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Bildung & Erziehung Gesellschaft

My desk is my castle

Donnerstag, 12. August 2010 | Text: Kathrin Rindfleisch | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Rosa. So weit das Auge blicken kann, alles rosa. Rosa Tasse, rosa Cremetube, rosa Plüsch-Wärmeflasche. Nebenan ein weißes Häkeldeckchen, das einem Wasserglas und einer Kaffeetasse mit Blumenmotiv als Untersetzer dient. Die Studierenden der Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule Köln am Ubierring, beobachten jeden Gegenstand hier ganz genau. Farben, Material, Typus, Masse, ist er leicht oder schwer, essbar oder nicht. Gegenstände auf deutschen Büroschreibtischen, in Callcentern und Verwaltungen, Banken und Designbüros. Da gibt es Schreibtische mit Pflanzen und andere, auf denen nur Schlüsselbund und Handy liegen.

Der Schreibtisch – Abbild der Persönlichkeit?

Die Bürotüren werden nicht überall gerne geöffnet, den Studierenden nicht immer der Blick gewährt auf den zentralen Arbeitsplatz so vieler, den Schreibtisch. Vielleicht, weil so viel Persönliches an ihm heftet, der Beobachtete spürt, wie viel Intimes er preisgibt beim Anblick seines Schreibtisches und der Gegenstände darauf. Und die Studierenden beobachten und fragen sich beim Häkeldeckchen tatsächlich, warum Frauen einen Teil ihres Hauses mit ins Büro bringen. Oder, zwischen Yuccapalme und Alpenveilchen, warum sie deutlich öfter Pflanzen auf ihren Schreibtischen haben als Männer? Vielleicht, weil Frauen gerne (ver)sorgen?

Der Schreibtisch im Kulturenvergleich
Das aktuelle Forschungsprojekt der KISD über die Wirklichkeit von Organisation der Arbeit am Schreibtisch, gibt Raum für solche Fragen und befasst sich dabei mit dem Vergleich der Geschlechter, der Branchen und Kulturen. Dank guter Zusammenarbeit der KISD mit Universitäten in Barcelona, Mailand, New York, Pune, Hongkong, Fukuoka, Auckland, Curitiba und Taipeh, war der Einblick in unterschiedliche Kulturen möglich, und so reisten 12 Studierende in diesem Sommer von der Südstadt hinaus an die Schreibtische dieser Welt. Eine von ihnen ist die Südstädterin Anna Katharina Leistenschneider, die ich nach ihrer Japan-Reise in der KISD am Ubierring treffe. Lässig im Designerstuhl, erzählt sie mir, was sie in Fukuoka erlebt hat, wie dort die Schreibtische bestückt sind und welche Fragen sich die Forscher zu den ganz eigenen, oft skurrilen und manchmal völlig leeren Schreibtischen gestellt haben.

Callcenter im Focus – anonym oder doch sehr persönlich?
So fallen ihr beim Anblick japanischer Schreibtische große Unterschiede auf, zwischen Verwaltungs-Schreibtischen, auf denen kaum ein privater Gegenstand zu finden ist und Callcentern, deren Mitarbeiter ihre Schreibtische vollgestellt haben mit privaten Fotos, Accessoires und Erinnerungsstücken. Wieso ist das so und was sagt das zum Beispiel aus über eine Branche, die mit meist anonymen Telefongesprächen Geschäfte macht? Bewegt etwa gerade diese Anonymität in ihrem Job die Menschen dazu, sich im persönlich gestalteten Umfeld ein Stück Identität zu schaffen? Aber wenn das so ist, gilt das nicht auch für Callcenter in Australien, den USA oder Europa?

Typisch Frauen-Schreibtisch?!
Die Studierenden kommen zurück an den Ubierring mit Eindrücken, Geschichten und Fragen und erst mit dem direkten Vergleich der Beobachtungen in den unterschiedlichen Länder, lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen. Oder Unterschiede. Typisches oder vielleicht auch nur zufällig Entstandenes. Zudem können sich die Studierenden anhand der Beobachtungen von Männern und Frauen an Schreibtischen ein umfangreiches Bild machen darüber, wie Frauen ihre Arbeit am Schreibtisch organisieren und wie Männer das tun. Und ob sie das in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich machen, oder ob es so etwas gibt, wie einen „Geschlechtercode“, auch am Schreibtisch.

Qualitative Forschung im Design
Eines steht jedoch schon jetzt fest: mit diesem Schreibtisch-Projekt zeigt sich einmal mehr die für das Design ungewöhnliche Forschungskompetenz der KISD, die im Feld der Qualitativen Forschung im Design eine Vorreiterrolle übernimmt und darüber erfährt, wie Menschen mit Dingen und wie Dinge mit den Menschen kommunizieren.

Die Studierende kann´s in jedem Fall freuen: Eine Hochschule, die in ihrem Fachbereich Design ein arbeitsweltnahes Forschen ermöglicht, erleichtert ihren Absolventen damit die Integration in die Arbeitswelt enorm.

Lesen Sie mehr über die KISD und deren aktuelle Projekte unter www.kisd.de.
 

 

Text: Kathrin Rindfleisch

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