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Kultur

„Das geht nicht, ich fühle euch“: Bemerkenswerter Film über die Malerin Oda Jaune

Donnerstag, 16. Juni 2016 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Heiko Specht / KHM

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Kamilla Pfeffer braucht nur von diesem Hinterhof in Paris zu erzählen, und schon möchte ich mehr wissen. Denn dort, im Viertel Saint-Germain, hat Oda Jaune ihr Atelier. Je mehr Kamilla von den Dreharbeiten und der Künstlerin erzählt, desto mehr freue ich mich auf den Film. Auch Markus Aust ist gekommen, er hat die Musik geschrieben. Für einen Film, für den das Wort „Dokumentarfilm“ fast zu schade ist. „Wer ist Oda Jaune?“ erzählt nicht nur von der aus Bulgarien stammenden Malerin und Witwe von Jörg Immendorff. Der Film erzählt auch davon, dass es ganz und gar nicht einfach ist, einen künstlerischen Prozess zu dokumentieren. Es ist somit auch ein Film übers Filmemachen.

Wir sitzen bei Susi in der Caffé Bar am Ubierring, die Wolken ziehen schnell über den Kölner Himmel, aber es ist warm genug, um gemütlich draußen zu sitzen.

Wo hast Du überall gedreht?
Kamilla: Vor allem in Paris, im kleinen Atelier von Oda Jaune. Dort war Ende des 19. Jahrhunderts eine private Malschule untergebracht. Hier konnten auch Frauen studieren, die waren damals noch nicht an der Kunstakademie, der Académie des Beaux Arts, zugelassen.

Wie bist Du auf Oda Jaune gestoßen?
Kamilla: In der Buchhandlung Walther König lag ein Bildband mit Aquarellen. Das Papier war hautfarben, die Bilder zart, pastellig – und die Motive erschreckend. Ich habe mich gefragt: Wer malt denn sowas? Der Name ‚Oda Jaune’ sagte mir nichts. Ich habe sie gegoogelt, wollte sie dann unbedingt kennenlernen. Ich hab’ ihrer Agentin geschrieben, mit der Idee, einen Film über sie zu machen. Die Antwort kam prompt: ‚Kein Interesse‘.

Wie hast Du sie dann trotzdem kennengelernt?
Kamilla: Ich bin nach Belgien zu ihrer Ausstellungseröffnung gefahren und habe sie in einem ruhigen Moment angesprochen. Danach hatte ich immerhin ihre Mailadresse. Ich hab’ mir dann ein Stipendium für Paris besorgt, weil ich dachte, vor Ort hätte ich eine Chance, mich ihr anzunähern. Nur hab ich sie in den vier Monaten, die ich dort war, nicht einmal erreicht. Erst am letzten Wochenende haben wir uns getroffen, in einem Café. Sie meinte: ‚Ich war den ganzen Sommer über in Bulgarien, zum Malen.’

Wie wirkte ihre Stimme auf Dich? Sie klingt ja sehr hoch und etwas kindlich.
Kamilla: Na und, die Stimme passt zu ihr. Mich hat das nicht irritiert. Sie ist, wie sie ist.

Markus: Mich hat das beschäftigt, auch wenn ich erst später zum Projekt dazukam. Denn Kamillas Stimme ist ja auch hoch und leicht. Diese Stimmen im Film – das flattert so drüber als Sound. Mich interessiert bei Dokumentarfilmen immer die Geräuschwelt: Bei „Wer ist Oda Jaune?“ haben wir das Malen, diese zwei Frauen-Stimmen und im Hintergrund die Stadt Paris. Das Geräusch des Malens hat ja auch so etwas Leichtes.

Kamilla: Meistens „spielt“ der Film im Atelier. Paris sieht man nur in wenigen, atmosphärischen Einstellungen.

Markus: Aber wir sehen etwas vom Licht in der Stadt. Es gibt so einen Grundton in beige, dazu die Dächer. Ich habe die ersten Bilder des Films gesehen, als das noch ein Vorschnitt war, also noch nicht mal der Rohschnitt. Kamilla war zu dem Zeitpunkt noch sehr unzufrieden. Aber ich habe da schon viele schöne Momente gefunden.

 

Markus Aust und Kamilla Pfeiffer.

?Welche??
Markus: Die Sequenzen im Atelier. Und der Blick in den Himmel. Alles war sehr real. Auch die Stimmen haben mir keine Sorgen gemacht. Für mich stellte sich eher die Frage, wie man akustisches Gewicht in den Film bekommt. Und das kann Musik ja gut.

?Kamilla: Ich mochte es, wie Markus auf Oda Jaunes Bilder reagiert hat. Er ist einer, der kein vorschnelles Urteil fällt.

Markus: Ja, alter Mann, Malerfürst – und junge Frau: das wäre leicht gewesen. Ich kannte Immendorffs Werke schon lange, ich mochte seine LIDL-Aktionen aus den Sechzigern (Anm. d. Red.; hat nichts mit dem Discounter zu tun, war damals ein Fantasiebegriff). Ich habe vieles im Museum Ostwall in Dortmund gesehen, die hatten auch Beuys und solche Sachen.

