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Kultur

Südstadt backstage

Mittwoch, 26. Juli 2017 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Zu Beginn der letzten Hinterhof-Führung im Juni kübelte der Regen vom Himmel, und fast musste man annehmen, dass mangels Besuchern die ganze Tour abgeblasen würde. Dann aber standen doch rund 15 wetterfeste Interessierte am vereinbarten Treffpunkt – und als es nur noch tröpfelte, ging es los.

„Die Führung durch die Hinterhöfe der Südstadt stößt auf viel Interesse“, sagt Stadtführerin Asja Bölke. Die Kunsthistorikerin hatte vor etwa zwölf Jahren angefangen, bei den AntoniterCityTours eigene Rundgänge durchzuführen, als dort Leute für das Programm „Köln mit anderen Augen“ gesucht wurden.

 

„Das hat mich direkt angesprochen“, erzählt sie. „Wenn man die klassischen Sehenswürdigkeiten zeigt und die immer gleichen Touren macht, verliert das schnell den Reiz. Aber einen eigenen Schwerpunkt setzen und immer wieder neu variieren zu können, bleibt auch für mich interessant. Und ich denke, echtes Interesse wird immer auch für die Teilnehmer einer Tour spürbar.“

 

„Auf den Spuren der Kölner Engel“

Das Thema ihrer ersten Stadtführung hatte Asja Bölke von einer Kollegin übernommen: „Auf den Spuren Kölner Engel“. Weil das Tour-Thema sehr beliebt war und viel gebucht wurde, sollte es auch weitergeführt werden, als die Kollegin aufhörte. Den Inhalt aber konzipierte Asja Bölke neu, weil die Tour der Kollegin natürlich deren Handschrift, Blicke und Schwerpunkte trug.

Vor fremden Leuten zu stehen und zu erzählen, war für Asja Bölke anfangs gar nicht so einfach. „Bei den ersten Führungen habe ich Blut und Wasser geschwitzt“, gesteht sie lächelnd. „Ich wollte das trotzdem so gern machen, aber Übung und Gewöhnung gehörten eben auch dazu. Was mir hingegen direkt leicht fiel, war das Behalten der Fakten. Schon in der Schulzeit habe ich, um mir Dinge besser merken zu können, zum Lernen ungewöhnliche Orte gesucht, also zum Beispiel unter dem Tisch oder auf dem Schrank. Wurde der Stoff dann abgefragt, ging ich in Gedanken durch die Wohnung und konnte dabei auch den gelernten Stoff abrufen. Für Stadtführungen ist so ein Vorgehen ideal. Ich weiß gar nicht unbedingt beim Startpunkt, was ich alles erzählen werde, aber wenn ich dann an einem bestimmten Ort stehe, fällt mir alles dazu ein.“ Darum entstehen die Führungen auch nicht allein am Schreibtisch, obwohl Hintergrundwissen natürlich auch eine große Rolle spielt. Prägend für die Rundgänge ist aber immer der ganz persönliche Blick – auch für Details, die nicht jedem direkt ins Auge springen.  

 

Hinterhof zwischen Elsaßstrasse und Zugweg.

Die meisten Führungen hat Asja Bölke komplett selbst geplant. Im Schnitt versucht sie, pro Jahr zwei bis drei neue Touren in den Plan aufzunehmen. Dafür fliegt das ein oder andere Thema auch raus, wird gegebenenfalls später noch einmal hervorgeholt, oder Teile werden so in eine andere Führung übernommen, dass es gut passt –  etwa zu einem aktuellen Jubiläum oder zu einer großen Ausstellung.

Das ”Revier“ der Stadtführerin ist über ganz Köln verteilt. Schwerpunkte bilden ebenso architektonische und geschichtliche Besonderheiten der Stadt, wie moderne Entwicklungen, Kunsthandwerk und Design, so wie auch das Zusammenspiel von beidem, jeweils auf das Viertel bezogen. Neu ist in diesem Jahr der Rundgang ”Kunst und Streetart im öffentlichen Raum”.

 

Verborgene Schätze

„Hinterhöfe – die verborgene Seite der Südstadt“ war eine Idee, die zunächst auch auf Skepsis stieß, unter anderem wegen der Frage, ob es dazu wohl genug zu erzählen gebe. „Das Thema habe ich eigentlich gewählt, weil es mich selbst interessiert“, erzählt Bölke. „Hinter vielen Mauern und Vorderhäusern sind ganz überraschende Höfe und verborgene Schätze versteckt. Außerdem wollte ich auch gern eine neue Zielgruppe erreichen, die nicht zwingend kunst- oder architekturhistorisch orientiert sein muss. Ich habe dann mal einen Probedurchlauf gemacht und dafür auch Bekannte gefragt, ob wir bei ihnen mal gucken kommen dürften. Teilweise musste man da auch durch private Räume, um in den Hinterhof zu gelangen. Aber schon der Probedurchlauf stieß auf so großes Interesse, dass statt der erwarteten – und von mir angekündigten – zehn bis 15 Personen auf einmal 60 Leute da standen. Da habe ich im Anschluss dann lieber nach etwas öffentlicheren Hinterhöfen geguckt, um die Geduld der Anwohner nicht überzustrapazieren. Insgesamt ist die Tour immer eine Mischung aus öffentlich zugänglichen Hinterhöfen und privaten, darum variiere ich die Tour auch und lasse an vielen Orten die Teilnehmer maximal in Fünfergruppen auf einmal in den Hof. Und manchmal muss ich auch Stationen wieder streichen, weil ich von den Anwohnern darum gebeten werde.“

 


Asja Bölke bei eine Führung durch die Kölner Südstadt.

Im Innenhof des ehemaligen Stollwerck-Geländes zum Beispiel hatte einmal ein Mieter die Gruppe vorsorglich im Innenhof eingesperrt, damit erst geklärt würde, ob denn der Besuch auch tatsächlich abgesprochen sei. Während manchen das Interesse an den Höfen zu nah an den eigenen vier Wänden ist, sind andere nur zu gern Teil des Projektes.

 

„Eine Anwohnerin begrüßt die Gruppen bei jeder Tour nicht nur ausnehmend freundlich, sondern erzählt auch bereitwillig und gern, was sie zum Beispiel bei den Umbauten alles gefunden habe “, berichtet Asja Bölke. „Mittlerweile bekomme ich auch Tipps, wo noch schöne Hinterhöfe zu finden sind. Und außerdem bin ich einfach selbst sehr neugierig und frage immer wieder nach, wenn es etwas zu sehen geben könnte. So verändern sich die Touren immer wieder.“

 

 

Mehr dazu
Das Angebot der Stadtführungen von Asja Bölke bei den AntoniterCityTours findet man hier.

”Hinterhöfe – Die verborgene Seite der Südstadt“ findet wieder am 29.07.2017  und am 23.09.2017 jeweils um 18 Uhr statt, Treffpunkt Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln

Dauer ca. 1,5-2 Stunden
Preis: 10,00 € / 8,00 €

Text: Nora Koldehoff

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