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Kolumne

Radiotage

Sonntag, 7. Dezember 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich fürchte, ich hab´ mal wieder was verpasst. Im Severin am Kirchplatz. Vor ein paar Monaten hing da jedenfalls ein Zettel an der Eingangstür zur Kneipe, der dazu aufforderte, sich dort samstags ab 15 Uhr 30 zum gemeinsamen Verfolgen der Fußball-Bundesliga einzufinden. Public-FC-Gucken, schon klar. Hat mich noch nie interessiert. War aber auch nicht gemeint. Da der Bezahlsender SKY zu Beginn der Saison die Gebühren für Wirte mal wieder drastisch erhöht hatte, war der Inhaber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass sich die Party unter diesen Bedingungen für ihn nicht mehr rechnen könne. Aber weil Samstag ohne Fußball in einer kölschen Kneipe offenbar auch irgendwie nicht geht, sollte man sich laut Aushang im Severin an jedem Spieltag zum gemeinsamen Radiohören einfinden. Womöglich, um der klassischen ARD-Bundeliga-Konferenz auf WDR 2 zu lauschen. Oder gibt’s im digitalen Hörfunk inzwischen auch einzelne Spiele in kompletter Länge? Keine Ahnung. Ich fand die Vorstellung eines Rudelhörens unter Männern jedenfalls ungemein verlockend. 

Ich fürchte, ich hab´ mal wieder was verpasst. Im Severin am Kirchplatz. Vor ein paar Monaten hing da jedenfalls ein Zettel an der Eingangstür zur Kneipe, der dazu aufforderte, sich dort samstags ab 15 Uhr 30 zum gemeinsamen Verfolgen der Fußball-Bundesliga einzufinden. Public-FC-Gucken, schon klar. Hat mich noch nie interessiert. War aber auch nicht gemeint. Da der Bezahlsender SKY zu Beginn der Saison die Gebühren für Wirte mal wieder drastisch erhöht hatte, war der Inhaber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass sich die Party unter diesen Bedingungen für ihn nicht mehr rechnen könne. Aber weil Samstag ohne Fußball in einer kölschen Kneipe offenbar auch irgendwie nicht geht, sollte man sich laut Aushang im Severin an jedem Spieltag zum gemeinsamen Radiohören einfinden. Womöglich, um der klassischen ARD-Bundeliga-Konferenz auf WDR 2 zu lauschen. Oder gibt’s im digitalen Hörfunk inzwischen auch einzelne Spiele in kompletter Länge? Keine Ahnung. Ich fand die Vorstellung eines Rudelhörens unter Männern jedenfalls ungemein verlockend. 

Hören, wie das Leder rollt

So hatte ich mir fest vorgenommen, zum Saisonstart ins Severin zu gehen. Kollektives Radiohören! Das ich das nochmal erleben sollte. Mein vorgerücktes Alter bringt es mit sich, dass ich mich an sowas durchaus noch erinnern kann. Ein Fernseher erstrahlte im Wohnzimmer meiner Kindheit auf dem Land erst pünktlich zur WM 1966 in England. Davor gab´s Radio. In Gestalt eines dieser monströsen Röhrengeräte mit Stoffbespannung und dem magischen grünen Auge oben rechts, das die Stärke des Funksignals anzeigen sollte. Und diese Kiste kam regelmäßig zum Einsatz. Nicht im Dauerbetrieb als Nebenbei-Berieselung, sondern durchaus gezielt. So hockte man, vor allem wintertags, abends im Familienkreis in der Wohnküche und hörte „Zwischen Rhein und Weser“ mit Walter Erasmy, volkstümliche Konzerte oder Quizsendungen. Am Weihnachtsabend wurde recht ergreifendes, feierliches Glockengeläut übertragen und sonntags bestand Vater beim Mittagessen natürlich auf den „Internationalen Frühschoppen“. Weshalb Tischgespräche tunlichst zu unterlassen waren und sich auch lautes Geklapper mit dem Besteck verbat. Ich will jetzt wahrlich nicht behaupten, dass diese familiären Hörfunksitzungen der Knaller waren, aber es hat sie in meinem Leben jedenfalls gegeben. Und ich kannte Werner Höfer, lange bevor ich ihn zum ersten Mal auf dem Bildschirm gesehen habe. Und nun sollte das gemeinsame Radiohören knapp 50 Jahre später, wo ich im öffentlichen Raum nur noch von autistischen Zombies mit Stöpseln im Ohr umgeben bin,  Teil einer Art gastronomischen Event-Kultur werden. Irre Sache, das.

