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Kultur

Ab ins Kino, Kinder, bevor die Ferien zu Ende sind!

Mittwoch, 18. August 2010 | Text: Tamara Soliz | Bild: cinema.de

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Sonntag ist der perfekte Kinderkino-Tag, und das Kino im Viertel hat einen der schönsten Kinderfilme überhaupt im Programm: „Lotta aus der Krachmacherstraße“. Im Programm ist noch der sehr schöne Film „Mademoiselle Chambon“, der auch schon bei den französischen Filmtagen gut beim Publikum ankam. Eine bezaubernde Liebesgeschichte aus dem Süden Frankreichs mit Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon. Aber noch andere Publikumslieblings wie „Micmacs – Uns gehört Paris“ und „Das Konzert“ sind zu sehen.

 

Viel Spaß im Kino!

„Lotta aus der Krachmacherstraße“
Sonntag um 14:00 Uhr
Einer der Klassiker von Astrid Lindgren kongenial verfilmt von Johanna Hald.
„Eigentlich kann ich fast alles“, meint Lotta, die heute fünf Jahre alt wird. Ihr größter Geburtstagswunsch ist ein richtiges Fahrrad. Leider sind die Eltern der Meinung, dass Lotta dafür noch zu klein ist. So findet sie an diesem Morgen kein Fahrrad auf dem Gabentisch – ein trauriger Geburtstagsanfang! Aber Lotta gibt nicht auf: Es wäre doch gelacht, wenn sie nicht doch noch einen tollen Tag hätte – und wenn am Ende nicht doch noch ein Fahrrad auf den Gabentisch käme.

Die kleinen Szenen mit großer Bedeutung aus dem Leben eines kleinen Mädchens, mit dem sich viele andere kleine Mädchen identifizieren können, hat Regisseurin Johanna Hald mit leichter Hand, heiter und farbenfroh, unspektakulär und stimmig gestaltet. Nicht zuletzt das hinreißende Spiel von Greta HavneskÅld als Lotta gibt dem Film seine Glaubwürdigkeit. So heiter und harmlos die Szenen auch anmuten, so ist die Grundhaltung des Films von Respekt vor dem kleinen Menschen getragen und gerät niemals auch nur in die Nähe der Kindertümelei und des Gefühlskitsches.

„Mademoiselle Chambon“
Ab 12 Jahren
täglich um  17:00 Uhr und um 19:00 Uhr, außer Mittwoch
Mittwoch um 21:00 Uhr
Mit „Mademoiselle Chambon“ seinem bittersüßen Beziehungsdrama aus der französischen Provinz, gelingt Regisseur Stéphane Brizé (Man muss mich nicht lieben) ein weiteres Meisterwerk des leisen Erzählens und der Zwischentöne. Konsequent zelebriert der 44jährige Franzose subtil den Reiz des Schweigens, die Symbolik von Gesten und Blicken und inszeniert so Leidenschaft ohne sentimentales Pathos. Vor allem die hervorragende Besetzung mit dem inzwischen getrennten Schauspielerpaar Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon verleiht seiner auf den ersten Blick unspektakulären Liebesgeschichte den Charme einer empfindsamen Romanze.
Dieser Film ist etwas ganz besonderes!
Eine wunderschöne Liebesgeschichte.
Tipp de Monats!


