer, wahrhafter und ergreifender Blick auf ein ganzes Jahr im Zeichen des Karnevals.“?(Kölnische Rundschau)

 

Exhibition on Screen (OmU)
    •    Mittwoch 28. Jan. 17:00 Uhr

Ihr Sitzplatz in der ersten Reihe vor den berühmtesten Kunstgegenständen der Welt.
Exhibition on Screen: Girl with a Pearl Earing und andere Schätze vom Mauritshuis Museum in den Niederlanden

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer ist eines der bedeutendsten und bekanntesten Gemälde in der Kunstgeschichte. Auch heute noch stehen viele Besucher in langen Schlangen, um einen Blick auf dieses atemberaubende Werk werfen zu können. Doch das Gemälde selbst ist von Geheimnissen umgeben: Wer war dieses Mädchen? Warum und wie wurde sie gemalt? Warum wird dieses Gemälde so verehrt? Dieser neue Dokumentarfilm wird die vielen offenen Fragen, die mit diesem außergewöhnlichen Kunstwerk und ihren geheimnisvollen Schöpfer Vermeer verbunden sind, beantworten. Genießen Sie einen unvergleichlichen und exklusiven Rundgang durch die historische Ausstellung aus dem Mauritshuis Museum in Den Haag, und lassen Sie sich mitnehmen, auf eine detektivische Reise hinter die Kulissen des Museums und auf die Suche nach langersehnten Antworten. Wir präsentieren Ihnen diese fantastische Ausstellung in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln – natürlich in perfektem HD und brillantem 5.1. Surround Sound.
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Amour Fou
1. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Sonntag um 15:45 Uhr
In den Salons der Romantik genießt der Dichter Heinrich von Kleist einen zweifelhaften Ruf. Der Melancholiker, dessen begnadete Dichtung seiner Zeit stets zu tief auf den Zahn fühlte und der trotz seines Talents stets vergeblich liebte, empfindet das Leben hauptsächlich als Schmerz. Sein größter Wunsch ist es, mit einem geliebten Menschen gemeinsam aus dem Leben zu gehen und so der penetranten Vereinzelung doch noch zu entgehen. Doch seine Cousine Marie, die er zu lieben glaubt, weigert sich partout einzusehen, dass die Seelenverwandtschaft beider sozusagen offensichtlich ist. Wiederum vergeblich bietet Heinrich so einige Überredungskunst auf, um Marie das Sterben schön zu reden.
Doch dann trifft der Dichter auf Henriette Vogel, eine zarte, schöne Ehefrau und Mutter. Heinrich ahnt, dass Henriette ebenso einsam ist wie er und in ihrem wohlgeordneten Leben eine seltsame Entbehrung spürt. Während aus Frankreich eine Welle der Demokratisierung über den preußischen Hierarchien zusammenbricht, kommen sich Heinrich und Henriette langsam näher. Heinrich hofft darauf, dass Henriette der Liebe wegen die Sicherheiten ihres Lebens aufgeben will, und ist enttäuscht als Henriette vor allem aus Angst vor einer todbringenden Krankheit Gefallen am Sterbeangebot des Verliebten gefunden hat. Verstrickt in große Erwartungen und verborgene Ängste schließen Heinrich und Henriette einen Pakt, der vielleicht ein Pakt der Liebe ist.
Mit zärtlicher Ironie erzählt Regisseurin Jessica Hausner eine romantische Komödie, die von Verwerfungen zu berichten weiß, die in diesem Genre sonst geflissentlich ausgelassen sind: eine Geschichte der Sehnsüchte und der Einbildungskraft, die manchmal wirklich und manchmal vergeblich sind. Inspiriert von Heinrich von Kleist gelingt mit »Amour Fou« ein federleichtes Liebesspiel um Leben und Tod.

Das Salz der Erde (OmU)
11. Woche
    •    Sonntag um 14:45 Uhr  OSCAR Nominiert!

