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Südstadt

Komplizierte Gemengelage bei den „Indianer“-Genossen

Dienstag, 19. Februar 2019 | Text: Susanne Wächter | Bild: Susanne Wächter

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wenn Georg Brombach, Vorstand der Siedler(genossenschaft) und zugleich auch der zweiten, erst 2017 gegründeten Mietergenossenschaft von der „Vollendung“ der Siedlung am Kalscheurer Weg spricht, klingt das stets wie ein lang gehegter Traum, der jetzt endlich Wirklichkeit wird: 100prozentiger sozialer Wohnraum soll quasi vor der sogenannten „Indianersiedlung“ direkt am Kalscheurer Weg entstehen.

Zollstock. Potenzielle Bauflache für die Indianer

Gern werden die Mieter- und Siedlergenossenschaft in einen Topf geworfen. „Das ist so nicht richtig“, stellt Ellen Muck klar. Seit 2003 lebt sie in der Siedlung. Zu diesem Zeitpunkt gab die Siedlergenossenschaft bereits. „Bezüglich des neuen Bauprojekts haben wir Siedler uns im Juni 2017 aber mehrheitlich dagegen ausgesprochen, es als Genossenschaft zu stemmen“, sagt Muck. „Damals gab es 80 Stimmen dagegen und 28 Stimmen dafür“, erklärt Michaela Bottier. Bei einer weiteren Abstimmung, ob das Bauprojekt denn eine andere, neue Genossenschaft stemmen solle, gab es dann 95 Ja-Stimmen und 10 Nein-Stimmen. Die Mietergenossenschaft wurde also gegründet. Mit demselben Vorstand. „Dies ist nur für die nächsten fünf Jahre“, bekräftigen Brombach und Leppin. Doch bei einigen Siedlergenossen stößt genau das übel auf. Andere wiederum sind gleichzeitig Genossen und auch der neuen Genossenschaft geworden. Es ist eine komplizierte Gemengelage, wie sich an einem Abend im privaten Rahmen in einem der Häuser in der „Indianersiedlung“ herausstellt.

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Die Idylle trügt

Die Siedlung mit ihren etwa 300 BewohnerInnen, darunter viele Kinder, wirkt idyllisch. Fast wie eine Kleingartensiedlung, ohne die so akkurate Parzelle zu sein. Der frühere Wildwuchs an unkonventioneller Bausubstanz ist heute noch stellenweise zu sehen. Bauwagen, eher nobel aussehende Einfamilienhäuser und fantasievolle, selbstgezimmerte Hütten bilden das Erscheinungsbild der Siedlung, die für Köln immer schon etwas besonderes war. Doch der Schein trügt. So idyllisch geht es bei den Siedlern doch nicht zu.
Einige sprechen von Bedrohung, von ungerechter Behandlung, von extremen Druck. Sobald Kritik geübt werde, hagele es Abmahnungen, erzählt eine Genossin, die deshalb ihren Namen nicht so gern in der Öffentlichkeit lesen will. Es gebe Rechtsstreitigkeiten wegen Bauten, die angeblich so nicht existieren dürften. Der Vorstand arbeite hier mit zweierlei Maß. Die einen dürften schwarz bauen, die anderen erhielten Besuch von der Bauaufsicht.

Zollstock. Einfahrt Indianersiedlung und eine der Grünflächen für die Bebauung.

Umstrittener Paragraf steht zum dritten Mal zur Abstimmung

Der Streit schwelt offenbar schon lange. Aber erst durch das neue Bauvorhaben der neuen Genossenschaft, scheint er so richtig Fahrt aufgenommen zu haben. Das ganze Ausmaß wird bei der jüngsten Generalversammlung der Siedlergenossenschaft im Februar deutlich. Ein für den Siedlervorstand wichtiger Tagesordnungs-Punkt scheint der Paragraf 181 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zu sein. Er steht immerhin hier zum dritten Mal zur Abstimmung. Der Paragraf steht für sogenannte „Insichgeschäfte“. Würde er aufgehoben, träten Siedler- und Mietergenossenschaft zumindest geschäftlich als Eins auf. So gravierend sieht es Brombach aber nicht. In der Geschäftswelt sei das Gang und Gäbe. „Bei einer Abstimmung fehlten uns lediglich sieben Stimmen zur Aufhebung des 181er“, ergänzt Vorstand Leppin.

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„Stimmt man jetzt so lange ab, bis man eine Mehrheit hat?“, fragen sich Muck und andere SiedlerInnen und fügen hinzu: „Unser Verständnis von Demokratie ist das nicht.“ Erstmals wurde nämlich schon am 1. Februar 2018 darüber abgestimmt, ob der Vorstand von den Beschränkungen des Paragrafen 181 BGB Alternative 2 befreit werden kann. Die Befreiung gälte bis zum am 30. Juni 2023. Am 23. Juni 2018 wurde ein zweites Mal darüber abgestimmt. Dieses Mal sprachen sich nur 58 SiedlerInnen dafür aus, beim ersten Mal noch 68. 75 Prozent Befürworter wären aber nötig gewesen. Brombach nennt ein Beispiel, weshalb es wichtig sei, den besagten Paragrafen temporär aufzuheben. „Die Siedlergenossenschaft hat einen Kipplader und andere Baugerätschaften. Die Schwestergenossenschaft kann da nicht so einfach drüber verfügen.“ Für die Kritiker der Aufhebung ist das kein stichhaltiger Grund. Das könne man auch anders regeln. Das bestätigt dann auch Leppin am Rande der Generalversammlung im Bürgerhaus Zollstock. Leppin und Brombach fürchten um den guten Ruf der Siedler. „Wir stehen finanziell sehr gut da“, betont er deshalb. Und dass die Siedlergenossen 200 Anteile a 500 Euro an der neuen Mietergenossenschaft halte, sei am 1. Februar 2018 mehrheitlich mit 75 Ja-Stimmen abgesegnet worden. Auch dass die SiedlerInnen die bereits entstandenen Projektkosten von 53.000 Euro mit weiteren 106 Genossenschaftsanteilen bezahlte, wurde mehrheitlich beschlossen.
Modellhaus Siedler Zollstock

