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Kultur

Kinoprogramm für das Odeon vom 28.11. bis 04.12.2013

Freitag, 29. November 2013 | Text: Tamara Soliz | Bild: Arsenal Film Verleih

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Henry Hübschen und Max Simonischek sitzen im Restaurant reden und reden vor einem grandiosen Bergpanorama. Keiner von beiden hat die Schwindsucht und sie befinden sich auch nicht in einem Sanatorium. Aber sie sprechen Sätze die doch an der Berühmten „Zauberberg“ erinnern. Geschliffen, Präzise und teilweise voller Poesie. Das Thema: Die Liebe. Beide Herren trauen einer Frau nach, einer wunderbaren, einzigartigen, umwerfenden Ehefrau und Geliebten. Problematisch wird es als sie feststellen, dass beide die selbe Frau anhimmeln. Martina Gedeck…

 

Inside Llewyn Davis, Preview
Ab 6 Jahren, Sonntag um 15:00 Uhr  Tipp!

Die chronisch coolen Coens können es noch immer. Auch bei ihrem mittlerweile sechzehnten Streich gelingt ihnen ein cleverer Coup ganz großartiger Originalität. Diesmal erzählen die mit allen Genre-Wassern gewaschenen Regie-Brüder vom jungen Folk-Musiker Llewyn Davis, der anno 1961 verzweifelt den Durchbruch versucht. Wie gewohnt, kommt auch diese Story vom idealistischen Verlierer atmosphärisch dicht daher, brilliert mit lakonischer Situationskomik und bietet mit Oscar Isaac einen enormen starken Hauptdarsteller – der freilich fast von einer Katze an die Wand gespielt wird. In Cannes gab es dafür den Großen Preis der Jury und tosenden Beifall – der Festival-Applaus dürfte sich im Kinoalltag wiederholen.

Venezianische Freundschaft, 1. Woche    

Ab 6 Jahren Sonntag um 16:00 Uhr  Preview in Anwesenheit des Regisseurs.

Shun Li (Zhao Tao) näht in einer römischen Fabrik Hemden für die chinesische Mafia. Sie hofft so einen Weg zu finden, ihren Sohn wiedersehen zu können, der sich in den Fängen der Kriminellen in China befindet. Sie erledigt ihre Arbeit sehr gewissenhaft und zur Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber. Schließlich erhält sie eine Beförderung und darf von nun an in einem Café in Venedig arbeiten. Mit ihrem gebrochenen Italienisch und ihrem geringen Wissen über Kaffespezialitäten ist sie den Fischern der Lagune, die das Stammpublikum des Lokals bilden, allerdings bald ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt die Sprachbarriere führt immer wieder zu Konflikten und Missverständnissen. Lediglich der Dichter Bepi (Rade Serbedzija), der selbst als Migrant nach Venedig gekommen ist, hat Verständnis für die neue Chefin. Beide verbindet neben ihrer fremden Herkunft die Liebe zur Poesie. Die Mafia und die Fischer sehen die warmherzige Beziehung mit einigem Misstrauen, doch die Freundschaft ist stärker als alle Widerstände.

Am Hang, 1. Woche    

Ab 12 Jahren, Donnerstag bis Dienstag um 18:30 Uhr Mittwoch um 21:00 Uhr

Eigentlich unverfilmbar, würde man zunächst bei dem gleichnamigen Bestseller des Schweizers Markus Werner denken. Ein Dreipersonenstück mit seitenlangen Dialogen über die Liebe und das Leben auf der Leinwand? Dass daraus kein Hörspiel wird, sondern ein packendes Psychodrama mit Thriller-Qualitäten liegt an einer gekonnt raffinierten Regie sowie drei erstklassigen Darstellern in Bestform. Henry Hübchen gibt den gehörnten Gatten, der zufällig auf den ahnungslosen Liebhaber (Maximilian Simonischek) seiner verschollenen Frau (Martina Gedeck) trifft. Für den einen der Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft. Für den anderen der Anfang einer perfiden Rache. Und für den Zuschauer ein spannendes Beziehungspuzzle, das mit jedem neuen Teilchen überraschend andere Blickwinkel bietet – bis zum verblüffenden Ende. Smartes Arthaus-Kino der S-Klasse.

Lesung: Die Suche nach Indien, einmalig
 Mittwoch um 19:00 Uhr      

Ein DuMont Reiseabenteuer von Dennis Freischlad

Eine Reise in die Geheimnisse Bharat Matas
Poetische und skurrile Begegnungen mit großer Erzählkraft

