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Kultur Südkids

Der Krakeeler

Sonntag, 7. April 2013 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Er ist laut. Er schreit herum. Er dominiert seine Frau und seine Tochter, beschwert sich über die Unordnung, brüllt, hämmert, klappert und steckt dabei in seiner kleinen engen Kiste fest, die er nicht einmal verlässt, wenn er sich zum Essen an den Tisch setzt.

Der Krakeeler ist ein Theaterstück für Kinder ab vier Jahren, entstanden nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Moni Port und dem Illustrator Philip Waechter. Am 6. April wurde das Stück unter der Regie von Andrea Kramer in einer Koproduktion des Comedia Theaters und des Consol Theaters aus Gelsenkirchen in der Vondelstraße uraufgeführt.

Helene ist viel leiser als ihr Vater. Sie spielt mit ihrer Mutter, tobt mit ihrem kleinen Bruder und übt die Tonleitern auf der Geige. Im Grunde ist alles perfekt so. Nur ihr Vater ist viel zu laut. „Wie wird man eigentlich ein Krakeeler?“, will sie daher eines Tages von ihrer Mutter wissen. In seiner Familie seien alle so, erklärt die Mutter. „Wenn du willst, dann kannst du auch ein Krakeeler werden.“ Aber das will Helene gar nicht.

Kontraste werden auf der Bühne wahrnehmbar

Das Drei-Personen-Stück kommt sowohl sehr laut und als auch wieder leise daher. Darum soll es an diesem Nachmittag im Comedia Theater gehen: Um den Kontrast zwischen laut und leise. Die Musik nimmt dieses Thema auf, ebenso die gesamte Bühnendekoration. Und in gewisser Hinsicht wird dies sogar auch durch die Sitzordnung der Zuschauer aufgegriffen: In der Mitte des Zuschauerraums sind die Stufen nicht mit Stühlen, sondern mit Kissen belegt. Hier sitzen die Knirpse und verfolgen gebannt das Geschehen auf der Bühne. Die Großen müssen sich mit den Plätzen am Rand zufrieden geben.

Helene versucht sich ein paar mal mit Protest. Mit ihrer Geige kann sie wunderbar nervtötende Geräusche erzeugen. Doch das gefällt ihr eigentlich nicht. Daher beschließt sie, sich einen anderen Ort zu suchen, an dem sie leben kann. Zuhause ist es ihr zu laut. Sie nimmt ihr Leben in die Hand und löst damit bei ihrem Vater Verzweiflung aus. Erst jetzt begreift er, dass seine Tochter ihn zu laut findet. Er will, dass sie zurück kommt und er ist es schließlich, der die geballte Angst in dieser Situation verkörpert.

Genussvolle Verbindung von Musik und Schauspiel

Marlene Zilias spielt nicht nur beeindruckend die kleine Helene, sondern auch wunderbar Geige. Die Verbindung von Musik und Schauspiel ist in ihrer doppelten Ausbildung begründet: Ihr Leben lang spielt sie schon Geige, war Konzertmeisterin im Landesjugendorchester Hessen und absolvierte dann ihre Schauspielausbildung an der Theaterakademie Köln. Diese Kombination ist ein großer Reiz gerade für das Kindertheater, denn die Faszination, die Musiker auf der Bühne auf Kinder ausüben, ist ungebrochen.

Mit dem Aufbrechen der klassischen Familienstrukturen verändert sich auch die Bereitschaft des Vaters, seinem Kind zuzuhören, als es zurückkehrt. Alle drei Figuren auf der Bühne positionieren sich in der veränderten Welt neu. Und schließlich bekommt Helene die Position zugewiesen, die ihr gebührt: Sie ist ein Kind, das Aufmerksamkeit und Unterstützung beider Elternteile benötigt.

Starke Figuren, die Einsicht zeigen

Franco Melis gibt in diesem Stück den erst lauten, dann später einsichtigen Vater. Regelmäßige Comedia-Besucher kennen ihn längst als charakterstarken Schauspieler aus anderen Produktionen. Erstaunlicherweise wird er von den kleinen Zuschauern als Sympathieträger wahrgenommen, obwohl er zu Beginn so viel Krach macht. Er stellt seine Figur als so nachvollziehbar in sich gefangen dar, dass auch die Kleinen bemerken, wie schwer er aus sich heraustreten kann.
Dorothea Förtsch mimt an diesem Nachmittag Helenes Mutter. Die Rolle ist etwas undankbar, weil sie als Vermittlerin zwischen Vater und Tochter immer ein wenig unscharf bleibt. Dennoch gelingt Förtsch der Spagat, den anderen beiden Figuren gerecht zu werden. Dabei nimmt sie sich in der steten Freundlichkeit und dem Verständnis für alle Ereignisse und Verhaltensweisen sehr zurück, bleibt im Hintergrund und manches Mal möchte man ihr zurufen, sich klarer zu positionieren.

Selbstbestimmung und Freiheit

Als Helene zurück im Kreise ihrer Familie ist, übernimmt sie das Ruder. Sie bestimmt die Lautstärke. Sie spielt Geige und beeindruckt damit ihre Eltern. Plötzlich kann ihre Vater auch außerhalb seiner Kiste existieren, kann ihr zuhören. Und Helene darf so laut spielen, wie die Musik es manchmal verlangt. So wird das Theaterstück Der Krakeeler zu einem wunderbaren Lehrstück über die Freiheit des Einzelnen und darüber, wie man seine Bedürfnisse äußert. Ein lohnenswerter Besuch für Kinder und Erwachsene, denn das Stück funktioniert auf vielen Ebenen, für alle Altersgruppen.

Besondere Aufmerksamkeit gebührt der Ausstattung in diesem Stück, denn auf der Bühne räkelt sich ein 13 Meter langer Teppich aus geknüpften Stoffstreifen. Sabine Kreiter, die dafür gerade steht, arbeitete daran drei Wochen lang – mit Unterstützung des gesamten Theater-Teams.

Nach Ende des Stücks sitzen im Foyer des Comedia Theaters zwei Jungs an den hohen Stehtischen, halb versteckt hinter aufgestellten Programmheften des Hauses. Sie sehen mich erwartungsvoll an. „Wir sind hier die Chefs“, erklären sie mir mit ernster Mine. Aha. „Und ich bestimme, dass hier ein Kino rein soll“, sagt einer der beiden. Hat ihnen das Stück etwa nicht gefallen? „Dooooooch!“ Sie haben verstanden, dass sie ihre Meinung und Bedürfnisse kundtun dürfen. Und das tun sie. Wenn das nicht mal ein Erfolg des Theaters ist.

 

Der Krakeeler (UA) im Comedia Theater

Von Moni Port und Philip Waechter (4+)
Mit Dorothea Förtsch, Franco Melis, Marlene Zilias?

Regie: Andrea Kramer?

Musik: Frieder Zimmermann?

Ausstattung: Sabine Kreiter??

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Weitere Termine:
8./23./24./25. April, 10:30 Uhr
20./21. April, 15 Uhr
24. April, 16 Uhr
 

Text: Stephan Martin Meyer

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