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Gesellschaft

„Bei mir ist jeder gleich“

Montag, 15. April 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

– eine Stunde auf Fußstreife mit dem Polizisten Jörg Bermbach.
Dunkelblaue Uniform, weiße Schirmmütze: das ist seit Ende 2009 die neue „Wachdienstuniform“ der Polizei Nordrhein-Westfalen. „Früher waren wir die Grünen, jetzt sind wir die Blauen“, kommentiert Jörg Bermbach. Der Name steht auch in Silber auf der Uniform. Seine Ausrüstung: Im Holster eine Pistole, Kaliber 9 Millimeter. „Aber die würde ich nur benutzen, wenn ich wirklich angegriffen werde. Ich würde keinem hinterherschießen, der wegläuft.“ Außerdem immer dabei: Ein „Reizstoff-Sprühgerät“, sprich: Pfefferspray. „Aber ich versuche, alles verbal zu regeln. Und das hat all die Jahre auch gut geklappt.“

Getroffen haben wir uns in der Caffè-Bar am Ubierring – und erfahren als erstes: Das hier ist die nördliche Grenze von Jörg Bermbachs Einsatzgebiet. Um die 10.000 Bürger soll ein Bezirksbeamter der Polizei betreuen. Für Jörg Bermbach sind das von Nord nach Süd die Menschen zwischen Ubierring und Eisenbahn-Linie, und von West nach Ost zwischen Bonner Straße und Rheinauhafen. Allerdings zählt der Rheinauhafen komplett dazu, bis zum Malakoff-Turm am Schokoladenmuseum. „Südstadt Ost“ nennt sich das Ganze. Und wir sind inzwischen in der Mainzer Straße, Großrichtung Eierplätzchen.

Jörg Bermbach ist seit 36 Jahren bei der Polizei und seit 1998 in der Südstadt. „Diesen Job kann man nicht nur zwei Jahre lang machen“, sagt er. „Mir geht es darum, Vertrauen zu schaffen. Wir wollen uns im Viertel zeigen und angesprochen werden.“ Gibt es eine Hemmschwelle bei den Menschen wegen der Uniform? „Nein. Man muss schauen, dass man zum Straßenbild dazugehört. Und Ihr Schritt ist zu schnell“, ermahnt er mich – und ich bremse auf das gemächlichere Tempo des Polizisten herunter. An der frischen Luft ist er viel: Wenn nicht gerade besondere Einsätze anstehen, verbringt er 80 Prozent der Zeit draußen – und den Rest im Büro in der Stolkgasse 47. Dort liegt die Polizeiinspektion Mitte.

Wir erreichen die Grundschule in der Mainzer Straße. Jörg Bermbach winkt durchs Fenster ins Büro. Drinnen ein freundliches Hallo: „Guten Tag, ich wollte mal hören, was es Neues gibt.“ Er nimmt die Mütze ab und kommt ins Gespräch mit Schulleiterin Barbara Sengelhoff. Ich frage nach dem Reizthema „Halteverbot vor der Schule“. „Das ist eine sensible Situation“, sagt Sengelhoff. „Für uns geht das gar nicht, dass viele Eltern da halten. Wir haben hier 200 Kinder zu der ersten und 200 zu der zweiten Abholzeit.“ Bermbach nickt: „Die Sicht muss freibleiben. Und die Eltern müssten einfach mal fünf Minuten früher aufstehen. Dann müssten sie ihre Kinder nicht direkt vor dem Schultor absetzen.“ Sprich: Das Halteverbot ergibt Sinn, und die Knöllchen kosten 15 bis 25 Euro. Ein paar Meter weiter am Eierplätzchen ist zu den Schulzeiten immer was frei.

 

Jörg Bermbach ins Gespräch mit Schulleiterin Barbara Sengelhoff.

Inzwischen haben wir auch gelernt: Jörg Bermbach arbeitet in mehreren Netzwerken, zum Beispiel im NEIS, dem „Netzwerk Erziehung in der Schule“, und im Senioren-Netzwerk, das auch eine Bürgersprechstunde anbietet. Wir erreichen das Eierplätzchen. Am Büdchen wird Bermbach von einer fröhlichen Dreiergruppe begrüßt. Auch Helmut ist dabei, der Hausmeister vom Baui. Oben weht eine rote Langnese-Fahne im Frühlingswind. „Das ist meine Infobörse“, sagt Bermbach freundlich.

