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Lükes Liebes Leben

Baby statt Klappspaten – Lükes liebes Leben

Montag, 29. August 2016 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Letztens rumpelte es irgendwann frühmorgens unter meinem Fenster. Aha, Bauarbeiter, die mal wieder die Straße aufreißen. Dachte ich jedenfalls. War aber nicht. Schon nach wenigen Minuten war der Spuk schon wieder vorbei. Seitdem stehen jetzt vor meiner Haustür drei imposante Schilder, die kundtun, dass da Montag bis Donnerstag keiner parken darf. Absolutes Halteverbot. Was ich durchaus erstaunlich finde, da ich in einer Fußgängerzone wohne, wo ohnehin absolutes Fahr- und dementsprechend auch Halteverbot herrscht. Ganzjährig. Rund um die Uhr. Weshalb das pfiffige Ordungsamt da jetzt ein Extra-Haltverbot im Normal-Halteverbot angeordnet hat, ist den Schildern leider nicht zu entnehmen. Vermutlich komme ich, bzw. meine ungeputzten Fenster mal wieder ins Fernsehen. Dreharbeiten. Gut, dass meine Mutter das nicht mehr erleben muss. Die verdreckten Scheiben am Haus ihres Sohnes in ihrem Fernseher! Und in denen der Nachbarn womöglich auch. Die hätte sich vor lauter Scham in ihrem Dorf eine Woche lang nicht vor die Tür getraut.

Geil in der Dorfkirche
Vor ein paar Wochen war ich da mal wieder. In meinem Heimatdorf im Ostwestfälischen. Der Anlass war ein familiärer Gedenktag, inklusive Gottesdienst. Ich gehöre ja nun keinem religiösen Verein an, breche mir aber auch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich so einer Veranstaltung mal beiwohne. Ist ja immer auch eine gute Gelegenheit, mal zu schauen, wer von den Mitbürgern meiner Kindheit noch so alles unter den Lebenden weilt.

Auf dem Land ist der sonntägliche Kirchgang schließlich noch festes Ritual. Dachte ich. Aber von wegen. Ich erlebe es als Endfünfziger nun wirklich nicht mehr allzu häufig, dass ich auf Veranstaltungen das Durchschnittsalter senke, doch hier gelang mir das höchst geschmeidig. Zum einen war die Bude alles andere als rappelvoll, zum anderen waren die meisten der wenigen Besucher locker über 70. Kinder konnte ich problemlos ganze drei ausmachen. Der Mittelbau zwischen 18 und 60 fehlte nahezu komplett. Dabei war das der einzige Gottesdienst am gesamten Wochenende. Das Kaff hat zwar inzwischen mehr als 2000 Einwohner, aber längst keine Kneipe und keinen eigenen Pfaffen mehr. Stattdessen kommt sonntags einer aus irgendeinem Seelsorgerpool vorbei, der mehrere Gemeinden nacheinander abklappert. Und der, der am nämlichen Sonntag Dienst hatte, sorgte denn doch noch für eine echte Überraschung. Denn dass ich in dem altehrwürdigen Gotteshaus aus dem Munde eines geweihten Mannes noch mal das Wort GEIL vernehmen würde, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Doch der Mann kam offenbar vom modernen Flügel des Katholizismus und fand es angebracht, im Rahmen seiner Predigt den kompletten Text des Silbermond-Gassenhauers „Leichtes Gepäck“ vorzutragen. Weil er ihn nach eigenem Bekenntnis für überaus „tiefgründig“ hielt. Da kam zusammen, was zusammen gehört. Wer Lieder mit schlichten Texten schreibt, die wie Wellness-Tipps für Brigitte-Abonnentinnen anmuten und die dann auch noch als Pop ausgibt, muss sich nicht wundern, wenn er in der Dorfkirche landet. Entsetzt aufgestöhnt hat beim Vortrag der geilen Zeilen übrigens niemand.

Hat womöglich damit zu tun, dass da auch nicht von Raserei und Fleischeslust sondern von von einem „geilen Gefühl“ die Rede ist. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die ganze Nummer an den betagten Landfrauen komplett vorbeigerauscht ist. Und der Empfehlung des frommen Mannes, den Text doch daheim im Internet nochmal nachzulesen, werden die auch kaum nachgekommen sein. Landfrauen über 70 sind nicht im Internet daheim. Sollte man als progressiver Dorfpfarrer eigentlich wissen. Aber mir kann´s ja egal sein. Ich hatte nur immer gedacht, dass die Katholische Kirche es auf dem Land noch ein paar Jahrzehnte länger machen würde als in den Großstädten. Schon wegen der nachbarschaftlichen Sozialkontrollen. Doch nach diesem gruseligen Besuch bin ich vom Gegenteil überzeugt.

Schützen schwitzen
Was zum Wetter am Wochenende? War doch eigentlich prima gewesen. Für gewisse Dinge aber auch allzu prima. Vielleicht täusche ich mich, aber mir kam der Besucherandrang beim Nachbarschaftsfest auf der Merowinger am Samstag Nachmittag vergleichsweise spärlich vor. Und Reibekuchen gingen bei über 30° im Schatten auch nich so richtig dolle. Nächstes Jahr im Vorfeld vielleicht nicht nur beten, dass es nicht regnet. Aber am 2. Tag soll´s besser gewesen sein. Nichts anhaben konnten die Temperaturen hingegen offenbar den unbedingt amüsierwilligen Karnevalisten, die am Samstag in spärlicher Kostümierung die Absurdität des Sommerkarnevals begingen. Aus dem Brauhaus an der Severinstraße flossen Kölsch und Schweiß jedenfalls in Strömen. Am Sonntag hab´ ich dann Türen und Fenster geschlossen gehalten und mich kurz nach Mittag bei unserem Ortsheimatsender WDR Fernsehen eingeloggt. Bürgerschützenfest in Neuss. Drei Stunden lang. Wenn ich sehen darf, wie feisten, bemützten Schützenbrüdern in wintertauglichen Uniformen mit und ohne Holzgewehr bei brütender Hitze die Suppe aus allen Poren tritt, weiß ich wieder, wofür ich eigentlich Gebühren zahle. Nun ist das Jahr dann aber auch bald wieder rum. Seppelhosen und sonstiger Oktoberfest-Plunder hängen selbst bei Aldi schon seit Anfang August rum und die ersten Nikoläuse und Printen sind für nächste Woche angedroht. Neu bei diesem Trend erscheinen mir die Floristen, die jetzt auch schon im Hochsommer ihre Töpfe mit Chrysanthemen-Büschen feilbieten. Früher waren die der letzte Versuch, dem heimischen Garten vor Wintereinbruch noch ein paar Farbtupfer zu verpassen. Aber früher ist ja heute nicht mehr.

Aber nun wenigstens noch eine frohe Botschaft zum Schluss: Die Homepage meines Internet-Providers, die mich ungebeten täglich mit den neuesten Nachrichten versorgt, teilte mir vor einen paar Tagen mit: „Tagesthemen-Sprecherin Pinar Atalay ist schwanger“. Weil man das seitens der Redaktion offenbar nocht nicht für eine veritable Nachricht hielt, gab es zur Erklärung noch die Unterzeile: „Sie bekommt ein Baby.“ Ach, was. Doch keinen Klappspaten oder Staubsauger? Ein Baby! Wie schön. Sei ihr gegönnt.

 

Text: Reinhard Lüke

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