William Shakespeare: Richard II. Solo eines Königs

In Shakespeares Richard II. geht es um Macht, Schuld – und Menschlichkeit. Richard tötet, enteignet, intrigiert – und wird schließlich selbst gestürzt. Doch das Stück endet nicht mit seiner Absetzung. Im Gegenteil: Jetzt beginnt der eigentliche Kern der Tragödie. Richard muss sich seiner Schuld stellen – und sich als Mensch erkennen. Was er anderen antat, fällt auf ihn zurück: Er enterbt Bolingbroke – und wird von ihm entmachtet. Er tötet – und wird selbst getötet. Es ist das unerbittliche Gesetz der Vergeltung. Doch Shakespeare geht weiter: Er zeigt, dass in all dem ein göttlicher Finger sichtbar wird.
Der Dichter macht keinen Hehl aus seiner Haltung. Zuerst prangert er Richard als Tyrannen an. Doch der gestürzte König berührt ihn – als verletzlicher Mensch, als gescheiterter Künstler, als Liebender. Aus dem Herrscher wird eine tragische Figur, die unser Mitgefühl weckt.
Shakespeare erinnert uns: Eine Politik der Barmherzigkeit ist nicht nur edel – sie ist klüger als Rache. Die Geschichte wird das beweisen.
Bild: Patrick Prager