Ostfildern, Oktober 2013. Über viele Jahre hinweg hat der Dichter und Künstler Dennis Freischlad in Indien gelebt, er hat sich als Übersetzer und Bibliothekar, Farmer und Hostelmanager verdingt. Nun begibt er sich noch einmal auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch die Verschiedenheiten von Bharat Mata, „Mutter Indien“.
Er möchte ihren Geheimnissen nahekommen: ihren Menschen, Mythologien, ihrer einzigartigen Mentalität und dem Grund, warum bis zum heutigen Tag Reisende, Dichter und Sinnsuchende von diesem Land und seinen Bewohnern unvermindert angezogen werden. Auf der Suche nach der Essenz Indiens reist Dennis Freischlad, Autor des DuMont Reiseabenteuers Die Suche nach Indien, mit seinem Motorrad vom tempelreichen Süden des Landes über das paradiesische Kerala und das schillernd-zerstörerische Mumbai bis in die Steppe des romantischen Rajasthan. Weiter geht es mit dem Zug in den Punjab, um schließlich an den Ufern des Ganges im mystischen Varanasi anzukommen, der heiligsten Stadt der Hindus. Hinsichtlich Erfahrungen, Begegnungen und Intensität wird es eine Reise durch das „reichste Land der Welt“. Der Indienkenner schildert in seinem Buch den Alltag, die Geschichte und Gegenwart der Inder in spannenden, poetischen und oft skurrilen Begegnungen. Er erzählt aus erster Hand von ihren Träumen und Realitäten, immerwährenden Katastrophen und Hoffnungen.

Über den Autor:
Dennis Freischlad, 1979 in Hessen geboren, zog die letzten zwölf Jahre reisend
Durch die Welt und verlebte die meisten Jahre in Indien und auf Sri Lanka, immer wieder unterbrochen durch Aufenthalte in Berlin und Köln. Derzeit pendelt er zwischen Köln und Indien und publiziert überwiegend Lyrik, Reiseberichte und Essays.

Lunchbox, 2. Woche    
Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 15:00 Uhr
Donnerstag bis Samstag, Montag bis Dienstag um 19:00 Uhr
Sonntag um 19:00 Uhr OmU
Sonntag um 14:00 Uhr
Mittwoch um 18:30 Uhr

Die schönste Liebesgeschichte des Jahres.
Es ist ein wahnwitziges Meisterwerk der Logistik: Täglich liefern über 4.500 Kuriere per Rad und Bahn rund 200.000 Lunchpakete in Mumbai aus. Die Zuverlässigkeit liegt, trotz chronischem Verkehrschaos, bei superlativen 99,99 Prozent! Statistisch geht nur einer von 6 Millionen Essensbehältern verloren. Genau dieser winzige Fehler im System wird in der deutsch-indischen Koproduktion zum Auslöser einer charmant märchenhaften Lovestory. Das köstliche Menü, das ein Witwer versehentlich geliefert bekommt, lässt ihn Gefühle für die ahnungslose Köchin entwickeln. Seine Komplimente, auf Zettelchen ins Rückgabe-Geschirr gelegt, spornen die vernachlässigte Ehefrau an: Liebe geht eben durch den Magen. In Cannes avancierte die kulinarische Feelgood-Komödie zum Festivalliebling – sie dürfte auch im Kinoalltag die Geschmacksnerven des Publikums treffen.

Venus im Pelz, 2. Woche    Ab 12 Jahren
Donnerstag bis Samstag, Montag bis Mittwoch um 20:30 Uhr
Sonntag um 20:30 Uhr OmU

Der Theaterregisseur Thomas (Mathieu Amalric) plant, Leopold von Sacher-Masochs Novelle „Venus im Pelz“ auf die Bühne zu bringen. Dafür sucht er langwierig nach einer passenden Hauptdarstellerin. Viele hoffnungsvolle Schauspielerinnen sprechen bei ihm vor, doch sie besitzen alle gewisse Charaktereigenschaften, die der Regisseur absolut nicht akzeptieren kann. Er ist beinahe soweit, alles hinzuwerfen. Als jedoch ganz zum Schluss die vulgäre Vanda (Emmanuelle Seigner) hereinplatzt, verkörpert sie jede einzelne der von Thomas gesuchten Eigenschaften: Sie ist bedürftig, plump, fügsam und verzweifelt. Schon bald entwickelt sich ein intensives leidenschaftliches Spiel zwischen beiden, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Nach und nach dreht Vanda nun den Spieß um und ehe er sich versieht, besitzt sie völlige Macht über ihn, ganz wie in der literarischen Vorlage…

Blue Jasmine, OmU, 3. Woche    

Ab 6 Jahren
Donnerstag bis Mittwoch um 17:00 Uhr
Donnerstag bis Dienstag um 21:00 Uhr

Nachdem ihr Ehemann Hal (Alec Baldwin) wegen Betrugs festgenommen und das gemeinsame Vermögen beschlagnahmt wurde, sieht sich Jasmine (Cate Blanchet) gezwungen, ihr komfortables Leben in Manhattans Upper-Class aufzugeben und nach San Fransisco in die kleine Mietwohnung ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) zu ziehen. Dort angekommen, kann sie die Fassade der unnahbaren Pragmatikerin dank eines umfangreichen Cocktails verschiedener Antidepressiva gerade noch aufrecht erhalten, doch ihre Schwester ahnt, dass sie am Ende ihrer Kräfte sein muss. Um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, nimmt Jasmine widerwillig eine Stelle als Empfangsdame in einer Zahnarztpraxis an und muss dort die unbeholfenen Annäherungsversuche ihres Chefs Dr. Flicker (Michael Stuhlbarg) über sich ergehen lassen. Als sie den erfolgreichen Diplomaten Dwight (Peter Sarsgaard) kennenlernt, blitzt ein Funken Hoffnung vor Jasmines Augen auf, denn schnell erkennt sie: Der bald für ein politisches Amt kandidierende Dwight braucht eine vorzeigbare Frau.

