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Kultur

Unbedingt sehenswert: „Klasse Deutsch“

Donnerstag, 16. Mai 2019 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ein Dokumentarfilm über den schwierigen Schulalltag von Kindern mit Migrationshintergrund ist nicht unbedingt das, was einen ins Kino lockt. Doch dieser Film ist gänzlich anders als all die gut gemeinten, aber oft wenig durchdachten TV-Reportagen zum selben Thema. Sechs Monate lang hat Regisseur Florian Heinzen-Ziob eine Handvoll Schüler einer Förderklasse und ihre wunderbare Lehrerin an der Henry Ford Realschule in Chorweiler mit der Kamera begleitet. Und nur begleitet. Sie werden nicht vorgestellt, nicht befragt und nicht zu Hause besucht.

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Auch auf einen erklärenden Kommenar verzichtet der Film. Das ist anfangs etwas verwirrend, aber mit zunehmender Dauer lernt man die 10-16Jährigen kennen und erfährt auch etwas über ihre Lebensgeschichten. Ihr Schulalltag ist schwer, hat manchmal tragische, bisweilen aber auch saukomische Momente. So wie dieser bewegende Schwarzweißfilm, der die Schüler nicht als Problemfälle vorführt, sondern ihnen auf wundervolle Art eine Würde gibt. Im Gespräch mit Reinhard Lüke erklärt Filmemacher Florian Heinzen-Ziob, wie er das gemacht hat. „Klasse Deutsch“ läuft ab heute im Odeon

Meine Südstadt: Was war zuerst da? Die Idee zum Film oder die Schule?
Die Schule. Ich habe dort ein Jahr lang für Regelschüler einen Filmkurs gegeben. In einem Klassenraum hing ein Stundenplan, auf dem immer nur das Fach Deutsch eingetragen war. Als ich gefragt habe, was das denn zu bedeuten hätte, sagte mir eine Lehrerin: „Ach so, das ist die Klasse Deutsch.“. So bin ich auf die Klasse und Ute Veccio, die Lehrerin, gestoßen.

Wie viel Zeit haben die Vorbereitungen vor dem Dreh in Anspruch genommen?
Ungefähr ein halbes Jahr. Ich habe erstmal in der Klasse hospitiert, dann habe ich Filmkurse mit den Schülern der Klasse gemacht. Ich dachte: Wenn ich Euch filme, bringe ich euch auch bei, wie man das macht. Die kurzen Filme haben sie dann am letzten Schultag vorgeführt, wo auch die Eltern dabei waren, die ich dann etwas kennen lernen konnte. Schließlich war es wichtig, auch deren Vertrauen zu gewinnen.

Die mussten ja auch ihr Einverständnis zu dem Projekt geben. War das ein Problem?
Eigentlich nicht. Fast alle Eltern standen dem Ganzen von Beginn an sehr aufgeschlossen gegenüber. Die meisten waren ausgesprochen froh, dass über das Thema ein Film gedreht werden sollte. Und bei manchen schwang, ähnlich wie bei den Kindern, auch ein wenig Stolz mit.

Wie lange hat es gedauert, bis die Schüler beim Dreh die Anwesenheit der Kamera ignoriert haben? Hin und wieder posen einige auch mal…
Stimmt. Aber ich wollte diese Momente im Film lassen. Schon aus Gründen der Ehrlichkeit und Transparenz. Es wäre ja albern, es durchweg so aussehen zu lassen, als wäre unser Team gar nicht im Raum.

Der Regisseur im Biergarten des Odeon-Kinos.

Überraschenderweise wurde das Posen im Laufe der Monate häufiger, weil sie uns nach anfänglicher Distanz zunehmend als Teil der Klasse wahrgenommen haben.

Wie viele Kameras hatten Sie im Einsatz?
Eine einzige. Mir lag daran, dass die Schüler immer mitbekamen, wenn sie gefilmt wurden und nicht etwa von einer zweiten Kamera in ihrem Rücken aufgenommen wurden. Und versteckte Kameras kamen deshalb schon gar nicht in Frage. Mir war wichtig, immer auf Augenhöhe mit den Kindern zu agieren.

Wie sind Sie mit den teils sehr intimen Situationen umgegangen? Beispielsweise in der Szene, in der Pranvera, ein albanisches Mädchen, ihrer Lehrerin unter Tränen erklärt, sie werde in der Regelschule gemobbt.
Solche Situationen bedürfen in jedem Einzelfall der Abwägung. Hier war es so, dass Pranvera in die Klasse kam, in der die Kamera lief und mit Ute Veccio sprechen wollte. Diese hat das Mädchen dann gefragt, ob sie lieber in einen anderen Raum gehen sollten. Daraufhin hat Pranvera erklärt, das sei schon okay so. Hätte sie sich anders entschieden, wäre ich den beiden natürlich nicht gefolgt.

Stand die Entscheidung, das Schulgelände mit der Kamera nicht zu verlassen, von Beginn an fest?
Nein, das habe ich erst nach zwei, drei Wochen beschlossen, nachdem ich feststellte, dass in so einem Klassenraum nicht nur über Mathe und Deutsch, sondern auch sehr viel über das ganze Leben gesprochen wird.

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Man bekommt ja im Laufe des Films eine Menge von den Biografien und Lebensumständen der einzelnen Schüler mit. Und ich finde es viel spannender, wenn sich die Zuschauer aus den Erzählungen nach und nach ein Bild machen können, als wenn ich die Kinder auch noch daheim besucht hätte. Außerdem haben solche Homestories ja auch immer etwas von Sozialpornos. Und sowas wollte ich auf keinen Fall.

Warum schwarz/weiß?
Es gibt zwei Gründe. Schule ist ein unglaublich bunter Ort. Die Wände sind voller Poster und Bilder, die Stühle sind rot, die Tische gelb und natürlich ist die Kleidung der Kinder bunt. In solch einem Farbenmeer würden Gesichter glatt untergehen. Ich wollte mich in diesem Film aber, ähnlich wie in der Porträt-Fotografie, ganz und gar auf die Menschen konzentrieren. Um wollte ich den Schulalltag durch die Reduktion aus jener Flut an Bildern herausnehmen, die man aus anderen Reportagen und Berichten kennt.

Wäre „Klasse Deutsch“ ein Spielfilm, könnte man Ihnen vorwerfen, die Figur der Lehrerin sei in ihrem Engagement und ihrer Geduld völlig überzeichnet. Und zwischendurch streicht sie auch noch allein den Klassenraum…
Dass Lehrer ihre Klassenzimmer streichen, ist ja in Deutschland inzwischen normal. Wobei meistens die Eltern helfen, aber das wäre in diesem Fall etwas schwierig gewesen. Bei Ute kommt dadurch aber auch eine Wertschätzung ihrer eigenen Arbeit und der Respekt vor den Kindern zum Ausdruck.

„Klasse Deutsch“ läuft im Odeon-Kino am Donnerstag, 16. Mai, Freitag, 17. Mai, Samstag, 18. Mai, Sonntag, 19. Mai, Montag, 20. Mai und Dienstag, 21. Mai, jeweils ab 18.30 Uhr. Am Mittwoch, 22. Mai, beginnt die Vorführung um 15.15 Uhr.

Text: Reinhard Lüke

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