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Die Brache in Bayenthal ist zum Politikum geworden

Montag, 18. Februar 2013 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wenn man im Spätsommer die Alteburger Straße entlang wanderte, auf dem Weg von der Südstadt nach Bayenthal, und den Blick nach rechts wandte, konnte man vor allem zweierlei sehen: Emsige Gärtner, die häufig ganze Schulklassen in die Geheimnisse von Feldsalat oder Dicken Bohnen einweihten. Und etliche Bagger – am Werk, die letzten Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Dom-Brauerei abzureißen. Letzteres speziell für die Insassen vieler Buggys, deren Mütter eine kleine oder eben längere Pause auf ihrem Spaziergang einlegten, ein Heidenspektakel…

 

Längst ist Fahrt auch in die Diskussion darüber gekommen, was denn eigentlich nun aus der Fläche werden soll, die momentan vom Verein Kölner NeuLand mit einem mobilen Gemeinschaftsgarten zwischengenutzt wird. Vor allem seit die Idee aufkam, hier solle das Justizzentrum neu gebaut werden, haben sich die Gemüter erregt. Elke Tonscheidt hat bei Betroffenen nachgefragt, wie sie die Situation beurteilen.

 

Die Fakten: Für jedermann nachlesbar erklärt die Stadt auf ihrer Internetseite die Grundlagen des Entwurfs eines Entwicklungskonzeptes südliche Innenstadt-Erweiterung (ESIE), der auch den städtebaulichen Masterplan Innenstadt von Prof. Albert Speer berücksichtigt: „Erste Zielsetzung ist dabei die Fortführung des Inneren Grüngürtels mit einer angemessenen Breite bis zum Rhein. (…) Der neue Innere Grüngürtel soll zukünftig städtebaulich gefasst werden mit Dienstleistungs- und Wohnnutzungen im Norden, entlang des Eisenbahnrings. Auf den ehemaligen Brauereiflächen schlagen wir eine neue Wohnbebauung und den Neubau einer weiterführenden Schule vor.“

 

Bürgerinitiative „Kein Justizzentrum“: Gefahr der Verschleppung

 

Genau richtig, sagen Pui von Schwind und Oswald Pannes. Denn, so sind sie sich sicher: „Vor allem der Bau von Wohnungen und einer weiteren Schule entspricht dringenden Erfordernissen, die aus dem akuten Mangel an – vor allem bezahlbarem – Wohnraum und der drastischen Unterversorgung der Kölner Schullandschaft in Bezug auf Gesamtschulkapazitäten resultieren.“

 

Die zwei, und mit ihnen weitere Bürger, sind alarmiert. Die Idee, die ehemalige Brache für den Neubau des Justizzentrums zu nutzen, das derzeit noch in der Luxemburger Straße angesiedelt ist, lehnen sie strikt ab. Stattdessen engagieren sie sich in der Initiative „Kein Justizzentrum in Bayenthal“. Und seitdem die Diskussion auch die Landesebene erreicht hat – das Land ist Eigentümer der ehemaligen Brache, verwaltet durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Köln – wird es immer hitziger: Der Vorwurf, hier werde, für Köln nicht untypisch, mal wieder etwas durch Untätigkeit verschleppt, steht im Raum. Schließlich habe die Stadt Planungshoheit und könnte beschleunigen, wenn sie wollte.

 

Wortgewaltig greifen sie die Stadt an: „Wenn sich nun die SPD, wie auch die Grünen, in Duldungserstarrung begeben, ist darin der faktische Verzicht auf die Realisierung der ESIE-Konzeption zu sehen. Möglicherweise verbunden mit einer klammheimlichen Erleichterung darüber, dass das klamme Stadtsäckel nicht auch noch durch den Erwerb der Dombrauerei-Brache belastet wird. Hinterher lässt sich dann trefflich darüber lamentieren, dass es der Stadt durch das Beharren des Landes ‚unglücklicherweise‘ unmöglich gemacht wurde, die Liegenschaft käuflich zu erwerben, und dass es somit leider nichts wurde mit Wohnungs- und Schulbau.“

 

 

Grüne: Justizzentrum widerspricht ESIE

 

Ganz untätig sind die Grünen aber nicht, zumindest hat sich jüngst der Ortsverband Rodenkirchen gemeldet. Dessen Position ist ähnlich wie die der Bürgerbewegten: Ein Justizbau würde der vom Rat am 20. September 2012 einstimmig beschlossenen ESIE-Umsetzung „komplett widersprechen“. Für sie, namentlich die Sprecherin Dr. Sabine Müller, ist die abwartende Haltung seitens der Kölner Verwaltung sogar „riskant“. Daher plädiert Müller: „Wir halten es nicht für ratsam, wie das Kaninchen vor der Schlange zu hocken und sich möglichst nicht zu bewegen.“

