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Kultur

Kinoprogramm für 
das Odeon 
vom 16. bis 22.05.2013

Mittwoch, 15. Mai 2013 | Text: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Regisseure in der Südstadt. Wolfram Huke, „Love Alien“ und Vilas Rodizios, „Auf der Suche nach dem alten Tibet – Eine Reise zu Buddhas Erben“ werden am Freitag und am Sonntag dieser Woche im ODEON zu Gast sein. Zwei Filmemacher, zwei Dokumentarfilme, zwei gegensätzliche Ansätze. Huke macht ein Selbstexperiment, wie Millionen Deutscher ist er Single auf der Suche nach Liebe. Er wendet die Kamera auf sich, beobachtet sein eigenes Scheitern: Exemplarisch, einfühlsam und mit großer Offenheit skizziert er die Mechanismen welche Menschen auf der Suche nach Zweisamkeit in die Einsamkeit treiben. Vilas Rodizios will die Welt entdecken. Als klassischer Endecker sucht er die Ursprünge der Yogi-Traditionen. Sein Dokumentarfilm zeigt eine uns unbekannte Welt mit einer eigenen Vorstellung von Realität, Wahrheit und Erstrebenswertem. Kino, das erklären und fremde Welten erfahrbar machen will.

Love Alien
1. Woche
    •    Donnerstag, Samstag bis Dienstag um 20:45 Uhr
    •    Freitag um 20:45 Uhr   mit Regisseur und Diskussion
    •    Mittwoch um 17:15 Uhr
Sie werden Dauersingles, absolute Beginner oder Menschen ohne Beziehungserfahrung genannt. Sie haben nie Händchen gehalten oder im Kino geknutscht. Wissen nicht, wie man einen Partner findet, „wie man das macht“ mit der Liebe. Haben sich verliebt, sind aber nie zurück geliebt worden. Dabei ist ihnen ihr Defizit äußerlich nicht zwangsläufig anzusehen. Es gibt sie in dick und dünn, männlich und weiblich, alt und jung. Unerkannt und ungeküsst leiden sie still für sich und richten sich notgedrungen allein im Leben ein – einem immer nur vorläufigen Leben, denn ganz können sie die Hoffnung doch nicht aufgeben…??Vermutlich keine kleine, aber eine unsichtbare Minderheit. ??LOVE ALIEN ist ein Film aus der Ich-Perspektive: Die Innenansicht eines ungewollt beziehungslosen Lebens in einer Welt, wo der Liebe kaum zu entkommen ist. Die Suche nach Antworten auf das Warum, nach Auswegen aus dem Alleinsein, nach Zugängen zur Welt der Liebenden.??Ein Jahr lang, vom 29. bis zum 30. Geburtstag, trägt Dokumentarfilmer Wolfram Huke eine kleine Kamera bei sich. Ursprünglich wollte er mit ihr auf Partnersuche gehen, doch dieser Plan geht nicht auf: Frauen und die Liebe erweisen sich als kamerascheu. Stattdessen richtet Wolfram die Kamera auf sich und seine Art zu leben, unternimmt Ausflüge in die Welt der Liebenden und beginnt, an sich zu arbeiten. So entsteht eine schonungslose Auseinandersetzung mit sich und den anderen, die einiges zutage fördert. Nur keine einfachen Antworten.
Pressestimmen:
 „einzigartig konsequent und sehr gelungen“ – Süddeutsche Zeitung

?„eine hochmutige Selbstbeschreibung“ – Die Welt?

„ein Tabubruch“ – Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
 
Auf der Suche nach dem alten Tibet – Eine Reise zu Buddhas Erben
1. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Sonntag um 14:00 Uhr  mit Regisseur Vilas Rodizios und Diskussion
    •    Mittwoch um 15:30 Uhr
Ein Dokumentarfilm-Team dringt zu den abgelegenen Kraftplätzen in Ost-Tibet vor, um die letzten lebenden Halter der Jahrtausende alten Yogi-Tradition zu finden. Dort machen sie Aufnahmen, die unser westliches Verständnis von „Wirklichkeit“ in Frage stellen.

Trude Herr: Scheidung auf Kölsch
1. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 19:30 Uhr
Reihe Kölsche Originale:
Zum 86. Geburtstag von Trude Herr zeigen wir:
Mittwoch 22.5. 19:30 Uhr „Scheidung auf Kölsch“
Scheidung auf Kölsch: Die Handlung spielt in einem Herrenzimmer eines Miederwarengeschäftes. Katharina Engel, die Besitzerin, muss erfahren, dass ihr Ehemann, ein biederer Beamter, fremdgehen soll.

Woodstock in Timbuktu â?? die Kunst des Widerstands
1. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 16:30 Uhr
Über das sagenumwobene „Festival au Désert“ in Mali und den Touareg-Musikern, die mit E-Gitarren die Wüste beleben, konnten man in den letzten zwei Jahren immer wieder auch in der hiesigen Musikpresse lesen. Filmemacherin Désirée von Trotha, die sechs Monate im Jahr in der Sahara verbringt, reiste 2012 dorthin und porträtierte die kreativen Protagonisten der Nomadenbevölkerung Kel Tamaschek.