Und was hast Du auf Oda Jaunes Bildern gesehen?
Markus: Es sind Sachen, die man im Kopf hat, wenn man ein reiches, fantasievolles Innen- und Traumleben hat. Realistische und künstliche Dinge kommen zusammen. Da gibt es Kinder, die spielen mit etwas, das aussieht wie Fleischfetzen oder Organe von großen Tieren. Oder eine Frau, die mit einem Wesen ohne Kopf redet, das nur einen langen Hals hat und gar nicht zuhören kann. Es wäre spannend, wenn man die Bilder mal Grundschülern geben würde, gerade jetzt, in dieser medialen Welt mit den vielen Aliens.

Kamilla: Markus ist dem Thema liebevoll begegnet. Das hat mir gefallen. Er hat eine ähnliche Kindlichkeit in den Bildern von Oda und den frühen Arbeiten von Immendorff gesehen – der sich ja auch ihren Namen ausgedacht hat (Anm. d. Red. Sie heißt eigentlich Michaela Danovska).

Ein Mann gibt seiner Frau einen neuen Namen: Das könnte man auch anmaßend finden.
Kamilla: Wieso? Es war ihr Wunsch, sie hat ihn darum gebeten.

Also eher spielerisch?
Kamilla: Auf jeden Fall.

Markus: Immendorff war gut im Erfinden. Und er hat ihr ja auch einen Pass mit dem Namen gebastelt.

Kamilla: Es ist ein Reisepass, ausgestellt im Staate ‚Gyntiana’, dem Land, in dem alles möglich ist – in Anspielung also auf das Stück ‚Peer Gynt‘ von Henrik Ibsen. So kamen Markus und ich auf die Idee, Edvard Griegs Musik zu nutzen, sehr frei allerdings.

Markus: Ja, das waren meine Peer-Gynt-Studien. Und als Oda Jaune später auf der Premiere die Musik hörte, sagte sie nur ein Adjektiv dazu: liebevoll.

Klingt kitschig.
Markus: Für mich war das ein großes Kompliment.

Wie waren die Dreharbeiten mit ihr??
Kamilla: Nicht einfach. Gleich am ersten Tag in ihrem Atelier dreht sie sich nach gut einer Stunde um und sagt: „Das geht nicht, ich fühle euch.“ Unsere Anwesenheit hat ihren Mal-Prozess gestört, die Verbindung zwischen Hirn und Hand, erklärte sie.

Was habt ihr dann gemacht?

??Kamilla: Wir waren ja ein kleines Zwei-Frauen-Team: Die Kamerafrau Magdalena Hutter und ich. Wir merkten: Wenn das mit dem Drehen so nicht geht, dann müssen wir vielleicht dieses Problem auch zum Thema machen. Außerdem hab’ ich mir zusätzlich zu unseren situativen Beobachtungen im Atelier andere filmische Ebenen überlegt…

Was für Ebenen waren das?
Kamilla: Ich habe zum einen dann Leute in Berlin und Paris interviewt, die Oda Jaune kennen und sich mit ihrer Kunst beschäftigen: ihren Galeristen Daniel Templon und die Sammlerin Anouk Martini, die ein Aquarell von ihr besitzt. Ich wollte wissen, wie sie Oda Jaune und ihre Bilder deuten? Den Schauspieler Lars Eidinger hab’ ich besucht, den Künstler Jonathan Meese in seinem riesigen Atelier, und Thomas Ostermeier, den Intendanten der Berliner Schaubühne.

Markus: Man erfährt viel Neues über all’ diese Leute. Da ist viel Ehrlichkeit in ihren Worten.

Kamilla: Lars Eidinger zum Beispiel spricht über den krassen sexuellen Aspekt in Oda Jaunes Werk. Meese artikuliert in der ihm üblichen Vehemenz, was er von der eher leisen  Kollegin hält…

Und die zweite Ebene?
Kamilla: Ich hab’ Oda in Anlehnung an den sogenannten Proust-Fragenbogen etwa 50 Fragen zu ihrer Person und ihrer Malerei gestellt. Ein zweistündiges Frage- und Antwortspiel, das für mich und wohl auch für Oda einen tollen Verlauf nahm. Sie, sonst eher schüchtern und misstrauisch, ließ immer mehr Nähe zu, und unser Gespräch entwickelte sich zu einem intimen Austausch. So sahen das jedenfalls etliche Besucher, die mir das im Februar nach der Berlinale-Premiere gesagt haben.

Habt vielen Dank für das Gespräch.

 

Der Film „Wer ist Oda Jaune?“ läuft ab Donnerstag immer um 19.45 Uhr in der Filmpalette

 

Zum Startdonnerstag am 23. Juni, um 19.00 Uhr, wird die Regisseurin Kamilla Pfeffer zum Regiegespräch im Cinema Kino Düsseldorf zu Gast sein.

Weitere Sondervorführungen:
24. Juni – 20.00 Uhr
Berlin, Babylon Mitte
Gäste: Regisseurin Kamilla Pfeffer und die Protagonistin Oda Jaune

26. Juni – 11.00 Uhr
Hamburg, Abaton Kino
Zu Gast ist Regisseurin Kamilla Pfeffer.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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