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Kultur

Nur nicht für Nivea: Robert Stadlober mit Band in der Südstadt

Sonntag, 24. März 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Da sitzen die vier Musiker von „Gary“ vor uns auf einer roten Bank aus Kunstleder im Tsunami-Club: Der Schauspieler Robert Stadlober (Gesang, Gitarre – bekannt ist er aus Filmen wie „Crazy“, „Sommersturm“, „Krabat“ und zuletzt „Bis zum Horizont, dann links!“), außerdem Astrid Noventa (Gesang, Gitarre), Daniel Moheit (Bass) und Filip Pampuch (Schlagzeug). Sympathisch sind sie, und fröhlich. Nur ist das Interview akustisch etwas anstrengend, denn ein paar Meter weiter hat die zweite Band des Abends gerade Soundcheck. Ein Cellist spielt sich warm, überall stehen Koffer, Cases, Gitarren und Mikrofonständer herum.

 


Liebe Band, auf der Homepage eures Labels heißt es, Gary mache „POP! in capital letters“, aber Robert sagte mal, ihr macht „konservativen Indie-Rock“. Was denn nun?
Robert: „Das muss sich ja nicht ausschließen. Und konservativ meine ich im besten Sinne: Der einzige Bereich, wo Werte heute noch Sinn machen, ist die Musik. Und wir schöpfen aus dem Kanon des Pop.“

Worüber singt ihr?
Astrid: „Über das Leben. Über Sachen, die man erlebt hat, die man sich wünscht. Über die Liebe, über Träume. Das erste Lied auf unserem letzten Album zum Beispiel, das ist ein Traum von mir, den ich aufgeschrieben habe.“

Seit wann gibt es die Band?
Robert: „Seit 1999. Damals habe ich das mit Rasmus Engler zusammen gestartet. Heute hat der keine Zeit mehr, weil er mit der Indie-Band ,Herrenmagazin‘ Erfolg hat. Wir haben dann jedenfalls Filip und Daniel gefunden, mit ihrer Band Klez.e (die sich wirklich genau so schreibt). Also wir waren mit denen auf Tour, Astrid und ich. Und die beiden mochten unsere Musik.“

Eure Musik ist ja ziemlich klar: Drei Gitarren, ein Schlagzeug.
Robert (korrigiert mich): „Nein, wir haben auch einen Bass dabei.“

Also zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug. Aber keine Keyboards oder sowas?
Robert: „Doch, Astrid spielt auch Keyboard, aber das ist für so eine kleine Tour zu schwer. Das wiegt sicher 30 Kilo.“

Wolltet ihr nicht auf Russland-Tournee gehen? Ich habe da was gelesen in einem dpa-Porträt von 2012.
Robert: „Da kam das Leben dazwischen. Berufliche Zwänge. Das ist typisch für uns: Wir schmieden hochtrabende Pläne, und dann kommt die Realität und haut uns eine rein. So ist die Band.“

Filip, Daniel, was hat bei euch gefunkt, als ihr Robert und Astrid kennengelernt habt?
Filip: „Da hat einiges gefunkt auf unserer Tour. Die beiden haben akustisch gespielt, also sie haben ihre Original-Songs sehr weit runtergefahren. Nur Akustik-Gitarre und Pianet (das muss er buchstabieren: ein Pianet ist ein „analoges, elektromechanisches Tasteninstrument“ laut Wikipedia). Und wir sind eben jeden Abend lang zusammen aufgetreten, zwei Wochen lang, im Herbst 2010.“

Robert: „Eigentlich ist der Daniel uns voll reingegrätscht.“

Daniel (lacht): „Wir haben dann erstmal zu dritt ein Konzert in Berlin gegeben.“

Robert: „Der Daniel ist eigentlich studierter Akkordeonist. Aber das ist auf unserem Album nicht zu hören. Er hat beruflich viel damit zu tun gehabt, dann wollte er natürlich in der Freizeit nicht auch noch Akkordeon spielen.“

Daniel: „Beruflich habe ich allerdings heute mehr mit kleinen Kindern zu tun. Ich bin Musikpädagoge.“