 

Der blaue Tiger, 2. Woche    
Samstag um 14:45 Uhr

Wie eine vergessene Insel liegt ein alter botanischer Garten inmitten einer lauten Stadt. Johanna (Linda Votrubová) lebt dort zusammen mit ihrer Mutter Gärtner (Barbora Hrzánová) und ihrem besten Freund Mathias (Jakub Wunsch), dem Sohn des wortkargen Gärtners Blume (Jan Hartl). Johanna liebt die Pflanzen und Tiere, die ihr grünes Heim bevölkern. In ihrer Fantasie kann alles lebendig werden und wundersame Dinge passieren. Nur in der Schule hat sie es mit ihren Mitschülern und einer gemeinen Lehrerin nicht leicht. Als der fiese Bürgermeister RÜp (Daniel Drewes) den paradiesischen Garten abreißen lassen will, um dort ein Entertainmentcenter zu bauen, ist Johanna schockiert.
Fieberhaft überlegen Mathias und sie wie man ihr Zuhause retten könnte. Da taucht eines Nachts ein kleiner, blauer Tiger in der Stadt auf und gefährdet die perfiden Pläne des Bürgermeisters ernsthaft. Es scheint, dass nur der Tiger den Garten vor dem Abriss bewahren kann. Jetzt ist es an Johanna und Mathias, das wundersame Tier vor den teuflischen Fängen des Bürgermeisters und seiner Handlanger zu schützen.

 

Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht, 9. Woche    

Ab 12 Jahren, Sonntag um 10:45 Uhr

Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte, Armut und Willkürherrschaft die Menschen niederdrückten, sind Hunderttausende aus Europa ins ferne Südamerika ausgewandert. „Etwas besseres als den Tod findet man überall”, das war ihre bittere Erkenntnis und ihre Hoffnung. Vor dem Hintergrund dieses unvergessenen Dramas, entfaltet Edgar Reitz in seinem neuen Kinofilm DIE ANDERE HEIMAT die Chronik einer Sehnsucht: Wieder ist das fiktive Dorf „Schabbach” Schauplatz und Universum zugleich. Hier erleben wir die Geschichte zweier Brüder, die in ihrem Dorf erkennen, dass nur ihre Träume sie retten können.

Eltern, 3. Woche    
Donnerstag bis Mittwoch um 16:30 Uhr, außer Sonntag;

Sonntag 12:00 Uhr

Konrad (Charly Hübner) ist der scheinbar perfekte Hausmann und Familienvater. Seiner Frau Christine (Christiane Paul), die Karriere als Anästhesistin macht und kurz vor dem Aufstieg zur Oberärztin steht, hält er den Rücken frei. Als Konrad eine verlockende Stelle als Theater-Regisseur angeboten bekommt, möchte er wieder ins Berufsleben zurückkehren, doch seine gesamte Familie sträubt sich dagegen. Konrad setzt sich durch und engagiert ein argentinisches Au-Pair-Mädchen, das auf die Kinder aufpassen soll. Doch die sind kaum zu bändigen, vor allem die zehnjährige Käthe (Parashiva Dragus) erweist sich als äußert aufsässig. Aber auch die fünf Jahre jüngere Emma (Emilia Pieske) hat Sorgen: Ihr kürzlich verstorbener Hamster muss dringend ersetzt werden. Für die berufstätigen Eltern ist die Situation ebenfalls nicht leicht. Konrad kann sich zu seiner Überraschung nich vollständig auf seinen neuen Job konzentrieren und Christine droht unter der neu entstandenen Doppelbelastung einzubrechen. Als Konrad plötzlich verschwindet, um sich eine völlige Auszeit von der Familie zu nehmen, wissen alle, dass sich etwas Grundlegendes ändern muss.  

 

Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll
5. Woche    Ab 12 Jahren
Freitag bis Samstag um 22:30 Uhr

Und wieder ein „letzter Film“ von Steven Soderbergh, der einmal mehr seinen Rückzug von der profitsüchtigen Traumfabrik ankündigt. Zum Abschied zeichnet er die Biografie des schillernden Entertainers Liberace, der im Sommer 1977 eine Affäre mit einem hübschen Jüngling beginnt. Seine Homosexualität konnte der einst höchst bezahlte Star der Unterhaltungsbranche jahrzehntelang vertuschen. Wie es hinter den Kulissen dieser gut gehüteten Glitzerfassade aussah, zeigen Michael Douglas und Matt Damon als spielfreudig schwules Liebespaar. Trotz der Oscargewinner vor und hinter der Kamera traute sich kein Studio an das Projekt, erst mit dem ambitionierten Kabelsender HBO konnte Soderbergh dieses schwule Drama stemmen. Kinotauglich ist das Bio-Pic im opulenten Retro-Stil allemal. In Cannes wurde Douglas als großer Palmen-Favorit gefeiert

Text: Tamara Soliz

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