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Kultur

Auf einen Tee mit Ulla van Daelen

Freitag, 31. Oktober 2014 | Text: Alida Pisu

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Sie ist eine Ausnahme-Musikerin: Ulla van Daelen, Harfenistin und Komponistin, hat ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt und ist als Botschafterin innovativer Harfenmusik unterwegs. Am 1. November gibt sie mit „Time for Harp“ – Ulla van Daelen & friends, ein Konzert in der Südstadt. Meine Südstadt traf sich mit ihr im Cafe Sur auf einen Tee.

Meine Südstadt: Eine vielleicht etwas ungewöhnliche Auftakt-Frage. Ihr Lieblingsgericht ist Kaiserschmarrn. Wie würde sich das auf der Harfe anhören?
Van Daelen: (lacht) Wahrscheinlich wie ein Wiener Walzer. So ein typisch österreichisches Gericht, dabei würde ich an Johann Strauß denken, etwas richtig Schönes, wo die Harfe drin schwelgen kann.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Harfe entschieden?
Ich komme ja eigentlich vom Klavier. Dann haben meine Eltern mich mal mitgenommen zu einem Harfen-Konzert. Die Harfenistin war eine Französin, die ein rosafarbenes Paillettenkleid trug, mit den dazu passenden Schuhen. In der Kombination mit einer goldenen Harfe, sah es aus wie ein Gesamtkunstwerk, das mich als Elfjährige total begeistert hat. Als meine Eltern mich fragten, ob ich nicht Harfe lernen wollte, habe ich sofort „Ja“ gesagt. Für mich hat diese optische Faszination den Ausschlag gegeben. Man vergegenwärtigt sich als Kind ja nicht, dass man auch ein ziemliches Transportproblem zu bewältigen hat. Eine Harfe wiegt immerhin fünfzig Kilo.  

Sie waren langjährige Solo-Harfenistin des WDR-Rundfunkorchesters. Was war das Schönste daran?
Als ich mit meinem Studium fertig war, hatte ich das Glück, dass gerade Stellen bei bedeutenden Orchestern frei waren. Ich habe zuerst beim WDR vorgespielt und damit war meine Entscheidung auch schon gefallen. Zu den Berliner Philharmonikern bin ich erst gar nicht mehr gefahren. Es war eine großartige Erfahrung, in so einem Klangkörper das Zusammenspiel zu erleben. Wir haben in der Semper-Oper gespielt, in Barcelona und anderswo, das waren wunderbare Konzerte. Durch den WDR, durch die Arbeit mit den Künstlern dort, habe ich natürlich auch tolle Leute kennengelernt. Nicht nur Dirigenten, sondern auch Solisten, Sänger. Andere Instrumentalisten, gerade auch im Jazz-Bereich, haben tolle Projekte mit der Big Band gemacht, das fand ich sehr bereichernd. Es hat mich geprägt, ich möchte die Zeit nicht missen.

Sie arbeiten ja auch als Komponistin, sind bekannt für Ihre innovative Harfenmusik. Wie hat sich das entwickelt?
Improvisiert habe ich immer schon, auch als Kind. Aber damals fiel mir im Traum nicht ein, dass ich da mal was aufschreiben und Stücke draus machen würde. Es gibt für Harfe einfach nicht so viel an Literatur wie fürs Klavier. Die meisten Stücke sind aus der Spät-Romantik, das hat mich gestört. Mir fehlte vor allem das rhythmische Element. Also habe ich damit begonnen, zu komponieren. Und da ich immer schon ein Faible für Jazz und Folklore hatte, habe ich auch Klänge und Rhythmen von Jazz und Folk in meine Kompositionen übernommen. Dabei ist mein „Classic – Folk – Jazz“ – Stil entstanden. Ich fusioniere sozusagen die Einflüsse aus verschiedenen Stilrichtungen und mache daraus mein eigenes Ding.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Das Wichtigste ist für mich die Stille. Eine Zeitlang war ich umzingelt von Baustellen, wurde zugelärmt. Ich arbeite auch viel zu Hause, bin darauf angewiesen, meine Ruhe zu haben. Dann habe ich mich so gesehnt: „Endlich mal Stille“, dass ich aufs Land gefahren bin, zu Freunden und da war der Rasenmäher im Dauer-Einsatz. Ich habe gedacht: „Das hältst du im Kopf nicht aus“, bin raus in die Natur, ein paar Kilometer gelaufen und habe eine wunderschöne Stelle gefunden, wo ich so über die Felder guckte, unter einem Apfelbaum saß, auf einer alten Bank. Da waren nur noch Vogelgezwitscher und der Wind, nur Naturgeräusche, die ich dann hörte. Das war eine solche Erholung. Ich brauche auch mal den Weitblick, dass man so in die Ferne schauen kann, das Grün der Natur beruhigt ja auch. Für mich ist Natur meine Inspirations-Quelle.

Ihr unvergesslichstes Erlebnis?
Das war 2005, ich habe die Cebit in Hannover mit einem Konzert eröffnet. Ich saß ganz allein mit meiner Harfe auf der Bühne, vor mir 2000 Menschen. Kanzler Schröder hatte geredet und ich dachte nur: „Was, wenn jetzt eine Saite reißt? Besser gar nicht erst drüber nachdenken…“

Gibt es noch etwas, das Sie gerne einmal machen würden?
Ja, da gibt es noch einiges an Zukunftsmusik. Ich würde gerne mal mit guten Sprecherinnen und Sprechern arbeiten, z.B. ein Hörspiel machen. Oder auch mit der Harfe therapeutisch arbeiten. In Heiligenfeld, das ist eine psychosomatische Klinik, habe ich mal einen Vortrag gehalten: „Techno oder Mozart – Wie Musik das Bewusstsein verändert“. Im alten Ägypten ging man davon aus, dass jemand, der krank war, seinen eigenen Ton verloren hatte. Den musste er wiederfinden.

Und wie findet man den?
Gute Frage. Ich hatte meinen mal gefunden und konnte danach so singen, das die Leute mich gefragt haben: „Du bist doch Opernsängerin?“

Worauf dürfen die Zuschauer sich bei Ihrem Konzert „Time for Harp“ freuen?
Auf ein Trio-Konzert: mit Groove und Herzblut gibt’s neue, weltmusikalische Harfenklänge. Mit dabei sind Bassist Urs Fuchs, “Perkussions-Zeuger” Klaus Mages, als besonderes Highlight eine Tanzperformance von Heike Glebe. Außerdem kommen noch Überraschungsgäste. „Time for Harp“ ist ja so etwas wie ein übergeordnetes Leitmotto. Darin steckt nicht nur, dass man sich Zeit nimmt für Harfe. Es ist auch an der Zeit, dass die Harfe aus dem Orchestergraben herausgehoben, ins Rampenlicht gerückt wird und die Möglichkeiten dieses Instrumentes aufgezeigt werden. Seit vielen Jahren ist das schon mein Motto, mit dem ich unterwegs bin. Entweder solo, im Duo oder wie jetzt als Trio.

Was schätzen Sie an der Südstadt?
Ich bin gerne in der Südstadt. Sie hat ein ganz eigenes Flair. Die Läden hier sind toll, es gibt so viele nette Cafes, schöne alte Häuser und man ist schnell am Rhein. In den letzten Jahren bin ich hier schon öfter aufgetreten und es war immer eine ganz spezielle Atmosphäre. Die Leute hier sind einfach offen für vieles.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Wer sich von Ulla van Daelen & friends zeigen lassen will, was eine Harfe ist:
„Time for Harp“ am 1. November 2014 um 20.00 Uhr.
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln
 

Text: Alida Pisu

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