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Lükes Liebes Leben

Ans Messer geliefert

Dienstag, 19. Mai 2015 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich hab´ mich gestern rasiert. Im Gesicht. Was insofern eine Nachricht  ist, da ich ihm dies nicht täglich angedeihen lasse. Ich bekleide keine Position, in der ein tadellos geglättetes Kinn als Kompetenz- oder zumindest Seriösitätsnachweis gilt und mache mir deshalb um mein Erscheinungsbild zwischen den Ohren keinen großen Kopp. Kurzum, ich lasse das Barthaar meistens sprießen, bis ich meinem Kumpel mit der Kettennsäge ähnlich zu werden drohe. Irgendwann kommt dann der Tag, an dem ich denke „So, nun wär´s aber mal wieder an der Zeit“ und dann greife ich zu meinem altertümlichen Rasierapparat (so einem mit einlegbaren Einfachklingen) und mach´s weg. Das Haar im Gesicht. Ich fürchte, ich werde das jetzt öfter tun müssen, um nicht als Bartträger durchzugehen. Seit ich gelesen habe, dass Vollbärte gerade total modern sind, sehe ich mich von (auch vielen jüngeren) Männern mit mehr oder minder ausgewachsenen Gesichtspullovern umgeben. Da ich wenig Lust verspüre, jedem Dahergelaufenen zu erklären, dass es sich

bei meinem Wildwuchs keineswegs um einen trendgerechten Bart sondern lediglich um eine Nachlässigkeit handelt, bleibt mit wohl nur der regelmäßige Griff zum Rasierer. Wie lange hält sich so eine Mode und sind wenigstens 3-Tage-Bärte derzeit total out?

Haare am Sack?
Und was ist mit der Restkörperrasur? Letztens sah ich in der Werbung einen wasserdichten („Auch unter der Dusche zu benutzen!“) Akku-Körperrasierer für Männer, der zum Vorzugspreis feilgeboten wurde. Ein Indiz, dass der moderne Mann es nach Zeiten der Ganzkörperrasur jetzt auch am Sack wieder hemmungslos sprießen lässt? Und wie verhält sich die Damenwelt dazu? Trägt die jetzt auch wieder untenrum Haare und gibt sie als Intimschmuck aus? Ich weiß es nicht. Ich war noch nie ein Sauna-Gänger und die Zeiten des Rudel-Duschens nach schweißtreibendem Mannschaftssport liegen mindestens so lange zurück wie das Aufsuchen von Familien-Umkleiden als väterliche Begleitung beim Baby-Schwimmen. Für sachdienliche Hinweise in dieser Angelegenheit wäre ich überaus dankbar.

Doch selbst (im Gesicht) ordentlich rasiert bin ich derzeit noch nicht aus dem Mode-Schneider. Denn obendrein hat die Frisörinnung (oder wer auch immer) ein sattes Grau als Trendfarbe fürs Haupthaar ausgegeben. Schluck. Soll ich jetzt etwa nach der morgendlichen Rasur auch noch meinen in Würde erbleichten Kopfputz tönen?! Und was sagen meine Stammfriseusen eigentlich dazu, die in erster Linie davon leben, betagten Damen die grauen Haare weg zu färben? Und die Omis selbst? Fühlen die sich jetzt verarscht oder freuen sie sich, ihre Rente jetzt anderweitig verjuxen zu können?

Picassos Nipplegate
Neues aus der Rubrik: „Die spinnen, die Amis!“ Unlängst wurde doch bei Christie´s Picassos Bild „Die Frauen von Algier“ versteigert. Für die Rekordsumme von  180 Millionen Dollar. Musste natürlich in den Nachrichten drüber berichtet werden. Weltweit. So auch beim amerikanischen News-Channel  „Fox5NY“, einem lokalen Ableger des Senders, der zum Reich des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch gehört. Und was haben die umsichtigen Redakteure bei dem Bericht über die Versteigerung gemacht? Die Brustwarzen der Damen auf Picassos Gemälde weggepixelt!!! Geht´s noch? Schließlich handelt es sich hier nicht mal um ein Werk des Fotorealismus sondern um ein Bild aus der kubistischen Phase des Spaniers. Irgendwelche Geschlechtsmerkmale sind darauf allenfalls angedeutet und stark verfremdet auszumachen.  Hatten die Zensoren womöglich nur Angst vor Strafe? Wir erinnern uns an „Nipplegate“. Beim Super-Bowl 2004 hatte Janet Jackson während einer Gesangseinlage in der Pause eine (mehr oder weniger) blanke Brust präsentiert und damit in den USA für einen veritablen Skandal gesorgt. Mit der Folge, dass MTV, Produzent des Halbzeit-Spektakels, 3,5 Millionen Dollar Strafe berappen musste und Live-Übetragungen im US-Fernsehen seitdem grundsätzlich mit einer Verzögerung von fünf Sekunden gesendet werden, damit Regisseure genügend Zeit haben, im Bedarfsfall die Zuschauer vor ähnlich bedrohlichen Sequenzen zu schützen. Indes steht zu vermuten, dass es im Fall von Picassos Bild keineswegs die Angst von drakonischen Sanktionen war, die die Verantwortlichen von „Fox“ zum Pixeln brachte.

Farbige Kinder schießen nicht auf Mutti
Vieles spricht dafür, dass die Tugendwächter des Senders ihre Maßnahme allen Ernstes für einen Beitrag zur Wahrung von Sitte und Anstand hielten. Schließlich ist „Fox“ ein ebenso mächtiger wie erzkonservativer Kanal, dessen Kommentatoren u.a. regelmäßig gegen Obama wettern, wenn dieser nach einem neuerlichen Amoklauf an irgendeiner US-Schule auch nur vorsichtig andeutet, an den Waffengesetzten in den USA eventuell etwas ändern zu wollen. Schnellfeuergewehre für Jugendliche auf dem weihnachtlichen Gabentisch sind für diese Moralisten ohne Einschränkung empfehlenswert, während ihnen angedeutete Brust-Nippel auf einem mehr als sechzig Jahre alten Gemälde Teufelswerk sind und der hemmungslosen Verrohung der US-Gesellschaft Vorschub leisten.

Wobei mir letztens wieder aufgefallen ist, dass diese Amokläufer im Teenageralter da immer weißhäutig sind. Genau wie die Kleinkinder, die in Wohnungen oder Vorgärten versehentlich Geschwister oder ihre Mütter erschießen, weil Vati seinen Revolver wieder mal nicht ordentlich weggelegt hat. Farbige Eltern haben diesbezüglich von ihrem Nachwuchs offenbar nichts zu befürchten. Die müssen nur aufpassen, dass sie nicht in eine Verkehrskontrolle geraten oder sich ohne triftigen Grund in gutbürgerlichen Vorstädten rumtreiben, in denen Polizisten Streife fahren, die von Picasso noch nie gehört haben.

Text: Reinhard Lüke

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