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Kultur

Die Legende lebt! – Rocker, Wirt und Dichter: Rich Schwab

Montag, 30. Januar 2012 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Rich ist wieder da! Wenn auch nur für einen Abend. Rich wer? Rich Schwab! Ein gestandenes Mannsbild, das über Jahrzehnte aus der Südstadt kaum wegzudenken war, aber nun schon ein paar Jahren weg ist und irgendwo in der niederrheinischen Provinz sein Dasein fristet. Muss man den kennen? Muss man. Okay, hier für die Immis und Spätgeborenen die lebende Legende in aller Kürze. 1949 in Köln geboren, gründete Rich Schwab seine erste Band mit 14 und zupfte später in unzähligen (Kölner) Formationen die Trottelgitarre (wie der Bass in Musikerkreisen nun mal heißt) und brachte es dabei als Autodidakt zu angemessen verhaltener Virtuosität. In den 70er Jahren spielte Rich Schwab dann mit so ziemlich allen Typen zusammen, die sich in Köln auf den Spuren der Herren Jagger & Richards im Dunstkreis von Sex & Drugs & Rock´n Roll bewegten. Das heißt: Sex wird´s hie und da gegeben haben, Rock´n Roll sicher auch, aber Drugs in Form von lecker Kölsch auf jeden Fall in Massen. (Ähm, wie sinnfrei läse dieser Satz eigentlich, wenn man im Zuge der letzten Rechtschreibreform das Esszett komplett eliminiert hätte!) Egal, es muss eine wüste Zeit mit Exzessen aller Art gewesen sein, damals im Kölner Süden. Tausendsassa-DaDaist Ingo Kümmel (früh verstorben und inzwischen mit eigenem Platz an der Annostraße geehrt) und Rich Schwab (mit Schnauz und Wallehaar) immer mitten drin. Letzterer meist schweigend. Bassisten reden bekanntlich nur das Nötigste. Legendär ist aus jenen Zeiten die Anarcho Rock-Combo „Schroeder Roadshow“ um Gerd Köster, Frank Hocker und eben Rich, die mit „Anarchy in Germoney“ so etwas wie ein Hit-Album landete, einen (für uns Ältere) „Rockpalast“-Auftritt hatte und mit Rio Reisers „Ton, Steine, Scherben“ auf Tour ging. Claudia Roth (Grün), damals „Scherben“-Managerin, wird sich womöglich dunkel erinnern.
 
Exkurs: Mir persönlich, ging diese Kölsch-Mucke Anfang der 80er, ehrlich gesagt, komplett am Allerwertesten vorbei. Im von mir behausten Belgischen Viertel trug man Schwarz, stand auf New Wave und Ska, pendelte nächtens zwischen Königswasser, Rose Club, Blue Shell und (für die Absacker) der (nicht ganz legalen) Eisbär-Bar. Als ich dann Mitte der 80er die Coolness und die schwarzen Anzüge über hatte und mich der Immobilenmarkt in die No-Go-Area Südstadt verschlagen hatte, brauchte ich eine Lokalität fürs ruhige Feierabend-Bierchen nach Mitternacht. Was sich durchaus schwierig gestaltete, da sich seinerzeit in so ziemlich allen Kneipen (vor allem am Wochenende) vergnügungssüchtige Bergheimer breit machten. Irgendwann landete ich irgendwann im Nullzwei. Ein gänzlich unspektakulärer Schuppen in der Karl-Korn-Straße, der aber die entscheidenden Meter von „Odeon“ und „Clodwig Eck“ entfernt lag, so dass er eine bergheimfreie Zone zu bieten hatte. Der Wirt, ein würdevoll bauchender Zeitloser mit Hosenträgern zur Blue Jeans, bei dem man auch im größten Chaos eine umfangreiche Bestellung durch das bloße Heben einer Augenbraue loswerden konnte und der postwendend die gewünschte Kaltgetränke auf die Theke stellte. Nach Jahren auf beiden Seiten der Tresen (u.a. im legendären „Out“ auf der Alteburger) hatte sich Rich Schwab zum Gastro-Unternehmer durchgerungen. Wenn der Patron nicht gerade am Zapfhahn stand, saß er auf einem Hocker in der Ecke und lauschte stoisch irgendwelchen (Beziehungs-)Dramen, die ihm irgendwelche alkoholisierten Gäste auf die Ohren gaben.
 
