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Kolumne

Durch Checkpoint Charly in die Natur oder: Da laachste disch kapott, dat nennt man Camping!

Donnerstag, 2. September 2010 | Text: be süd

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es gibt eine Zeit im Jahr, nach der wir uns alle sehnen.

Es gibt eine Zeit im Jahr, nach der wir uns alle sehnen.
Voller Freude und Erwartung, ohne Reservierung, fahre ich los in den Urlaub. Ich habe nicht nur keine Reservierung, ich weiß gar nicht wo ich hin will! Fest steht, ich muss aus der kleinen Großstadt Köln raus. Ich muss wieder zu mir kommen. Weg von unserer hochtechnisierten Welt, am liebsten irgendwohin, wo Google Street View mich nicht sieht. Keine Handys, kein Computer, kein Fernseher, keine Firma…raus aus der Zivilisation und rein in die Natur. Back to the Roots! Ich gehe campen!

Ich muss gestehen, ich bin nicht unbedingt ein Camping Profi, aber ich habe Lust auf was Neues. Also besorge ich mir ein paar kluge Bücher wie ”Essbare Wildpflanzen”, “Camping for dummies” und „Wie finde ich Pilze ohne mich zu vergiften?“ und lade einen Camping-Profi ein mitzukommen.
Ich habe nicht viel Zeit und noch weniger Geld, also kann ich es vergessen, die Weltkarte raus zu holen, meine Augen zuzumachen und einen Pfeil zu werfen. Nein, diesmal nicht. Ich muss in Deutschland bleiben. Ich werde einen Würfel für mich entscheiden lassen. Die Zahl wird mir sagen wie lange ich fahren soll. Ich würfele eine 2. Zwei Stunden entfernt von Köln werde ich Urlaub machen. Aber in welche Richtung? Am Abreisetag, zum letzten Mal vor dem Urlaub, schaue ich ins Internet und entdecke den Laacher See, einen Vulkansee. Der Vulkan sei immer noch aktiv (spannend!). Ein altes Kloster, schöner Wald und das beste: ein Campingplatz direkt am See. Ich hab’s! Auf in die Wildnis!

Ich komme an und strahle vor Glück. Ich bin im Urlaub! Stopp! Was ist das?? Maschendrahtzaun, um dessen obere Kante Stacheldraht gewickelt ist, Eisengitter, Schranken, Ausweise beim Reingehen zeigen! Besucher melden sich am Eingang. FILMRISS. Checkpoint Charly? Ich parke vorm Eingang und gehe fröhlich zum Empfang. Eine abgeklärte, etwas genervte, blonde Frau sagt mir, ich solle warten (obwohl kaum jemand da war, wartete ich eine halbe Stunde). Hatte sie vielleicht Kaffepause? Komisch, auf ihrer Webseite hieß es erstklassig, freundlicher Service und, das allerbeste, vier Sterne nach den Bewertungskriterien des Deutschen Tourismus Verbandes! Die schlechte Laune der hinter der Glasscheibe sitzenden Empfangsdame wird meine nicht trüben. Ich bin im URLAUB !

Erstaunt fahre ich an TV-Satellitenschüsseln, Playstation spielenden Kindern, Jugendlichen mit Laptops und Müttern und Vätern vorbei, die zusammen, alleine neben einander sitzen. Dauercamper (sie sind die Königsfamilien auf dem Campingplatz), die akkurat ihre Parzelle „Urlaubsglück“ penibel mit Kunstrasen und in einer Reihe stehenden Blumen bepflanzen, um dann wie Herrscher auf ihre zwei mal vier Quadratmeter zu blicken, auf Plastikstühle sitzend, die anderen beobachtend. Eine kleine, heile, spießige Welt. Na sowas! Nichts für mich!
Ich finde mein Paradies beim Wildcampen (auf besagtem Gelände). Ich suche mir einen Platz aus und gehe gen See, wunderschön klares Wasser, umringt von Wald und einem alten Kloster. Perfekte Urlaubs Kulisse. Der See hat mich mit der unfreundlichen Begrüßung versöhnt.

