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Kultur

Alles so schön bunt hier – Der Kommentar

Sonntag, 1. November 2015 | Text: Gastbeitrag | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Kunst am Bau ist, genau wie Kunst im Öffentlichen Raum, immer eine Zumutung. Irgendwann in den 1970ern war die Kulturpolitik der Meinung, es dürfe keinen Kreisverkehr, keinen öffentlichen Platz und kein Behördengebäude geben, das nicht durch Kunst veredelt würde. Eine Gesellschaft mit Kunst, so die Hoffnung der Verantwortlichen, müsse automatisch eine bessere Gesellschaft sein. Also stellten sie entsprechende Etats zur Verfügung. Weil aber Kunst nie mehrheitsfähig, nicht verhandelbar sondern reine Geschmacks- und damit Privatsache und oft nicht mehr als der Ausdruck von Zeitgeist ist, fristen nun umgekippte Metallpilze am Ebertplatz ebenso ihr trauriges, weil umstrittenes Dasein wie die naturalistische Willy-Millowitsch-Skulptur an Groß St. Martin oder das schon bei seiner Installation anachronistische geflügelte Auto des noch viel anachronistischeren „Aktionskünstlers“ und Selbstvermarkters HA Schult.

Ein privater Sammler kann nach eigenem Geschmack entscheiden, was zu Hause über dem Sofa hängen soll. Wenn es aber darum geht, öffentliche Orte zu schmücken oder – so heißt es oft in den Ausschreibungen – „mit Kunst auszustatten“, kommen Jurys und Wettbewerbe ins Spiel – und damit häufig auch das das Mittelmaß der Konsensentscheidung und die eigenen Entscheidungen derer, die das Geld geben. Plötzlich schmückt man dann nicht mehr nur einen Ort, sondern in erster Linie sich selbst. Leiden muss darunter aber die gesamte Öffentlichkeit.

Beispiel Chlodwigplatz: Katharina Grosse, die dort nun nach der Auswahl durch eine prominent besetzte Jury eine Arbeit umgesetzt hat, ist eine anerkannte Künstlerin, deren Arbeiten im In- und Ausland in wichtigen Museen und Ausstellungen zu sehen waren und sind. Die gebürtige Freiburgerin hat an Biennalen teilgenommen, Kataloge publiziert, Rezensionen in wichtigen Magazinen bekommen. Und dennoch haben ihre Arbeiten im Hinblick auf diesen Ort ein ganz entscheidendes Manko: Sie sind weitgehend austauschbar, entindividualisiert und damit für den öffentlichen Raum eigentlich nicht geeignet. Jedenfalls dann nicht, wenn die verantwortliche Jury den Anspruch gehabt hätte, es solle um eine konkrete Bildfindung für einen konkreten Ort gehen – ohne dass das Bild dabei ein gegenständliches hätte werden müssen. Auch andere Lösungen wären denkbar gewesen. Genau das aber ist nicht gelungen.

 

Seit 17 Jahren sprayt Katharina Grosse mit einer Spritzpistole Farbe auf Wände und auf andere Oberflächen: In Sidney und in Bern, in Hannover und Philadelphia, vor dem Kunstmuseum Bonn und auf dem Flughafen von Toronto und und und. Und ebensolang wird ihre Arbeit überall als „mutige Irritation“ und „Brechung der Sehgewohnheiten“ gefeiert. Von einem „furiosen Rausch der Farbe“ schwadroniert nun auch der Pressetext der KVB, der nicht einmal den Unterschied zwischen abstrakt und ungegenständlich zu kennen scheint – von einer „magisch schillernden Atmosphäre“ und einer „Wechselwirkung zwischen dem Bild und seinem Untergrund“ – das allerdings trifft auch auf 90 Prozent aller anderen Grosse-Werke weltweit zu. Noch banaler und noch unspezifischer liest sich der Begründungstext der Jury. Sie konnte aus 222 Bewerbungen und 13 Einladungen auswählen, die die Stadt und die Architekten der U-Bahn-Stationen ausgesprochen hatten. Dort heißt es über die Sprühpistolenmalerei der Künstlerin: „Hier am Chlodwigsplatz (sic) implementiert sie sich wie ein Virus in den U-Bahn-Räumen und verwirklicht sich als multiple Inszenierungsform: Sie ist zum einen illusionistische Farbräumlichkeit mit   vorgeblicher Tiefe und mimetischen Referenzpunkten, andererseits aber auch kühl-flaches Spraygeflecht, das jede Nähe zu auratisch-handschriftlicher Tafelbildlichkeit dementiert.“ Man muss dem Autor dieser Platitüden allerdings zugute halten, dass er nur den Entwurf und nicht die fertige Arbeit kannte.

Die nämlich ist schöne, bunte bekannte Wanddekoration à la Katharina Grosse – wie sie allerdings auch problemlos in Madrid, in Hamburg oder in St. Georgen jene Kunstfreunde entzücken würde, die Graffiti- und Spraykunst auch fast vier Jahrzehnte nach ihrer Entstehung und trotz ihrer umfassenden Vereinnahmung durch den Kunstmarkt noch für mutig, revolutionär und antibürgerlich halten. Die Kunst von Katharina Grosse ist all dies nicht. Sie ist gesellschaftskonform und angepasst – und inzwischen, wie die immer gleichen Nagelbilder eines Günter Uecker, auch ziemlich langweilig. Die Entscheidung der Jury für ihre Arbeit ist deshalb wieder nur  das Ergebnis einer verzweifelten Suche nach Konsens für Kunst im Öffentlichen Raum unter dem Deckmäntelchen der Progressivität.

Spannend wäre nun zu wissen, ob sich auch Künstler um die Gestaltung der U-Bahn-Haltestelle Chlodwigplatz beworben hatten, die tatsächlich bereit gewesen wären, konkret auf diesen Ort einzugehen, statt ihm ein vorgefertigtes Erfolgsmuster aufzuzwingen. Auf einen Ort, der nur um den Preis zweier verlorener Menschenleben und eines zerstörten Stadtgedächtnisses entstehen konnte. Der die Blickachse auf den jahrhundertealten Pilgerweg vom Dom über die Severinskirche nach Bonn durch einen vollkommen unsensibel platzierten Aufzugkubus zerstört hat und bei der Bevölkerung nicht nur wegen seiner völlig absurden Kosten-Nutzen-Relation nach wie vor hoch umstritten ist.

Dass auch Kunst im U-Bahn-Tunnel durchaus zu konkreten Bezügen in der Lage wäre, zeigt die von der gleichen Jury für den Heumarkt ausgewählte Arbeit von Werner Reiterer: Der Österreicher will in unregelmäßigen Abständen einen Geisterzug durch den unterirdischen Bahnhof fahren lassen, der nur über die Lautsprecher zu hören, nicht aber zu sehen ist. Diese Arbeit gilt Vielen schon jetzt als Mahnmal für die mutmaßlichen Opfer der neuen Kölner U-Bahn. Katharina Grosses Wandbild hingegen wird nie anders als als gefällige Dekoration wahrgenommen werden.

 

Stefan Koldehoff
Der Gastautor ist Kulturredakteur des Deutschlandfunks.

Text: Gastbeitrag

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