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Aufgeschnappt: FeelGood-Woche – für Mädchen ab 10 Jahren +++ Comedia spielt digital +++ Astbruch im Volksgarten +++ Südstadt lässt das Licht an +++ Ein Stern, der den Namen Pottkind trägt +++

Kultur

Kinoprogramm für das Odeon vom 02. bis 08.05.2013

Mittwoch, 1. Mai 2013 | Text: Tamara Soliz | Bild: © Alamode Film

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Eine Ehe zu viert im Konzertsaal. Die vier MusikerInnen Peter Mitchell, Robert Gelbart, Juliette Gelbart, Daniel Lerner bereiten sich auf ihre Jubiläums Tournee zum 25-jährigen Bestehen ihres Ensembles vor. Sie wollen Beethovens 14. Streichquartett spielen. Der Chellist Peter Michtcherl (Christopher Walken) erhält während der Vorbreitungen die Diagnose Parkinson. Das Ende seiner Kariere, das Ende einer Ehe und das Ende ihrer aller Freundschaft leitet sich ein. Die Bürgerliche Welt des zivilisierten New York bricht für die vier Protagonisten auseinander. Parallel zum Streichquartett verdichtet sich die Dramatik des Films bis hin zur Aufdeckung menschlicher Abgründe, die hinter der Fassade der großbürgerlichen, amerikanischen, freiheitsliebenden Mittelschicht lauern. Geschauspielte Musik!

Der Tag wird kommen
1. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Dienstag um 21:00 Uhr
    •    Freitag bis Samstag, Mittwoch um 22:45 Uhr
    •    Sonntag um 21:00 Uhr OmU
We are Not Dead! Dieser ungemein kraftvolle Ausruf steht am Ende einer der verrücktesten Buddy-Komödien, die man sich vorstellen kann. Die ungleichen Brüder Benoît und Jean-Pierre Bonzini, der alte Punk und der angepasste Matrazenverkäufer, sind dabei noch weiter voneinander entfernt als ein Raumfahrer und ein Alien. Das auf internationalen Festivals gefeierte Regieduo Gustave Kervern und Benoît Delépine ist nicht erst seit „Louise hires a contract killer“ und „Mammuth“ berüchtigt für einen schrägen Humor mit Herz für die einfachen Arbeiter. Unter ihnen darf Benoît Poelvoorde, seit „Mann beisst Hund“ das genialistische Enfant terrible des französisch-belgischen Films, eine seiner krassesten Rollen spielen.

Saiten des Lebens
1. Woche
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 18:45 Uhr
    •    Sonntag um 18:45 Uhr OmU
Der erste Spielfilm des bisher durch preisgekrönte Dokumentarfilme bekannten Regisseurs Yaron Zilberman („Watermarks“) überrascht durch Gelassenheit und Eleganz, mit der er seine Dramatik entfaltet. Ausnahmslos hervorragende Schauspieler – u.a. Philip Seymour Hoffman und Christopher Walken – agieren in einem durchkomponierten Gesamtwerk, das die Krise in der Geschichte eines Streichquartetts als ein vielschichtiges Gleichnis menschlicher Beziehungen und Lebensläufe erzählt. Großes emotionales Kino, musikalisch inspiriert, ungewöhnlich und bewegend.

Verliebte Feinde
1. Woche
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 18:00 Uhr
    •    Mittwoch um 14:30 Uhr
Diese Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm des Dokumentarfilmers Werner Schweizer erhellt ein bislang eher unterbelichtetes Kapitel der Schweizer Geschichte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Frauenwahlrecht und Feminismus kontra traditionelles Ehe- und Familienverständnis – diese Themen spiegeln sich geradezu exemplarisch in der ungewöhnlichen Liebes- und Lebensgeschichte von Iris und Peter von Roten, die in 1300 Briefen bezeugt ist und von einem radikalen Lebens- und Liebesentwurf erzählt. Das gleichnamige Buch erschien 2007 und lieferte die Idee zum Drehbuch, das auch ein halbes Jahrhundert später noch Widerspruch hervorrufen wird, sind heutige Wertvorstellungen bezüglich Ehe und Familie doch immer noch näher an den Konventionen, an denen sich die von Rotens aufgerieben haben, als an deren Entwurf einer freien Liebe.

Frohes Schaffen
1. Woche
    •    Samstag um 14:45 Uhr
    •    Sonntag um 11:00 Uhr
    •    Montag bis Dienstag um 16:45 Uhr
    •    Mittwoch um 21:00 Uhr
Sonderveranstaltung am 5. Mai 2013 im Odeon um 11:00 Uhr.?

