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Kultur

„Die Hölle muss ein schöner Ort sein“

Donnerstag, 16. Mai 2013 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

sagt Shahin Najafi. Der Künstler ist in aller Munde. Spätestens seit es um seinen Song „Naghi“ und die daraufhin ausgesprochene Fatwa eines Großayatollahs geht, ist sein Name bekannt. Heute gibt Shahin Najafi im Rahmen des Sommerblut-Festivals ein Konzert im Alten Pfandhaus. Als er sich einen Eindruck von den Räumlichkeiten verschaffen wollte, haben wir den Mann, der sein Gesicht hinter einer Sonnenbrille verbirgt, getroffen.

Meine Südstadt: Seit wie vielen Jahren lebst du schon in Deutschland? Deine Deutschkenntnisse sind ja schon gut.
Shahin Najafi: Ich lebe jetzt seit 8 Jahren in Deutschland. Ich habe sechs Monate einen Deutschkurs an der Volkshochschule besucht und dort deutsch gelernt.

Seit Mai 2012 hört man deinen Namen immer wieder in Zusammenhang mit Fatwas, die von Großayatollahs ausgesprochen worden sind. Ich bin etwas verwirrt über die Anzahl der Fatwas. Wie viele sind es jetzt? 4?
Ich weiß es auch nicht genau. 4 oder 5? Es gibt ja Fatwas und Estefta’s. Fatwas sind oft genauer und mit Namen formuliert. In meinem Fall kann man auch von Estefta’s sprechen. Jemand tritt mit einer Frage an den Großayatollah heran. Zum Beispiel: Wir haben einen Song gehört, in dem das und das über unseren Imam gesagt wird. Ist das eine Beleidigung? Was sollen wir machen? Der Ayatollah urteilt dann. Er hat dann gesagt, ja, wenn man solche Sachen über einen Imam sagt, dann hat man seinen Glauben verstoßen. Wenn du vom Islam abfällst, abtrünnig wirst, dann steht darauf die Todesstrafe. Ich soll dann in die Hölle kommen. Die Hölle muss ein schöner Ort sein, denn dort treffen sich alle Künstler!

Du hast gerade das Buch „Wenn Gott schläft. Mein Leben, mein Land, der Iran, meine Songs und Gedichte“ geschrieben. Dort beschreibst du, dass du aber wohl gläubig bist. Es gab eine Zeit in deinem Leben, da waren Religion und Kunst sehr wichtig für dich.
Ich bin nicht religiös, ich bin gläubig. Gott ist Energie. Ich habe Respekt vor Gläubigen und auch vor Nicht-Gläubigen. Jeder kann an das glauben, was er möchte. Egal ob Christentum, Judentum oder was auch immer. Er kann auch an einen Stein glauben! Du darfst nur nicht mit diesem Stein werfen.

Ist dein Status in Deutschland jetzt geklärt?
Ja, ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit.

Fühlst du dich gut unterstützt in Deutschland?
Ja. Als es mit der Fatwa angefangen hat, habe ich eine Weile bei Günther Wallraf gewohnt. Er ist ein sehr besonderer Mensch. Eine Weile hatte ich auch Polizeischutz. Die Polizei hat mir zwei Möglichkeiten vorgeschlagen: Entweder du bleibst für zwei Jahre Zuhause und zeigst dich nur ab und zu für Konzerte. Oder du veränderst dein Äußeres etwas. Dafür habe ich mich entschieden. Ich würde mich freuen, wenn man mich hier als Künstler versteht. Hier ist die Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt wie im Iran. Manche verstehen meine Situation daher vielleicht gar nicht.

 

„Ich bin nicht religiös, ich bin gläubig“.

Deine Texte sind sehr sozialkritisch. Du thematisierst zum Beispiel die Zeitehe, die im Iran die Prostitution ermöglicht. Die Situation von Studenten. Du singst auf Persisch, und ich habe einige Übersetzungen gelesen. Einer deiner jüngsten Songs heißt „Period“. Den Text habe ich nicht verstanden. Worum geht es da?
Die Feministinnen im Iran haben den auch nicht verstanden und beschweren sich über den Song. Periode hat zwei Bedeutungen. Einmal ist damit die Periode der Frau gemeint und einmal ein Zirkel. Es ist ein Song über uns, alle Iraner. Mit verschiedenen Begriffen, erzähle ich über die iranische Gesellschaft. Wir sind so. Wir haben viele Probleme. Das tue ich mit satirischen Begriffen. Und die Person, die ich liebe, eine Frau kommt mit diesen Problemen. Im Refrain singe ich immer: Du kommst immer nur zu mir mit deiner Periode. Mit so vielen Problemen kommst du zu mir.

Du kommst gerade aus Berlin, heute ist dein Konzert in Köln. Du bist ganz schön unterwegs jetzt…
Dann folgt ein Konzert in Heidelberg und dann eine Tour in den USA und Kanada.

Singst du deinen nächsten Song auf deutsch?
Den nächsten kann ich nicht sagen. Aber es gibt schon Ideen, und ich habe vor, auf deutsch zu singen.

Zu seiner Musik:
Shahin Najafi experimentiert gerne. Er lässt sich nicht auf ein Genre festlegen. Er ist Dichter, Rocker, Rapper, spielt Gitarre, schreibt seine Songs und Texte. Seine Musik klingt nicht typisch orientalisch. Besonders beeindruckend sind seine Videos. Zum Beispiel „Bokonim“, was zu Deutsch „Lass es uns machen“ heißt. Auch hier spielt Najafi mit der Zweideutigkeit. Etwas machen. Es machen – im sexuellen Sinn. Hier
seht Ihr das Video. „Ein in Amsterdam lebender iranischer Freund hatte die Idee zu dem Video. Die Frauen in dem Film sind auch keine Iranerinnen.“
In seinem Song „Bad Az To“ beschäftigt er sich mit den Facetten von Sexualität.
Hier könnt Ihr das Video zu dem Song „Period“ sehen.

Shahin Najafi Konzert
Freitag, 17. Mai, 20:00 Uhr
Altes Pfandhaus
Tickets VVK 20 Euro, AK 25 Euro
Telefon: 962 4241

Shahin Najafi: „Wenn Gott schläft – Mein Leben, mein Land, der Iran, meine Songs und Gedichte“

?160 Seiten, Paperback? Aus dem Farsi übersetzt von M.H. Allafi?

Mit einem Vorwort und Erläuterungen von Omid Nouripour?

Kiepenheuer & Witsch??

ISBN: 978-3-462-04478-2
 

Text: Aslı Güleryüz

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