 

CDU: SPD ohne Visionen

 

Ähnlich argumentiert Karl Jürgen Klipper, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses und stv. CDU-Fraktionsvize. Im Interview mit „Meine Südstadt“ erklärt der Diplom-Kaufmann heute: „Dem Oberbürgermeister wie der SPD fehlen derzeit sämtliche Ideen und Visionen für die Stadtentwicklung, dies gilt insbesondere für den Wissenschaftsstandort und Dienstleistungsstandort.“

 

Bürgerverein Bayenthal-Marienburg: Keine Blockadesituation

 

Dabei klingt es, bei rationaler Betrachtung der Dinge, so einfach. Dr. Hartmut Hammer, Vorsitzender des Bürgervereins Köln-Bayenthal-Marienburg e.V. bringt die Dinge, ganz der Naturwissenschaftler, engagiert aber ohne zu viel Emotion auf den Punkt: „Wir brauchen eine organische Verbindung zwischen Südstadt und Bayenthal, die abends nicht tot ist. Das darf z.B. auch ein Wochenmarkt sein. Was nicht geht, ist eine isoliert geplante Bebauung, die zudem abends zu einer Blockadesituation führt. Damit ist niemanden geholfen.“

 

NeuLand: Garten zieht um, bezahlbarer Wohnraum entsteht

 

Stefan Rahmann aus dem Vorstand von NeuLand setzt noch einen drauf: „Wir würden hier gern einen ordentlich öffentlich geförderten Wohnraum sehen. Und wir, die fast bürgerlichen Gärtner, sind sicher nicht das Problem. Uns war immer klar, dass wir als mobiler Garten mal woanders hinkommen. Wir ketten uns bestimmt nicht an, sind ja bereit umzuziehen. Alles, was wir brauchen, ist eine Fläche im verlängerten Grüngürtel, die für die, die jetzt schon mitmachen, gut erreichbar ist. Und wir möchten, dass dann da, wo wieder eine Lücke entsteht, etwas Vernünftiges entsteht: Eben Wohnungen für Menschen, die bezahlbar sind.“

 

Wohin mit dem Verkehr?

 

Genau hier sieht Hammer aber das Hauptproblem: „Die Stadt plant häufig einfach nicht integrativ genug. Da plant man eine Bebauung, die für sich allein betrachtet, ja ok sein kann – das Umfeld, die gesamte Struktur eines Viertels jedoch vernachlässigt. Daraus ergeben sich dann immer neue Probleme, allen voran die Herausforderung der Verkehrsinfrastruktur.“ Würde man die Verkehrssituation spiegeln, die alle derzeitigen Planungen für Bayenthal, Marienburg und die angrenzenden Stadtbezirke mit sich brächten, komme man auf rund 20.000 zusätzliche Fahrbewegungen pro Tag, rechnet er vor. „So ein Konzept fährt doch gegen die Wand, wenn die alle durch unsere Viertel wollen“, sagt Dr. Hammer. Den Optimismus verliert er dennoch nicht. „In anderen Stadtteilen ist es doch auch gegangen – und wir sollen den Ausputzer spielen?“

 

Man hört ihn lächeln auf der anderen Seite des Telefons und ist sich zugleich gewiss: Schnell aufgeben wird der Bürgervereinsvorsitzende nicht – genauso wenig wie Pui von Schwind, Oswald Pannes oder Stefan Rahmann. Sie alle werden sich noch häufig zu Wort melden. Unverzüglich müsse die Stadtspitze den Landesministerien gegenüber auf Verhandlungen zur Verwirklichung des ESIE-Konzeptes bestehen. Anders kriege man die Idee vom Justizzentrums-Neubau, argwöhnt Pui von Schwind, nicht mehr vom Tisch. Und Dr. Sabine Müller bereichert diesen mit einem anderen Vorschlag: „Denkbar wäre aus Grüner Sicht das leer stehende Gebäude der Deutschen Welle“, so heißt es im Flugblatt. Ob das machbar sei, sagt sie am Telefon, wisse sie zwar auch nicht, aber Alternativen müssten erörtert werden. Die Diskussion wird andauern…

Text: Elke Tonscheidt

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