Gäste: Regisseur Konstantin Faigle, Heinz Weinhausen (Institut für Neue Arbeit), Martin Herrndorf (Agora Köln, Tag des guten Lebens, COLABOR)
Die essayistisch-satirische Doku-Fiktion FROHES SCHAFFEN zeigt: Der moderne aufgeklärte Mensch ist nicht frei von Irrglauben und geistigem Zwang. Er hat längst einen anderen Gott erwählt – Die Arbeit.??Arbeit ist Sicherheit, Selbstbestätigung, Existenzberechtigung. Sie ist eine Sucht, ein Fetisch, ein Mantra, das uns tagtäglich umgibt. In Zeiten von Wirtschaftskrise und rasantem Arbeitsplatzabbau hinterfragt FROHES SCHAFFEN diesen „heiligen“ Lebenssinn der Arbeit.?Regisseur Konstantin Faigle begibt sich auf eine Reise zu den Wurzeln unseres Arbeitsbegriffs. Er besucht die Stätten des Arbeitsglaubens und dessen Niedergangs. Er fährt ins Ruhrgebiet zu den letzen „heiligen“ Bergarbeitern und zum geschlossenen Nokia-Werk. Er begutachtet in Hamburg ein virtuelles Übungskaufhaus, eine Aktivierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose. Und in den USA besucht er unter anderem einen kalifornischen Ein-Mann-Fernsehsender, der seine Beiträge komplett via Internet auf den Philippinen schneiden lässt.?Zu Wort kommen zahlreiche Experten wie der amerikanische Sozialhistoriker Prof. Benjamin Hunnicutt, der US-Ökonomen Jeremy Rifkin, der Philosoph und Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon, Soziologin und Buchautorin Marianne Gronemeyer sowie Tom Hodgkinson, britischer Experte für Muße, Genuss und Gelassenheit.??

Parallel dazu geht der Film in kleinen, inszenierten Szenen mit Humor und Tiefgang unserer deutschen Arbeitswelt auf den Grund: Er beobachtet Werner Kraft, einen gut verdienenden, aber ausgebrannten Ingenieur. Er zeigt Hartmut Breuer, einen einsamen deutschen Rentner und Marion Weber, eine emanzipierte Freelancerin ohne Aufträge. Und während Herbert Stollberg-Naue noch die Vorzüge seines Sozialversicherungsfachangestelltendaseins genießt, führt Jochen Picht schon längst das Leben eines glücklichen Müßiggängers. ?Eine wunderbar ketzerische, filmische Reflektion – unterhaltsam, humorvoll und zugleich tiefgründig.

Ostwind – Grenzenlos frei
1. Woche
    •    Sonntag um 14:45 Uhr
Mika (Hanna Binke, vormals Höppner) ist außer sich vor Wut. Weil sie die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft hat und obendrein mit ihrer Freundin aus Versehen das Auto ihres Lehrers abgefackelt hat, verkünden ihre Eltern (Nina Kronjäger und Jürgen Vogel) eine Planänderung: Statt Feriencamp heißt es nun, den Sommer lang zu büffeln – und das ausgerechnet auf dem Pferdegestüt ihrer strengen Großmutter (Cornelia Froboess). Obwohl Mika keine Ahnung von Pferden hat, hat sie dort ganz andere Dinge im Kopf, als sich hinter Büchern zu verstecken und sich vom Stallburschen Sam (Marvin Linke) bewachen zu lassen. In der dunkelsten Box des Pferdestalls findet sie den wilden und scheuen Hengst Ostwind. Weder Michelle (Marla Menn), die beste Springreiterin am Hof, noch Mikas Großmutter können das gefährliche Pferd bändigen. Magisch angezogen von dem nervösen Tier, schleicht sich Mika trotz aller Warnungen heimlich in den Stall. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, denn Mika entdeckt dabei ihre wahre Leidenschaft und ganz besondere Gabe: Sie versteht die Sprache der Pferde! Wird sie es schaffen – entgegen aller Widerstände – Ostwind zu zähmen?

Eine Dame in Paris
2. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Sonntag, Mittwoch um 16:45 Uhr
Sie ist immer noch die Königin der Leinwand: Jeanne Moreau, die 84jährige Grand Dames des französischen Kinos. In dem berührenden Kammerspiel „Eine Dame in Paris“ verkörpert die Muse der Nouvelle Vague erfrischend würdevoll eine kokette, teilweise herrische Lady, die in der Auseinandersetzung mit ihrer Pflegerin zu neuem Lebensmut findet. Mit heiterer Note, charmant und ohne Betulichkeit erzählt Regisseur Ilmar Raag die unsentimentale Geschichte einer Annäherung. Neben der Präsenz der Hauptdarsteller überzeugt die liebevolle Detailbeobachtung und Menschlichkeit.