Der Tag wird kommen
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Samstag um 22:15 Uhr
    •    Sonntag um 22:15 Uhr OmU
    •    Mittwoch um 21:15 Uhr
We are Not Dead! Dieser ungemein kraftvolle Ausruf steht am Ende einer der verrücktesten Buddy-Komödien, die man sich vorstellen kann. Die ungleichen Brüder Benoît und Jean-Pierre Bonzini, der alte Punk und der angepasste Matrazenverkäufer, sind dabei noch weiter voneinander entfernt als ein Raumfahrer und ein Alien. Das auf internationalen Festivals gefeierte Regieduo Gustave Kervern und Benoît Delépine ist nicht erst seit „Louise hires a contract killer“ und „Mammuth“ berüchtigt für einen schrägen Humor mit Herz für die einfachen Arbeiter. Unter ihnen darf Benoît Poelvoorde, seit „Mann beisst Hund“ das genialistische Enfant terrible des französisch-belgischen Films, eine seiner krassesten Rollen spielen. 

Eine Dame in Paris
3. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 16:00 Uhr
Sie ist immer noch die Königin der Leinwand: Jeanne Moreau, die 84jährige Grand Dames des französischen Kinos. In dem berührenden Kammerspiel „Eine Dame in Paris“ verkörpert die Muse der Nouvelle Vague erfrischend würdevoll eine kokette, teilweise herrische Lady, die in der Auseinandersetzung mit ihrer Pflegerin zu neuem Lebensmut findet. Mit heiterer Note, charmant und ohne Betulichkeit erzählt Regisseur Ilmar Raag die unsentimentale Geschichte einer Annäherung. Neben der Präsenz der Hauptdarsteller überzeugt die liebevolle Detailbeobachtung und Menschlichkeit.

Frohes Schaffen
3. Woche
    •    Freitag bis Sonntag um 22:30 Uhr
    •    Montag um 12:30 Uhr
    •    Mittwoch um 19:15 Uhr
Die essayistisch-satirische Doku-Fiktion FROHES SCHAFFEN zeigt: Der moderne aufgeklärte Mensch ist nicht frei von Irrglauben und geistigem Zwang. Er hat längst einen anderen Gott erwählt – Die Arbeit.
?Arbeit ist Sicherheit, Selbstbestätigung, Existenzberechtigung. Sie ist eine Sucht, ein Fetisch, ein Mantra, das uns tagtäglich umgibt. In Zeiten von Wirtschaftskrise und rasantem Arbeitsplatzabbau hinterfragt FROHES SCHAFFEN diesen „heiligen“ Lebenssinn der Arbeit.?Regisseur Konstantin Faigle begibt sich auf eine Reise zu den Wurzeln unseres Arbeitsbegriffs. Er besucht die Stätten des Arbeitsglaubens und dessen Niedergangs. Er fährt ins Ruhrgebiet zu den letzen „heiligen“ Bergarbeitern und zum geschlossenen Nokia-Werk. Er begutachtet in Hamburg ein virtuelles Übungskaufhaus, eine Aktivierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose. Und in den USA besucht er unter anderem einen kalifornischen Ein-Mann-Fernsehsender, der seine Beiträge komplett via Internet auf den Philippinen schneiden lässt.?Zu Wort kommen zahlreiche Experten wie der amerikanische Sozialhistoriker Prof. Benjamin Hunnicutt, der US-Ökonomen Jeremy Rifkin, der Philosoph und Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon, Soziologin und Buchautorin Marianne Gronemeyer sowie Tom Hodgkinson, britischer Experte für Muße, Genuss und Gelassenheit.??Parallel dazu geht der Film in kleinen, inszenierten Szenen mit Humor und Tiefgang unserer deutschen Arbeitswelt auf den Grund: Er beobachtet Werner Kraft, einen gut verdienenden, aber ausgebrannten Ingenieur. Er zeigt Hartmut Breuer, einen einsamen deutschen Rentner und Marion Weber, eine emanzipierte Freelancerin ohne Aufträge. Und während Herbert Stollberg-Naue noch die Vorzüge seines Sozialversicherungsfachangestelltendaseins genießt, führt Jochen Picht schon längst das Leben eines glücklichen Müßiggängers. ?Eine wunderbar ketzerische, filmische Reflektion – unterhaltsam, humorvoll und zugleich tiefgründig.

Georg Baselitz
6. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 14:15 Uhr
Wenn sein Name in der Kunstwelt genannt wird, dann steht diese Kopf – so wie die Bilder, die Georg Baselitz ab den 70er Jahren bekannt gemacht haben. Die Dokumentarfilmerin Evelyn Schels hat dem am Ammersee sowie an der italienischen Riviera lebenden Künstler schon diverse Male über die Schulter schauen dürfen, das erste Mal 2004 für eine Fernsehproduktion für Arte und den BR. Das damals gedrehte Material findet nun erneut Verwendung, weiteres kam hinzu. Die abendfüllende Doku bietet eine exzellente Gelegenheit, Werk und Leben des 75-jährigen Künstlers umfassend kennen zu lernen.