Dann widmen wir uns einer gewichtigen Frage: Ist das Eierplätzchen ein Kreisverkehr oder nicht? Die Frage stellen sich viele Autofahrer, regelmäßig kommt es zu Hupkonzerten. Bermbachs Antwort: „Ein Ei ist nicht rund.“ Stimmt, denn offiziell ist das Eierplätzchen eben kein Kreisverkehr, das heißt: Es gilt rechts vor links. „Es passt in die Südstadt, dass hier einiges anders ist“, kommentiert der Polizist. „Wenn das ein normaler Kreisverkehr wäre, dann wäre das ja langweilig.“

Was ist mit den Jugendlichen auf dem Platz? Irgendwelche Auffälligkeiten? Immerhin sitzen und diskutieren sie bis spät in die Nacht hier. Das kann laut werden. „Die meisten von denen wohnen hier. Die müssen ja irgendwo hin“, sagt Jörg Bermbach. „Das Angebot für die 16- bis 18-Jährigen ist nicht so groß.“ Als Beispiele nennt er die „Ganz Offene Tür“ (GOT) in der Elsaßstraße und das Baui – wo wir jetzt hingehen, am Park entlang. Was ist mit Drogen? „Das Thema ist hier fast zu vernachlässigen, vor allem harte Drogen. Aber Marihuana, das wird schon geraucht von manchen Jugendlichen, zum Beispiel hinten im Friedenspark, nahe dem Baui.“ Wo wir gerade ankommen.

Und MT kann die Geschichten alle bestätigen, und zwar mit einem Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. MT, das ist Marietheres vom Baui, umringt von kleinen Kindern und gut gelaunt. Sie mag ihren Veedelspolizisten. „Der junge Mann in Blau, der kann auch kickern“, verrät sie. Und: „In einem Sommer, so vor sieben, acht Jahren, da hat er uns hier echt gerettet.“ Was war los? „Da hatten wir hier eine fiese Clique, und das entwickelte sich zum Drogenumschlagplatz. Ich selbst konnte nicht groß was tun, aber Jörg, der kam jeden Tag vorbei.“ Bermbach nickt: „Wenn man die Ecken öfter kontrolliert, dann werden die Plätze uninteressant.“

 

Wir schlendern durch den Park, Bermbach zeigt uns die kleinen, versteckten Ecken, wo immer wieder mal gekifft wird. „Wenn wir Hinweise auf BTM haben, dann überprüfen wir das.“ BTM, Betäubungsmittel. „Wir durchsuchen die Leute dann auch und können einen Platzverweis erteilen. Es gibt außerdem einen Bericht an die Dienststelle.“ Wie geht er denn mit den Leuten in solchen Situationen um? „Wie man in den Wald reinpfeift, so pfeift es wieder raus. Ich sieze jeden – es sei denn, es sind wirklich noch Jugendliche. Aber Obdachlose zum Beispiel, die sieze ich immer“, meint Bermbach – und sagt den schönen Satz: „Bei mir ist jeder gleich“.

Unsere Fußstreife erreicht das Seniorenzentrum Herz Jesu. Bermbach begrüßt eine Rentnerin, die vor dem Haus sitzt. Dann wird unser Gespräch ernster. Es geht um häusliche Gewalt in der Südstadt. „Das nimmt stark zu“, stellt Bermbach fest. Genau sagen, woran es liegt, kann er nicht: Vielleicht liegt es auch daran, dass viele sich das früher noch eher gefallen ließen – und heute früher was dagegen tun und die Polizei rufen.

Der Einsatz läuft dann so ab: Es kommt ein Streifenwagen, das Ganze wird dokumentiert, die Anzeige gefertigt. Und dann kommt §34a des Polizeigesetzes zum Tragen: Der Verursacher der Gewalt kann zum Beispiel ein zehntägiges Rückkehrverbot erhalten. Das heißt: Er (oder sie) darf zehn Tage lang nicht nach Hause. Die Zeit soll der/die Geschädigte nutzen, um Beratungsstellen aufzusuchen, das Familiengericht einzuschalten. Wer gegen das Rückkehrverbot verstößt, muss 500 Euro Zwangsgeld zahlen. „Wir überwachen das. Das gilt auch für Anrufe, SMS und dergleichen“, berichtet Bermbach.

Es gäbe noch viel zu erzählen von unserem Veedelspolizisten – der auch Haftbefehle vollstreckt, den Aufenthalt von Personen ermittelt, Führerscheine beschlagnahmt, und „Gefährder“ anspricht – also Personen, die nach einer Anzeige zum Beispiel uneinsichtig waren: Denen wird dann bei einem Hausbesuch ihre Lage nochmal erklärt. Unsere Stunde mit Jörg Bermbach ist um. Ist Polizist sein Traumjob? „Ich wollte das hier schon als ganz junger Beamter machen. Die meisten wollten im Streifenwagen sitzen und was erleben. Aber mir wird hier nie langweilig“.

 

Sie erreichen Jörg Bermbach hier:

joerg.bermbach@polizei.nrw.de

 

 

 

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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