Campen heißt für mich konkret ungemütliches Schlafen auf Isomatten aus Gummi (nicht die aufblasbaren), kein fließendes Wasser, kein Strom, eine Taschenlampe, die mir auf dem Weg zur Toilette leuchtet und mit der ich abends im Zelt mein Buch lesen kann, Kerzen (wieso fliegen die Falter immer ins Licht?), einen Gaskocher, Grashüpfer, die abendlich ihr Konzert anstimmen, unglaublich vielen Sternen, undefinierte Geräusche der dort lebenden Tiere
(wer wohl hinten im Gebüsch steckt?), Insekten und… habe ich gerade wirklich eine Ratte gesehen? Ja, und sie war in meiner Tasche und hat das Kabel meines Aufladegerätes durchgebissen. Ok, jetzt bin ich wirklich raus. ….
Oops, ich muss dringend auf die Toilette. Also renne in zur Toilettenanlage. Wildnis mit sauberen Toiletten, was will man mehr! Ich renne in die Kabine, und während ich mein Geschäft erledige, freue ich mich aufs Zelten! Ich kann kaum erwarten raus zu gehen und in den See zu springen. So, ich wäre soweit. Wartemal! Wo gibt es Toilettenpapier? In dieser Kabine gibt es nicht einmal einen Toilettenpapierbehälter. Was tun? Langsam mache ich die Tür auf, schaue nach rechts und links. Am Ende des unendlich langen Ganges gibt es einen Toilettenpapierbehälter. Am „Ende“ des Ganges! Wie bescheuert ist das denn! Ich schicke ein Stoßgebet gen Himmel, bitte lass keinen reinkommen, und laufe schnell mit runter gezogenen Hosen (peinlich) zum Behälter und wieder zurück in meine Kabine. Geschafft! Beim Händewaschen stelle ich fest, es gibt keine Seife.
Oh, das verspricht nichts Gutes.
Auf meinem Weg zum See laufe ich an einem kleinen Spielplatz vorbei. Süß, ein Vater spielt mit seinem Kind auf dem Spielplatz, sie lachen, sie wippen, so stelle ich mir Familienglück vor. Die Urlaubszeit ist eine Zeit, in der Familien wieder zu einander finden. Wie schön, doch plötzlich platzt ein unsympathischer, ruppiger, Möchtegern-Camping-Kommandant ins Bild. FILMRISS „Der Spielplatz ist nur für Kinder!“ Verlassen Sie den Platz sofort! Etwas erstaunt erklärt der Vater, sie wären gerade gekommen, es gäbe leider keine Kinder auf dem Spielplatz und sein Sohn könne allein wohl kaum wippen. Egal, Regeln sind Regeln, da steht es auf dem Schild „Spielplatz nur für Kinder bis 12 Jahren.“ Wo bin ich denn hier gelandet? Ich bin mir sicher, die Leitung würde gerne informiert werden, wie die Arbeiter (Empfangsdame, Spielplatzschreck…) mit dem Urlaubern, die viel Geld bezahlen (der Platz ist nicht billig) umgehen. Ich kann einfach nicht tatenlos zusehen. Ich gehe mich bei der „Rezeption“ beschweren. Ich frage nach der Pächterin. Freundlich frage ich die Dame, ob dieses hier ein familienfreundliches Unternehmen sei. Ja, antwortet sie. Ob sie sich bewusst darüber sei, dass ein Spielplatzschreck, der für sie arbeitet, einen Vater auf unmöglichste Weise vom Spielplatz verwiesen hat und ein weinendes Kind mit seinem geschockten Vater hinterließ? Regeln sind Regeln, keine Kinder über 12 Jahre auf dem Platz. Sie scheint es gewohnt zu sein, Beschwerden zu bekommen. Sie selbst ist unglaublich schlecht gelaunt. Regeln sind Regeln! Ich sage Urlaub ist Urlaub! Wie wäre es mit ein bisschen mehr Freundlichkeit, schließlich bezahlen wir viel Geld für einen Platz hier. Regeln sind Regeln, wiederholt sie erneut. Zu guter letzt sage ich: In Köln haben wir Toilettenpapier in der Kabinen, es gibt Seife am Waschbecken, und es wäre undenkbar, dass ein Vater, der mit seinem Sohn spielt, vom Spielplatz verwiesen wird. Darauf sagt die Leitung des Campingplatzes am Laacher See: „Dann müssen Sie in Köln bleiben!“

Mein Fazit: Die vier Sterne des Deutschen Tourismus Verbandes stehen für erstklassig schlechte Behandlung. Und jetzt tatatatam: Sie bekommen von mir sogar fünf Sterne. Ein Stern geht an die blonde Empfangsfrau für ihre unfreundliche Begrüßung, ein Stern für den Spielplatzschreck (übrigens der Bruder der Pächterin ), ein Stern, weil es keine Seife auf der Toilette gibt und kein Toilettenpapier in der Kabine, ein Stern, weil der Eingang an Checkpoint Charly erinnert und last but not least ein Stern geht an die Pächterin, weil sie nur „Regeln sind Regeln“ sagen kann!

Text: be süd

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