In den vergangenen 40 Jahren hat der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado auf allen Kontinenten die Spuren unserer sich wandelnden Welt und Menschheitsgeschichte dokumentiert. Dabei war er Zeuge wichtiger Ereignisse der letzten Jahrzehnte – von internationalen Konflikten, Kriegen und ihren Folgen, von Hungersnöten, Vertreibung und Leid. Seine beeindruckenden Fotoreportagen haben den Blick auf unsere Welt geformt. Salgado selbst wäre seelisch an dieser Aufgabe fast zugrunde gegangen, wenn er nicht ein neues, ein gigantisches Fotoprojekt begonnen hätte: „Genesis“. Fast die Hälfte unseres Planeten ist bis zum heutigen Tag unberührt. Mit seiner Kamera widmet sich Salgado seit nunmehr fast einem
Jahrzehnt diesen paradiesischen Orten unserer Erde, kehrt an den Ursprung allen Lebens zurück und offenbart uns eine wunderbare Hommage an die Schönheit unseres Planeten.
DAS SALZ DER ERDE präsentiert Sebastião Salgados Leben und Arbeit aus der Perspektive zweier Regisseure: der seines Sohnes Juliano Ribeiro Salgado, der seinen Vater in den vergangenen Jahren oft mit der Filmkamera begleitete, und der von Wim Wenders, Bewunderer von Salgados Fotokunst, selbst Fotograf und einer der großen Filmemacher unserer Zeit.

Die Sprache des Herzens
6. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Samstag um 15:15 Uhr
    •    Mittwoch um 16:00 Uhr
Blind und taub geboren, ist die 14-jährige Marie Heurtin unfähig zu jeder Art von Kommunikation. Entgegen dem Rat eines Arztes, der sie für „dumm“ hält, kann sich ihr Vater, ein einfacher Handwerker, nicht dazu durchringen, sie in eine Anstalt einzuliefern. Aus Verzweiflung wendet er sich an das Institut Larnay in der Nähe von Poitiers, wo sich Nonnen um taube junge Frauen kümmern. Trotz der Skepsis der Mutter Oberin nimmt die junge Schwester Marguerite das „wilde kleine Tier“ unter ihre Fittiche. Sie tut alles, was in ihrer Macht steht, um Marie der Dunkelheit zu entreißen. Und auch wenn zahlreiche Rückschläge und Enttäuschungen den Weg begleiten und sie manchmal in Versuchung ist, aufzugeben, hat sie schließlich doch Erfolg. Ihre feste Überzeugung, dem Kind helfen zu können, und die Liebe zur kleinen Marie leiten sie.

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach
5. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 19:00 Uhr
Der Gewinner des Goldenen Löwen beim Filmfestival Venedig 2014 !!!

Sam und Jonathan sind zwei glücklose und etwas kummervolle Vertreter für Scherzartikel. Als Handlungsreisende sind sie in wichtiger Mission unterwegs: sie wollen helfen, Spaß zu haben. Da die Welt voller Enttäuschungen und eine seltsam einsame Angelegenheit ist, haben sie sich auf die Klassiker unter den Kuriositäten spezialisiert: Vampirzähne, Lachsack und eine groteske Monstermaske. Weil das Verkaufen eine grässliche Angelegenheit ist, tun sich Sam und Jonathan oft schwer, die Ware mit dem nötigen Schwung unters Volk zu bringen und sind sich äußerst uneinig, welche Präsentationsstrategie die richtige ist. Denn Freude zu verbreiten in einer sonst fahlen Welt ist schwer.
Doch Verkaufen müssen sie den Spaß, denn das kabbelnde Verkäuferduo ist furchtbar pleite. Mit der Träne im Gesicht und dem Lachsack im Vertreterkoffer gehen sie auf eine phantastische Reise durch Räume der Geschichte und finden sich in phantasmagorischen Erinnerungen wieder – an verliebte Könige, getauschte Küsse und fröhlich gurrende Tauben.
Der Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig schickt uns auf eine märchenhafte Irrfahrt durch Menschliches und Allzumenschliches. Es ist eine Reise in grandiosen Sketchen, die die Schönheit eines einzelnen Moments offenbaren, aber auch die Verlorenheit anderer, den Humor und die Tragik, die in uns wohnen, die ganze Pracht des Lebens und die unvermeidliche Schwäche der Menschen. Mit einem Humor zwischen Loriot und Samuel Beckett beschenkt uns der schwedische Meisterregisseur Roy Andersson mit einem wahrhaft einzigartigen Kinoerlebnis, wie man es noch nie gesehen hat.

Mr. Turner – Meister des Lichts
17. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Sonntag um 13:00 Uhr    OSCAR nominiert!
Der Maler William Turner (Timothy Spall) führt um das Jahr 1825 ein bewegtes Leben: Neben seiner Kunst der Landschaftsmalerei widmet er sich Reisen, Bordellbesuchen und Zusammenkünften mit dem Landadel. Der Künstler kostet seine Freiheiten aus, an der Londoner Royal Academy of Arts tritt er sehr großspurig auf. Er ist alles andere als diplomatisch und mit seinem eigenwilligen Verhalten stößt Turner so manches Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft vor den Kopf. Und auch im Privatleben ist der Umgang mit dem kauzigen Maler überaus schwierig. Er teilt die Wohnung mit seinem Vater William (Paul Jesson) und seiner Haushälterin Hannah Danby (Dorothy Atkinson), deren innige Zuneigung er schamlos ausnutzt. Als der Vater schließlich stirbt, gerät William Jr. in eine tiefe künstlerische und persönliche Krise.

