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Kolumne

Teletubbies beim Frisör – Lükes liebes Leben

Dienstag, 25. Februar 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Schon wieder über Karneval schreiben? Och, nö. Doch! Okay, überredet. Aber nur kurz. Zum Beispiel über meine empirisch gewonnene Erkenntnis, dass unser Ortsheimatsender WDR gar nicht mal vorneweg ist, wenn es um die exzessive Übertragung döseliger Sitzungen und Umzüge geht. Der SWR treibt´s noch viel doller! Seit Wochen gibt´s da jeden Sonntagnachmittag im Dritten über Stunden währende Narren-Paraden aus der Provinz. Diesmal läuft da von 13.15 bis 16.45 Uhr „Narrentreffen Riedlingen“. Direkt im Anschluss heißt es: „Närrisches von der Saar“. Gerade mischt sich in Riedlingen eine Reporterin mit Mikro unter närrische Pilger und sagt zu einem Maskierten, der (warum auch immer) einen langen Stab mit sich führt: „Mensch, du hascht abba a grosche Latte!“

Schon wieder über Karneval schreiben? Och, nö. Doch! Okay, überredet. Aber nur kurz. Zum Beispiel über meine empirisch gewonnene Erkenntnis, dass unser Ortsheimatsender WDR gar nicht mal vorneweg ist, wenn es um die exzessive Übertragung döseliger Sitzungen und Umzüge geht. Der SWR treibt´s noch viel doller! Seit Wochen gibt´s da jeden Sonntagnachmittag im Dritten über Stunden währende Narren-Paraden aus der Provinz. Diesmal läuft da von 13.15 bis 16.45 Uhr „Narrentreffen Riedlingen“. Direkt im Anschluss heißt es: „Närrisches von der Saar“. Gerade mischt sich in Riedlingen eine Reporterin mit Mikro unter närrische Pilger und sagt zu einem Maskierten, der (warum auch immer) einen langen Stab mit sich führt: „Mensch, du hascht abba a grosche Latte!“ Wobei die öffentlich-rechtliche Lohnarbeiterin dem Mann neckisch zuzwinkert. „Grosche Latte“ – Brüller, oder? Meine Güte, kann man seine Kinderchen noch nicht mal mehr bei vermeintlich harmlosen Folklore-Umzügen gefahrlos vor dem Fernseher parken, ohne dass ihnen da penetrant die Sex-Keule um die Ohren gehauen wird.

Darth Vader ans Kreutz genagelt
Was sagt eigentlich die Kirche dazu? Nix? Doch. Zumindest die evangelische. Jedenfalls in einem Wiesbadener Kindergarten. Da hat der geistliche Leiter einer konfessionellen Kinderverwahrstätte jetzt mal durchgegriffen, damit es die lieben Kleinen zu Karneval nicht gar so dolle treiben. Der rechtschaffene Pfarrer Friedrich-Wilhelm Bieneck hat verlauten lassen, Hexen-, Teufels- und Magierkostüme seien an Fasnacht in seinem Kindergarten unerwünscht. „In der Heiligen Schrift steht, dass die Menschen von Zauberern und Hexen die Finger lassen sollten“, wird der Pfaffe zitiert. Und „für Gott“ sei „das Ganze ein Gräuel“. In der Einrichtung dieser hessischen Schlafstadt für ZDF-Redakteure und Landesbeamte sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Heulende Feen und Harry Potters, tobende Eltern, hilflose Erzieherinnen. Das ganze Programm. Was man verstehen kann. Viel bleibt da an Verkleidungen schließlich auch nicht mehr übrig, wenn´s christlich korrekt zugehen soll. Piraten, Indianer, Cowboys, Ritter, Obelix und Polizisten? Alles Berufsgruppen mit bedenklicher Haltung zur Gewaltfrage. Darth Vader? Gott bewahre! Super- und Batman – auch nicht koscher. Irgendwie magische Kräfte im Spiel. Ernie und Bert? Schwul. Mönch oder Nonne? Liefe sicher unter Blasphemie. Bleiben also nur Sonnenblume, Biene Maja, Bob, der Baumeister und die Teletubbies. Obwohl bei den putzigen Plüschmonstern auch nie ganz klar war, wer da womöglich mit wem….War Tinky-Winky, das in Lila mit der Handtasche, eigentlich eine Frau oder am Ende etwa Transe? Nicht auszudenken. Wann und warum sind die Tubbies eigentlich komplett von der (karnevalistischen) Bildfläche verschwunden? Egal. Was mich an der ganzen Nummer in Wiesbaden eigentlich irritiert, ist ohnehin die Frage, was die Evangelen überhaupt mit Karneval am Hut haben. Wer als Kirche und gläubiges Schäfchen keine Kasteiungen der Fastenzeit kennt, dem steht doch eigentlich auch kein Recht zu, sich vorher noch mal tagelang der Völlerei hinzugeben. Also, Herr Pfarrer Friedrich-Wilhelm Bieneck: Nicht an belanglosen Symptomen rumdoktorn, sondern den ganzen faulen Zauber komplett verbieten! Rigoros. Und das mit diesen Häschen zu Ostern gleich mit. Von diesen Eier legenden Säugern mit Kiepe steht in der Bibel doch auch nix zu lesen. Oder haben Jesus und seine zwölf Follower beim Letzten Abendmahl etwa gegrillte Karnickel an Rotweinschaum verputzt? Eben. Und Eierstich in der Bouillon? Ebenfalls nicht überliefert.

