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„Campus Kartause“ in der dritten Dimension als Film

Dienstag, 3. September 2019 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann/Kaspar Kraemer

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Am Anfang waren die Klötzchen. Dann kamen die zweidimensionalen Visualisierungen von Neubauvorhaben. Doch das, was Kaspar Kraemer jetzt im Haus der Evangelischen Kirche präsentierte, war der Sprung in eine neue, eine dritte Dimension. Sozusagen per Drohnenflug konnte man sich den „Campus Kartause“ in einem Film aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln anschauen. Danach kann niemand mehr sagen, er hätte es nicht gewusst:

Anlass für die spektakuläre Filmvorführung des Kölner Architekten war eine Ausstellungseröffnung. Sieben Architektenbüros hatten Entwürfe für den Neubau auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie und der Familienbildungsstätte am Kartäuserwall in der Kölner Südstadt erstellt. Im Adolf-Clarenbach-Saal im Haus der Evangelischen Kirche werden die Pläne noch bis zum 11. September ausgestellt. Der Entwurf des Architekturbüros Kaspar Kraemer hatte den Wettbewerb um den Bau des „Campus Kartause“ für sich entschieden. Der zweite Preis ging an das Büro npa Nebel Pössel.

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41 Appartments für Studierende

Die 6000 Quadratmeter große Fläche am Kartäuserwall 24b, wo im Moment die Evangelische Familienbildungsstätte, die Melanchthon-Akademie und das Jugendpfarramt untergebracht sind, wird komplett neu bebaut. 18 öffentlich und frei finanzierte Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern sind geplant. Die fünf Bildungsreinrichtungen des Kirchenverbandes – Melanchthon-Akademie, Familienbildungsstätte, Jugendpfarramt, Schulreferat und Pfarramt für Berufskollegs – werden in einem Gebäude vereint, das gegenüber vom aktuellen Akademiehaus liegt. In zwei weiteren Neubauten werden 41 Studierendenwohnungen, diakonisch betreute Wohngruppen und eine evangelische Kommunität einziehen. Zwölf Personen werden dort in Appartments einziehen.

Die Jury war voll des Lobes für den Kraemer-Entwurf. „Der Entwurf reagiert außerordentlich sensibel auf den Kontext und überzeugt in seiner klaren städtebaulichen Konfiguration. Mit den gewählten Dachformen, den Rücksprüngen im Dachgeschoss und den Gebäudehöhen fügt er sich angemessen und charmant, zugleich selbstbewusst in die Umgebung ein. Auch im Anschluss an das Bestandsgebäude am Kartäuserwall entstehen stimmige Übergänge. Über das Motiv des Arkadengangs werden Bezüge zur geschichtlichen Entwicklung hergestellt.“ Diese Bezüge nahm Kraemer bei der Präsentation seines Entwurfs während der Ausstellungseröffnung auf und verwies auf die Kreuzgänge im Umfeld der Kartäuserkirche, in der Gemeinde großes und kleines Galiläa genannt.

Ein ziemlich großes Galiläa

Rund um den zentralen Platz des Campus Kartause entsteht also sozusagen ein noch größeres Galiläa. Kontrovers diskutiert wurde aber auch in der Jury, der unter anderem der Kölner Baudezernent Markus Greitemann, Oliver Conzelmann, Architekt im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland, Michael Kress, Architekt bei der Antoniter Siedlungsgesellschaft, Jürgen Minkus, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates der Stadt Köln, Teresa De Bellis-Olinger, Mitglied des Stadtentwicklungsausschusses, Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt, und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger angehörten. Der Turm zur Erschließung der Studierendenwohnungen „verwundere zunächst“ heißt es in der Bewertung der Preisrichter. Er wurde als „nicht authentisches Bühnenbild“ empfunden. Andererseits, so die Experten, diene er als Blickfang und überzeuge für die Raumbildung des Platzes. Gewünscht ist eine stärkere Entsiegelung der Fläche.

Sehr zufrieden ist die Jury mit dem Raumprogramm. Kraemer habe die Vorgaben für die Bildungseinrichtungen und Wohnungen gekonnt umgesetzt. Dem Architekten wurden noch ein paar Empfehlung auf den weiteren Planungsweg mitgegeben. Vor allem der Turm bedürfe einer Weiterentwicklung. Und: „Die Fassaden sollen in ihrer teilweise historisierenden Ausprägung zurückgenommen werden.“ Die Arkaden sollen nicht bis zum Kartäuserwall geführt werden. „Hoffentlich ist der Entwurf nicht zu italienisch“, erklärte Kraemer.

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Auch die Belichtungssituation hinter den Arkaden müsse überprüft werden. Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger freute sich, dass neben Mitarbeitenden der Ämter und Einrichtungen des Kirchenverbandes auch Nachbarn des Neubaus gekommen waren, um sich zu informieren. Einige von letzteren äußerten sich im Anschluss besorgt, dass ihre Balkone verschattet werden. Befürchtet wird auch, dass sich der Neubau in Zeiten des Klimawandels tagsüber extrem aufheizt und über Nacht die Wärme in die Nachbarschaft ausstrahlt. Darüber werden alle Beteiligten in einen Dialog treten. Die Anwohner erwägen, eine Bürgerinitiative zu gründen, die sich zeitnah an die Öffentlichkeit wenden will.

Kirche wird den Prozess kommunizieren

Burkhard Dewey, dessen Büro Dewey Muller Partnerschaft mbh das Verfahren bislang betreut hat, warf einen Blick in die Zukunft. „Die Kirche wird den Prozess intensiv kommunizieren“, erklärte er. Es sei ein trockener Weg bis zu dem Ziel „Satzungsbeschluss“ für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, den der Stadtrat fassen müsse. Im Vorfeld werde die Öffentlichkeit beteiligt und die Bürger hätten Gelegenheit, Einwendungen zu machen, die die beteiligten Ämter abwägen würden. Stadtsuperintendent Dr. Seiger lobte die bisherige Arbeit der Verwaltung: „Die Stadt hat unser Projekt zügig und ambitioniert begleitet. Wir sind in der Verwaltung immer auf offene Türen gestoßen.“ Die Entwürfe der sieben Architekten sind bis zum 11. September im Haus der Evangelischen Kirche zu sehen.

Text: Stefan Rahmann

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