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Gesellschaft

Gubbio – Die Begegnungsstätte der kath. Obdachlosenseelsorge

Donnerstag, 19. Mai 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Herbert Linne

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

In der Kölner Südstadt, parallel zur Severinsstraße verläuft die Ulrichgasse, die diesen Namen nicht verdient. Die Ulrichgasse ist schon lange keine Gasse mehr sondern eine vierspurige Schnellstraße. Wer von der Severinsstraße abbiegt und die Straße „Im Dau“ oder die „Josephstraße“ hinunter zur Ulrichgasse geht, der wird auf die ehemalige Franziskanerkirche blicken können. Hier findet man Gubbio.

Wer mit diesem Namen nichts anfangen kann, hier ist die Auflösung: Gubbio ist eine kleine Stadt in Italien in der Region Umbrien und steht auch für eine der bekanntesten Legenden des Franz von Assisi: Der Geschichte des Wolfs von Gubbio. Im Ort Gubbio soll dieser Wolf sein Unwesen getrieben haben. Die Bevölkerung des Ortes hatte nur den einen Wunsch: Diesen Wolf zur Strecke zu bringen. Franz von Assisi schloss sich nicht der Jagd an, sondern ging zum Wolf, nannte ihn seinen Bruder und zähmte ihn. Er versorgte ihn mit Futter und aus dem Feind wurde ein Freund, um den laut Legende selbst die Bewohner des Ortes trauerten, als der Wolf starb.

 

Namen werden oft bewusst gewählt. Die Katholische Seelsorge im Stadtdekanat Köln für Menschen auf der Straße und ohne Obdach hat sich den Namen dieses kleinen Ortes in der Region Umbrien gegeben. Es ist aber nicht nur der Ort, die ehemalige Franziskanerkirche, die diesen Namen rechtfertigt. Es sind die Obdachlosen. Man nimmt sich ihrer an wie guten Freunden. Anders als in der Legende hat man es aber nicht mit wilden Tieren zu tun und es wird auch niemand gezähmt. Gubbio will Anlaufstelle sein für Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, davon betroffen waren und jenen, die einfach nur einen Raum suchen, wo man ohne Vorbehalte willkommen ist. Die Kirche mit angegliedertem Gemeinschaftsraum und einem häufig im Sommer genutzten Innenhof steht aber erst seit wenigen Jahren zur Verfügung.

Bevor diese Räumlichkeiten zur Verfügung standen, suchten Schwester Alexa und Bruder Hermann-Josef Wohnungslose in den verschiedenen Einrichtungen und an bekannten Orten in Köln auf, um als Ansprechpartner aber auch Mittler in Problemlagen zur Verfügung zu stehen. Kirchliche Seelsorge heißt aber auch, Wohnungslosen das anzubieten, was viele von Kindesbeinen an kennen: Gottesdienste. Sei es als gewohntes Ritual oder als bewusster Bestandteil. Um dies zu ermöglichen, mussten Kirchengemeinden angefragt werden, ob sie ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Mit der ehemaligen Franziskanerkirche stehen seit November 2004 Räumlichkeiten zur Verfügung, die regelmäßige Treffen ermöglichen. Hier trifft man sich an Dienstag- und Mittwochnachmittagen. Eine Regelmäßigkeit, die viele Besucher schätzen, da diese ihrem Leben Strukturen gibt, die sie an anderer Stelle nicht finden. Dazu kommen ein monatlicher Gottesdienst am Samstag und weitere Gottesdienste an Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

Doch an dieser Stelle muss aufgeklärt werden: Es handelt sich nicht um einen Treffpunkt, der ausschließlich gläubigen Christen vorbehalten ist. Wer pünktlich kommt, kann in Ruhe seinen Kaffee genießen. Man kann im Gespräch mit anderen Besuchern alltägliche Probleme erörtern oder gar weitergehende Informationen erhalten. Schwester Franziska und Bruder Markus – beide franziskanische Ordensleute – kennen das „Kölner System“ und werden zumindest Ansprechpartner benennen können, die weiterhelfen. Nur wer möchte, kann an den regelmäßig wechselnden Veranstaltungen teilnehmen, seien es Bibelgespräche, Meditationen, Kino-Nachmittage oder thematische Gesprächskreise mit geladenen Referenten. Gubbio ist eben auch der Ort für gläubige Christen, wo Wohnsitzlose ohne Scham an Gottesdiensten, Gesprächen über Glaubensfragen und an Eucharistiefeiern teilnehmen können. Wo sonst können Wohnsitzlose, ohne dass sie Blicken derjenigen ausgesetzt sind, die dieses Leben nicht kennen, an Gottesdiensten teilnehmen. Es ist oftmals einfacher unter sich zu bleiben. Man kennt sich, man schätzt sich. Sogar Hunde dürfen mitgebracht werden. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass Anwohner des Viertels oder auch andere Interessierte von Veranstaltungen und Gottesdiensten ausgeschlossen seien. Gubbio ist eben nicht nur Obdachlosenseelsorge, sondern auch eine Begegnungsstätte. Aber eine Begegnungsstätte, die sich im besonderen Maße um die Belange Wohnungsloser kümmert.

Neben diesem Programm in Gubbio steuern Schwester Franziska und Bruder Markus regelmäßig die Einrichtungen für Wohnungslose an, um als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Sie stellen, wo es nötig ist, Kontakte her oder bieten konkrete Hilfen an. Abends sind die beiden auch oft bei der Suppenküche am Appellhofplatz anzutreffen.
Auch Freizeiten, die es Wohnsitzlosen ermöglicht, für einige Tage dem Stress der Straße zu entfliehen, gehören zum Angebot. Diese mehrtägigen Freizeiten führen hinaus aus der Stadt und in Orte wie in das Kloster Maria Laach. Für viele Wohnungslose ist das mehr als nur Urlaub. Diese Freizeiten, die – wenn möglich – einmal im Jahr angeboten werden, sind oft die einzige Chance, kurze Zeit etwas wie Privatsphäre kennen zu lernen, denn das Leben auf der Straße ist öffentlich.
Eine weitere Aufgabe sind Besuche im Gefängnis oder im Krankenhaus. Seelsorge orientiert sich eben nicht an Orten oder Situationen, sondern immer an den Menschen, die sie benötigen.
Einiges gibt es aber nicht im Gubbio: Es gibt keine Kleider, keine warmen Mahlzeiten oder sanitäre Einrichtungen, um zu duschen. Die gibt es in vielen anderen Kölner Einrichtungen. Hier gibt es Nahrung für die Seele und garantiert Informationen, wo Kleidung, ein warmes Essen und vieles mehr zu finden ist.

Text und Fotos: Herbert Linne

 

 

Im DRAUSSENSEITER – Das Kölner Straßenmagazin werden in loser Folge alle Kölner Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe vorgestellt, die sich im engagierten AK Umbruch zusammengeschlossen haben. Dieser Artikel ist erstmals in der DRAUSSENSEITER-Ausgabe 111/2011 erschienen.

Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de

 

Text: Gastbeitrag

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