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Bildung & Erziehung Kultur

Franziska Erdle und acht Flügel

Sonntag, 24. Oktober 2010 | Text: Antje Kosubek | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die Musikerin und Klavierlehrerin Franziska Erdle lädt mich ein in ihr Reich der Klangkunst. Seit 13 Jahren schon führt sie die Klavierschule Süd in der Kölner Südstadt. Von außen unscheinbar, wird die kleine „Pianisten-Schmiede“ oft übersehen zwischen Großbaustelle am Chlodwigplatz, KVB-Haltestelle und diversen Arztpraxen am Ubierring. Doch innen wird der Besucher überrascht. Die Unterrichtsräume wirken wie eine liebevoll eingerichtete Wohnung: Bilder hängen an den Wänden, alle Details scheinen aufeinander abgestimmt. In jedem Zimmer steht ein Flügel und obwohl gerade niemand unterrichtet wird, liegt die Musik spürbar in der Luft.

Meine Südstadt: Wie wird man eigentlich Klavierlehrerin?
Musik hat mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Meine Familie ist sehr musikalisch und mein Opa war Pianist und Lehrer an der Hochschule. Ich habe dann Klavier und Cello studiert. Das war das, was mich immer am meisten interessiert hat. Im Nachhinein muss ich sagen, dass meine Eltern mich da sehr unterstützt und mir freie Hand bei meiner Studienwahl gelassen haben. Welchen Beruf ich mit meinem Studium später mal ergreifen wollte, davon hatte ich keine Ahnung. Das zeigte sich dann so, dass ich nach Abschluss des Studiums ein Jahr lang mein Examenszeugnis gar nicht abgeholt hatte. Am letzten Stichtag war ich dann doch noch dort, kurz bevor es ins Archiv gewandert wäre.

Und was hast Du zwischen Studium und Klavierschule Süd gemacht?
Hier und da mal gekellnert, das hatte ich schon während des Studiums gemacht. Ich habe auch schon morgens ab 7 Uhr in einer Fabrik geschuftet. Als ich später stundenweise an einer privaten Musikschule unterrichtet habe und feststellte, dass der Verdienst beim Kellnern ja viel höher ist, wusste ich, hier muss sich was ändern.
Da kam die Idee auf, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Kurze Zeit später habe ich in der Südstadt nach Räumen gesucht und bekam das Angebot hier am Ubierring. Für mich alleine war das aber viel zu groß. So entstand die Idee mit der Klavierschule und später auch mit der selbstständigen Lehrergemeinschaft. Diese ist eine echte Bereicherung für uns alle, wir können durch unsere Zusammenarbeit und viel Eigeninitiative eine Lücke füllen. Die Städte und Länder tun sich schwer in Ihrem Kulturauftrag, auch weil die finanziellen Mittel fehlen. Es ist einfach zu wenig Geld da. und der Bedarf für Musikunterricht ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Das liegt daran, dass sich das Bewusstsein für die Bedeutung des Musikmachens verändert hat, fast alle Eltern wünschen sich doch heute, dass das eigene Kind Musik macht oder ein Instrument lernt.
Wir nutzen unser Engagement und die Ideen unter uns Musiklehrern und haben so ein tolles Gemeinschaftsmodell entwickelt. Die Klavierschule Süd besteht aus neun studierten Instrumentalpädagogen: eine Sängerin, zwei Geigenlehrerinnen und sechs Klavierlehrerinnen und –Lehrer.
Jeder für sich ist selbstständig und rechnet mit seinen Schülern eigenständig ab. Die Leitung der Klavierschule liegt bei mir, und ich vermiete die Räume dann tageweise für den Unterricht. So können wir gemeinsam Kosten sparen und jeder hat sein Einkommen, so wie er die Regelmäßigkeit seiner Unterrichtsstunden selbst gestalten möchte. Außerdem machen wir viele Konzerte und Feste zusammen, und es gibt immer ein Miteinander. Wie eine Art Supervision: wir tauschen uns untereinander viel über Unterrichtsliteratur aus, aber auch in pädagogischen Fragen.

Wie sieht so ein klassischer Acht-Stunden Tag einer Klavierlehrerin aus, wie kann man sich das vorstellen?
Ich beginne gegen Mittag meinen Arbeitstag, die ersten Unterrichtstunden sind meistens mit Erwachsenen so bis in den frühen Nachmittag. Ab 14 Uhr unterrichte ich die ersten Kinder, später dann Jugendliche und ab 18 Uhr geht es dann wieder über zum Unterricht mit Erwachsenen. Mein Luxus: die Vormittage habe ich für mich, da kann ich selbst Klavier spielen.

