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Kolumne

Angie schunkelt mit Atze

Freitag, 27. September 2013 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich hab´s verpennt, verschwitzt. Irgendwie nicht dran gedacht. Da zappe ich am Freitag gewohnheitsmäßig durch´s TV-Programm, stehen sie da. Zünftig gewandet, bärig guter Laune und überhaupt. Eröffnung des Kölner Oktoberfestes, live übertragen von meinem Lieblingssender „Center TV“. Mein Güte, da wollte ich doch dabei sein. Vor Ort, im Mehrzweckzelt am Südstadion.

Ich hab´s verpennt, verschwitzt. Irgendwie nicht dran gedacht. Da zappe ich am Freitag gewohnheitsmäßig durch´s TV-Programm, stehen sie da. Zünftig gewandet, bärig guter Laune und überhaupt. Eröffnung des Kölner Oktoberfestes, live übertragen von meinem Lieblingssender „Center TV“. Mein Güte, da wollte ich doch dabei sein. Vor Ort, im Mehrzweckzelt am Südstadion. Inmitten schunkelnder Glanzstrumpfhosen. So wie im letzten Jahr. War super gewesen. Diesmal hab´ ich´s verpasst. Unwiderruflich. Zwar schwappt das Kölsch da noch bis Anfang Oktober, aber echt ist die Party natürlich nur mit „Oazapft is!“-Brüller mit kölschem Zungenschlag. Wofür haben wir auf dieser Seite eigentlich die Rubrik „Wochenend-Freuden“??? Da macht Kollegin Asle Werbung für allerlei Kinderbelustigungen und tiefschürfende Gesangsdarbietungen, aber kein Hinweis auf die Eröffnung des Oktoberfestes. Schande, das!

„Das glauben Sie nicht!“

Während ich dies so vor mich hin tippe, läuft in meinem Pantoffelkino öffentlich-rechtliches Wiesn-Fernsehen. „Oktoberfest Trachten- und Schützenumzug 2013“ im Ersten, „Wiesn Frühschoppen“ und „Meine Wiesn. Ein Bummel mit Gabriele Weishäupl“ beim BR und im „ZDF Fernsehgarten“, steter Quell meiner guten Sonntagslaune, ist heute auch Oktoberfest. Wozu sich Gastgeberin Kiwi in ein Dirndl geschossen hat. Marianne & Michael machen zum Vollplayback von „Wann fangt die Musi an?“ die Münder auf und zu und die Steyrer Buam bringen „Hoch die Hände, Wochenende“. Bombenstimmung beim Volk auf dem Mainzer Lerchenberg. Kiwi gluckst ins Mikrophon: „Liebe Zuschauer, Sie glauben gar nicht, was hier los ist!“ Doch, doch. Ich glaub´s. Aber wann hat man diesen Frohsinns-Titan eigentlich rehabilitiert. Da war doch mal was mit einem Talkshow-Auftritt zum Thema „Speck weg, leicht gemacht“ (oder so ähnlich), wo nachher ruchbar wurde, dass Kiwi zur selben Zeit einen Werbevertrag mit Weight-Watchers hatte. Danach gab´s Fernsehverbot. Recht so. Aber irgendwann war sie dann wieder da, unsere Kiwi. Nicht mehr so dünne, aber genau so lustig. Vermutlich rehabilitiert wegen guter Führung. Aber als Kölner sollte man sich über bajuwarischen Frohsinn im gebührenfinanzierten Fernsehen besser nicht groß aufregen. Schließlich kommen auch die Wochen wieder, in denen ARD und ZDF (fast) die ganze Nation nahezu täglich mit närrischen Schunkelparaden nerven. 
Am späteren Nachmittag habe ich kurz mal Pause gemacht. Beim „Längste Desch“ vorbeigeschaut. Ehrensache. Den lass´ ich mir nie entgehen. Erspart doch jedes Mal den Eintritt für die Geisterbahn. War diesmal aber irgendwie enttäuschend. Mein geschätztes Stammklientel, blondierte, nicht mehr ganz junge Nagelstudio- und Sonnenbanknutzerinnen in strassbesetzten Jeansjacken, war kaum vertreten. Sollte das Niveau des beteiligten Einzelhandels gestiegen sein? Kann ich nicht beurteilen, würde ich aber bedauern. Oder waren die Damen alle schon am Samstag da und warteten jetzt auf dem heimischen Sofa gebannt auf die ersten Hochrechnungen?

Revoluzzer in Hahnwald!

