Das Rätsel meiner Kindheit – Gastbeitrag
Dienstag, 6. Januar 2026 | Text: Gastbeitrag | Bild: privat, Fam. Burrenkopf
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten
Neulich meldete sich bei uns Jürgen Becker, ob er einen Artikel, der eigentlich für ein Buch vorgesehen sei, bei uns veröffentlichen könne. Die Story handele von einem Rätsel seiner Kindheit, verortet hier bei uns im Kölner Süden, in Köln Raderthal genauer gesagt. Wir haben uns natürlich gefreut und können Euch deshalb zum Jahresbeginn mitteilen: Heute schreibt für Euch Jürgen Becker, Kabarettist aus dem Kölner Süden.
Das Rätsel meiner Kindheit
Wie oft habe ich mich gefragt, was das soll: Großes H – kleines o – großes B – was heißt das? Hirn oder Bauch? Herz oder Birne? Heinz oder Bettina? Aber es geht um Schmierstoffe, wie darunter steht. Der Sohn des Firmengründers, Horst Burrenkopf, brachte für mich endlich Licht ins Dunkel des Firmenlogos, das sooo lange zum Kölner Stadtbild gehörte. Vor allem in Raderthal, wo die Firma bis 2023 ihren Sitz hatte. Entstanden ist sie nur einen Tag nach Kriegsende. Am 9. Mai 1945 gründete der damals 23jährige Heinz-Otto Burrenkopf einen Handel mit Ölen und Fetten, zunächst für Molkereien, später für fast alle Branchen der aufstrebenden Bundesrepublik.
Antwort auf Kinderfrage erst jetzt
Die Firma Burrenkopf mit zeitweise 15 Angestellten ist ein Musterbeispiel für mittelständisches Unternehmertum im fossilen Zeitalter. Die immer größere Anzahl an Motoren und Maschinen musste mit den anfangs noch knappen Ölen und Fetten fachgerecht versorgt werden, damit die Wirtschaft zuverlässig lief, wie geschmiert. Im benachbarten Zollstock aufgewachsen, habe ich bereits als Schulkind dieses rätselhafte Zeichen tausendfach im Alltag wahrgenommen: Auf Fässern, Öldosen oder imposanten LKW. Aber selbst mein allwissender Vater, der immerhin KFZ-Meister und kaufmännischer Angestellter bei Daimler Benz auf der Luxemburger Straße war, konnte mir keine klare Antwort auf die Frage nach dem Sinn dieser merkwürdigen Groß- und Kleinschreibung H.o.B geben. Erst jetzt, Ende 2025, lernte ich das freundliche Ehepaar Sabine und Horst Burrenkopf kennen, als sie das Original-98ccm-Kraftrad des Firmengründers aus der Garage zogen.

Aufbauarbeit im zerstörten Köln: Heinzotto Burrenkopf auf seinem „Öltransporter“ (Foto: privat)
H.o.B.- unübersehbar
Mit diesem so genannten „Herrmänchen“ lieferte Heinzotto Burrenkopf seine Schmierstoffe an die Kundschaft aus, das Ölfass auf dem Gepäckträger verzurrt, so dass das Logo H.o.B. auf dem roten Fass für alle Verkehrsteilnehmer unübersehbar war.
„Damals gab es die HO Läden, wie man sie aus der DDR kannte, auch in Westdeutschland. So achtete man beim Schützen der Markenrechte der Firma Burrenkopf penibel darauf, dass keine Verwechslungsgefahr mit der HO abgekürzten „Handelsorganisation“ entstand“, so der Sohn des Firmengründers. Die HO betrieb die beliebten Konsum-Läden, auch in Zollstock am Höniger Weg war ich mit meiner Mutter häufig darin einkaufen, erinnere ich mich im Gespräch mit Horst Burrenkopf, der die Firma bis 2023 führte.

Otto Heinrich aka Heinzotto (Foto: privat)
„Mein Vater tüftelte sehr lange an einer Buchstabenkombination, die zulassungsfähig war. HOB wurde wegen der Ähnlichkeit zu HO nicht akzeptiert. Durch die Groß- und Kleinschreibung und die beiden Punkte dazwischen war das dann aber endlich gelungen“, so Burrenkopf. „Mein Vater hieß eigentlich Otto Heinrich, wurde aber Heinzotto genannt und auch so zusammen geschrieben. Damit machte das kleine o in der Mitte des Logos Sinn“, erzählt er lachend.
Abnehmende Nachfrage
„Die Firma noch weiterzuführen allerdings nicht“, fügt Burrenkopf ganz ohne Bitterkeit hinzu. „Die Nachfrage nach Schmierstoffen nimmt halt immer mehr ab“ erklärt er freundlich und überreicht mir eine original H.o.B Öldose. So freue ich mich – nicht nur über die originelle Blumenvase – sondern auch darüber, dass ich vor dem endgültigen Verschwinden des H.o.B Signets aus dem Kölner Alltag noch das Rätsel meiner Kindheit lüften konnte.
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