Zu spät dran

Aber ich hab´s versemmelt, verschnarcht, verpasst. Womöglich hat am 1. Spieltag die Sonne allerliebst geschienen und ich hab´ gedacht „Ach nö, bei diesem schönen Wetter in der Kneipe rumsitzen…“ oder vielleicht war auch die Katze unpässlich oder der Goldfisch hatte Schluckauf. „Gehst du halt nächsten Samstag“, dachte ich jedenfalls noch bei mir. Aber die Wochen darauf war auch immer irgendwas. Und so waren die Tage schon merklich kürzer geworden, als ich unlängst mal wieder am Severin vorbei spazierte und die Bauarbeiten für den rustikalen Glühweinstand im Heuschober-Stil in Augenschein nahm. Und da fiel´s mir siedend heiß wieder ein: „Mensch, Severin, da war doch was! Da wolltest du doch immer mal…!“ Doch am Portal prangten nur noch Verzehrangebote für hausgemachte Frikadellen und sonstwie bodenständig Nahrhaftes. Der Wisch mit „Bundesliga im Radio“ war weg. Nun hätte ich natürlich einfach reingehen und eine Servierkraft fragen können, ob das Angebot weiterhin bestehe. Womöglich hatte man ja einfach die Werbung nicht mehr nötig, da das Ganze inzwischen zum allseits geschätzten Südstadt-Kult avanciert war. Aber einfach reinzugehen und nachzufragen war mir dann doch irgendwie peinlich. Wäre meine Anfrage doch wahrscheinlich wieder nur mit einem entnervten Augenrollen und der Bemerkung quittiert worden, ich sei aber arg spät dran. So geht mir das regelmäßig. Wann immer in der Nähe ein neues Geschäft mit einem interessanten Warensortiment eröffnet, nehme ich mir vor, dort in Bälde aber mal vorbeizuschauen und vielleicht manch schönes Stück zu erwerben. Dann vergess´ ich´s wieder und wenn mich mein Weg erneut an dem Schaufenster vorbei führt, steht da auch schon „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“. Da mag ich den Laden dann auch nicht mehr betreten, weil mir das irgendwie wie Leichenfledderei vorkäme.

Gemeinsam Klappe halten

Kurzum, ich weiß nicht, ob im Severin samstags noch im Verein Bundesliga gehört wird, doch ich vermute mal, dass dem nicht so ist. Was mich jetzt mal nicht weiter erstaunt. Schließlich sind meine überaus sporadischen Erfahrungen mit dem Rudel-Gucken von Fußballspielen außerhalb des Stadions so, dass da unter den Bildschirmen vor allem unbändig gegrölt, aufgesprungen und mit Fanschals gewedelt wird. Das mag bei einem entsprechend großen Flatscreen noch hinnehmbar sein, aber wenn das Ereignis nur durch die Stimme eines Radio-Kommentators transportiert wird, machen solche Verhaltensweisen der ganzen Veranstaltung doch komplett den Garaus. Wenn es nur was zu hören gibt, man aber auf Grund des Geräuschpegels vor dem Lautsprecher nichts hört, macht so eine Einrichtung nicht mehr wirklich Sinn. Ich habe keine Ahnung, ob´s im Severin so gelaufen ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit meinem Verdacht nicht so ganz falsch liege. Womöglich ist es da während der Übertragungen sogar zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen, die der Sache natürlich auch nicht dienlich waren. Schade eigentlich. Die Vorstellung eines schweigenden, kollektiven Radiohörens hatte für mich durchaus ihren Reiz. Sowas macht man ja heute kaum noch. Oder machen Sie es sich manchmal abends mit ihren Geliebten in ihrem Wohntrakt gemütlich, um -von welchem Datenträger auch immer- schweigend gemeinsam Musik, ein Hörspiel oder sonstwas zu hören? Eben. Ich werde meiner Kleinfamilie mal einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Die Katze darf auch dabei sein. Lärmt ja eh nicht sonderlich rum.
 

 

Bild: Blaupunkt Röhrenradio „Florida“ 1954 / Foto: Eckhard Etzold / CC-BY-SA-2.0-DE

Text: Reinhard Lüke

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