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Kolumne

Hodenschnaps bei Mutti

Freitag, 16. Mai 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Als Sprecher von Off-Kommentaren in RTL-Programmen steht man ja eher selten vor echten Herausforderungen. So ein paar Zeilen für „Familien im Brennpunkt“ und andere Scripted-Reality-Formate bringt ein Profi auch noch nach 20 Kölsch im ersten Anlauf sendefertig ins Mikro: „Mandy konnte nicht glauben, dass der rasend eifersüchtige Karl-Heinz ihrer Schwester die Autoschlüssel weggenommen hatte. Darum beschloss sie, noch am selben Tag ins nahe Bad Sassendorf zu fahren und ihren Schwager zur Rede zu stellen.“

Als Sprecher von Off-Kommentaren in RTL-Programmen steht man ja eher selten vor echten Herausforderungen. So ein paar Zeilen für „Familien im Brennpunkt“ und andere Scripted-Reality-Formate bringt ein Profi auch noch nach 20 Kölsch im ersten Anlauf sendefertig ins Mikro: „Mandy konnte nicht glauben, dass der rasend eifersüchtige Karl-Heinz ihrer Schwester die Autoschlüssel weggenommen hatte. Darum beschloss sie, noch am selben Tag ins nahe Bad Sassendorf zu fahren und ihren Schwager zur Rede zu stellen.“ Sowas liest sich doch einfach so weg. Doch neulich werden sich bei einem dieser Alles-Weg-Sprecher aber Schweißperlen auf der Stirn gebildet haben, nämlich als er den Text für den Trailer einer neuen RTL-Show auf den Tisch bekam. Dabei war es eigentlich nur der Titel, der ihm Kopfzerbrechen bereitet haben dürfte. Die Sause heißt nämlich „Hotter Than Your Daughter“. Wohinter sich eine Art Pimp-Your-Mutti-Format nach dem Strickmuster von „Shopping Queen“ verbirgt. Nun ist die Überlegung, dass sich Zuschauer gereimte Titel besser merken können und deshalb häufiger einschalten, ja womöglich richtig clever Nur: Hier reimt sich ja eher nix. Beziehungsweise genau so viel in „Nach 40 Tagen Wüste erreichte Livingstone die Küste“, um dem großen Robert Gernhardt nochmal die Ehre zu geben.  Jetzt ich: Da saß er also dann, der Sprecher-Mann, wusste weder ein noch aus und am Ende kam dann das dabei heraus: Eine krude Mischform, bei der er den Vokal in „Hotter“ etwas dehnte und die erste Silbe in „Daughter“ entsprechend verkürzte. Keine Ahnung, wie viele Anläufe er dafür gebraucht hat, aber im ersten Take dürfte er die Nummer kaum geschafft haben. Doch vielleicht hat er ja  Anhörungsunterricht beim Original genommen. Die Show stammt ursprünglich von der ehrwürdigen BBC. Und da hat´s womöglich ein Schotte gesprochen. Wenn man den Titel so aufsagt, wie die Dudelsäcke gemeinhin Englisch reden, dann passt das. Da reimt sich dann „Hoaterrr“ auf „Doaterrr“. Vermutlich wäre auch ein deutschsprachiger Schweizer auf Englisch gegangen.