„Das Konzert“
Ab 12 Jahren
täglich  um 18:00 Uhr und um 20:15 Uhr
Samstag und Sonntag um 15:45 Uhr
Film des Jahres!
Wie kein anderer hat Mihaileanu in seinen Filmen einen tragikomischen Umgang mit der Vergangenheit  erreicht. Ob das die Geschichte einer jüdischen Dorfgemeinschaft ist,  die in einem Zug versucht dem Holocaust zu entkommen, oder ein junger Äthiopier, der als afrikanischer Jude von den Israelis aus einem Flüchtlingslager gerettet wird und dann in Israel mit der Verleugnung seiner christlichen Kultur Probleme bekommt.
In seinem neuen Film steht auch wieder jemand im Mittelpunkt, dem die Geschichte übel mitgespielt hat. Dirigent Andrei  Filipov führte das weltberühmte russische Bolschoi Orchester von Triumpf zu Triumpf, bis er sich für vom KGB verfolgte Mitmusiker einsetzte. Seitdem darf der Stardirigent das Konzerthaus nur noch putzen. Als er 20 Jahre später eines Tages das Büro des Direktors säubert kommt ein Fax an, das das Orchester zu einem Gastspiel nach Paris einlädt. Andrei Filipov ergreift die Gelegenheit und das Dokument, stellt ein Orchester aus entlassenen Musikern auf und meldet sich in Paris an.
Die Rekrutierung des Orchesters und die Fahrt nach Paris sind perfekte Komödie. Auch in Paris hält der wunderbar leichte und überdrehte Ton des Films an, aber es kommt,  wie in einem guten Konzert eine neue Stimme dazu. Das Orchester soll in Paris Tschaikowskys Konzert  für Violine und Orchester in D-Dur aufführen. Als Solistin hat sich Andrei  Filipov die französische Violinen Virtuosin Anne-Marie Jacquet (Melanie Laurent) gewünscht, der gegenüber das gesamte Orchester noch eine alte Bringschuld hat,  von der die junge Virtuosin keine Ahnung hat.
Bis hier hin wäre das Konzert ein sehr, sehr  guter Film. Aber zum Film des Jahres braucht es noch etwas mehr.  Und das hat mit Tschaikowskys Violinen Konzert  zu tun, das hier mit der Geschichte die Mihaileanu um es herum erzählt eine gänzlich neue emotionale Dimension gewinnt.
Genial. Nach dem Film möchte man sich bei Mihaileanu und Tschaikowskys bedanken.
 


„Mahler auf der Couch“
Ab 12 Jahren
Samstag und Sonntag um 15:00 Uhr
Im Jahr 1910 begegneten sich der Komponist Gustav Mahler und der Psychoanalytiker Sigmund Freud einen Nachmittag lang. Mahler hatte Freud um den Termin gebeten, weil seine junge Frau Alma ihn betrogen hatte. Was genau die beiden an diesem Tag geredet haben, ist nicht belegt. Percy und Felix Adlon haben das Ereignis zum Anlass genommen, einen postmodernen Kostümfilm zu drehen, der es schafft, das Wissen um die Konstruktion von Geschichte(n) mit großem Melodrama zu verbinden.
 Aus seinen Erinnerungen im Gespräch mit Freud entsteht nach und nach und für Mahler selbst völlig überraschend die Geschichte einer Ehe, in der seine Frau ihr Leben völlig den Bedürfnissen des älteren, genialen Mannes untergeordnet hat. Alma, die vor ihrer Hochzeit eine Königin der Wiener Sezession war, gibt nach ihrer Hochzeit die Musik völlig auf und widmet sich nur noch ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter. Wie alle in Mahlers Umgebung passt sie sich in den rigorosen Tagesablauf des Meisters ein. Dabei leidet gerade das Band, dass die beiden eigentlich am meisten verbindet: das gemeinsame Interesse an der Musik.

„Micmacs – Uns gehört Paris“
Ab 12 Jahren
Donnerstag bis Dienstag um 21:00 Uhr
Freitag und Samstag auch um 23:00 Uhr
Mittwoch um 19:00 Uhr

Nach „Delikatessen“, „Die fabelhafte Welt der Amelie“ und „Mathilde – Eine große Liebe“ – Eine neue fantastische Komödie von Jean-Piere Jeunet. Einer der Publikumslieblinge  bei den Französischen Filmtagen 2010! Mit Hilfe einer Gruppe verschrobener Schrottsammler und Bastler will sich Bazil (Danny Boon aus Willkommen bei den Schtis) an einem Rüstungskonzern rächen.
 


„New York Memories“

Ab 12 Jahren
Freitag bis Samstag um 22:30 Uhr
Sonntag um 13:15 Uhr
In seinem aktuellen Film zieht es Rosa von Praunheim nach Jahren der Abstinenz wieder nach New York. Dabei erweist er sich ein mal mehr als hervorragender Zuhörer. Aus vielen Stimmen, auch jener deutschen Einwanderer, die er bereits vor über 20 Jahren mit „Überleben in New York“ verewigte, entsteht eine persönliche, und mitreißende Hommage an New York. Hier schildern deutschstämige New Yorker ihr Leben in der Megastadt und wie sich die Stadt in den letzten 20 Jahren verändert hat.

Rosa von Praunheim war zur Premiere im Odeon, unser Redakteur Reinhard Lücke hat mit Ihm gesprochen. Lesen Sie nach!
 

Text: Tamara Soliz

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