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Bürgerbeteiligung Parkstadt Süd Gesellschaft Politik

„Wer die Begriffe definiert hat das Sagen“

Mittwoch, 27. Mai 2015 | Text: Gastbeitrag | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Teil drei der „Parkstadt Süd debattieren“-Reihe stand auf dem Programm im Humboldt-Gymnasium. Diesmal ging es um die „Neuen Werte“ die es auf dem Areal in Zukunft zu schaffen gilt. Zwischen Verwaltungsmitarbeitern, Planern und Architekten aus diversen Fachbereichen waren auch wieder zahlreiche interessierte Bürger und Akteure aus der ganzen Stadt, besonders aber den südlichen Vierteln gekommen, um sich  zu beteiligen. Stets in der Hoffnung, dass ihre Anmerkungen  ernst genommen werden und Eingang in die Formulierung der Aufgabenstellung für die Planungsbüros finden mögen. Da es das Presseamt der Stadt Köln immer noch nicht geschafft habe, die Ergebnisse der vergangenen zwei Themenabende auf der Projektseite im Internet zu veröffentlichen, bot Moderator Klaus Overmeyer den Eintrag in eine Liste an, um die Leute per Newsletter informieren zu können. 

Es ging also um die finanziellen Rahmenbedingungen der Parkstadt, um gesellschaftliche Werte von Nachbarschaften, Möglichkeiten der Teilhabe und soziale Rendite, bezahlbaren Wohnraum, die Zugänglichkeit und die Qualität von Freiräumen sowie den Umgang mit städtischen Liegenschaften.

 

Wie bereits bei den beiden Themenabenden zuvor, eröffneten Impulsvorträge den Abend. Stadtökonom Guido Spars von der bergischen Universität Wuppertal referierte über Rahmenbedingungen des Kölner Wohn- und Gewerbemarktes und Oliver Brügge von der Montag Stiftung Urbane Räume richtete sich schon vor der eigentlichen Diskussion mit fünf Thesen zur Werteentwicklung urbaner Nachbarschaften an das Publikum. Danach entließ Overmeyer selbiges in die sechs Diskussionsrunden. Nachdem man sich dort erneut mit der teils sperrigen Begriffsvorgabe des Unterthemas arrangiert hatte, wurde eine Stunde lang mitunter kontrovers diskutiert und um die Formulierung von Thesen gerungen. „Wer die Begriffe definiert, hat das Sagen“, brachte es ein Teilnehmer passend auf den Punkt. Und da musste der engagierte Bürger zwischen all den fachkundigen Moderatoren und mitdiskutierenden Verwaltungsmitarbeitern – oder auch dem ein oder anderen Politiker aus dem Stadtrat – aufpassen, dass seine Meinung auch Eingang in die abschließende Thesenfindung fand.

So war  „Bezahlbares Wohnen“ das Thema der Gruppe unter Moderation von Guido Spars. Die Einhaltung des Kölner Baulandmodells – sprich die Realisierung von mindestens 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau – gilt für Diskussionsteilnehmer als gesetzt. Das neue Quartier benötige dazu vor allem intelligente Modelle für ein flächeneffizientes, kostengünstiges Bauen sowie innovative Modelle des Wohnens. Städtebaulich müsste es dort später eine gute Balance zwischen Dichte und Lebensqualität geben. „Die Dichte der Bebauung des Quartiers entscheidet über die Qualität, Vielfalt und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens“, argumentierte Guido Spars. Letztlich müssten die „Grüne und soziale“ Infrastruktur über eine dichte Ausnutzung refinanziert werden. Man habe hier die seltene Möglichkeit auf einem großen Areal eine verdichtete Wohnbebauung für unterschiedliche Zielgruppen dazu noch in zentraler Lage zu entwickeln. Dazu brauche es allerdings unterschiedliche Trägerformen und Akteure zur Sicherung der sozialen Mischung und des „Nachbarschaftskapitals“.

 

„Wer die Begriffe definiert, hat das Sagen“

Mit gerade Letzterem beschäftigte sich die Gruppe „Werte urbaner Nachbarschaften“ unter der Moderation von Oliver Brügge. Dazu brauche es in erster Linie Freiraum für Initiativen, die sich als „engagierte Brückenbauer“ bereits in der Planungsphase erweisen könnten, lautet eine aus der Diskussion abgeleitete These. Wichtig sei es vor allem, Menschen in Kontakt zu bringen, meinte Oliver Brügge. Um später nachbarschaftliche Angebote zu schaffen, brauche es zudem günstige Raumangebote. Es entstand die Forderung nach Schaffung eines inklusiven Kulturortes in einem gemischten Quartier, in dem die Teilhabe beispielsweise über Genossenschaften, Baugruppen und Erbpacht ermöglicht werde.