Ich habe gestern natürlich auch brav meine Kreuzchen gemacht. Solange mir keiner eine plausible Alternative zur Parlamentarischen Demokratie anbietet (komme mir keiner mit Direkter Demokratie und Volksentscheiden zu jedem Quark!), mach´ ich das. Das Ergebnis meiner Bemühungen auf Bundesebene mag ich gar nicht kommentieren. Auch lokal hat´s nix gebracht. Über 11 % Zuwachs für die CDU in meinem Wahlkreis II! Könnte man natürlich alles den dazugehörigen Stadtteilen Marienburg (CDU: 61, 65 %) und Hahnwald in die Schuhe schieben. Im gated Bungalow-Slum kam Muttis Partei auf 78, 57%! Irre. Das müsste sich ungefähr auf SED-Niveau bewegen. Aber selbst im Wald brachte es die FDP, die sich selbst mal als „Partei der Besserverdienenden“ anpries, nur auf schlappe 4, 62 Prozent. Für Köln der Top-Wert. Mensch, ihr liberalen Freiheitskämpfer des Kapitals, wenn es selbst da nicht reicht, wo dann? Interessant aber auch, dass in Hahnwald von 1470 Wahlberechtigten 19 ihr Kreuzchen bei der Linken gemacht haben. Wer war das? Salon-Revoluzzer? Komiker wie Stefan Raab, Christoph Daum oder Oliver Pocher? Oder doch eher die paar (nicht-polnischen) Bediensteten mit Aufenthaltsgenehmigung im Gartenhaus?

Merkel ist ´ne arme Pfanne

Ich muss jetzt aber mal trotz des deprimierenden Wahlabends eine Lanze für unsere Volksvertreter brechen. Egal, was ich im Einzelnen von ihnen halte. Sowas wie Wahlkampf ist ja kein Spaß. Über Wochen täglich zwölf, vierzehn Stunden unterwegs sein, auf Marktplätzen und tristen Fußgängerzonen zwischen Altötting und Flensburg die immer selben Reden halten, selbst in albernsten TV-Shows auftreten, kaum ein freies Wochenende – das würde ich mir doch nicht antun. Auch sonst ist so ein Minister-Alltag vermutlich kein Zuckerschlecken (selbst der von Dirk Niebel nicht. Aber der hat ja jetzt frei.). Möchte ich Kanzler sein? Nö. Selbst, wenn Macht sexy machen soll. Unsere Angela bekommt für ihren Job angeblich rund 24 000 Euro im Monat. Das ist deutlich über Hartz IV, aber gleichzeitig auch ein Witz. Soviel streicht vermutlich auch ein Innenverteidiger des VfR Ahlen in der Zweiten Bundesliga ein. Bei den Top-Managern unserer Wirtschaft ist es ein Vielfaches. Von denen arbeiten womöglich auch manche anständig, zahlen dafür allerdings kaum mit dem Totalverlust ihres Privatlebens. Oder würden Sie merken, wenn neben Ihnen samstags Unternehmenschefs wie Martin Winterkorn (VW), Peter Schwarzenbauer (BMW) oder Joe Kaeser (Siemens) im legeren Freizeitlook an der Käsetheke stünden? Eher nicht. Die kennt doch kaum eine Sau. Aber wenn Angela mit ihrem angetrauten Professor mal einen privaten Waldspaziergang macht, latschen da immer ein paar Sicherheitsleute mit. Schon wegen des nationalen Sicherheitsrisikos. So eine Kanzlerin ist ja immer ein potentielles Entführungsopfer. Und mit Merkel im Kofferraum ließen sich schließlich allerlei Forderungen stellen. Wer dagegen immer frei rumlaufen kann, ist ein Typ wie Atze Schröder. Wie komme ich ausgerechnet auf diese Knalltüte? Weil dessen unlustige Comedy-Serie „Alles Atze“ als Widerholung seit Jahren in Endlosschlaufe sonntags zu früher Stunde bei RTL läuft. Aber der Mann mit Pudelperücke und Pilotenbrille ist ein Phänomen. Zumindest kenne ich keinen, der es so konsequent geschafft hätte, in der Öffentlichkeit nur als Kunstfigur zu existieren. Oder wissen Sie, wie der Komiker mit bürgerlichem Namen heißt und wie er ohne seine Maskerade aussieht? Eben. Kein Wunder. Alle Blätter, die ihn mal outen wollten, hat der Atze-Darsteller erfolgreich mit Prozessen überzogen. Ergebnis: Atze Schröder existierert öffentlich nur als Atze Schröder. Rest unbekannt. Das nötigt mir irgendwie Respekt ab. Er könnte also auch mein unerkannter Nachbar sein. Oder Ihrer. Oder er hat vielleicht gestern den Anstich des Kölner Oktoberfestes moderiert. Oder er war die Hälfte von Marianne & Michael im Fernsehgarten. Oder ein Linken-Wähler in Hahnwald. Oder er ist Redaktionsmitglied bei „Meine Südstadt“. Oder ich bin´s.
 

Text: Reinhard Lüke

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