National Gallery (OmU)
2. Woche
    •    Sonntag um 11:30 Uhr
Was haben die Bilder von Tizian und Turner, von Rembrandt und Rubens, von Leonardo, Caravaggio und Vermeer uns heute noch zu erzählen? Wie werden die Meisterwerke den Besuchern vermittelt? Was steckt hinter einem Museumsbetrieb, und wie lässt sich eine solche Institution vermarkten? Meister-Dokumentarist Frederick Wiseman, vor kurzem in Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerkgeehrt, verbrachte 2011-2012 zwölf Wochen in der National Gallery in London, die eine der berühmtesten Kunstsammlungen der Welt beherbergt und jährlich über 6 Millionen Besucher anzieht.
Im klassischen Direct-Cinema-Stil zeigt uns Wiseman, was er als stiller Zeuge im Museum alles beobachtet: Die großen Kunstwerke in monumentalen Großaufnahmen, die Besucher und ihr Blick auf die Bilder, die Führungen, Vorträge, Konzerte, Kuratoren und Kunstvermittler, die Museumsleitung und Marketingspezialisten bei der Arbeit. NATIONAL GALLERY ist ein großartiger Film über die Kunst und den Betrieb, eine Hommage an die Alten Meister, ein Crashkurs in Kunstgeschichte und eine Führung durch die berühmte Galerie

St. Vincent
3. Woche
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 20:15 Uhr
    •    Donnerstag bis Dienstag um 17:00 Uhr
    •    Sonntag um 20:15 Uhr OmU
Schlecht gelaunt, pleite und immer um einen gewissen Alkoholpegel bemüht, das ist Maggie, eine alleinerziehende Mutter, zieht mit ihrem 12-jährigen Sohn Oliver in ein neues Haus nach Brooklyn. Weil sie gezwungen ist, Überstunden zu machen, muss sie Oliver in die Obhut ihres Nachbarn Vincent geben, wie erwähnt ein griesgrämiger Rentner mit Hang zu Alkohol und Glücksspiel. Zwischen ihm und dem Jungen entwickelt sich bald eine ganz besondere Freundschaft. Die schwangere Stripperin Daka im Schlepptau, nimmt Vincent seinen Schützling mit auf alle Stationen seiner täglichen Routine: die Rennbahn, den Stripclub und die Kneipe nebenan. Während Vincent Oliver dabei hilft, ein Mann zu werden, beginnt Oliver in Vincent etwas zu sehen, was kein anderer sehen kann: einen missverstandenen Mann mit einem großen Herzen.

Wild Tales – Jeder dreht mal durch!
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 21:00 Uhr
    •    Freitag bis Samstag um 22:15 Uhr OmU
    •    Sonntag um 21:00 Uhr OmU
Jeder kennt das Gefühl: die Wut über die Unzulänglichkeiten des Lebens. Ein harmloser Moment bringt das Fass zum Überlaufen und ruft eine Kettenreaktion hervor. Manche bleiben ruhig. Andere explodieren. WILD TALES ist ein Film über Menschen, die explodieren.
WILD TALES ist das seltene Beispiel für einen Film ohne Netz und doppelten Boden, ohne Gurt, Airbag oder andere Sicherheitsmechanismen. Er ist Kino, wie es purer nicht sein könnte, durch und durch argentinisch und gleichzeitig so universal, dass er uns allen den Spiegel vorhält. Das Biest, das er zeigt, das sind wir. Und wir sind urkomisch in unserer verzweifelten Wut. Zum Äußersten getrieben in einer unberechenbaren, ständigem Wandel ausgesetzten Realität, überschreiten die Figuren in WILD TALES den schmalen Grat, der Zivilisation von Barbarei trennt. Der Verrat eines Liebenden, die Konfrontation mit einer vergessen geglaubten Vergangenheit und die Gewalt, die sich aus ganz alltäglichen Begegnungen ergibt, treiben die Figuren immer weiter, in den Wahnsinn hinein. Und je weiter sie in diese Richtung getrieben werden, desto mehr lassen sie sich fallen und geben sich dem verbotenen Vergnügen hin, die Kontrolle zu verlieren.

Text: Tamara Soliz

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