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Südstadt

Suchthilfezentrum: Transparenz im Planungsprozess gefordert!

Donnerstag, 5. Februar 2026 | Text: | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es geht sofort los, noch ehe ich weitere Fragen stelle, diskutieren sie schon.

Was sind Zutaten für Gelingen?

Sie, das sind Sebastian Endres von der Bewohner*innen-Initiative südi bleibt solidarisch und Andreas Zittlau, Vorstand der IG Pantaleonsviertel. Ersterer gehört zu ausdrücklichen Befürworter*innen des Suchthilfezentrums am Perlengraben, auch in der eigenen Nachbarschaft, letzterer zu den Gegner*innen des Standorts.

Sebastian Endres im Gespräch auf der städtischen Info-Veranstaltung am 20. Januar (Bild: Judith Levold)

Andreas Zittlau am Mikro der Fragestunde bei der städtischen Info-Veranstaltung (Bild: Judith Levold)

Ich möchte beide zusammen interviewen und habe ihnen schon vorab dazu die Frage gestellt, die mir als erstes in den Sinn kam: Was für Zutaten bräuchten wir in Köln, um so ein dringend benötigtes Suchthilfezentrum, auch am Perlengraben gelingen lassen zu können?

Demokratiedefizit in der Planung?

Wir treffen uns in einem Café am Waidmarkt. „Wo kommt überhaupt das Geld her?“, fragt sich Andreas Zittlau, kaum dass er sitzt und Sebastian Enders pflichtet bei: „Ja, das möchten auch wir gerne wissen, wie alles finanziert wird und ob das fürs Gelingen ausreichend finanziert ist.“

Ihm gehe es vor allem um Transparenz, betont Zittlau. Doch Sebastian Endres findet, dass die IG-Pantaleon schon eine klare Anti-Position vertrete, also strikt gegen den Standort sei. Und eben auch eine Anti-Kampagne betreibe und damit Ängste schüre. Ein Umstand, auf den erfahrungsgemäß gerne `die Rechten´ aufsprängen, wie er meint. Die Nachbarschaft werde damit gespalten. Doch Andreas Zittlau entgegnet: „Nee, ganz wichtig: Ich war am Anfang gar nicht gegen den Standort, weil ich mich mit dem Thema gar nicht auskannte. Ich hab einfach so´n Demokratie- und Informationsdefizit gesehen, fand es unmöglich, dass uns sowas einfach so vor die Nase geknallt wird.“

Entscheidungsfindung offenlegen

Doch tatsächlich muss man festhalten, dass das Ganze bis hierher formal klar demokratisch gelaufen ist. Denn in einer parlamentarischen Demokratie läuft es halt so: gewählte Vertreter*innen beschließen etwas, beauftragen die Verwaltung mit Prüfaufträgen und entscheiden dann nach Auswertung deren Ergebnisse.
Und Ergebnis der Prüfung optionaler Standorte in Neumarktnähe war laut Dezernent Harald Rau eben, dass der Perlengraben der beste bzw. sogar der „einzig mögliche“ sei, um schnell ein solches Zentrum realisieren zu können. Andreas Zittlau und andere Gegner*innen des Suchthilfezentrums am Rande ihres Veedels hatte das schon bei der Info-Veranstaltung der Stadt am 20. Januar nicht überzeugt. Sie möchten Offenlegung und Aufklärung zu der Entscheidungsfindung: Welche Standorte wurden geprüft? Warum wurden sie gegenüber dem Perlengraben verworfen?

„Denn wenn Harald Rau bei der Beurteilung Fehler unterlaufen sind oder er eine andere Agenda verfolgt hat, dann möchten wir das wissen“, so Zittlau.