The Broken Circle
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 20:15 Uhr
    •    Freitag bis Samstag, Mittwoch um 22:30 Uhr
    •    Sonntag um 20:15 Uhr OmU
Ein überbordendes Maß an Gefühlen und eine deutliche politische Agenda sind die Extreme, zwischen denen der flämische Regisseur Felix van Groeningen („Die Beschissenheit der Dinge“) eine leidenschaftliche Liebesgeschichte und einen dramatischen Krankheitsfall spannt. Alles begleitet und durchdringt die Bluegrass-Musik der Band, die Liebe, Leben und Leiden nicht nur vertont, sondern in besonders emotionalen Höhepunkten auf noch mehr Sinne loslässt. „The Broken Circle Breakdown“ war eine musikalische wie filmische Sensation auf der Berlinale 2013.??

Ausgezeichnet mit dem Label Europa Cinemas und dem Panorama-Publikumspreis Filmfestspiele Berlin 2013
„Eine wunderschöne Liebesgeschichte und gleichzeitig die traurigste und tragischste Geschichte aller Zeiten.“ – taz

Richard Deacon – In Between (OmU)
2. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 13:00 Uhr
Der Brite Richard Deacon gehört neben Richard Serra und Richard Long zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwartskunst. Seine existenzielle Auseinandersetzung mit Raum und Form ermöglicht eine grundlegend neue Blickweise. Entscheidend ist sein physischer Umgang mit den verschiedensten Materialien. Seine wellenförmig geschwungenen Skulpturen mit ihren rhythmischen Verflechtungen oder die biomorph anmutenden Raumkörper zählen zu den vielschichtigsten Werken der modernen Bildhauerei. Claudia Schmid begleitet den Künstler über einen längeren Zeitraum während verschiedener Phasen seines Schaffensprozesses – sowohl in seinen Ateliers in London und New York bei der Herstellung seiner Modelle für Holz- Stahl-oder Kunststoffskulpturen, als auch bei der Realisierung seiner großformatigen Arbeiten. In der Verbindung von filmischer Beobachtung und Gesprächen über Kunst, Philosophie, Politik und Gesellschaft entsteht ein dichtes Portrait über einen der spannendsten Künstler der Moderne.

Georg Baselitz (OmU)
3. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 14:00 Uhr
Wenn sein Name in der Kunstwelt genannt wird, dann steht diese Kopf – so wie die Bilder, die Georg Baselitz ab den 70er Jahren bekannt gemacht haben. Die Dokumentarfilmerin Evelyn Schels hat dem am Ammersee sowie an der italienischen Riviera lebenden Künstler schon diverse Male über die Schulter schauen dürfen, das erste Mal 2004 für eine Fernsehproduktion für Arte und den BR. Das damals gedrehte Material findet nun erneut Verwendung, weiteres kam hinzu. Die abendfüllende Doku bietet eine exzellente Gelegenheit, Werk und Leben des 75-jährigen Künstlers umfassend kennen zu lernen.

Nachtzug nach Lissabon
15. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Donnerstag bis Mittwoch um 15:45 Uhr
Die Sehnsucht nach dem Leben des Anderen: Bille Augusts Verfilmung des Schweizer Erfolgsromans von Pascal Mercier überzeugt als beeindruckend besetztes Ensemble-Stück vor der malerischen Kulisse Lissabons. Jeremy Irons spielt einen älteren Mann, der zum ersten Mal in seinem Leben aus den gewohnten Konventionen ausbricht und in die Vergangenheit des faschistischen Portugals der 70er-Jahre eintaucht. Ein atmosphärischer historischer Thriller – solides europäisches Kino.
Mit:  Jeremy Irons, Martina Gedeck, Jack Huston, August Diehl, Mélanie Laurent, Christopher Lee, Burghart Klaußner

Quartett
13. Woche – Ab 6 Jahren
    •    Sonntag um 11:15 Uhr
Eine der schönsten Komödien der letzten Jahre! Nur sehr selten geschieht es, dass man im Kino sitzt und sich mit wohligem Seufzen wünscht, dieser wunderbare Film da vorne auf der Leinwand würde nie zu Ende gehen. „Quartett“ ist so ein Ausnahmefilm mit vielen magischen Momenten und mit einer Geschichte, die wie geschaffen ist für eine Komödie: Im Musiker-Seniorenstift „Beecham House“ leben alte Intrigen und Kabbeleien ebenso weiter wie die Liebe zur Musik, die sie alle verbindet. Doch mit der Ankunft von Jean Horton gerät der gewohnte Status quo ins Wanken. Die legendäre Sopranistin wirbelt das ganze Haus durcheinander. Wird es gelingen, die berüchtigte Diva Jean zur Mitarbeit bei der jährlichen Verdi-Gala zu bewegen?
Ein sehr begabter Regisseur liefert mit diesem Film sein Debüt: Dustin Hoffman. Jawohl, richtig gelesen! Mit leichter Hand hat er eine ebenso elegante wie witzige und anrührende Gesellschaftskomödie über Leidenschaft, Liebe und Musik inszeniert, die mit ein bisschen Toi-toi-toi zum ersten großen Arthouse-Erfolg des neuen Jahres avancieren könnte.

Text: Tamara Soliz

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