Und Rich Schwab war dann in jenen Jahren auch an einem echt kölschen Kuriosum beteiligt. 1989 gab es Stunk innerhalb der „Stunksitzung“. Ein Teil der Gründungsmitglieder befand, dass die alternativ-karnevalistische Sause nun entschieden zu sehr im Schunkel-Mainstream angekommen war und probte den Aufstand. Unter Mitwirkung von (heute) gestandenen Kabarettisten wie Wilfried Schmickler, Rosa K. Wirtz, Wolfgang Nitschke und Heiner Kämmer wurde da quasi in doppelter Negation im großen Saal des Stollwerck die „Prunksitzung“ mit der Präsidentin Gaby Köster ins Leben gerufen. Gastronom, Komponist und Kapellmeister der alternativ-alternativen Veranstaltung: Rich Schwab. Nach ein, zwei (oder waren es gar drei?) Sessionen hatte sich auch diese Nummer überlebt. Weil die Fans auch in dieser unbedingt politisch korrekten Veranstaltung vom Schunkeln nicht lassen wollten oder warum auch immer.

Foto: Meyer Originals

 

Irgendwann hatte Rich offenbar genug gehört und schrieb 1992 seinen ersten Krimi „Nie wieder Apfelkorn“ um den melancholischen Kneipensteher und Hobbydetektiv Büb Klütsch und machte bald darauf seine Kneipe zu. Mit „Eine Alte Dame Ging Hering“ und „Perlen vor die Schweine“ ließ er dem Debut zwei weitere Klütsch-Romane folgen. Ein vierter ist in Mache. „Dreiviertel fertig“, sagt Rich. Aber so ein Viertel kann sich ziehen. Und was ist mit Musik? Macht er auch noch, aber nur noch selten auf der Bühne. In Schwabs Worten: „Der Alte schreibt unverdrossen weiter Songs, die höchst selten jemand veröffentlicht, und Musik zu ungedrehten Filmen.“ Daneben lektoriert er Hörbücher von Kollegen und ist sich auch nicht zu schade, eine Fortsetzungsgeschichte für den Facebook-Auftritt der Stuttgarter Straßenbahn-Betriebe zu schreiben. Wie das nun mal so ist, wenn man es freier Autor nicht mit Ratgebern wie „Sensibler ficken“ oder „Von der Kunst, ein Idiot zu sein“ in die Bestsellerlisten schafft. Dabei hat Rich Schwab auch ein lebenskluges Hilfe-Buch verfasst. Aber das heißt „Versacken“ und das Thema ist nun mal nicht hitverdächtig.
Heute Abend steht (eher: sitzt) Rich Schwab im Theater der Keller mit Uta „Krazy“ Titz auf der Bühne und bringt „Wasser. Feuer. Lust. & Steine“ zu Gehör. Was man da erwarten darf, soll er selbst sagen: „WFL&S ist eine „Kurz“geschichte von ca. 40 Seiten, entstanden vor ein paar Jahren als Beitrag für einen ziemlich gut dotierten österreichischen Literaturwettbewerb. Das vorgegebene Thema war „Wasser. Feuer. Lust.“ Die Steine ergaben sich aus der Geschichte: der ewige Schwab-Protagonist Büb Klütsch sitzt in einer seiner Stammkneipen und lernt eine äußerst begehrenswerte junge Dame kennen. Mit der unterhält er sich etliche Biere lang (genauer gesagt: er versucht sie auf seine – ähem – zurückhaltende Art anzubaggern), während der Wirt seine x-te Version der ultimativen Stones-Mixkassette spielt und der Laden sich mit den üblichen Verdächtigen, Verkappten und Verrückten füllt. Immer wieder lappen die gerade laufenden Stones-Nummern und die Geschichte ineinander – an diesem Abend sind es an die zwanzig.
Da bot es sich förmlich an, aus der Story einen literarisch-musikalischen Abend zu machen. In der ersten Version kamen die Songs zwischen den Kapiteln im Original von meinem iPod, in Version zwei sang und spielte sie mein alter Spannmann Volker Becker; aber da dessen Hauptarbeitgeber, De Familich, so exzessiv auftritt, musste irgendwann Ersatz her – das übernahm dann vor vier Jahren Uta „Krazy“ Titz, gui & voc. Hat natürlich einen zusätzlichen Reiz, wenn diese Stones Macho-Songs von einer Frau interpretiert werden (in teilweise recht eigenwilligen Versionen, natürlich). Selbstverständlich entwickelt sich und endet der Abend völlig anders, als unser Büb sich das vorgestellt hat.“
 
Rich Schwab und Uta „Krazy“ Titz, heute (30.01.2012) im Theater der Keller, 20 Uhr

Text: Reinhard Lüke

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