Vorstand sieht sich als Prellbock

Zur dritten Abstimmung des besagten Paragrafen kam es bei der letzten Generalversammlung nicht. Weil sich viele Siedler nicht mehr wohl fühlen und die Kommunikation offenbar ins Stocken geraten ist, wurde Psychologe Rainer Molzahn engagiert. Er sorgte am Generalversammlungsabend dafür, dass man wieder ins Gespräch kam. Dass jeder, der wollte, seinen Frust loswerden konnte. Schnell wurde dabei klar, dass sich viele am derzeitigen Vorstand reiben. Er sei nicht neutral und transparent. Seit 20 Jahren im Amt sieht Brombach sich als Prellbock, wie er mit belegter Stimme in der Runde sagt. Er dementiert eine Ungleichbehandlung der Siedler, fühlt sich angegriffen. „Er kann auch gut austeilen“, sagt eine Frau hinter vorgehaltener Hand.
Nach etwa zweistündigen „Psychospielchen“, wie einige der insgesamt 123 an diesem Abend anwesenden SiedlerInnen die Vorgehensweise von Molzahn bezeichnen, wurde deutlich, dass dies erst ein Anfang sein kann – für eine zarte Annäherung und einen neuen Umgangston in der Siedlung. Der alten, und der, die da noch wachsen soll.

Text: Susanne Wächter

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Kommentare

  • Marc sagt:

    Bedrohung? Ungerechte Behandlung? Extremer Druck? Abmahnungen sobald Kritik geübt werde? Zweierlei Maß? „Erlaubte“ Schwarzbauten? Besuch von der Parteileitung -pardon- Bauaufsicht?

    Wie wäre es, das Indianer-„Genossen“ Spiel endlich aufzugeben und das Gebiet in „Erich-Honecker-Siedlung“ umzubenennen? Klein-DDR oder „Die beiden Erichs“ incl. Fusion der Genossenschaft in die Super Ertragreiche Demokratenfront (SED) tut’s auch. Muss ja nicht sofort mit Antifaschistischen Schutzwall und nach innen gerichteten Selbstschussanlagen umgesetzt werden.

    Das kann auch später kommen, wenn der „100prozentige soziale Wohnraum“ mit Geldmitteln der bösen Kapitalisten fertiggestellt sein wird. Dann passt’s.

  • Inge sagt:

    Ich fand diesen Abend sehr gut, es war nicht mehr so verkrampft und ich hatte das Gefühl, dass viele Befindlichkeiten auch mal zur Sprache kamen, die mich manchmal sehr betroffen machten, und das von beiden Parteien. Es wäre eine Chance, mal wieder ins Gespräch zu kommen. Und psychospielchen finde ich einen blöden Ausdruck für dass, was an diesem Abend passiert ist. Vielen Leuten kam das komisch vor, aber am Ende waren alle gelöster und ich bin froh, dass wir mal auf einer anderen Ebene kommuniziert haben.alleine, dass so viele Leute gekommen sind zeigt doch, dass sich die Art der Kommunikation ändern muss.es sieht immer so aus, als wäre hier alles verfeindet, was gar nicht stimmt. Es gibt verschiedene Probleme, die ja auch gerichtlich behandelt werden, ist ja auch ok. Dann gibt es private Probleme, wie überall, die man aber mit reden lösen kann. Ich finde, man muss von dieser Gehässigkeit wegkommen und einen Weg finden, sich wieder bewusst zu werden, von dieser auch über die Medien kommunizierten gespaltenheit wegzukommen, dadurch reitet man sich meiner Meinung nach immer tiefer rein. Mich haben viele Kommentare an diesem Abend tief berührt, von beiden Seiten und ich hoffe, dass es irgendwann mal wieder möglich ist, einen vernünftigen Austausch zu haben.es entsteht in den Medien ein Eindruck, dass hier Unfrieden herrscht. Größtenteils ist das aber nicht so, es gibt Unstimmigkeiten aber es gibt auch so viele gute Sachen hier und Menschen, die die gut miteinander auskommen und leben, das kommt ja schon gar nicht mehr zur Sprache.ich möchte jedenfalls nirgendwo anders wohnen und hoffe, dass Wege gefunden werden, dass wieder besser auch mit anderen Meinungen umgegangen wird, von beiden Seiten. Dazu muss man aber auch vielleicht mal über seinen Schatten springen vielleicht.

  • Eine Ex sagt:

    Ich, als Ex-Siedlerin, könnte Ihnen so einiges erzählen.
    Schließlich habe ich damals so einige Diskussionen mit dem Liegenschaftsamt und mit dem Herrn Brombach geführt.
    Kurz…. ich bin heilfroh, dass ich da weg bin. Harmonie sieht anders aus.
    Wer nicht zu seinen ‚Freunden‘ zählt muss sich haargenau an die Vorschriften halten. Bei den ‚Freunden‘ werden diese schon mal, na sagen wir, umgangen.
    Ich könnte da so einiges Insiderwissen erzählen, würde dieses aber nur in einem persönlichen Gespräch tun.

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