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Kolumne

Lost in Ensen – Lükes Liebes Leben

Mittwoch, 15. Januar 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Halbwegs entspannt ins neue Jahr gekommen? Gut so. Eher dumm gelaufen ist der Jahreswechsel ja für ein paar hundert Journalisten der fliegenden Engreiftruppe. Vermutlich hatten sie den Schampus schon kalt gestellt, da kam die Nachricht, dass Schumi in den französischen Alpen auf Skiern vor einen Stein geknallt war und in Grenoble auf Intensiv lag. Und prompt wurde eine Heerschar an Reportern losgeschickt, um exklusiv und umfassend zu berichten. Rund um die Uhr. So standen sie dann da, machten bei n-tv oder N 24 im 30-Minuten-Takt ihre Aufsager und teilten unermüdlich mit, dass es nichts mitzuteilen gab. Irgendwann dann doch eine brisante Meldung: Es solle eine Pressekonferenz geben, auf der sich die Ärzte zum Zustand des Patienten äußern wollten. „Wahrscheinlich übermorgen“, hieß es. Sensation: übermorgen Pressekonferenz! So ging das über Tage mit diesem absurden Vor-Ort-Fetischismus, bei dem inzwischen auch ARD und ZDF fleißig mitmischen. Es gibt keine Nachrichten, aber wenn es eine gäbe, wären wir ganz nah dran. Um dann was zu tun?

Halbwegs entspannt ins neue Jahr gekommen? Gut so. Eher dumm gelaufen ist der Jahreswechsel ja für ein paar hundert Journalisten der fliegenden Engreiftruppe. Vermutlich hatten sie den Schampus schon kalt gestellt, da kam die Nachricht, dass Schumi in den französischen Alpen auf Skiern vor einen Stein geknallt war und in Grenoble auf Intensiv lag. Und prompt wurde eine Heerschar an Reportern losgeschickt, um exklusiv und umfassend zu berichten. Rund um die Uhr. So standen sie dann da, machten bei n-tv oder N 24 im 30-Minuten-Takt ihre Aufsager und teilten unermüdlich mit, dass es nichts mitzuteilen gab. Irgendwann dann doch eine brisante Meldung: Es solle eine Pressekonferenz geben, auf der sich die Ärzte zum Zustand des Patienten äußern wollten. „Wahrscheinlich übermorgen“, hieß es. Sensation: übermorgen Pressekonferenz! So ging das über Tage mit diesem absurden Vor-Ort-Fetischismus, bei dem inzwischen auch ARD und ZDF fleißig mitmischen. Es gibt keine Nachrichten, aber wenn es eine gäbe, wären wir ganz nah dran. Um dann was zu tun? In Form eines Aufsagers zu sagen, was ihnen kurz zuvor jemand gesagt hat. Irgendwie scheint man bei den Sendern zu glauben, wir würden ihnen eine Nachricht nicht glauben, wenn sie uns aus einem Fernsehstudio überbracht wird. Was zu diesen, im Internet-Zeitalter gänzlich überflüssigen, Fleischtransporten in Gestalt von rasenden Reportern führt, die dann tagelang nur ´rumstehen.

Telefon-Banking
Ich für meinen Teil bin am Neujahrsmorgen meiner Passion nachgegangen, feiertags durch merkwürdige Stadtteile zu flanieren. Diesmal in Porz. Genauer gesagt, Porz-Ensen. Rhein-Nähe, Reihenhäuser mit Vorgärten, viel freier Parkraum und weit und breit kein geöffneter Kiosk, der mir Tabak verkaufen wollte. Zumindest nicht am Neujahrsmorgen. Muss man also nicht gewesen sein, in Porz-Ensen. Aber vermutlich hat auch Ensen ganz schöne Ecken. So wie Mallorca oder Paderborn. Aber wie ich so durch den Böllermüll auf unbelebten Straßen schlenderte, warf ich den Blick in den unspektakulären Eingangsbereich einer Bank und war schon an der großen Glasfront vorbei, als ich noch mal innehielt. Moment mal, hab ich das eben richtig gesehen? Also wieder ein paar Schritte zurück und noch mal genau hingeschaut. In der Tat. Da hing im Vorraum eine Apparatur an der Wand, die aus einem Telefonhörer und einer handelsüblichen Tastatur bestand. Und darüber prangte ein Holzschild, auf dem in großen Lettern „Telefon-Banking“ zu lesen stand. Zugegeben, ich tu´ mich mit manchen Errungenschaften der Moderne beklagenswert schwer. So was wie Homebanking hab´ ich beispielsweise noch nie gemacht. Wozu auch? Wohne ja nicht in der Pampa und die paar Schritte zur nächsten Zweigstelle schaff´ ich schon noch. Von Telefon-Banking hab ich peinlicherweise eigentlich noch nie was gehört. Aber ich stelle mir vor, dass man da, so man gerade nicht ins Netz kommt, bei seiner Bank anruft, mit einem Mitarbeiter oder einem Automaten spricht, der sich dann um meine Wünsche kümmert. Vor allem aber: Man ruft doch wohl von daheim oder sonst wo an. Jedenfalls nicht aus der Bank! Was soll dann aber dieser Apparat in Porz-Ensen? Hängt der da womöglich nur für ein paar ganz clevere Sparfüchse ohne Flat, die total auf Telefon-Banking stehen, aber dafür keine Fernmeldegebühren entrichten wollen? Und die gehen dann in die Filiale und telefonieren dann, gern auch während der Öffnungszeiten, kostenlos von der Bank aus mit ihrer Bank? Ich hab´ zwar ein Foto von dem Kuriosum gemacht, aber ich muss da unbedingt noch mal auf die andere Rheinseite und mir diese neuzeitliche Erfindung erklären lassen. Oder gibt´s so was auch bei uns im Süden?