Der Grüngürtel solle mindestens in der beschlossenen Größe realisiert werden, so lautet eine der Thesen der Gruppe „Stadt im öffentlichen Interesse“, moderiert von  Jörg Neubig. Vielfältige Wohnformen,  Partizipation und Freiräume zur Förderung von Lebensqualitäten seien zu fördern. Dabei gelte es, vorausschauend zu agieren, um auf sich verändernde Werte und Anforderungen langfristig reagieren zu können. Umweltbelange, Klimafolgen und die Daseinsvorsorge müssten beachtet werden.
Verbindliche Spielregeln, um einen fairen Umgang der Akteure  zu ermöglichen, das postulierte beispielsweise die Gruppe „Öffentliche und private Aufgaben in der Parkstadtentwicklung“. Mit Stadtplaner Hans-Martin Wolff diskutierten die Teilnehmer auch, eine kleinteiligere Parzellierung auf dem Areal zu ermöglichen. Kleine Investitionseinheiten und Organisationsformen müssten als gleichwertige Partner neben großen Immobilienentwicklern wie zum Beispiel der GAG akzeptiert und ermächtigt werden.

Über die „Wertebalance zwischen Bestandsschutz und Neuentwicklung“ diskutierte Klaus Overmeyer in der von ihm geleiteten Gruppe. Wertebalance braucht Teilhabe, so lautet eine These. So fragten Akteure beispielsweise, ob bereits getroffene Entscheidungen wie zum Beispiel der Bau des neuen Stadtarchivs am Eifelwall, auch noch revidiert werden könnten, oder welche Qualität generell die Parkstadt-Süd-Beteiligung hätte? Auch könnten im neuen Grünzug bestehende Nutzungen mit einem gemeinwohlorientierten Angebot integriert werden. Dazu müsse auch die Lage des Grünzuges im Konzept geprüft werden. Auch die sogenannte „Raderberger Brache“ sollte nach Ansicht einiger Diskutanten aufgrund ihrer vielfältigen Fauna und Flora nicht bebaut werden. Ein von örtlichen Akteuren erarbeiteter Pflegeplan sollte mit der Stadt verbindlich in Form einer Patenschaft geregelt werden.

 

Raum für gemeinnützige Initiativen, Inklusion und Nachbarschaftshilfen schaffen.

Ein Projektbüro vor Ort  als Anlaufstelle  für Bürger, auf diese These einigte sich die von Simon Hubacher moderierten Gruppe „Neue Zukunftsmodelle gemeinschaftlichen Bauens“. Gemeinschaftliches Bauen sei unverzichtbar für niederschwelligen und bezahlbaren Wohnraum, der dadurch dauerhaft der Spekulation entzogen sei. Als „Katalysator der Nachbarschaft“ handele es sich dabei um mehr als nur Wohnungsbau, sondern umfasse auch Arbeiten, Kultur und öffentliche Nutzungen tagsüber. Der Aspekt der „sozialen Rendite“ sollte in das Vergabeverfahren einfließen, damit auch Raum für gemeinnützige Initiativen, Inklusion und Nachbarschaftshilfen geschaffen werden könnten.

Weiter geht´s am kommenden Dienstag, 2. Juni um 18 Uhr im Pädagogischen Zentrum des Humboldt Gymnasiums, Kartäuser Wall 40. Dann heißt das Leitthema der Debatte „Urbane Parklandschaft“ und es werden quasi Gretchen-Fragen zur künftigen Nutzung des Parks und der Ausgestaltung des Grüngürtels erörtert.

 

 

Wer hat´s geschrieben?
Dieter Brühl, lebt seit 46 Jahren in Köln, davon zehn in der Südstadt (1993-2003). Von der Passion für fossile Korallen, über die Öffentlichkeitsarbeit für die Lokale Agenda 21 bis zur Unternehmenskommunikation war es für ihn ein abwechslungsreicher Weg.  Der promovierte Geologe arbeitet heute von Neuehrenfeld aus als freiberuflicher Journalist und Kommunikationsberater. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

 

 

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Text: Gastbeitrag

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