Silbereisen und 3-Wetter-Taft

Aber eigentlich wollte ich ja sowie eher von meiner Liebe zu Salons erzählen. Frisiersalons, genauer gesagt. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich mich in den nächsten Tagen noch dringends scheren lassen muss, damit mir am Donnerstag mein löstiges Hötchen passt, aber die super Überleitung verkneif ich mir einfach. Ich habe auch gar kein Hötchen. Letztlich geht´s auch gar nicht um die Haarschneiderei, sondern um angewandte Kommunikationskompetenz auf höchstem Niveau. Dazu darf ich sagen, dass ich inzwischen um meinen Kopfputz nicht mehr viel Aufhebens mache. Früher, als Haarschnitte noch Identität stiftende Insignien für bestimmte Gruppenzugehörigkeiten waren, bin auch ich mit dem Trend gegangen, habe von lang (70er Späthippie) auf kurz (New Wave, Ska) auf lang (Grunge) und wieder zurück (?) gewechselt. Heute hab´ ich zu dem sprießenden Gedöns auf dem Kopf ein eher pragmatisches Verhältnis. Hin und wieder muss da was ab. So (geschätzt) vier, fünf Mal im Jahr. Und weil das für mich eine so unspektakuläre Maßnahme wie Rasenmähen ist, bin ich auch nicht Kunde bei modischen Etablissements mit Namen wie „Kahlschlag“, „Hauptsache“ oder „Haarigs“. Ich bevorzuge Dienstleister, über deren Eingängen schlichte Schilder mit „Friseur“ oder gar noch „Frisör“ prangen und die mir weder Hip- noch Wellness verkaufen wollen. Sitz´ ich einmal auf dem Frisierstuhl, geht der Eingangsdialog mit der Dame oder dem Herr an der Schere schlicht so: „Waschen?“ „Nö, sind“. „Und wie?“ „Kürzer“. Das reicht als Handlungsanweisung vollends.

All-Inclusive auf dem Fühlinger See

Seit ein paar Jahren bin ich (seltener) Stammkunde in einem Salon auf der Vringsstraße, wo ich von den Inhaberinnen stets mit „Tach, junger Mann“ begrüßt werde. Eine geschäftstüchtig routiniert hingeworfene Floskel, gewiss. Aber ich weiß so was in meinem vorgerückten Alter durchaus zu schätzen. Aber oft bin ich in dem Laden auch wirklich der Stubenjüngste. Und der einzige Mann obendrein. Da man in diesem Salon auch keine Termine macht, ist Warten an der Tagesordnung. Früher hab´ ich mir noch gehaltvolle Lektüre mitgenommen. Mache ich heute nicht mehr. Lieber informiere ich mich in den ausliegenden Magazinen, was bei Königs, Costa Cordalis, Silbereisens und Fischers gerade so abgeht und lausche zunehmend ergriffen den Gesprächsfetzen, die da zwischen Wölkchen aus 3-Wetter-Taft an mein Ohr dringen. Da sitzen viele ältere Damen in kühnen Pailletten-Pullis, auf denen „Love“ oder „Las Vegas“ prangt und erzählen aus ihrem Leben. (Tass Kaff gibt´s gratis und Rauchverbot ist da auch noch nicht.) Und ich sitz´ da, höre zu und bin immer wieder bass erstaunt über die Smalltalk-Virtuosität der Frisösen. Ein Auszug meines letzten Besuches. (Kann als Immi nur bedingt Schrift-Kölsch) „Na Frau Schmitz, allet jut?“ „Joa, mer foahre nächst Woch in Urlaub.“ „Is ja doll. Wo jeht et denn hin? Fliejen se in de Sonne?“ „Nee, mir fahre in de Lüneburger Heide.“ „Ach, dat is ja schön. Diese Fliejerei is ja nur Stress und dann liecht man da am Strand un et is viel zu heiß. Nee dat is nix. „Genau, dä Fred und isch, mer jonn´ lieber wandere. In Deutschland. Schon wejen de Sprooch. Mal so rischtisch schöne Toure mache.“ „Is ja doll, dat mache se rischtisch.“ „Joa, abba mer sin nie mieh so gut zo Fooss. „Dat mäht ja nix. Se hän doch Zick.“ „Jo“. „Wie lang blieve se dann? Ein oder zwei Woche?“ „Nee, nur zwei Daag.“ „Dat mache se rischtisch. In Kölle is et doch am schönste.“ Ich liebe meine Friseusen! Ohne Scheiß. Bei meinem nächsten Besuch werd´ ich´s auf dem Frisierstuhl vielleicht mal tolldreist mit einer zweiwöchigen All-Inklusive-Kreuzfahrt auf dem Fühlinger See versuchen. Ich bin sicher, sie werden mir glaubhaft versichern, es gäbe auf der ganzen Welt nichts Dolleres.         
 

 

Bild: Teletubbies/ Foto: Peachsmack/CC-BY-SA-2.0

Text: Reinhard Lüke

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