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Bürgerbeteiligung Parkstadt Süd Politik

Tauziehen war mal olympisch

Dienstag, 12. Mai 2015 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stadtentwicklung Stadt Köln

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Jetzt sind wir alle gefragt. Und das ist gut so. Erstmal. Schließlich geht es um nicht weniger als ein neues Veedel mitten in Köln. 115 Hektar Großmarkt und drumherum. Die Fläche ist so groß wie Bayenthal, größer als Raderberg und ein bisschen kleiner als Klettenberg. Ein paar tausend neue Wohnungen und Arbeitsplätze werden entstehen. Die Stadtgesellschaft ist aufgerufen, an der Planung mitzuwirken. Los geht es heute Abend um 18 Uhr im Humboldt-Gymnasium. Thema ist das „lebendige Quartier“.

Die Stadt hat sogenannte Stakeholder eingeladen, von denen man besonders qualifizierte Beiträge erwartet. Stakeholder darf man nicht verwechseln mit Shareholdern in Aktiengesellschaften. Shareholder haben ausschließlich finanzielle Interessen. Die der Stakeholder gehen darüber hinaus. Wir treffen heute Abend alte Stakeholder-Bekannte. Zum Beispiel Reinhold Knodel, Vorstand und Alleinaktionär der Pandion AG, Erbauer eines Kranhauses im Rheinauhafen. Oder Ex-Baudezernent Bernd Streitberger, mittlerweile Geschäftsführer von „moderne stadt – Gesellschaft zur Förderung des Städtebaues und der Gemeindeentwicklung mbH“. Der macht sich gerade mit der Bebauung des Clouth-Geländes in Nippes unsterblich. Dort werden auf engem Raum so viele Wohnungen gebaut, dass noch nicht mal Platz ist für eine Kneipe. Und damit sind wir endlich beim Thema.

 

Denn eine Kneipe hätten wir schon gern in der neuen Parkstadt Süd. Vielleicht – die Investoren mögen uns verzeihen – sogar zwei. Und Wohnungen, die man sich auch ohne fünfstelliges Monatsgehalt leisten kann, und Baugruppen, inklusives Wohnen, Mehrgenerationenhäuser, Gemeinschaftsgärten, Straßen ohne Autos, ein Veedel das konsequent das Ziel „Null Verletzte im Verkehr“ verfolgt, ein Veedel, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht, ein Veedel, das kein Müll mehr verlässt, weil alles in Energie umgewandelt wird, ein Veedel, das kein Wasser von außen braucht, weil es Regenwasser konsequent nutzt. Ein Veedel, das sich schlicht menschlich rechnet für die Bewohner und die Stadt und sich nicht dem Reibach der Investoren unterwerfen muss, weil Politik und Verwaltung den kölschen Kniefall vor dem Kapital zigmal geübt mal wieder praktizieren. Werden wir nach Höchstgebot bauen lassen, oder werden Konzepte eine entscheidende Rolle spielen beim Verkauf der städtischen Großmarktgrundstücke an Bauherren? Wird also der zum Zuge kommen, der für Grund und Boden das meiste Geld bietet, oder der, der eine gute Idee auch zu seinem aber vor allem der Gesellschaft Nutzen vorstellt. Selbstverständlich werden die Bürger Kompromisse machen. Machen müssen. Aber man wird ihnen verdammt gute Gründe dafür liefern müssen.

Und es sind ja nicht nur die Herren Streitberger und Knodel    heute Abend, die schon in der ersten Veranstaltungsreihe der Bürgerbeteiligung zeigen werden, wo aus Sicht des Kapitals der Hammer hängt. Hört man unserem Baudezernenten zu, hängt der den Hammer an den gleichen Haken: „Wenn die Bürger wollen, das auf 115 Hektar ein 29 großer Park als Verlängerung des Inneren Grüngürtels entsteht, muss an anderer Stelle verdichtet gebaut werden.“ Das heißt wohl, dass die Kosten für den Park in Höhe von vielleicht 30 bis 50 Millionen Euro plus soziale Infrastruktur im neuen Veedel wie Schulen, Kindergärten, öffentliche Plätze und so weiter durch den Verkauf von Grundstücken hereingespielt werden sollen. Und wohl auch in Zeiten leerer Kassen ein Stück weit müssen. Doch Obacht: Sachzwänge sind nicht von vornherein und damit für alle Zeiten alternativlos.

Solange die Renditen festverzinslicher Papiere so niedrig sind wie im Moment, ist Beton für Investoren wahres Gold. Ein Blick nach Wien lohnt immer. In diesem Fall erst recht. Dort hat die Stadt eine Wohnungsbauinitiative gestartet, in deren Folge die Mieter für vier bis 6,50 Euro pro Quadratmeter wohnen. In Köln ist da die GAG gefragt. Und die Genossenschaften haben auch eine soziale Verantwortung. An die sollte man sie bei Neubauten gelegentlich erinnern.

Natürlich hat die Bürgerbeteiligung in einer repräsentativen Demokratie Grenzen. Aber die gilt es in diesen Zeiten neu auszuloten. Und dann zu verschieben. Bürger sind viel mehr als früher ausgewiesene Experten vor Ort. Und sie haben in Zeiten des Internets den Informationsvorsprung der Verwaltung längst eingeholt. Lasset die Spiele beginnen. Uns stehen spannende Wettkämpfe bevor. Tauziehen war übrigens auch mal olympisch.
 

 

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Text: Stefan Rahmann

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