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Kolumne

Gentri… wie bitte?!

Mittwoch, 23. März 2011 | Text: be süd

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Kürzlich fragte mich einer: „Was meinst du, ist die Gentrifizierung bei uns zu Ende?“ Meine Augen weiteten sich, zwei riesige Fragenzeichen waren zu erkennen, mein Gehirn ratterte… Gentri…was? Was ist das denn? Eine Infektion? Ist sie ansteckend? Eine neue Kriegswaffe? Kommt sie aus Japan? Bekommen wir sie noch?

Kürzlich fragte mich einer: „Was meinst du, ist die Gentrifizierung bei uns zu Ende?“ Meine Augen weiteten sich, zwei riesige Fragenzeichen waren zu erkennen, mein Gehirn ratterte… Gentri…was? Was ist das denn? Eine Infektion? Ist sie ansteckend? Eine neue Kriegswaffe? Kommt sie aus Japan? Bekommen wir sie noch? Oder ist das mit der Gentri…, na, Sie wissen schon, was ich meine, an uns vorbei gegangen? Jein? Was soll das schon wieder heißen? Was bedeutet eigentlich Gentrifizierung? Mein Computer erkennt das Wort nicht! Ist das deutsch? Ich schaue mal nach! Gentrifizierung kommt aus dem englischen „Gentrification“. Sagt mir gar nichts! Auch Gentrifikation genannt (praktisch, da haben wir das -c- durch ein -k- ersetzt und schon haben wir ein neues deutsches Wort. „Gentrifizierung“ wird in der Stadtgeographie verwendet. 1964 prägte die britische Stadtsoziologin Ruth Glass den Begriff. Sie bezeichnete damit den Zuzug von Mittelklassefamilien, in einem ursprünglich vor allem von Arbeitern bewohnten Londoner Stadtteil.
Nach Jürgen Friedrichs bezeichnet Gentrifizierung im engeren Sinne „den Austausch einer statusniedrigeren durch eine statushöhere Bevölkerung in einem Stadtteil.“ Wie bitte? Soll das heißen, dass Menschen mit Geld besser sind die ohne Geld? Ist ein „Statusniedriger“ ein anderes Wort für Mieter oder Arbeiter? Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Wie dem auch sei, haben wir das nicht hinter uns? Die Zeiten der Spekulanten sind doch längst vorbei… damals, als man die Großfamilien von Gastarbeitern wie mit dem Besen aus der Südstadt fegte, um sie peu a peu nach Mühlheim, Porz oder Chorweiler auszusiedeln. Als die sozial Schwachen und Arbeitslosen zu Obdachlosen wurden und schließlich ihrer Trinksucht erlagen. Als der Straßenstrich vor die Tore der Stadt gen Brühler Landstraße verschwand und die Mietwohnungen zu Eigentumswohnungen wurden.
Kaum zu fassen, aber es gab wirklich Zeiten, in denen Hauseigentümer noch mit der Kirche zusammenarbeiteten und Einzelzimmer in ihren Altbauhäusern an sozial schwächere Mitglieder der Gesellschaft, darunter Kleinkriminelle, Alkoholkranke und Arbeitslose, vermieteten. Yeah, auch das war mal Südstadt! Kleinkriminell, dreckig – aber auch sozial. Heute leben hier Singles, Pärchen oder im idealen Fall Klein-Familien auf 165 qm.

Moment mal, ist die Gentrifizierung wirklich schon gelaufen? Während ich durch das Viertel laufe, lässt mich der Baulärm Böses erahnen. “Es geht um die soziokulturellen Veränderungen in einem ursprünglich ärmlicheren Viertel, wenn Immobilien zunehmend von wohlhabenderen Eigentümern übernommen und baulich verändert werden.“ Hmmm. Auf der Titusstraße wird ein neues Haus gebaut, statt der alten Garage auf der Alteburger Straße, haben wir demnächst Häuser mit „Südstadtflair“.
Nach Andrej Holm „gehören dazu wesentliche Veränderungen des Nachbarschaftsmilieus und der nachbarschaftlichen Beziehungen.“ Alteingesessene werden verdrängt. Die Neuzugezogenen kennen die alten Strukturen des Viertels nicht. Die Gewohnheiten, die Traditionen, der Charakter des Viertels wandelt sich.
Falls wir tatsächlich immer mehr neuzugezogene Südstädter haben – wissen die, dass zwar offiziell im Park das Grillen untersagt ist, dass wir Alteingesessenen das aber trotzdem tun? Schließlich ist der Römer Park unser gemeinsamer Garten! Werden die brandneuen Bewohner der Titusstraße sich über den Rauch beschweren? Wissen sie, dass hier während des Karnevals der Bär tobt, von wegen Lärmbelästigung? Und die Neuankömmlinge auf der Alteburger Straße: Werden sie irgendwann die Schule in der Mainzer Straße verklagen, weil die Kinder zu laut sind?
Bei uns im Viertel findet man neben Redakteuren auch (noch) Schichtarbeiter, neben IT-Experten, Kellner, neben Studenten etablierte Schriftsteller, es gibt auch noch Künstler und Musiker. Kölsche, Türken, Spanier und Griechen nennen die Südstadt ihr Zuhause. Die Frage ist: Haben wir es trotz Gentrifizierung geschafft, dass die Südstadt bunt geblieben ist? Oder ist die kunterbunte Südstadt in Gefahr? Spannende Frage!

Text: be süd

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