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Bildung & Erziehung

56 Daumen nach oben

Donnerstag, 1. Oktober 2020 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Nora Koldehoff

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

„Ich kann alles erreichen, ich muss nicht mehr zweifeln“ – der Refrain stammt vom 12jährigen Martin, bevor in den Strophen die Stimmen von Nancy und Sina rappen. Beim nächsten Track grinsen Boban und Dusan verlegen und stolz, während aus dem Lautsprecher ihr HipHop-Song ertönt.

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Konzerte, wie Zigeunernächte, Frühling der Kulturen, Flamenco und viele aus dem Bereich Weltmusik, Tanzveranstaltungen wie Salsa-, Lindy-Hop…

In der Abschlussrunde des Nachhaltigkeits-Festivals im Jugendzentrum Baui spielt das Anleiter-Team des Musik-Workshops zwei der Songs vor, die an diesem Tag entstanden sind.

Zufriedene Gesichter

Die anderen Jugendlichen applaudieren und einige zeigen ihre Ergebnisse des Tages, wie Makramee-Ampeln, selbst erstellte Täschchen aus ausgemusterten und nicht mehr fahrtauglichen Fahrrad-Reifenmänteln, Do-it-yourself-Kosmetik und geschnitzte Löffel. Von den Erzeugnissen beim „Nachhaltigen Kochen“ und der Cocktail-Station bleiben zufriedene Gesichter und ein Rezept-Heft. Auf die Bitte, mit einem Daumen anzuzeigen, wie den Teilnehmenden die Workshops und Vorträge gefallen haben, zeigen 56 Daumen nach oben.

Die entstandenen Produkte verstauen die Jugendlichen in einem Baumwoll-Beutel, auf dem das Logo des Festivals zu sehen ist – und den sich alle in der Siebdruck-Werkstatt selbst hergestellt haben. Das Logo hatte im Vorfeld die 17jährige Mira entworfen, die regelmäßig die Teenie-Abende im Jugendzentrum Bauspielplatz Friedenspark besucht.

Nachhaltige Ernährung im Praxistest / Bild: Jule Stein

Nachhaltigkeit und Meinungsäußerung

„Das Besondere an dem Festival“ erklärt Sozialpädagogin Marietheres Waschk vom Baui, „ist die Entstehung und die Durchmischung. Die Themen und Workshops kamen alle von den Jugendlichen selbst. Neben Nachhaltigkeit geht es vor allem darum, herauszufinden, wo und wie man etwas selbst tun und auch sich für die eigenen Themen Gehör verschaffen kann. Das geht zum Beispiel über kreative und digitale Methoden: Darum haben sich die Teenies auch Workshops wie Filmschnitt, Musik und Graffiti gewünscht. Aber die Jugendlichen stellten sich auch die Frage des Blicks über den eigenen Tellerrand – wo kann ich beitragen? Darum wurden für die Mittagspause Gäste eingeladen, die etwas Input mitbrachten, der von der Seebrücke Köln kam, einem Anti-Rassismus-Trainer und Caro, die mit den Jugendlichen über Fast Fashion und nachhaltige Kleidung gesprochen hat.“

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Die Vorträge während der Mittagspause werden sehr schnell zu Gesprächsrunden, an denen sich die Teilnehmenden rege beteiligen. Im Vortrag über die Seebrücke zum Beispiel war besonders von Interesse, wie man auch von hier aus im Mittelmeerraum helfen und mitmachen kann.

So lief es auch in den anderen Einheiten, zu denen die Jugendlichen ihr Mittagessen mitnehmen konnten. “Ich war selbst oft als Jugendlicher im Jugendzentrum“, erzählt Anti-Rassismus-Trainer Jakob Comutsu Koch, „und war daher zwar nicht überrascht, aber trotzdem beeindruckt, wie schnell sich in einer doch ziemlich altersdurchmischten Gruppe die Teilnehmenden geöffnet und selbst von eigenen Erlebnissen und Gedanken erzählt haben. Obwohl sich auch gar nicht alle untereinander kannten. Eine Teilnehmerin war vor einiger Zeit mit ihrer Familie aus dem Irak geflohen und hatte Fotos aus Auffang-Lagern im Irak und in Köln Kalk dabei, damit sich andere ein Bild davon machen konnten, wie es dort aussieht. Sie hätte im Grunde die ganze Stunde schon allein bestreiten können mit ihren Erzählungen.“

Carolina Abalos machte in ihrer Einheit über nachhaltige Kleidung ähnliche Erfahrungen: Der Input wurde zur angeregten Diskussion über Marken, Greenwashing, Mode als Identität und Aufbereitung alter Textilien, an deren Ende der Plan entstand, aus dem Thema – oder besser noch aus einer Themen-Kombination – ein ganzes Workshop-Wochenende zu machen.

Upcycling mit alten Reifenmänteln / Bild: Nora Koldehoff

Vernetzung der Jugendzentren

Marietheres Waschk und das gesamte Team des Baui sind mit dem Tag zufrieden: „Besonders schön ist, dass das Konzept so gut aufging. Der Bauspielplatz ist ja der Standort des Kinder- und Jugendforums Innenstadt Süd. Aus diesem stammt auch das Etat, das uns ermöglicht hat, die Veranstaltung für alle Jugendlichen kostenlos zu halten. Hier sind die Wünsche und Pläne für das Festival entstanden. Und das eben nicht nur im und für den Mikrokosmos Bauspielplatz: Sowohl die teilnehmenden Jugendlichen kommen aus den unterschiedlichsten Jugendzentren aus ganz Köln, als auch die Workshop-Leiter*innen. Trotzdem wurde in den Mittagsrunden sehr schnell sehr offen diskutiert, was zeigt, dass die Atmosphäre stimmte.“

Damit konnte nicht nur Fachwissen genutzt und geteilt, sondern auch eine Vernetzung der Einrichtungen angestoßen werden. Aus der GOT Elsaßstraße etwa wurde der Musik-Workshop angeleitet, die Makramee-Expertin arbeitet sonst im Jugendzentrum „Picco“ in Holweide, die Siebdruckerinnen in den AbenteuerHallen Kalk und aus dem Jugendzentrum in Weiß kam das Know How für die DIY-Kosmetik, bei dem selbstgemachtes Deo, Lippenpflege und Badebomben hergestellt wurden. Vom Urban Gardening Projekt „NeuLand“ aus der Nachbarschaft wurde im Workshop eine neue Pflanzkiste und eine Bokashi-Kompostkiste gebaut. Und Salvatore Pendolino, der als Medienkoordinator der Jugendzentren Köln auch das Digitale Jugendzentrum mitbetreut, erklärte Basiswissen für Filmschnitt, der auch gleich vor Ort ausprobiert wurde.

Weil das Festival unter Corona-Bedingungen stattfinden musste, war die Zahl der Teilnehmenden begrenzt. Zusätzlich musste auf Hygienevorschriften geachtet werden, was aber inzwischen für alle Teil des Alltags geworden ist. Den Ausklang des Tages gestalten Basti Schank und Band, der sich freut: „Endlich wieder Live.“

Auch Kritik wird am Ende noch geäußert. Sie kommt von Lilly Grace, Lona, Matilda und Rosa, den jüngsten Teilnehmerinnen des Festivals. „Es war viel zu kurz“, fanden sie. „Beim nächsten Mal bitte gleich ein ganzes Wochenende und noch mehr Workshops und alle etwas länger.“

Text: Nora Koldehoff

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