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Sport

Der eigenen Stärke nicht vertraut

Samstag, 30. Juni 2012 | Text: Roger Lenhard | Bild: "Meine Südstadt"

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Deutschland verliert verdient durch zwei Balotelli Tore gegen Italien. Der Anschlusstreffer nach Elfmeter durch Mesut Özil kam zu spät.
An Tagen wie diesen hat man wenig Lust ein Spiel zu kommentieren. Zu groß ist die Enttäuschung direkt nach dem Spiel und zu der Enttäuschung kommt der Groll am nächsten Morgen. Zwar sagt der große Ex-Fußballer und jetzige TV Kommentator Mehmet Scholl, es sei billig nach einem verlorenen Spiel über Fehler des Trainers zu diskutieren, weil es doch nur Spekulationen seien. Doch dann darf auch nach gewonnenen Partien nicht gelobt werden. Und Jogi wurde gelobt, ob der Aufstellung zu Anfang des Turniers, ob der Spielweise und der taktischen Finessen und nicht zuletzt ob der Umstellungen im Griechenlandspiel. Löw hatte immer alles richtig gemacht, war der allgemeine und auch mein Tenor.

 

Aber Lob ist genauso spekulativ, weil unterstellt wird, dass der Trainer von einer Vielzahl von Möglichkeiten in strategischer, taktischer und personeller Hinsicht die richtigen gewählt hat. Einziger Beleg ist der Erfolg, und dass jener nach dem Spielverlauf nicht glücklich oder zufällig war. So ist es nicht nur menschlich sondern auch legitim, nach einer Niederlage zu behaupten, von den vielen Möglichkeiten, die der Trainer hatte, wurden die falschen gewählt. Löw äußerte sich vor dem Spiel, er wolle „frech und mutig“ spielen lassen, und die deutsche Mannschaft wolle ihr Spiel durchsetzen. Das Gegenteil war der Fall. Löw vertraute nicht deutscher Spielstärke sondern misstraute ihr. Statt Schürrle und Klose standen wieder Podolski und Gomez in der Startaufstellung, für Reus kam Kroos ins Team, was erst einmal nicht unplausibel war, sollte doch das Mittelfeld gestärkt und Andrea Pirlo´s freies Schalten und Walten gestört werden. Doch damit veränderte sich das eingespielte System von vier Abwehrspielern, zwei defensiven und drei offensiven Mittelfeldspielern und einem Stürmer zu einem 4-3-3 System.

 

Podolski spielte links und Ozil rückte nach rechts, spielte dann jedoch meistens zentral, um besser einbezogen zu sein. Das hatte Konsequenzen: Die rechte Seite war als Anspielstation verwaist und defensiv nicht doppelt besetzt. So konnte der linke italienische Verteidiger Chiellini vor dem 0:1 unbehelligt bis zur Strafraumgrenze vordringen, wo er Pirlos langen Ball annehmen und auf Cassano weiterleiten konnte. Podolski und Gomez blieben blass und schwächten – neben der meistens unbesetzten rechten Seite – das Angriffsspiel.

Zu einigen Chancen kam die deutsche Mannschaft trotzdem, und alles wäre gut geworden, wenn der Umbau dem italienischen Spiel tatsächlich dessen Stärke genommen hätte. Vor der kompakten Abwehr zog Pirlo die Fäden, flankiert von zwei kampf- und spielstarken defensiven Mittelfeldspielern und einem etwas offensiveren Akteur. Weit in des Gegners Hälfte warteten zwei schnelle und trickreiche Stürmer auf Zuspiele. Die Bälle wurden den Stürmern nicht kurz zugetragen, sondern oft aus der eigenen Hälfte risikoreich zugespielt. So kamen die Italiener zu Chancen und behielten ihre Grundordnung bei.

 

Anders die Deutschen, die weit aufrückten, um Torgelegenheiten zu kreieren. Mit dem Effekt, dass insbesondere Stürmer Balotelli oft nur einen Verteidiger bei einem der vielen vertikalen Bälle gegen sich stehen hatte. So war der Torerfolg dieses Ausnahmestürmers nur eine Frage der Zeit. In der 36. Minute war es soweit. Nach einer Ecke waren die Deutschen weit, viel zu weit aufgerückt. Ein langer Ball auf Balotelli der zwischen Lahm und Podolski, den Sicherungsspielern in der eigenen Hälfte, einfach durchgeht und fulminant zum 0:2 ins Tor drischt. So reaktionslos habe ich Manuel Neuer noch nicht gesehen.

Dieses Spiel mit den langen vertikalen Bällen in die Sturmspitze hätte schon fast gegen Spanien in der Vorrunde zum Erfolg geführt und wurde von der italienischen Mannschaft im ganzen Turnier praktiziert. Die Deutschen waren durch Jogi Löw darauf nicht oder nur unzureichend vorbereitet. Auch kamen die Deutschen mit dem überfallartigen Pressung der Italiener nicht gut klar.

In der zweiten Halbzeit korrigierte Löw seine Umbaupannen, und es spielten Reus und Klose für Podolski und Gomez. Kroos ging auf die rechte Seite, Reus auf die linke und Özil spielte in der Mitte vor Klose. Gleich wurde das Spiel variantenreicher und gefählicher. Die Italiener hatten in den ersten zwanzig Minuten große Probleme, und ein frühes Anschlusstor schien möglich. Endlich spielten die Deutschen ihr Spiel, das in der ersten Hälfte vermisst wurde und erarbeiteten sich ein klares Übergewicht mit vielen Torchancen. Der kluge italienische Trainer brachte in dieser Phase zwei defensive Zentrumsspieler,  und die Italiener gewannen zunehmend die Spielkontrolle zurück. Mit Thomas Müller für Boateng spielte Löw zum Schluss Sturm-Harakiri. Weil die Italiener viele erstklassige Konter nicht abschließen konnten, durfte bis zum Schluss gehofft werden. Der Treffer von Özil (92. Minute) kam zu spät.

Der italienische Trainer Prandelli sagte nach dem Spiel, seine Strategie sei gewesen, das deutsche Team unter Druck zu setzen. Joachim Löw´s Strategie war es, Andrea Pirlo auszuschalten. Prandelli vertraute der Stärke seine Mannschaft, Jogi Löw nicht. Das Ganze erinnert an das Halbfinale gegen Spanien bei der WM 2010. Auch dort fehlte der Mannschaft das selbstbewusste eigene Spiel und der letzte Wille zum Triumph.

 

Löw ist der Trainer, der die Ländermannschaft zur Weltspitze geführt hat, ob er auch ein Titeltrainer ist, kann er in zwei Jahren bei der WM in Brasilien erneut beweisen. Ich glaube es nicht.

 

Text: Roger Lenhard

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