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Kolumne

Die klügsten Kinder der Welt

Sonntag, 12. September 2010 | Text: Kathrin Rindfleisch

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Leute, unsere Zukunft ist gerettet! In dreißig Jahren gibt es weder Börsencrashs – was für Anfänger – noch Atomkraftwerkslaufzeitverlängerungen – Kurzsichtige leben in sozialen Brennpunkten wie Neukölln oder Chorweiler und nicht in den Regierungsvierteln der Hauptstadt.
 

Leute, unsere Zukunft ist gerettet! In dreißig Jahren gibt es weder Börsencrashs – was für Anfänger – noch Atomkraftwerkslaufzeitverlängerungen – Kurzsichtige leben in sozialen Brennpunkten wie Neukölln oder Chorweiler und nicht in den Regierungsvierteln der Hauptstadt.
 
Die Millionen von Synapsen, die sich derzeit in Gehirnen der 0 bis 4-Jährigen bilden, unterfüttern diese Zukunftsvision verlässlich mit fundierten Fakten. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte wurde Menschen ab dem Tag ihrer Geburt so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung geschenkt wie heute. Das bestätigt auch mein Vater. Selbst Opa. Smillas Opa. Und der muss es ja wissen, hat er doch als Kind aus schweren Zeiten am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist, ohne Primärmaterial auszukommen, lediglich in einer Sprache erzogen zu werden – wenn man Purscheler Platt überhaupt als Sprache bezeichnen kann – und die bunten Holzklötze der Motorikschleife rutschten ihm beileibe nicht behände von einer zur anderen Seite – ganz zu schweigen davon, dass er unter „Motorikschleife“ wohl eher eine Schikane am Nürburgring vermuten würde …
 
Smilla zum Beispiel macht zwischen Tür und Angel – quasi während des Aufräumens des 50-Teile-Puzzles und des LÜK-Kastens für Kindergartenkinder „Fortgeschritten“ – nebenbei sichtlich unangestrengt, ja geradezu gelangweilt, das Gegensätze-Spiel für 2+ Kinder. Da gilt es Gegensätze zu vereinen, wie ein lachender und ein weinender Junge, ein gerader und ein krummer Nagel. 2+ eben. Aber auch physikalisch hintersinnige Dualismen wie Leicht und Schwer gilt es zusammenzufügen.

Das wirklich Faszinierende an der Sache mit den klugen Kindern von heute ist nun gar nicht mal so sehr diese unverschämt pfiffige Intelligenz, die sie mit noch nicht mal drei Jahren befähigt, komplexe Zusammenhänge in Bruchteilsekunden zu erkennen. Das wirklich Faszinierende ist, dass erwachsene Menschen zugeben, diese Leistung – wohl gemerkt: eines 47 Monate alten Kindes – selbst so nicht erbringen zu können, ja auch noch stolz zu sein ob der Klugheit das Kindes entgegen der eigenen Synapsenunterfunktion bei einem Bilderrätsel wie etwa dem Gegensatzpaar Feder und Gewicht. Damals bei Konsuls hätt’s was auf die Finger gegeben, auch wenn es richtig gewesen wäre. Da gab’s Schläge, weil es richtig war, als Strafe für den Vorwitz gegenüber dem Alter.
 
Smillas Opa ist kein Konsul. Smillas Opa ist heute aufgefallen, dass Smilla neuerdings Possessivpronomen benutzt. Er platzt vor Stolz. Und gibt dabei ganz offen und uneitel zu, dass die Kinder heute einfach viel weiter seien. Und dass früher niemand darauf geachtet hätte, ob das Kind nun durch mein, dein oder Ommas Flur gelaufen ist, der Flur war schmutzig und dafür gab’s Schläge, so!
 
Ich finde es natürlich schön, wie meine Eltern und Schwiegereltern sich über die Entwicklung und den hohen geistigen wie körperlichen Status unserer Tochter freuen, ja, zugegeben, ich kann ein gewisses Maß an mütterlichem Stolz nicht ganz verhehlen, dennoch frage ich mich – und das nicht ganz ohne Besorgnis – zwei Dinge: zum einen, sind die Generationen der nicht geförderten Kinder, derer, die mitgelaufen sind, im Alltag ungeachtet grammatikalischer Fortschritte und geistiger Höhenflüge, synapsenmäßig total beschränkt und damit unter ihren Möglichkeiten unterwegs und erklärt das dann vielleicht auch die momentane Weltlage mit all dem Wahnsinn und Ungereimtheiten, die unsere Welt mehr schlecht als recht zusammenhält?!

Und zum anderen ergibt sich daraus zwingend die Frage, was unsere Menschheit erst leistet, wenn sie, so früh gefördert und synapsenstark, die Welt beherrscht. Hätte H&M neben besten Produktionsbedingungen und schadstoffarmer Kleidung auch endlich mal genug Kassen auf?! Würde das Geld endlich in Kultur statt in völlig sinnlose U-Bahnschächte fließen, und wüssten Mammis dann endlich, dass Schokolade – schon zum Frühstück – total gesund und überhaupt nicht schädlich ist??!!
 
Smilla & Pauls Kindergärtnerin hat uns diesbezüglich ganz schön Mut gemacht: Smilla und Paul (und selbstverständlich alle neuen Gruppenkinder!) haben sich so schnell und so gut eingelebt und sind so sozial und in der Entwicklung so weit voraus, wie keine der Kindergartengenerationen zuvor! Hat sie gesagt!
Da geht also noch was, und wir werden wohl irgendwann ganz schön dumm dastehen…

 

Text: Kathrin Rindfleisch

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