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Kultur Südstadt

Doppelköpfe beim Älterwerden

Montag, 23. Februar 2026 | Text: | Bild: Jeannette Fentroß

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Was bleibt vom Leben, wenn die großen Krisen scheinbar überstanden sind, das Glück sich aber dennoch nicht einstellen will? Bettina Brucker stellt diese leise, aber eindringliche Frage in ihrem Roman Doppelköpfe und entwirft ein ebenso warmherziges wie nachdenkliches Porträt von vier Menschen, die sich seit Jahren in einer Südstadt-Kneipe zur wöchentlichen Doppelkopfrunde treffen – und einander doch fremd geblieben sind.

Unweit eines der Romanschauplätze treffe ich Bettina und unterhalte mich über ihr gerade erschienenes Buch in der Caffe Bar am Ubierring. Hier hat sie selbst oft in der gemütlichen Atmosphäre gesessen und dabei Teile ihres Werkes erdacht und aufgeschrieben. Die vier Protagonist*innen der Geschichte beschäftigen sich in der Mitte ihres Lebens mit persönlichen Problemen und Perspektiven für die Zukunft. Auf vielen Spaziergängen durch die Südstadt wurde die Autorin von ihren fiktiven Figuren quasi begleitet.

Doppelkopf-Treffen in der Ubierschänke

Alltägliche Situationen, Anekdoten und zufällige Begegnungen sind so Teile der Story geworden. Doppelkopf ist ein Kartenspiel in einer Viererrunde – gleichzeitig sind Doppelköpfe zwei Personen in einer Figur. Im Titel spiegeln sich die Romanheld*innen mit den Vorbildern aus Jugendtagen.

Charlotte, Mareike, Thomas und Stefan leben im heutigen Köln. Sie kennen einander gut, zumindest glaubt man das. Ihre Gespräche kreisen um Politik, Baustellen, Arbeitsärger – um all das, was man problemlos teilen kann. Was sie jedoch nachts wachhält, was schmerzt, verunsichert oder beschämt, bleibt unausgesprochen.

Charlotte leidet unter Einsamkeit und dem Verlust ihres Mannes, Thomas fürchtet um seine berufliche Zukunft und verbirgt seine sexuelle Orientierung, Stefan steht vor dem Ruhestand und einem Gefühl lebenslanger Vergeblichkeit, Mareike betäubt den Stress und die fehlende Wertschätzung ihres Pflegeberufs mit Alkohol und Medikamenten.

Bettina Brucker vor der Ubierschänke, dem Treffpunkt der Doppelkopfrunde (Foto: privat)

Kindheitsheld*innen aus der Literatur

Der Ausgangspunkt des Romans ist ebenso unspektakulär wie poetisch: Charlottes Enkelin stellt die scheinbar harmlose Frage, was eigentlich aus Pippi Langstrumpf geworden sei. Die Frage lässt Charlotte nicht mehr los. Während ihre Freunde zunächst verständnislos reagieren, wächst in ihr eine Idee, die das Leben aller vier nachhaltig verändern wird. Sie will ein Theaterstück entwickeln – ein Gedankenspiel darüber, wie die Helden und Heldinnen aus den Kinderbüchern weitergelebt hätten, wären sie real gewesen.

Gestützt auf Figuren aus der Literatur von Astrid Lindgren, Erich Kästner oder Mark Twain entfaltet sich nun eine zweite Ebene des Romans. Die Auseinandersetzung mit Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Emil und Huckleberry Finn wirkt wie ein Spiegel, in dem die Protagonistinnen und Protagonisten sich selbst erkennen.

Charlotte entdeckt Großzügigkeit und Selbstfürsorge, Mareike findet über die Räubertochter zurück zu Natur und innerer Stärke, Thomas lernt durch Emil, zu sich selbst zu stehen, und Stefan begreift über Huckleberry Finn die Prägungen seiner Nachkriegskindheit. Und dann taucht plötzlich die alte Schulfreundin Eva auf und alles nimmt eine ungeahnte Wendung …

Älterwerden und Raum für späte Veränderungen

Bettina Brucker erzählt diese Entwicklungen in wechselnden Perspektiven, ruhig, aufmerksam und mit großer Empathie für ihre Figuren. Ihre journalistische Erfahrung zeigt sich in der genauen Beobachtung, ihre literarische Neugier in der behutsamen Verknüpfung von Alltagsrealität und Fantasie. Doppelköpfe ist kein lauter Roman, sondern einer, der wirkt, indem er Raum lässt – für Erinnerungen an die eigene Kindheit, für Fragen nach dem Älterwerden und für die Erkenntnis, dass Veränderung auch spät im Leben möglich ist.

Dass das geplante Theaterstück am Ende scheitert, ist kein Bruch, sondern eine konsequente Pointe: Nicht die Aufführung zählt, sondern der innere Prozess. Fast unbemerkt haben sich die vier verändert, neue Wege eingeschlagen, Mut gefasst. Gerade darin liegt die Stärke des Romans – in seiner leisen Zuversicht.

Sinnsuche, Trost und Freundschaft

Ein umfassendes Konzept ging dem Prozess des Schreibens voraus: Jede Figur hat einen Lebenslauf mit Vorlieben für Kleidung, Essen und Getränke. Die Schauplätze des Romans sind auf einem Stadtplan eingezeichnet, um Wege oder Entfernungen korrekt beschreiben zu können. Zufällige Passant*innen auf den Straßen oder bekannte Nachbarn dienen als Vorbilder für die Figuren. Zitate der Literaturvorlagen fließen in die Sprache der vier Romanhelden ein. Doppelköpfe ist ein Buch, das man gut eingekuschelt auf dem Sofa lesen kann.

Konzept und Planung (Foto: Jeanette Fentroß)

Es erzählt von Freundschaft, Sinnsuche und der tröstlichen Kraft der Literatur. Und es erinnert daran, dass die Ideale unserer Kindheit vielleicht nie verschwinden – sondern geduldig darauf warten, uns im richtigen Moment wiederzufinden.

Der zweite Roman der Journalistin und Autorin ist als nachhaltige Books-on-Demand-Produktion erschienen, auch als E-Book erhältlich und im Buchhandel oder online bestellbar. Das Taschenbuch (ISBN 978-3-819-24239-7) mit 314 Seiten kostet 14 Euro. Weitere Infos gibt es hier.

Lesungstermine:

19.03.20206, 18 Uhr, Haus Gotland im Volksgarten

07.05.2026, 18:30 Uhr, Bootshaus / Kölner Club für Wassersport (KCfW)

 

 

Text: Jeannette Fentroß

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