Nackig auf Wohnungssuche
Hier hängt ja auch so Allerlei rum. Beispielsweise so Zettel von Privatleuten, die ihre Mitteilungen oder Wünsche an Verkehrsschilder oder Bäume pappen. Ich lese mir die immer durch. Schon wegen der Verantwortung als Mitmensch. Könnte ja sein, dass das Krokodil, das neuerdings bei uns im Garten wohnt, jemandem entlaufen ist und er es gern zurück hätte. Womöglich gehört es gar einem Kind, das seitdem verzweifelt bittere Tränen in sein Kuschelkissen weint. Da hilft man doch gern. Und oft ist ja auch eine schöne Belohnung dabei. Neulich hing da vor meiner Haustür ein Zettel, auf dem eine Frau auf ihren Wohnungsnotstand hinwies. Sie suchte eine neue Bleibe in der Südstadt. So was findet sich ja hier häufiger. Jedenfalls die Zettel. Freie Wohnungen eher nicht. Nun hab´ ich zwar auch schon mitbekommen, dass das Leben und vor allem das Wohnen im Viertel nicht gerade preiswerter werden, aber Tausend Euro für eine gerade einmal 45 bis 50 Quadratmeter große Bude?! Soviel war die Frau mit dem Aushang jedenfalls zu zahlen bereit. Ach ja, einen Balkon wollte sie bitteschön noch haben. Kann man bei dem Preis ja wohl erwarten. Richtig heftig wurde es allerdings erst bei der Selbstdarstellung der Dame. Um die 30 sei sie, arbeite in unbefristeter Festanstellung in einem florierenden Unternehmen und könne SCHUFA-Auskunft sowie Elternbürgschaft beibringen. Zudem rauche sie nicht, habe keine Haustiere und spiele auch kein Musikinstrument. Die Liste war noch länger, aber ich bekomme sie aus dem Gedächtnis nicht mehr ganz zusammen. Vermutlich auch von „koche nicht“ die Rede. Jedenfalls fehlte da eigentlich nur noch die Versicherung, dass sie sterilisiert sei und eine eidesstattliche Erklärung, keine Kinder adoptieren oder in der Wohnung Besuch empfangen zu wollen. Irgendwie stimmt es mich doch traurig, wenn jemand meint, sich dermaßen nackig machen zu müssen, um an Wohnraum zu kommen. Hoffen wir mal, dass die Hälfte dieser Selbstauskünfte dreist gelogen war. Sollte sie hingegen wirklich solch ein Leben führen, wär´s ja noch viel trauriger.

Jetzt muss aber zum Schluss noch was Schönes her. Gibt´s ja auch noch in der Südstadt.  Wie dieses Second-Hand-Erlebnis, das meine Gattin mir erzählt hat. Da stand sie unlängst im Hirschgässchen vor einem Schaufenster und betrachtete die Auslagen, als sie hinter sich die Begrüßung „Guten Morgen, meine Schöne!“ hörte. Logo, da dreht man sich als Frau natürlich um. Sie war aber nicht gemeint, sondern sah nur, wie sich auf der anderen Straßenseite zwei betagte Damen im Rollator-Alter herzlichst begrüßten. Die eine im legeren Deutsch-Look, die andere mit Kopftuch und bodenlangem Kleid, vermutlich mit eher türkischem Background. Wer da wen „meine Schöne“ genannt hatte, ließ sich nicht mehr ausmachen, aber da gibt es offensichtlich eine intime Frauenfreundschaft, die fernab aller Migrations- und Integrationsdebatten funktioniert. Einfach so. Ist doch einfach nur schön.  

Text: Reinhard Lüke

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