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Gesellschaft

„Ach Ebola! Wenn die Regenzeit und Ramadan kommen, wird alles weggespült.“

Montag, 8. September 2014 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Das Wohnzimmer von Ibrahim Sory Touré und Cordelia Hoppe an der Bottmühle Nr. 1 ist gleichzeitig ihr Büro. Von hier aus koordiniert das Paar, das sich vor elf Jahren beim Salsa-Tanzen in Köln kennenlernte, seine ehrenamtliche „Hilfe für Guinea e.V.”. Momentan müssen sie viel umplanen, denn der Virus Ebola bedroht das Land und seine 10 Millionen Einwohner an der Atlantikküste heftig. Nicht anders sieht es in Nachbarstaaten wie Senegal, Nigeria, Liberia oder Sierra Leone aus. Mehr als 1900 Menschen sind dem Virus in Westafrika schon zum Opfer gefallen, ein Ende ist nicht in Sicht. Elke Tonscheidt hat mit Cordelia und Ibrahim gesprochen.

Mit einer kleinen Ecke im Keller für Sachen, die nicht mehr gebraucht werden, fing alles an: „Das nehmen wir mit nach Afrika.“ Ibrahim Touré und Cordelia Hoppe erinnern sich gut. Auch an die Fragen anderer, „was wir mit den ganzen Sachen dort machen wollen“, sagt Ibrahim, der vor 40 Jahren in Guinea geboren wurde und seit 2004 in der Südstadt lebt.

2007 wurde aus dieser kleinen Ecke ein gemeinnütziger Verein, der notleidende Menschen in Guinea unterstützt; besonders Kinder, Frauen und Behinderte, die verstoßen und gedemütigt auf der Straße leben. Die Hauptantriebsfeder des Ehepaars: Menschen zu helfen, „es ohne neue Abhängigkeiten von uns Idealisten und Helfern zu schaffen“. Zusammen mit seiner Frau Cordelia Hoppe, die bereits vor 21 Jahren in den Kölner Süden kam, fördern sie v.a. Projekte im Bildungsbereich und in der Gesundheitsvorsorge. So entstand eine mobile Arztpraxis zur medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum, eine Schule befindet sich im Aufbau.

Meine Südstadt: Im März meldete Guinea den Ebola-Ausbruch. Seitdem breitet sich das Virus rasant aus – was bedeutet das für Eure Arbeit?
Ibrahim: Im März waren wir sogar noch in Guinea. Lange haben wir überlegt, ob wir abreisen müssen; die ganze Familie war vor Ort. Wir blieben und sichteten täglich die aktuellen Meldungen der französischen Botschaft und im Internet zu Ebola…

Wir groß war Eure Angst?
Cordelia: Wir hatten viele schlaflose Nächte. Die Angst, uns selbst anzustecken, begleitete uns überall – besonders die Angst um die Gesundheit unserer Kinder. In Absprache mit den beiden Vorstandsmitgliedern in Deutschland legten wir unsere „Mobile Arztpraxis“ still. Leider bis heute, denn sonst wird das Personal gefährdet. Auch wurden alle geplanten Operationen für Kinder mit Nabel- oder Leistenbrüchen abgesagt, da wir Krankenhäuser aufgrund der desolaten Hygiene und nicht vorhandenen präventiven Maßnahmen nicht mehr betreten wollten. Unsere geplante Feier für die Körperbehinderten, um Rollstühle und eine mobile Rollstuhlwerkstatt zu übergeben, wurde auf eine kleine Übergabe reduziert.

Also stets die Angst im Nacken?
Ibrahim: Ja, persönlich gaben wir zur Begrüßung keine Hand mehr. Das ist in einem Land, in dem Körperkontakt – wie Anfassen oder am Arm festhalten – üblich ist, sehr schwer. Wir wurden oft belächelt und hörten: „Ach Ebola, wenn die Regenzeit und Ramadan kommen, wird alles weggespült“. Die Leute in Guinea sind sehr wenig informiert und aufgeklärt über Ebola, die Traditionen sitzen tief…

Wie habt Ihr trotzdem weiter gemacht?
Cordelia: Wir mussten Menschenansammlungen meiden. Wenn wir für Unterlagen in den entsprechenden Ministerien unterwegs waren, haben wir große Bögen um Menschengruppen gemacht. Und wir hatten immer für alle Familienmitglieder ein Hemd mit langen Ärmeln im Gepäck sowie jede Menge Desinfektionsspray.