Nachtzug nach Lissabon
11. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 18:00 Uhr
    •    Montag um 12:00 Uhr
Die Sehnsucht nach dem Leben des Anderen: Bille Augusts Verfilmung des Schweizer Erfolgsromans von Pascal Mercier überzeugt als beeindruckend besetztes Ensemble-Stück vor der malerischen Kulisse Lissabons. Jeremy Irons spielt einen älteren Mann, der zum ersten Mal in seinem Leben aus den gewohnten Konventionen ausbricht und in die Vergangenheit des faschistischen Portugals der 70er-Jahre eintaucht. Ein atmosphärischer historischer Thriller – solides europäisches Kino.
Mit:  Jeremy Irons, Martina Gedeck, Jack Huston, August Diehl, Mélanie Laurent, Christopher Lee, Burghart Klaußner

Ostwind – Grenzenlos frei
3. Woche
    •    Samstag, Montag um 14:00 Uhr
Mika (Hanna Binke, vormals Höppner) ist außer sich vor Wut. Weil sie die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft hat und obendrein mit ihrer Freundin aus Versehen das Auto ihres Lehrers abgefackelt hat, verkünden ihre Eltern (Nina Kronjäger und Jürgen Vogel) eine Planänderung: Statt Feriencamp heißt es nun, den Sommer lang zu büffeln – und das ausgerechnet auf dem Pferdegestüt ihrer strengen Großmutter (Cornelia Froboess). Obwohl Mika keine Ahnung von Pferden hat, hat sie dort ganz andere Dinge im Kopf, als sich hinter Büchern zu verstecken und sich vom Stallburschen Sam (Marvin Linke) bewachen zu lassen. In der dunkelsten Box des Pferdestalls findet sie den wilden und scheuen Hengst Ostwind. Weder Michelle (Marla Menn), die beste Springreiterin am Hof, noch Mikas Großmutter können das gefährliche Pferd bändigen. Magisch angezogen von dem nervösen Tier, schleicht sich Mika trotz aller Warnungen heimlich in den Stall. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, denn Mika entdeckt dabei ihre wahre Leidenschaft und ganz besondere Gabe: Sie versteht die Sprache der Pferde! Wird sie es schaffen – entgegen aller Widerstände – Ostwind zu zähmen?

Saiten des Lebens
4. Woche
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Dienstag um 18:30 Uhr
    •    Sonntag um 18:30 Uhr OmU
Der erste Spielfilm des bisher durch preisgekrönte Dokumentarfilme bekannten Regisseurs Yaron Zilberman („Watermarks“) überrascht durch Gelassenheit und Eleganz, mit der er seine Dramatik entfaltet. Ausnahmslos hervorragende Schauspieler – u.a. Philip Seymour Hoffman und Christopher Walken – agieren in einem durchkomponierten Gesamtwerk, das die Krise in der Geschichte eines Streichquartetts als ein vielschichtiges Gleichnis menschlicher Beziehungen und Lebensläufe erzählt. Großes emotionales Kino, musikalisch inspiriert, ungewöhnlich und bewegend.

The Broken Circle
5. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 20:15 Uhr
    •    Mittwoch um 17:00 Uhr
Ein überbordendes Maß an Gefühlen und eine deutliche politische Agenda sind die Extreme, zwischen denen der flämische Regisseur Felix van Groeningen („Die Beschissenheit der Dinge“) eine leidenschaftliche Liebesgeschichte und einen dramatischen Krankheitsfall spannt. Alles begleitet und durchdringt die Bluegrass-Musik der Band, die Liebe, Leben und Leiden nicht nur vertont, sondern in besonders emotionalen Höhepunkten auf noch mehr Sinne loslässt. „The Broken Circle Breakdown“ war eine musikalische wie filmische Sensation auf der Berlinale 2013.??Ausgezeichnet mit dem Label Europa Cinemas und dem Panorama-Publikumspreis Filmfestspiele Berlin 2013

PRESSESTIMMEN:??“Eine wunderschöne Liebesgeschichte und gleichzeitig die traurigste und tragischste Geschichte aller Zeiten.“?taz

Verliebte Feinde
4. Woche
    •    Samstag, Montag um 14:15 Uhr
Diese Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm des Dokumentarfilmers Werner Schweizer erhellt ein bislang eher unterbelichtetes Kapitel der Schweizer Geschichte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Frauenwahlrecht und Feminismus kontra traditionelles Ehe- und Familienverständnis – diese Themen spiegeln sich geradezu exemplarisch in der ungewöhnlichen Liebes- und Lebensgeschichte von Iris und Peter von Roten, die in 1300 Briefen bezeugt ist und von einem radikalen Lebens- und Liebesentwurf erzählt. Das gleichnamige Buch erschien 2007 und lieferte die Idee zum Drehbuch, das auch ein halbes Jahrhundert später noch Widerspruch hervorrufen wird, sind heutige Wertvorstellungen bezüglich Ehe und Familie doch immer noch näher an den Konventionen, an denen sich die von Rotens aufgerieben haben, als an deren Entwurf einer freien Liebe.

Text: Tamara Soliz

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