Würde denn ein Akkordeon zur Indie-Rock-Band Gary passen?
Daniel: „Ich kann mir schon vorstellen, mal eins mitzunehmen.“

Robert: „Ja, klar.“

Wie ist eigentlich euer Publikum so?
Astrid: „Ganz unterschiedlich.“

Daniel: „Gestern Abend in Frankfurt beim Konzert, da war ein Mann aus Fulda, vom Alter her so zwischen uns und unseren Eltern. Der hat jedes Lied mitgesungen. Das finde ich super, dass die Leute aus allen Richtungen kommen.“

Robert: „Das sind schon die klassischen Indie-Rock-Leute, manche sind Mitte 40, die haben früher schon Pavement gehört (eine US-Band aus den Neunzigern, den Namen muss er mir aufschreiben).“

Kommen denn auch die Fans, die Dich – Robert – als Schauspieler kennen?
Robert: „Das hat sich eine Zeit lang überschnitten, dass auch die Schauspielfans kamen. Aber nicht allen hat unsere Musik gefallen. Inzwischen hat sich das geändert. Wir haben dadurch zwar 30 Prozent weniger Zuschauer, aber dafür Leute, die uns hören wollen. Eben Leute die kommen, ohne dass sie meine Filme gesehen haben. Das ist für uns das größte Kompliment.“

Könnt ihr von der Band leben?
Robert: „Ja, wenn wir im Li-la-launeland lebten, wo sowas möglich wäre, da würden wir nicht nein sagen. Aber mit dem, was das für eine Band hier in Deutschland bedeutet? Ein Auftritt beim Bundesvision Contest? Dann lieber hier im Tsunami spielen. Wir haben uns von der Illusion, mit der Musik Geld zu verdienen, verabschiedet.“

Und jetzt seht ihr euch einmal im Jahr eine Woche für die Tour?
Astrid: „Uns verbindet auch die Freundschaft zu Tobias Siebert. Der hat die Platten aufgenommen. Das ist der Sänger von Klez.e, der Band von Daniel und Filip.“

Robert: „Das ist eine sehr, sehr gute Band.“

Wie spricht man das aus? Kliese? Kleeze?
Daniel: „Das weiß man nicht so genau. Der Name kommt von einem Trojaner, der den Rechner unseres Sängers befallen hat, der Trojaner hieß Klez, und da gab es dann, glaube ich, Klez.a bis Klez.d. Daraus hat Tobias dann den Namen der Band entwickelt.“

Robert, du hast ein Label mit dem Namen „Siluh“. Schreibt ihr schwarze Zahlen?
Robert: „Ja. Wir können eineinhalb Menschen beschäftigen. Wir haben sechs Bands.“

Was war die Idee dahinter?
Robert: „Die pure Langeweile. Mein Freund Bernhard Kern hatte damals Geld aus einem Bausparvertrag, und ich hatte Geld vom Filmedrehen. Erst wollten wir eine Kneipe aufmachen, dann ist ein Label draus geworden. Aber das hat lange gedauert.“

Wie findet ihr die deutsche Musikszene? Vorhin klang da ja schon Skepsis durch.
Robert: „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Es gibt das Pop-Business. Das hat mit dem, was wir machen, nichts zu tun. Und dann gibt es eben die Leute, die Musik lieben. Die einen verdienen Geld, die anderen nicht. Das ist schade, aber diese kleine Insel, die wir haben, die ist sehr schön. Der Druck ist weg.“

Ihr lasst euch also nicht kaufen?
Robert: „Wenn jemand sagen würde, er kauft einen unserer Songs und schickt uns weltweit auf Tour, dann würden wir drüber reden. Aber wenn Nivea uns fragt, ob wir für die was schreiben würden, dann nicht.“

Seid ihr eine politische Band??
Robert: „Ja. Schon die Tournee ist ein Politikum. Da gehen zwei Bands auf Tour und unterstützen eine Kultur, die bedroht ist, die es so nicht mehr gibt. Das ist auch ein emanzipatorisches Moment. Tragischerweise ist es heute eben politisch, sowas zu tun.“

Liebe Band Gary, vielen Dank und viel Erfolg.

Weitere Informationen über „Gary“ und „Siluh“, einfach klicken und erfahren.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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