Ibrahim: Trotz dieser sehr erschwerten Bedingungen, haben wir aber versucht, unsere Arbeit fortzusetzen. Wir konnten eine Schule mit Schultischen und Bänken ausstatten. Wir haben Gespräche mit den Kindern und Eltern der Körperbehinderten geführt, für die wir Paten in Deutschland suchen, damit sie erstmals in die Schule gehen können.

Was gehört noch zu Euren Aufgaben?
Cordelia: Mögliche Objekte sichten, die als Schulgebäude in Frage kommen. Außerdem haben wir ein Präventionsteam zusammengestellt und fortgebildet zu den Themen Malaria, Würmer und Familienplanung. Wir haben das Team auch zur Präventionsarbeit in die Schulen begleitet.

Ihr wolltet im Oktober wieder vor Ort sein, musstet das jetzt aktuell canceln. Habt Ihr neue Pläne?
Cordelia: Ebola durchkreuzt leider noch immer unsere Pläne. Ja, unsere geplante Reise nach Guinea im Oktober ist vorerst auf Eis gelegt. Bis Ebola eingedämmt ist. Momentan gibt es kaum noch Flüge nach Guinea. Die wenigen Fluggesellschaften, die Guinea anfliegen, haben ihre Flüge gestrichen.

Die Schule kann also nicht eröffnet werden?
Ibrahim: Ja, ist bis auf weiteres verschoben. Auch der Krankenwagen liegt nach wie vor still und OPs werden nicht durchgeführt. Es ist echt schlimm.

Cordelia: Das Präventionsteam soll aber weiter in den Schulen aufklären. Auch das Thema Ebola nehmen wir mit ins Programm auf. Wir nutzen die Zeit hier in Köln, um an geeignetes Material zu gelangen, was wir dann nach Guinea versenden werden.

Das Ende für das Schulprojekt?
Ibrahim: Nein! Aber wir brauchen dringend Spendengelder und Patenschaften. In Guinea ist es üblich, ein Objekt, das man mieten will, zwei Jahre im Voraus zu bezahlen. Wir brauchen also 6000 Euro für den 2 –Jahres-Mietvertrag. Wir haben 30 Patenkinder, die einen Paten suchen mit monatlich 30 Euro.

Was finanziert Ihr von diesem Geld?
Cordelia: Sachkosten wie Schulmaterial, Schulbücher, Schuluniform, eine warme gesunde Mahlzeit sowie Personalkosten (Gehälter für Lehrer, Köchin, Putzfrau). Nach 2 Jahren stehen dann auch wieder die monatlichen Mietkosten an.

Von welcher Vision lasst Ihr Euch leiten?
Ibrahim: Wir möchten ein eigenes Grundstück erwerben und darauf ein eigenes Schulgebäude mit Sportplatz, Bibliothek, Computerraum, Küche und Speisesaal errichten. Dafür brauchen wir 80.000 Euro. In dieser Schule sollen auch Kinder mit Behinderung lernen dürfen. Momentan werden sie von allem ausgeschlossen.

Was können die Kölner tun um zu helfen?
Cordelia: Als kleiner Verein freuen wir uns über jeden Spendenbeitrag. Natürlich sind alle Gelder steuerlich absetzbar.

Ibrahim: … und jeder Cent geht direkt in unsere Projekte, da wir die Arbeit hier und in Guinea ehrenamtlich abdecken. Alle Aufenthalte in Guinea, z.B. zur Projektbegleitung und Betreuung, haben wir bisher ausschließlich privat finanziert. Flüge, Essen, Unterkunft, da kommt einiges zusammen…

 

 

 

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Weitere Informationen zu „Hilfe für Guinea e.V.“ finden Sie hier.

Text: Elke Tonscheidt

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