Auf diesem Stück Grün am Perlengraben soll es entstehen. das Suchthilfezentrum, nach dem beschlossenen „erweiterten Suchthilfekonzept“. Die Nachbarschaft ist uneins – es gibt Gegner*innen und Befürworter*innen (Bild: Judith Levold)

Sich einbringen

Und da unterscheiden sich die Forderungen der IG Panteleon von denen der Initiative Süd bleibt solidarisch dann nicht so stark, denn auch Sebastian Endres sagt: „Klar, das gilt es zu prüfen, ob der Standort schon `da´ war, bevor die Kriterien darauf zugeschnitten wurden.“ Transparenz sei wichtig und die Möglichkeiten, in die weitere Planung einbezogen zu werden. „Also wenn der Beirat eingerichtet wird, werden wir uns da auf jeden Fall einbringen“, fügt Endres hinzu, der vom Blaubach aus seiner Mietwohnung genau auf den Perlengraben schaut.

Offene Fragen klären, bevor man baut

Auch wenn die Haltung der beiden Nachbarschaftsgruppen sich unterscheidet -die einen sind für das Zentrum und die anderen wollen es verhindern-, ist für beide klar: Das Konzept ist ihnen noch nicht ausgereift genug, zu viele Fragen etwa nach der Ausgestaltung der Sicherheitsmaßnahmen, den Abläufen im Inneren des Zentrums, der Finanzierung und den Möglichkeiten, nachzubessern, seien noch offen und sollten geklärt werden, bevor das Zentrum tatsächlich dort hingebaut wird.

Wenn es heute im Stadtrat zu einer erwartbare Mehrheit für die weiter vorgesehene Planung des Suchthilfezentrums kommt, wollen beide Initiativen sich für Transparenz und vor allem eine wirklich gute Umsetzung der Planung gemäß eines „erweiterten Suchthilfekonzepts“ engagieren.

Ja, wenn…

Unter welchen Voraussetzungen er denn „Ja“ sagen könnte zu einem Suchthilfezentrum, auch in seinem Veedel, frage ich Andreas Zittlau und er antwortet prompt: „Wenn 100prozentig garantiert wird, dass es im Umfeld des Zentrums keine Dealerei gibt.“ Und auch Endres findet wichtig, dass die Bedenken der Bewohner*innen eben aufgegriffen werden, dass erklärt werde, wie es mit der Security vor Ort sein und ob genug Personal da sein werde, um auch mögliche Vermüllung mit Spritzen etc. im Umfeld zu beseitigen.

Eine Ratsentscheidung PRO Planungsbeschluss findet Andreas Zittlau aber trotz seiner Kritik bisher nicht nur schlecht, weil man dann ja auch die Option habe, dagegen „juristische Schritte“ einzuleiten. „Aber sowas hält doch die Prozesse wieder total auf“, ärgert sich Sebastian Endres. „Doch die Menschen brauchen schnell Hilfe.“ Ja, aber das sei legitim, entgegnet Zittlau, denn in dieser ganzen Planung seien halt „letzte Schritte vor den ersten“ gemacht worden. Davon bleibt er fest überzeugt.

Gutes Design für Akzeptanz

Wie sie sich denn ein solches Zentrum rein gestalterisch vorstellen, will ich noch wissen, denn bekanntermaßen sind Architektur und Design ja nicht unwichtig für Akzeptanz in der Umgebung. „Das darf nicht `arm´ aussehen, wie ein billiges Provisorium“, findet Andreas Zittlau. Und Sebastian Endres ist wichtig, dass es großzügig geplant wird, mit ausreichend Freifläche und vor allem in einem Wechselbetrieb mit den anderen geplanten Einrichtungen, denn „beim Perlengraben soll es ja nicht bleiben“.

Das Gespräch zeigt mir, auch wenn es zu Beginn hitzig und oft ins Wort fallend von beiden Seiten zugeht – am Ende hört man einander mal zu und es gibt sogar Schnittmengen bezüglich der Forderungen an die Stadt – aus unterschiedlichen Hintergründen, aber immerhin.

Und dann werden wir wegen des Betriebsschlusses so holterdipolter aus dem Café gefegt, dass ich glatt -und erstmalig- ein Foto von den Beiden zu machen vergesse und hier Bilder vom 20. Januar einbauen musste. Aber, denke ich, dieses persönliche Zusammentreffen war sicher nicht das letzte.

Text: Judith Levold

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