Macht Dir Dein Beruf immer noch Spaß oder gibt es auch Tage, wo Dir Dein Klavier zum Hals raus hängt?
Nein! Musik ist für mich Begegnung! Ich kann jeden Tag Klavier spielen, habe mit Menschen zu tun und dann noch in diesem netten Umfeld hier in der Kölner Südstadt. Die Vielfältigkeit des Klaviers ist unschlagbar. Du kannst jede Sinfonie wiedergeben und alles spielen: Jazz, Rock, Klassik – das können andere Instrumente nicht. Ein Klavier hat einen großen Stimmumfang, über sieben Oktaven – für mich persönlich ist es das tollste Instrument überhaupt!
 
Wie alt sind Deine Schülerinnen und Schüler?
In der Klavierschule haben wir ungefähr ¾ Kinder und Jugendliche und ¼ Erwachsene. Meine Schülerinnen und Schüler sind sehr gemischt: so ist es nicht ungewöhnlich, wenn sich die Oma gemeinsam mit ihrem Enkel zum Einzelunterricht anmeldet. Wir unterrichten auch 60jährige Männer, die Klavier lernen wollen und vorher noch nie eine Taste berührt haben. Dann haben wir wiederum Schüler die schon 10-12 Jahre dabei sind. Die haben wir lange begleitet – man wird sozusagen zusammen groß. Und man muss schon überlegen, welche Sonaten wir noch nicht gespielt haben.
Beim Tag der offenen Tür werden übrigens zwei Oberschüler vierhändig am Klavier improvisieren, darauf freue ich mich schon sehr! Unsere Schüler kommen oft auch mit eigenen Vorschlägen, wie zum Beispiel Filmmusiken oder auch moderneren Sachen. Der Renner in den letzten Jahren war „Die fabelhafte Welt der Amelie“.
Jeder wollte das spielen, und wir machen das dann auch. Der positive Nebeneffekt: es steigt dann auch wieder die Motivation für eher klassische Stücke. Das ist  eben die Freiheit, die wir dann als private Musikschule haben, wir können entscheiden, wie wir den Unterricht gestalten und weiterentwickeln.

Gibt es auch Schüler, die kein Talent haben?
Ich denke, jeder kann Musik machen und hat Musik in sich. Es kann nur sein, dass das Klavier nicht das richtige Instrument für einen ist, sondern vielleicht ein anderes besser wäre. Wir holen die Leute da ab, wo sie stehen und haben kein dogmatisches oder starres Unterrichtskonzept. Die Schüler haben auch oft eigene Ideen, und es muss nicht immer Bach oder Schubert sein. Zudem gibt es ja auch eine kostenfreie Probestunde, in der man feststellen kann, ob es einem überhaupt Spaß macht und ob die Chemie mit dem Lehrer stimmt.

Warum lebst und arbeitest Du in der Südstadt?

Die Südstadt ist mein Viertel, hier bin ich geboren und sie ist so lebendig. Ich kann es gar nicht so in viele Worte fassen: mein Gefühl von Heimat ist hier. Die Musikschule ist auch voll im Viertel integriert, man kennt uns und wir brauchen keine Werbung mehr. Was mich auch freut: in den letzten Jahren kommen auch immer mehr Kinder mit so genanntem „Migrationshintergrund“ zu uns: Kinder vom türkischen Gemüsehändler, Griechen, Italiener und so weiter. Das ist eine schöne Entwicklung und war vor zehn Jahren noch ganz anders. Das Bewusstsein für Musik kommt immer mehr in allen Bevölkerungsschichten an, es ist den Menschen wichtig, dass ihr Kind ein Musikinstrument lernt oder einfach nur Spaß an oder mit der Musik hat.

 

Eine Probe Ihres Können ist am  Tag der offenen Tür der Klavierschule Süd zu sehen und hören. Ein Fest mit viel Musik von SchülerInnen und LehrerInnen.
Mit Saft, Sekt und Bier – und einer Ausstellung von Bildern von Judith Erdle.
Samstag, 30. Oktober 2010 ab 18 Uhr – Klavierschule Süd, Ubierring 13

 

Text: Antje Kosubek

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