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Kultur

Krebskrankes Kind im Superman – T-Shirt

Montag, 11. April 2016 | Text: Alida Pisu | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Gerade noch Urlaub und Familien-Idylle mit den obligatorischen Smile-Fotos am Strand, da schlägt das Schicksal mit dem Schlimmsten zu, was man sich vorstellen kann: der jüngere Sohn erkrankt schwer. Diagnose: ein besonders aggressiver Blutkrebs: „Akute Myeloische Leukämie“! Überlebenschance: tendiert gegen Null.
Akin Sipals Theaterstück „Santa Monica“ erzählt eine dramatische Krankheitsgeschichte und zeigt einen Medizinbetrieb, der für Menschlichkeit wenig Raum lässt. Aber es singt auch in poetischer, kraftvoller, witziger, manchmal aberwitziger Sprache das Hohelied der Familienbande, die tragfähig sind und halten. Trotz eines Wechselbades an Gefühlen zwischen Verzweifeln und Hoffen. Das Stück feierte am „Freies Werkstatt Theater“ unter der Regie von Anne-Kathrine Münnich  Premiere.

Ein Haufen Legosteine liegt auf der Bühne und am Bühnenrand ist eine Art Altar errichtet. Mit allerlei Nippes, Räucherstäbchen, Glücksbringern, einem thronenden Buddha und zwei Kreuzen. An einem hängt der Gekreuzigte, das personifizierte Leiden. Eigentlich ist der Junge ja noch in dem Alter, in dem man gerne mit Legosteinen spielt, doch die Krankheit macht aus ihm, aus Mutter, Vater und Bruder Kämpfer. Gegen den Tod. Gegen die Gleichgültigkeit und Borniertheit der Ärzteschaft.
Das Entsetzen über die Diagnose und der Leidensweg des Jungen durch die Chemotherapie vereint das Familien-Quartett. Und doch geht jeder seinen eigenen Weg, um nicht tatenlos zusehen zu müssen, wie das Kind stirbt. Kleiner Schalk, der er immer war, so jung noch, so schmächtig in seinem Superman-T-Shirt. Übergestreifte Helden-Power. Und nun kann nur eine Knochenmarkspende ihn noch retten. Die Familienmitglieder sind als Spender ungeeignet, der Junge kommt auf eine Warteliste. Mutter und Vater kommen in Fahrt und geben ihr Letztes, um aus einem kranken Kind ein gesundes Kind zu machen. Die Mutter: „Ich würde meinen Mann verkaufen, um meinen Sohn zu retten.“

So weit kommt es dann doch nicht, aber den Eltern gehen nicht nur Begriffe wie „Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten“ bald flüssig von den Lippen, sie versuchen alles, um ihrem Kind zu helfen. Seine Mutter fliegt mit ihm nach Istanbul, der Ärzte wegen, die allerdings ebenso ratlos sind wie die deutschen. Den Vater verschlägt es gar zu einem brasilianischen Geistheiler, nachdem Gebete zur Jungfrau Maria und das Singen von Mantren wirkungslos geblieben sind. Die beiden klammern sich an jeden Strohhalm, wer wollte es ihnen verdenken. Es gibt nur wenige Gefühle, die so stark sind wie Liebe und Angst. Angst haben um jemanden, den man liebt? Das mobilisiert alle Kräfte.

Während die Eltern sich für den jüngeren Sohn fast zerreißen, bemerken sie nicht, dass der ältere sich zunehmend vernachlässigt fühlt.  Weil er außen vor bleibt, weil sie ihn nicht teilhaben lassen an ihrer Angst. Und der jüngere Sohn? Es hat schon einen makaberen Charme, wenn er sich als Entertainer gibt und sagt: „Ich hätte gerne gesagt: Ich habe Krebs. Im Sinne von: My Name is Johnny Cash.“ Der Charme schlägt schnell in Zynismus um, als er Reaktionen seiner Freunde schildert, die denken, dass er sterben würde.

 

Doch so schnell stirbt es sich nicht. Es findet sich tatsächlich eine Knochenmarksspenderin. Am anderen Ende der Welt, in Santa Monica. Eine jüdische Bibliothekarin. Was folgt, kann nur als Marter für den Körper eines Kindes bezeichnet werden und es bleibt in Erinnerung, wie nur sein Kopf an der Wand angelehnt ist, der Körper aber wie in einem Schwebezustand sich befindet. Zwischen Leben und Tod. Wider Erwarten behält das Leben die Oberhand. Superman-Power! Alle sind glücklich, auch wieder glücklich vereint. Unter einem Weihnachtsbaum, den sie sich aus den Legosteinen gebaut haben.

Das Schlussbild ist dem jüngeren Sohn vorbehalten. Jahre später besucht er die Knochenmarkspenderin in Santa Monica. Eine derjenigen, von denen man nicht weiß, warum sie etwas für Menschen tun, die sie nicht einmal kennen.
Ein starkes Ensemble, wunderbar die Mutter (Fiona Metscher), die zu großer Form aufläuft. Ebenso kraftvoll agierend der Vater (Valentin Stroh). Sie fetzen sich, sie motivieren sich, sie halten zusammen. Toll, wie die zwei Darsteller die Rollen und die Perspektiven wechseln. Stroh etwa ist eben noch verzweifelter Vater, im nächsten Moment kaugummikauende Ärztin, die Sprechblasen von sich gibt. Christoph Bertram als jüngerer Sohn wächst in sein Superman-T-Shirt geradezu hinein. Und Moritz Heidelbach ist ihm ein guter Bruder, einer von der eher nachdenklichen Sorte, doch auf diesen Bruder ist Verlass.
Ein rundum gelungenes Regie-Debüt von Anne-Kathrine Münnich.

 

„SANTA MONICA“, Schauspiel von Akin E. ?ipal
Mit: Christoph Bertram, Moritz Heidelbach, Fiona Metscher, Valentin Stroh, Inszenierung: Anne-Kathrine Münnich, Ausstattung Johanna Meyer, Mirjam Pajakowski
Weitere Termine: 16. April, 19., 20., 21. Mai, 25., 26., 29. Juni 2016
Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln

 

Text: Alida Pisu

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