Grillen in Stuttgart

Über das zunehmend heimat-döselige Programm unseres WDR Fernsehens („Die schönsten Kläranlagen Nordrhein-Westfalens“) gibt es ja wenig Löbliches zu sagen. Es sei denn, man wird mal wieder gewahr, dass andere ARD-Anstalten es noch weit ärger treiben. So wie der schwäbelnde SWR. Der veranstaltete am 1. Mai eine sechsstündige (!) Grillparty mit dem unausweichlichen Grinse-Schnauz Johann Lafer und allerlei anderen Semi-Promis, die live im Fernsehen, im Internet und sogar im Hörfunk übertragen wurde. Grillen im Radio, das klingt nicht fürchterlich spannend, aber es soll zwischendrin auch geredet und gesungen worden sein. Liest man. Ich gestehe, ich habe diese grandiose Form des Event-Fernsehens nicht live verfolgt. Nun könnte man gewohnheitsmäßig mal wieder klagen, dass diese Rundfunkbehörden für unsere Haushaltsabgaben vorwiegend größtmöglichen Blödsinn veranstalten. Aber geschenkt. Die Pointe läuft hier im Rahmenprogramm. Denn der Spätzlesender leistet sich in seinem Hörfunk auch ein beinhart investigatives Medienmagazin namens „SWR-Info“. Das strahlte tags nach der Sause ein Interview mir der TV-Moderatorin des Grillabends, Vera Ganschow (muss man nicht kennen), aus. Darin tat die Dame kund, dass die Live-Übertragung der Party für sie schon eine große Herausforderung, aber auch total spannend gewesen sei und vor allem der Spargel-Gulasch ganz prima gemundet habe. Fazit Ganschow: „Mit großartigen Erfahrungen gehe ich da raus.“ Fein für sie. Aber weil sich die Schwaben mit der neuen Technik (was macht eigentlich „Stuttgart 21“?) bisweilen noch recht schwer tun, gab es das Interview dummerweise bereits als Podcast, bevor der Spargel geschält und  auf der öffentlich-rechtlichen Wiese der erste Grill angefeuert worden war. Im Klartext: Die Redaktion des Medien-Magazins hatte den ergreifenden Erfahrungsbericht der Moderatorentante aufgezeichnet, bevor die überhaupt irgendwelche Erfahrungen gemacht hatte. Angesichts dieser hochnotpeinlichen Nummer würde man als Normalsterblicher ja wohl vermuten, dass man diese „medienkritische“ Sendung sofort aus dem Programm genommen und den verantwortlichen Redakteur in die Wüste geschickt hätte. Aber nix da. Die Redaktion entschuldigte sich nur brav für den Ausrutscher und der SWR-Intendant ließ als Chef vons Ganze lediglich kundtun: „Der innere Kompass des SWR ist weder kaputt noch beschädigt.“ Ist ja beruhigend.

Schnaps per Handy

Der Übergang von Stuttgart nach Köln-Porz fällt vergleichweise leicht. Stammt aus dem wirklichen Leben, hat aber auch ein bisschen mit Grillen und Medien zu tun. Rechtsrheinische Freunde haben einen türkischen Bekannten, der mir neulich auf einer Party mal Lammhoden vom Grill kredenzt hat. Was soll ich sagen, die Dinger waren, kross gebraten, durchaus lecker und schmeckten gar nicht nach Dschungelcamp. Jedenfalls erzählte der Mann am Grill mir dann von seinen jüngsten Versuchen als Schnapsbrenner im heimischen Keller. Bei sowas bin ich natürlich ganz Ohr. Müsste man den Fusel nicht immer für teuer Geld erstehen. Aber als ich mir die Anlage mit diversen Rohrleitungen, Ventilen und sonstigem Kram schildern ließ, sah ich die Hoffnung, die Haushaltskasse demnächst spürbar entlasten zu können, auch schon wieder schwinden. Ich bin da technisch nicht so bewandert. Da war es mir zumindest ein kleiner Trost, dass der Hobby-Brenner einräumte, seine Experimente seien bislang auch noch nicht sonderlich zufriedenstellend ausgefallen. Rein geschmacklich. Aber er wolle auf jeden Fall weiter daran arbeiten. Zusammen mit einem guten Kumpel, der auf dem Gebiet schon viel Erfahrung habe und einen ordentlichen Raki zusammenbringe. Ich: „Und da werkelt ihr nun abends gemeinsam in deinem Keller?“ Er: „Nee, geht leider nicht. Der lebt in der Türkei, in einem kleinen Dorf in Anatolien. Aber wir machen das trotzdem oft zusammen.“ Aha. Wie das? Nachdem ich erfahren hatte, dass es beim Brennen irgendwie auch auf die Geschwindigkeit ankommt, mit der das Destillat irgendwo rein- oder raustropft, erklärte er mir dann, er rufe, wenn es soweit sei, seinen Kumpel an, halte sein Handy an die Apparatur und der sage ihm dann, ob das mit der Tropfgeschwindigkeit so okay sei. Vieleicht ist sowas im Zeitalter der Globalvernetzung inzwischen Alltag. Aber ich finde die Vorstellung, wie ein Mann in einem ostanatolischen Dorf abends vor seinem Haus sitzt und per Handy andächtig dem Tropfen von Hochprozentigem in einem Keller in Köln-Porz lauscht, einfach hinreißend.  
 

 

Foto: Heinzel/CC-BY-SA-3.0

Text: Reinhard Lüke

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